Deutsches Schiffahrtsmuseum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Deutsches Schiffahrtsmuseum - Leibniz-Institut für deutsche Schifffahrtsgeschichte
Deutsches Schiffahrtsmuseum - Leibniz-Institut für deutsche Schifffahrtsgeschichte
Logo des Deutschen Schiffahrtsmuseum
Kategorie: Forschungseinrichtung, Museum
Träger: Stiftung des bürgerlichen Rechts
Mitgliedschaft: Leibniz-Gemeinschaft
Standort der Einrichtung: Bremerhaven
Art der Forschung: Grundlagenforschung
Fächer: Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften
Fachgebiete: Geschichtswissenschaft, Ingenieurwissenschaft
Grundfinanzierung: Bund (50 %), Länder (50 %)
Leitung: Sunhild Kleingärtner (Geschäftsführende Direktorin), Ursula Warnke (Direktorin) [1]
Mitarbeiter: ca. 50
Homepage: www.dsm.museum

Das Deutsche Schiffahrtsmuseum (DSM) (als Eigenname nur mit zwei „f“, in unreformierter Schreibung) in Bremerhaven ist das nationale Schifffahrtsmuseum in Deutschland. Das Museum gehört als Leibniz-Institut für deutsche Schifffahrtsgeschichte zur Leibniz-Gemeinschaft. Als eines von acht Forschungsmuseen der Gemeinschaft vereinigt es Ausstellungs- und Forschungstätigkeiten.[2] Die Gesamtanlage mit Gebäuden und Museumsflotte steht seit 2005 unter Denkmalschutz.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1935 gab es die Anregung des Schifffahrtshistorikers Otto Höver, der seit 1932 Leiter der Stadtbibliothek war, ein Schifffahrtsmuseum einzurichten.[4] Fritz Lücke, der Leiter des Instituts für Seefischerei, hielt "den Gedanken für gut und durchführbar und glaubt, daß der sich an das Fischereihafenmuseum anschließende große Raum zur Unterbringung eines Schiffahrtsmuseums geeignet ist". Zur Feier des 50-jährigen Bestehens der deutschen Hochseefischerei solle es 1936 "eine besondere Ausstellung von Fischdampfermodellen, die als Grundlage für ein Schiffahrtsmuseum dienen könnten", geben. Bürgermeister Wilhelm Richter antwortete auf die Anregung, "daß er die Abgelegenheit während des Krieges nicht aufgreifen könne, jedoch hoffe, später an die Verwirklichung des Planes gehen zu können".

Von November 1969 bis 1972/75 wurde der Museumsbau nach Entwürfen des Architekten Hans Scharoun in Arbeitsgemeinschaft mit den Bremerhavener Architekten Helmut Bohnsack und Peter Fromlowitz geplant und errichtet. Scharoun ist mit Bauten wie diesem Museum oder der Berliner Philharmonie einer der bedeutendsten Vertreter der organischen Architektur. Die Gesamtkosten betrugen bis zur Eröffnung 23 Millionen DM.[5]

1971 begann die wissenschaftliche Forschungsarbeit am DSM. 1972 wurde in der inzwischen fertiggestellten Koggenhalle mit der Wiederherstellung und anschließenden Konservierung der Bremer Kogge begonnen. Am 5. September 1975, nach der Ausstellungsgestaltung, wurde das DSM der Öffentlichkeit durch den damaligen Bundespräsidenten Walter Scheel durch Läuten einer Schiffsglocke[5] übergeben.[6][7]

Die drei Gründungsdirektoren des Museums waren Detlev Ellmers (1971–2002 geschäftsführend), Gert Schlechtriem (zuvor Direktor des Morgensternmuseums) und Wolf-Dieter Hoheisel (technischer Direktor).[8]

Von 2004 bis 2012 wurde das DSM von dem Schifffahrtshistoriker Lars U. Scholl als geschäftsführender Direktor geleitet.

Die wissenschaftliche Bibliothek des DSM leitete und konzipierte ab 1976 Arnold Kludas.[9][10]

Nach der Gründung des Museums wurde das Deutsche Schiffahrtsmuseum ständig um weitere Ausstellungsstücke und Anbauten erweitert, so dass es umfangreich über die Seeschifffahrtsgeschichte der neueren und älteren Zeit berichten kann.

