Deutsches Rundfunkarchiv

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Deutsches Rundfunkarchiv
Das Logo des DRA

Das Logo des DRA

Archivtyp Medienarchiv
Ort Frankfurt am Main
und Potsdam-Babelsberg
Gründung 1952
ISIL DE-F228 (Frankfurt/Main)
Träger ARD
Organisationsform Stiftung privaten Rechts
Website www.dra.de
Standort des DRA in Potsdam-Babelsberg

Das Deutsche Rundfunkarchiv (DRA) ist als gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts eine Gemeinschaftseinrichtung der ARD mit den Standorten Frankfurt am Main und Potsdam-Babelsberg. Das DRA verfügt über reichhaltige Bestände an Ton- und Bilddokumenten, Schriftgut, gedruckten Medien (Bücher, Zeitschriften, Zeitungen) und Sachzeugen. Das Archiv umfasst wesentliche und bedeutende Teile der auditiven und audiovisuellen Überlieferung in Deutschland. Die DRA-Bestände spiegeln die Entwicklung des Rundfunks seit seinen Anfängen, insbesondere aber auch die der ARD sowie des Hörfunks und des Fernsehens der DDR, wider.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. November 1950 verständigten sich die Intendanten der ARD-Rundfunkanstalten über die Errichtung eines gemeinsamen Schallarchivs. Unter dem Namen Lautarchiv des Deutschen Rundfunks wurde das DRA am 1. Januar 1952 mit Sitz beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main gegründet; im Februar 1953 wurde es als Stiftung[1] genehmigt. 1962 wurden seine Aufgaben um die Dokumentation von Fernsehproduktionen erweitert. Gemeinsam mit dem Studienkreis Rundfunk und Geschichte gibt das DRA seit 1974 die Fachzeitschrift Rundfunk und Geschichte heraus.

Nach dem Fall der Mauer übernahm es 1992, bis 1994 zunächst treuhänderisch, die Verwaltung der Archivbestände des Hörfunks sowie des Fernsehens der DDR und erhielt einen zweiten Standort in Berlin-Adlershof. Von 1994 bis 2002 vergab es im Auftrag der ARD das „DRA-Stipendium zur Erforschung der Rundfunk- und Mediengeschichte der DDR“.[2]

Am 6. Dezember 2000[3] wurde der Neubau in Potsdam-Babelsberg auf dem Gelände des RBB eingeweiht, der den Berliner Standort ersetzte.

16mm-Film des DDR-Fernsehens in gekühlter Filmdose im DRA Potsdam

Ab 2005 unterstützte das DRA den Aufbau eines Internetradios für historische Originaltöne. Daraus wurde 2007 das beim SWR angesiedelte Archivradio.

Im Frühjahr 2011 kündigte das DRA an, die Auslieferung seiner ARD-internen Publikationen „DRA-Info“ und „Jahrestage“ aus Kostengründen zu beenden. Die „Jahrestage 2013“ erschienen dennoch im November 2011. Diese Hefte enthielten Auflistungen von akustischen und inhaltlichen Highlights des Archivs zu bestimmten Anlässen.

Im Sommer 2011 lehnten die ARD-Intendanten eine Verlängerung des Arbeitsvertrags des DRA-Leiters Hans-Gerhard Stülb ab und folgten dem Vorschlag des HR-Intendanten Helmut Reitze (Vorsitzender des DRA-Verwaltungsrats), die Leitungsposition nur noch vorübergehend zu besetzen, „bis die ARD-Prüfgruppe unter rbb-Justitiar Reinhart Binder ihre Arbeit abgeschlossen hat und die Zukunft des DRA geklärt ist“.[4][5][6]

Der Etat des DRA liegt seit 2005 fast unverändert bei 12 Millionen Euro jährlich. Das entspricht weniger als 0,2 % der Einnahmen aus Rundfunkgebühren im Jahr 2010. Drei Übertragungen von Fußballspielen kosteten in etwa so viel wie das DRA jährlich verbraucht.[7]

Bestände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DDR-Archivband im DRA über Gagarins Weltraumflug 1961

Sammlungsschwerpunkte des Archivs sind am Standort Frankfurt am Main Aufnahmen aus Zeitgeschichte und Musik seit Beginn der Tonaufzeichnung, historische Tonträger wie Phonographenwalzen und Schallfolien, Schellack- und Vinylplatten, Klavierrollen und anderes mehr. Darüber hinaus archiviert das DRA Schriftgut und gedruckte Publikationen zur Programm- und Unternehmensgeschichte des deutschen Rundfunks vor 1945, des Rundfunks und Fernsehens der DDR sowie der ARD.

