Deutsches Jungvolk

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Fanfarenkorps des Jungvolkes in Worms 1933
Gliederung der Hitler-Jugend und deren Teilorganisationen.
Erscheinungsjahr 1934
Pimpf mit Marschgepäck auf Osterfahrt 1938

Das Deutsche Jungvolk (DJ), kurz auch als Jungvolk bezeichnet, war eine Jugendorganisation der Hitler-Jugend für Jungen zwischen zehn und 14 Jahren. Danach wurde, wer nicht Jungvolkführer (siehe unten ab 7. Jungenschaftsführer) geworden war und als solcher in Übereinstimmung mit höheren Jungvolkführern im Jungvolk bleiben wollte, in die Hitler-Jugend überwiesen. Ziel der Organisation war es, die Jugend im Sinne des Nationalsozialismus zu indoktrinieren, in Loyalität zu Adolf Hitler zu erziehen und vormilitärisch auszubilden. Die Mitglieder des Deutschen Jungvolks nannten sich offiziell „Jungvolkjungen“, im lockeren Sprachgebrauch Pimpf.

Die Organisation war ein Teil des nationalsozialistischen Konzepts, alle Lebensbereiche der Menschen gleichzuschalten und zu beherrschen. Als Jugendorganisation bestand das Deutsche Jungvolk bis zum Zusammenbruch des Nationalsozialismus im Jahre 1945.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Begriff Jungvolk wurde von nationalistisch geprägten Ablegern der Wandervogel-Bewegung in Wien nach Ende des Ersten Weltkriegs geprägt. Im Sommer 1930 verbanden sich österreichische und reichsdeutsche Gruppen in Absprache mit der Leitung der Hitler-Jugend zum Deutschen Jungvolk, Bund der Tatjugend Großdeutschlands.

Mit dem Rücktritt Kurt Grubers vom Amt des Reichsführers der HJ im März 1931 wurde die HJ-Zentrale von Plauen nach München verlegt und der bislang selbstständige Bund Deutsches Jungvolk wurde der HJ angegliedert: 15-Jährige mussten zur eigentlichen HJ, 18-Jährige weiterhin in die SA wechseln.

Der Anspruch der führenden Funktionäre der HJ bestand darin, so Arno Klönne, „die Gesamtheit der Jugend, wie auch den gesamten Lebensbereich der junge Deutschen (zu) erfassen“.[1] Nach der „Machtergreifung“ Hitlers 1933 wuchs durch Verbot, Auflösung, Selbstauflösung, Übertritt und Übernahme anderer Jugendverbände die Mitgliedschaft im Deutschen Jungvolk stark an. Gemäß dem Gesetz über die Hitlerjugend vom 1. Dezember 1936 sollte die gesamte deutsche Jugend nach den Grundsätzen des Führerprinzips in der Hitlerjugend zusammengefasst werden, wo sie neben Schule und Elternhaus „körperlich, geistig und sittlich im Geiste des Nationalsozialismus zum Dienst am Volk und zur Volksgemeinschaft“ erzogen werden sollte.[1]

In der Anfangszeit des „Dritten Reiches“ hatte das bündische Element noch beträchtlichen Einfluss im Deutschen Jungvolk. Viele Bündische unterschätzten nicht nur die Macht der nationalsozialistischen Jugendorganisationen, sondern verhielten sich dem Nationalsozialismus gegenüber entweder direkt zustimmend oder doch zumindest anerkennend. Das traditionelle Lied- und Schriftgut wurde im Jungvolk weiter gepflegt, bestimmte Zeltformen und Musikinstrumente verwendet und eine gruppenspezifische Kluft getragen. Ehemals bündische Jugendführer gestalteten die Zeitschrift Deutschen Jungvolk maßgeblich mit. Dies änderte sich durch die Säuberung der nationalsozialistischen Jugendorganisationen nach dem 30. Juni 1934.[2] Spätestens 1936 waren die bündischen Traditionen in den Leitungsformationen des Jungvolks ausgeschaltet. Allein an der Basis scheinen bündische Traditionen, wenngleich zunehmend verdeckt, weiter bestanden zu haben.[3]

Ende der 1930er Jahre zeigte sich aber auch, dass immer mehr Jugendliche sich dem Drill und Zwang zu entziehen versuchten. Von den vielen Jugendlichen hingegen, die gerne bei den Jungvolk-Gruppen mitmachten, taten dies nur relativ wenige aus politischer Überzeugung, sondern vor allem wegen des jugendlichen Gemeinschaftslebens, der Karriereangebote und der sportlichen Aktivitäten. Matthias von Hellfeld und Arno Klönne argumentieren, dass durch die nationalsozialistischen Jugendorganisationen wie das Jungvolk keine „breitere Schicht von fanatisch-aktiven jungen Nationalsozialisten“ herausgebildet wurde, sondern man allenfalls die „Dressur der Jugendlichen zur Systemanpassung, zum Verzicht auf politische und gesellschaftliche Willensbildung und Spontaneität“ erreichte, was einer „politisch-gesellschaftlichen Entmündigung der Jugend“ gleichkam.[1]

In der Zweiten Durchführungsverordnung (Jugenddienstverordnung) zum Gesetz über die Hitlerjugend vom 25. März 1939 wurde die Zwangsmitgliedschaft im Deutschen Jungvolk festgelegt. Zum Dienst während des Zweiten Weltkriegs gehörten Aufräumaktionen und Sammelaktionen für Kleider, Altmetall bzw. das Winterhilfswerk.