Ende 2014 bestätigte die Leibniz-Gemeinschaft dem Museum auf weitere vier Jahre den Status eines Nationalen Forschungsmuseums, mit dem der Bezug hoher öffentlicher Fördergelder verbunden ist[11]. Anstatt der regulären Bewilligung eines siebenjährigen Förderzeitraumes wurde aufgrund der Ergebnisse der Evaluierung nur ein verkürzter Förderzeitraum bis zur nächsten Evaluierung bewilligt.[12]

Denkmalschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsches Schiffahrtsmuseum, Scharoun-Bau, links der Erweiterungsbau

2005 wurde das Deutsche Schiffahrtsmuseum unter Denkmalschutz gestellt.

Zum 40. Geburtstag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2015 feierte das DSM mit einer Jubiläumsausstellung »1975 / 2015 – Schiffe erzählen Museumsgeschichte(n)«.[13] Über zwölf Stationen verteilt, neun im Scharoun-Bau und drei Stationen außerhalb der Gebäude, konnte das Museum zum 40. Geburtstag erlebt werden. Die Jubiläumsausstellung war gleichzeitig als Ankündigung zu verstehen, da in den kommenden Jahren alle Ausstellungsbereiche schrittweise erneuert werden und auch das Gebäude von Grund auf saniert wird.

Besonders für den zukünftigen Forschungsansatz des Museums unter dem Motto "Mensch und Meer" wird seit Anfang 2014 ein neues Ausstellungskonzept für das gesamte Museum und den Museumshafen entwickelt, mit dem "Forschen als Prozess" sichtbar werden soll. Themen und Zusammenhänge werden nach den jeweils aktuellen Forschungsschwerpunkten neu formuliert und die Objekte mit den entsprechenden Hintergrundinformationen, Geschichten und Erzählungen neu angeordnet.

Exponate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Hauptattraktion des Museums gilt die seit 2000 fertig restaurierte in Bremen gefundene Hansekogge aus dem Jahr 1380. In den Ausstellungsräumen befinden sich Schaustücke zu verschiedenen Schifffahrtsepochen und zu den Themen Handelsschifffahrt, Fischerei und Walfang, Polarforschung, Militär und mehr. Ausgestellt sind unter anderem Modelle von Segelschiffen, Containerschiffen, Passagierschiffen und Öltankern sowie technische Bedienelemente und Ausrüstungsgegenstände. Eines der Prunkstücke ist ein von 1919 bis 1935 genutzter mechanischer Gezeitenrechner der Deutschen Seewarte in Hamburg, der als früher Computer eingestuft wird.[5]

Bilder von Exponaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserfahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Museumshafen können die folgenden Wasserfahrzeuge besichtigt werden:

Auf dem Außengelände können vier Schiffe besichtigt werden:

Das Schiff der ersten deutschen Nordpolarexpedition, die 1867 von Toleff Toleffsen in Skanevik in Norwegen gebaute Nordische Jagt Grönland gehört ebenfalls zur Flotte des Museums, ist jedoch als aktives Traditionsschiff im Einsatz und demzufolge gerade in den Sommermonaten nur selten im Museumshafen.

Im Hafenbecken des Museums liegt außerdem das begehbare U-Boot Wilhelm Bauer, das von einem eigenständigen Trägerverein betreut wird.

Das Jaguar-Klasse Schnellboot Kranich lag bis 2006 im Museumshafen, es wurde wegen starken Verfalls des Holzrumpfes von der VEBEG zum Abwracken verkauft.

Vor dem Museum befindet sich eine Skulptur des Bildhauers Stephan Balkenhol.

Bilder von Außenexponaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jährlich erscheint seit 1975 das Deutsche Schiffahrtsarchiv, das aktuelle wissenschaftliche Jahrbuch des Museums. Die Themenbereiche umfassen so vielfältige Aspekte wie Schiffsarchäologie, See- und Binnenschifffahrt, Schiffbau, Marine, Fischerei, Navigation, Polar- und Meeresforschung, Sozialgeschichte der Seefahrt, maritime Volkskunde u.v.a.m. Im Mittelpunkt steht zwar die Schifffahrtsgeschichte, doch zeigen auch immer wieder Beiträge ausländischer Autoren den internationalen Forschungsstand. Alle Beiträge werden mit englischen und französischen Zusammenfassungen ergänzt. Es erscheint im Oceanum Verlag Wiefelstede (DSA 31 2008, ISBN 978-3-86927-031-9), ISSN 0343-3668.

