Deutsches Rechnungslegungs Standards Committee

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Der DRSC – Deutsches Rechnungslegungs Standards Committee e.V. (DRSC) ist ein am 17. März 1998 gegründeter deutscher Verein zur Förderung der Fortentwicklung der Rechnungslegung. Er hat den Sitz in Berlin und tritt international als ASCG – Accounting Standards Committee of Germany (ASCG) auf. Das DRSC e.V. wurde durch das Bundesministerium der Justiz (BMJ; heute: Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, BMJV) mit Vertrag vom 3. September 1998 und – nach einer vorübergehenden Aussetzung im Jahr 2010 – erneut am 2. Dezember 2011 als privates Rechnungslegungsgremium im Sinne von § 342 HGB anerkannt.

Der DRSC vertritt die Interessen seiner Mitglieder und der deutschen Wirtschaft bei internationalen Rechnungslegungsgremien. Dies geschieht unter anderem beim International Accounting Standards Board (IASB) und der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG).

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktuelle Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organe und Gremien des DRSC sind[1]:

Mitgliederversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mitgliederversammlung ist zuständig für die Wahl, Abberufung und Entlastung der Mitglieder des Verwaltungsrates und des Nominierungsausschusses, die Festsetzung der Höhe des Jahresbeitrages, den Wirtschaftsplan, die Feststellung des Jahresabschlusses und die Wahl des Abschlussprüfers sowie alle wesentlichen Geschäftsführungsmaßnahmen sowie für Änderungen und Ergänzungen dieser Satzung sowie die Auflösung des Vereins und die Verwendung seines Vermögens.

Mitglieder des DRSC sind Unternehmen, Verbände und juristische Personen, die von der Rechnungslegung betroffen sind. Die Mitglieder sind nach § 4 der Satzung des DRSC folgenden sog. Segmenten zugeordnet:[2]

  • Kapitalmarktorientierte Industrieunternehmen und deren Verbände
  • Nichtkapitalmarktorientierte Industrieunternehmen und deren Verbände
  • Banken und deren Verbände
  • Versicherungen und deren Verbände
  • Wirtschaftsprüfung und deren Verbände

Nach § 342 HGB dürfen die Mitgliedschaftsrechte der Mitglieder nur von Personen ausgeübt werden, die Rechnungsleger sind.

Verwaltungsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verwaltungsrat

  • legt die Grundsätze und Leitlinien für die Arbeit des Vereins fest,
  • wählt die Mitglieder der Fachausschüsse,
  • bestellt, berät und überwacht das Präsidium.

Der Verwaltungsrat hat 20 Mitglieder. Vorsitzender des Verwaltungsrats ist seit 2010 der Finanzvorstand der Siemens AG Ralf P. Thomas.

Nach § 12 der Satzung des DRSC hat das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz das Recht, an den Sitzungen des Verwaltungsrates ohne Stimmrecht teilzunehmen

Präsidium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Präsidium führt die Geschäfte des Vereins und leitet die Fachausschüsse. Geleitet wird das Präsidium vom Präsidenten. Aktuell gehören dem Präsidium neben dem Präsidenten keine weiteren Mitglieder an.

Präsident ist seit 2015 Andreas Barckow. Seine Vorgängerin war Liesel Knorr.

Fachausschüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fachausschüsse sind zuständig sind für die Facharbeit, also die Erstellung von Interpretationen der internationalen Rechnungslegungsstandards im Sinne von § 315a HGB, Rechnungslegungsstandards im Sinne von § 342 HGB, Stellungnahmen gegenüber nationalen und internationalen Adressaten zu Fragen der Rechnungslegung, Diskussionspapieren, sonstigen Stellungnahmen und Veröffentlichungen.

Das DRSC hat zwei Fachausschüsse:

  • IFRS-Fachausschuss
  • HGB-Fachausschuss

Mitglieder der Fachausschüsse dürfen nach § 342 HGB nur Personen sein, die Rechnungsleger sind.