Neben den schriftlichen Überlieferungen findet sich im DRA Babelsberg das audiovisuelle Erbe des DDR-Rundfunks (1945–1991) und Fernsehens (1952–1991) mit ca. 180.000 Filmbüchsen, 120.000 Videokassetten, 10.000 DVDs sowie ca. 450.000 Wort- und Musik-Tonträgern.

Das DRA überführt seine Bestände nach und nach in eine digitale Form.

Die Datenbanken des DRA mit ihren Bestandsnachweisen und sonstigen Informationen stehen im Rahmen des Stiftungsauftrags dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk zur Verfügung; sie dienen den Zwecken von Wissenschaft und Forschung, von Erziehung und Kultur. Privatpersonen und kommerziell arbeitende Einrichtungen können, soweit rechtlich zulässig, die Bestände des DRA gegen eine Gebühr nutzen.

Dem DRA zugeordnet sind die Zentrale Schallplatten-Katalogisierung (ZSK) von ARD und ZDF sowie die Redaktion des ARD-Jahrbuchs.

Vorstände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das DRA ist unter anderem Mitglied im Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute, im Netzwerk Mediatheken, im Studienkreis Rundfunk und Geschichte, im Verband deutscher Archivarinnen und Archivare und der Internationalen Vereinigung der Schall- und audiovisuellen Archive.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Hessische Minister des Innern: Genehmigung der Stiftung „Lautarchiv des Deutschen Rundfunks“ in Frankfurt am Main. In: Staats-Anzeiger für das Land Hessen. Nr. 9/1953, 10. Februar 1953, S. 173 (Scan [PDF]).
  2. Stipendien zur Erforschung des DDR-Rundfunks, in: Rundfunk und Geschichte, Jg. 24 (Oktober 1998): S. 304.
  3. Deutsches Rundfunkarchiv in Potsdam-Babelsberg eröffnet, BauNetz, 6. Dezember 2000.
  4. Laut Pressemitteilung des HR vom 8. August 2011 wurde der Vertrag des gegenwärtigen Leiters nicht mehr verlängert und nur noch ein kommissarischer Leiter benannt. Eine ARD-interne Arbeitsgruppe im RBB prüfe die Zukunft des DRA. Quelle: Hessischer Rundfunk: Michael Crone wird kommissarisch Leiter des DRA. (Nicht mehr online verfügbar.) 8. August 2011, ehemals im Original, abgerufen am 10. August 2011 (Pressemitteilung).@1@2Vorlage:Toter Link/www.hr-online.de (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven)
  5. Wolfram Goertz: Dem Deutschen Rundfunkarchiv droht die Schließung. In: rp-online.de. 8. Juni 2011, abgerufen am 10. August 2011.
  6. ARD: Sorgen um das „mediale Gedächtnis“ sind unbegründet/ Die Bestände des Deutschen Rundfunkarchivs bleiben genauso erhalten wie dessen Dienstleistungen für die Öffentlichkeit. 28. Juni 2011, abgerufen am 10. August 2011 (Pressemitteilung): „Die ARD-Vorsitzenden Monika Piel stellte noch einmal klar: ‚Alle ARD-Anstalten stehen vor großen finanziellen Herausforderungen und prüfen, wie sie durch Synergien ihr Leistungsniveau mit weniger finanziellem Aufwand künftig halten können. Wenn alles auf dem Prüfstand steht, können auch Gemeinschaftseinrichtungen der ARD wie zum Beispiel die Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv davon nicht ausgenommen werden. Diese Prüfung zielt jedoch nicht auf die Abschaffung des DRA, sondern darauf, die Leistungen dieser 1952 als ‚Lautarchiv des deutschen Rundfunks‘ gegründeten Einrichtung zu optimieren.‘“
  7. Fragwürdige Kürzungspläne beim Deutschen Rundfunkarchiv, Radioszene, 15. Juni 2011.