Internet-Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die deutsche Schifffahrt in den 1920er und 1930er Jahren im Spannungsfeld von Kontinuitäten, Krisen und Innovation - Visualisierung historischer Prozesse[14]
  • Schiffsliste - eine Internet-Datenbank zum schnellen Finden von historischen Schiffen, Booten und anderen Wasserfahrzeugen, die teilweise mit ausführlichen technischen Merkmalen und Daten zum Lebenslauf beschrieben sind [15]
  • Digitalisierung von Schiffsplänen

Forschungsauftrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2011 erteilte die Deutsche Bundesregierung dem Museum einen Forschungsauftrag zur systematischen archäologischen Prospektion der Nordsee, auch außerhalb der 12-Seemeilen-Zone, da zahlreiche archäologische Fundplätze durch geplante Bauvorhaben wie Offshore-Windparks, Pipelines und Stromleitungstrassen bedroht sind.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutsches Schiffahrtsmuseum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.dsm.museum/impressum.38.de.html
  2. Liste der Forschungsmuseen auf der Website der Leibnizgemeinschaft, abgerufen am 2. März 2016.
  3. Denkmaldatenbank des LfD
  4. Burchard Scheper, Die jüngere Geschichte der Stadt Bremerhaven, Bremerhaven 1977, ISBN 3-921749-00-X, S. 297
  5. a b c Hinweis in: Das Jahr 1975 im Bild, Carlsen Hamburg 1975 S.88
  6. "Es gibt verschiedene Kristallisationskerne, die zur Errichtung des Deutschen Schiffahrtsmuseums in Bremerhaven führten. Der Krieg hatte das Museum für Meereskunde in Berlin zerstört. Eine zentrale Stelle für die Erforschung und Darstellung der Schiffahrt fehlte damit; ... Am 5. Februar 1961 war das Morgensternmuseum ... eröffnet worden. ... In einer Rede setzte sich der Kulturdezernent, Stadtrat Alfons Tallert, besonders für Ausbau und Förderung [der] Schiffahrtsabteilung ein. Mit Geschick, Zähigkeit und Spürsinn baute der Leiter des Morgensternmuseums, Gert Schlechtriem, die Schiffahrtsabteilung aus, die allmählich zu einem Schwerpunkt der Museumsarbeit wurde, so daß 1965 neue Räume angegliedert werden mußten. ... 1966 wurde die Schiffahrtsgeschichtliche Gesellschaft zur Unterstützung dieser Anstrengungen gegründet. Interesse an den Bremerhavener Bemühungen zeigte der Kölner Rechtsanwalt Dr. Hanswilly Bernartz, dessen große Privatsammlung zu einem Ansatzpunkt für die Gründung des Deutschen Schiffahrtsmuseums wurde." (Burchard Scheper, Die jüngere Geschichte der Stadt Bremerhaven, Bremerhaven 1977, ISBN 3-921749-00-X, S. 461)
  7. 40 Jahre DSM auf der Bremerhaven-Internetseite
  8. Von Baustellen, Bierhumpen und Hansekoggen: 40 Jahre DSM auf der Bremerhaven-Internetseite erinnert sich Prof. Dr. Detlev Ellmers an die Gründungszeit.
  9. Bibliothek im Deutschen Schiffahrtsmuseum
  10. Klaus-Peter Kiedel, Lars U. Scholl: Leiter der Bibliothek des Deutschen Schiffahrtmuseums 1976–1992, zum 80. Geburtstag am 18. Oktober 2009. Deutsches Schiffahrtsarchiv 31 (2008), S. 9–15.
  11. http://www.radiobremen.de/wissen/nachrichten/schifffahrtsmuseum-zuschuesse100.html
  12. Senatspressestelle - Deutsches Schiffahrtsmuseum positiv evaluiert. In: senatspressestelle.bremen.de. Abgerufen am 26. Mai 2016.
  13. "40 Jahre Deutsches Schiffahrtsmuseum" auf der Museumsseite
  14. http://www.dsm.museum/forschung/projekte/dbschiff.311.de.html
  15. https://sdl.dsm.museum/
  16. Suche nach versunkenen Kulturen in der Nordsee (Memento vom 12. Mai 2012 im Internet Archive)

Koordinaten: 53° 32′ 24″ N, 8° 34′ 37″ O