Nominierungsausschuss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nominierungsausschuss unterbreitet dem Verwaltungsrat Vorschläge für die Wahl der Mitglieder des Präsidiums und der Fachausschüsse. Nach § 14 der Satzung des DRSC sind die Vorschläge des Nominierungsausschusses für den Verwaltungsrat in dem Sinne verbindlich, dass nur vom Nominierungsausschuss vorgeschlagene Personen gewählt werden können.

Struktur bis 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Reform 2010 hatte das DRSC als Organe die Mitgliederversammlung und den Vorstand und als Gremien den Deutschen Standardisierungsrat (DSR) und Rechnungslegungs Interpretations Committee (RIC).[3]

Organe bis 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliederversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mitgliederversammlung, die einmal jährlich stattfand, beschloss unter anderem über die Wahl und die Entlastung des Vorstands, den Jahresetat und das Drei-Jahres-Budget sowie über Satzungsänderungen

Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorstand wählte die Mitglieder der beiden Gremien, genehmigte deren Geschäftsordnungen, überprüfte die Strategie des DRSC und war verantwortlich für die Sicherstellung der Finanzierung des Vereins

Gremien bis 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Einführung der Fachausschüsse 2010 erfolgte die Facharbeit in den Gremien Deutscher Standardisierungsrat (DSR) und Rechnungslegungs Interpretations Committee (RIC). Mitglieder von DSR und RIC durften nach § 342 HGB nur Personen sein, die Rechnungsleger sind.

Deutscher Standardisierungsrat (DSR)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der DSR

  • entwickelte die Empfehlungen zur Anwendung der Grundsätze über die Konzernrechnungslegung im Sinne von § 342 HGB, die Deutsche Rechnungslegungsstandards (DRS),
  • erarbeitete Stellungnahmen

Präsidenten der DSR waren Hans Havermann (1998–2002), Klaus Pohle (2003–2005), Harald Wiedmann (2006–2007) und Liesel Knorr (2007–2011).

Rechnungslegungs Interpretations Committee (RIC)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das RIC

Rechnungslegungsstandards[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Deutsche Standardisierungsrat (DSR) des DRSC hat bisher mehrere Standards (DRS) zu verschiedenen Themen der Konzernrechnungslegung verabschiedet. Die Standards interpretieren die Rechnungslegungsvorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB) und füllen Regelungslücken, wobei sie sich an internationalen Rechnungslegungsvorschriften orientieren. Die DRS wurden im Wesentlichen vom BMJ bekannt gemacht. Damit gilt die gesetzliche Vermutung des § 342 HGB, dass bei der Beachtung dieser Standards Konzernabschlüsse nach deutschem Bilanzrecht den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung entsprechen. Der rechtliche Charakter der DRS sowie deren Verpflichtungsgrad sind jedoch umstritten.[4] Bis auf Regelungen zum Lagebericht betreffen sie ausschließlich nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen, die nicht für eine Konzernrechnungslegung nach internationalen Vorschriften optiert haben.

Neben dem DRSC veröffentlicht das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) Interpretationen der deutschen und internationalen Rechnungslegungsvorschriften in der Form von Standards.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das DRSC e.V. finanziert seine Tätigkeit vollständig aus den Mitgliedsbeiträgen sowie durch Lizenzvergabe, Veröffentlichungen und sonstige Einnahmen. [5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Organe & Gremien • DRSC e.V. In: DRSC e.V. (drsc.de [abgerufen am 4. September 2017]).
  2. DRSC e.V.: Satzung des Vereins. 2. Juli 2018, abgerufen am 24. August 2019.
  3. DRSC e.V.: Jahresbericht 2009. S. 92, abgerufen am 24. August 2019.
  4. Bernhard Pellens, u. a.: Internationale Rechnungslegung: IFRS 1 bis 8, IAS 1 bis 41, IFRIC-Interpretationen, Standardentwürfe. Mit Beispielen, Aufgaben und Fallstudie, 2011, Seite 51
  5. Profil • DRSC e.V. In: DRSC e.V. (drsc.de [abgerufen am 4. September 2017]).