Das Deutsche Jungvolk wurde als Untergliederung der Hitlerjugend nach Kriegsende durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 verboten und aufgelöst, sein Vermögen beschlagnahmt.

Organisatorische Gliederung[Bearbeiten]

Einheiten des Deutschen Jungvolks (DJ)[Bearbeiten]

  • Jungenschaft – umfasst etwa zehn bis 15 Jungvolkjungen
  • Jungzug – umfasst im Allgemeinen drei Jungenschaften
  • Fähnlein – umfasst im Allgemeinen vier Jungzüge (wegen jahrgangsweiser Gliederung)
  • Jungstamm – umfasst vier Fähnlein (abhängig von den Örtlichkeiten)
  • Jungbann – umfasst etwa fünf Stämme (abhängig von den Örtlichkeiten)

Die Jungvolkeinheiten waren nur bis zum Jungbann selbständig. Ab der Organisationsebene Gebiet hatten Hitler-Jugend und Deutsches Jungvolk gemeinsame Dienststellen.

Ein Jungvolkjunge (Pimpf)

Dienstgrade[Bearbeiten]

  1. Jungbannführer
  2. Jungstammführer
  3. Fähnleinführer
  4. Oberjungzugführer
  5. Jungzugführer
  6. Oberjungenschaftsführer
  7. Jungenschaftsführer
  8. Oberhordenführer
  9. Hordenführer
  10. Jungvolkjunge (Pimpf)

Der Dienstrang war zu unterscheiden von der Dienststellung (Aufgabe). Dienststellungen gab es im Jungvolk vom Jungenschaftsführer bis zum Jungbannführer, auch Hauptjungzugführer war eine Dientstellung. Letztere wurde durch Schnüre in verschiedenen Farben kenntlich gemacht. Der Dienstrang ergab sich durch Rangabzeichen auf dem Ärmel, z. B. Hordenführer durch einen Winkel, Oberhordenführer durch zwei Winkel; für die höheren Ränge durch Sterne und Litzen auf der Achselklappe.[4]

Uniformierung im Deutschen Jungvolk[Bearbeiten]

Worms 1933: Jungvolkjungen mit Werbeschildern − Hitlerjugend, Deutsches Jungvolk

Muster 1934[Bearbeiten]

Die Uniformierung der Pimpfe war in der Bekleidungsvorschrift, herausgegeben von der Abteilung I der Reichsjugendführung streng vorgegeben. Sie unterschied sich nach jahreszeitlichen Gesichtspunkten (Sommer- und Winteruniform) und nach der Art des Dienstes (Kleiner Dienst und Großer Dienst).

Der Kleine Dienst umfasste Aktivitäten, die vorwiegend in Innenräumen durchgeführt wurden. Hierzu war eine bestimmte Uniformierung vorgeschrieben. Die kurzen schwarzen Hosen mit einer vorgeschriebenen Länge "Handbreit über dem Knie", wurden ergänzt durch graue Kniestrümpfe, die dann allerdings meist als "Marscherleichterung" bis unter Knöchelhöhe herabgerollt wurden. Nur die Pimpfe des Gebiets Hochland (Bayern) trugen dekorative wollene Trachtenstrümpfe in Weiß.

Der Große Dienst umfasste solche Aktivitäten, die sich draußen, im Gelände, bei Geländespielen und bei mehrtägigen Fahrten abspielten. Zum Großen Dienst wurden als zusätzliche Ausrüstungsstücke das DJ-Marschgepäck mit Tornister (Affe), Schlafdecke, Zeltbahn mit Zeltzubehör (Zeltstange, Zeltleine und Hering), Essgeschirr mit Essbesteck, Feldflasche mit Trinkbecher und der Brotbeutel vorgeschrieben.

Je nach den zu erwartenden Anforderungen konnte die volle Ausrüstung oder Ausstattung des Großen Dienstes auch stufenweise aus Gewichtsgründen auf Befehl um bestimmte (nicht notwendige) Ausrüstungsstücke verringert werden. Das betraf z. B. den Tornister (Affen) mit seiner Füllung (Ersatzwäsche, Ersatzschuhe, Taschenlampe, Schreibzeug, Sportzeug, Waschzeug (Kulturbeutel), Schuhputzzeug, Eiserne Ration und Verpflegung für einen Tag), die Schlafdecke, Zeltbahn und Zeltzubehör, das Essgeschirr, die Feldflasche mit Inhalt usw.

Uniformierung zu späteren Zeitpunkten[Bearbeiten]

Pimpfe in Uniform bei der Nachbarschaftshilfe („Kriegsdienstpflicht“)

Bestimmte vorgeschriebene Elemente der Uniformierung nach Muster 1934 erwiesen sich in der Folge als unzureichend oder erforderten bestimmte sonstige Modifizierungen. So wurde bei der Jungvolkbluse der Winteruniform der große (Kieler) Kragen ersetzt durch einen normalen kleineren Umschlagkragen.

Das Schiffchen, das eine vorrangig dekorative Rolle spielte und funktionell sinnlos war, wurde bei der Sommeruniform ersatzlos weggelassen (es wurde bei dieser im praktischen Dienst sowieso meist auf der Schulter unter dem Schulterriemen getragen). Das Schiffchen wurde bei der Winteruniform ersetzt durch die neu eingeführte schwarze DJ-Winterdienstmütze mit HJ-Abzeichen und Schweißleder. Sie besaß herabklappbare Ohrenwärmer, die aber nur auf Befehl zum Einsatz kamen.

Bei der Winteruniform erwiesen sich die vorgeschriebenen kurzen Hosen mit bloßen Knien bei kaltem Wetter als unzureichend. Bald wurde den Pimpfen gestattet, lange gestrickte wollene Strümpfe oder selbst gestrickte Gamaschen zur Winteruniform zu tragen. Weil das sicher nicht zu Unrecht als sehr unattraktiv angesehen wurde, bürgerte es sich ein, zur Winteruniform die lange dunkelblaue DJ-Skihose (sogenannte Überfallhose) zu tragen. Die langen Hosenbeine wurden bei dieser auf der Höhe der Knöchel mit einem Schnürband zugebunden. Ursprünglich entstammte diese Überfallhose (ebenso wie die oben erwähnte DJ-Winterdienstmütze) der normalen Ausrüstung von DJ-Sonderformationen (den Ski-Sport-Einheiten). In der Folge nahm die Anzahl der zur Winteruniform getragenen kurzen Hosen ab. Gleichzeitig wurde auch die Farbe der Winterdienstbluse von Schwarz auf Blau verändert.

Pimpfenprobe[Bearbeiten]

Auf die Pimpfenprobe wurden die Jungen in Heimnachmittagen, auf dem Sportplatz und mit der Teilnahme an Fahrten (z. B. Zeltlagern) vorbereitet.

Die Prüfungsbestimmungen vom 1. Februar 1938 lauteten:

  1. 70-Meter-Lauf in max. 15 Sekunden
  2. Weitsprung 3,50 m
  3. Schlagballweitwerfen 25 m
  4. 1 Minute Luftanhalten
  5. Teilnahme an einer eintägigen Fahrt
  6. Kenntnis des Aufbaus und der Führerschaft des DJ-Fähnleins
  7. Kenntnis des Deutschlandliedes, des Horst-Wessel-Liedes und des Hitlerjugend-Fahnenliedes
  8. Kenntnis der „Schwertworte des Hitlerjungen“ (für Jungvolkjungen abgewandelt mit dem Wort „Jungvolkjungen“):
Jungvolkjungen sind hart, schweigsam und treu.
Jungvolkjungen sind Kameraden.
Des Jungvolkjungen Höchstes ist die Ehre.

In manchen Einheiten musste der Neuling zusätzlich den Lebenslauf Hitlers aufsagen können (etwa sechs bis zehn Sätze).

Das Ergebnis der Pimpfenprobe wurde in das „DJ-Leistungsbuch“ eingetragen. 1941 kostete der Erwerb dieses Buches 30 Reichspfennige.

Nach der Pimpfenprobe konnte im Verlauf der Mitgliedschaft mit vorgeschriebenen Mindestleistungen das DJ-Leistungsabzeichen erworben werden. Nach der Übernahme als 15-Jähriger in die Hitlerjugend bestand die Möglichkeit, bei Erfüllung nach dem Alter gestaffelter Anforderungen das HJ-Leistungsabzeichen zu erlangen – für 15-Jährige in Eisen, 16-Jährige in Bronze und 17-Jährige in Silber.[5] Für HJ-Führer gab es das HJ-Führersportabzeichen in Gold und mit Eichenkranz.[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Boberach: Jugend unter Hitler. Droste, Düsseldorf 1982, ISBN 3-8112-0660-5.
  • Jean-Denis Lepage: Hitler Youth, 1922–1945: An Illustrated History. McFarland & Company, Jefferson NC (USA) 2009, ISBN 978-0-7864-3935-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c zit. nach Jürgen Reulecke: „Ich möchte einer werden so wie die…“. Männerbünde im 20. Jahrhundert. Campus, Frankfurt/M. 2001, S. 140.
  2. Kurt Schilde: Jugendopposition 1933–1945. Ausgewählte Beiträge. Lukas Verlag, Berlin 2007, S. 108.
  3. Jürgen Reulecke: „Ich möchte einer werden so wie die…“. Männerbünde im 20. Jahrhundert. Campus, Frankfurt/M. 2001, S. 221.
  4. Heinz Boberach: Jugend unter Hitler. Droste, Düsseldorf 1982, ISBN 3-8112-0660-5, S. 29.
  5. Heinz Boberach: Jugend unter Hitler. S. 50.
  6. Heinz Boberach: Jugend unter Hitler. S. 35 mit Abbildungen.