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Deutschland Archiv

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Deutschland Archiv

Beschreibung deutsches politisches wissenschaftliches Online-Portal
Herausgeber Bundeszentrale für politische Bildung
Weblink bpb.de/deutschlandarchiv
ISSN (Print)
Umschlag der Zeitschrift (1999).

Deutschland Archiv ist ein wissenschaftliches Online-Portal der Bundeszentrale für politische Bildung, das sich vor allem mit Themen der Deutschlandforschung und der DDR-Forschung befasst. Das Portal ging aus der 1968 gegründeten, traditionsreichen gleichnamigen Zeitschrift (letzter Untertitel: Zeitschrift für das vereinigte Deutschland) hervor, die Ende 2012 im 45. Erscheinungsjahr eingestellt wurde.

Die Zeitschrift beschäftigte sich unter anderem mit der Geschichte der DDR, dem deutschen Vereinigungsprozess und mit deutschlandpolitischen Themen. Zu den ständigen Autoren gehören unter anderen Erich Loest, Karl Wilhelm Fricke und Wolfgang Templin.

Das Deutschland Archiv (DA) entstand 1968 aus dem vormaligen SBZ-Archiv, das seit 1950 mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen war. Bis 1995 erschien das Deutschland Archiv monatlich, bis Ende 2010 dann sechsmal jährlich im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung im W. Bertelsmann Verlag. Von 1968 bis 1995 war Ilse Spittmann-Rühle die Chefredakteurin des Deutschland Archivs.[1] Von 1980 bis 1996 gab sie zusammen mit Gisela Helwig die Buchreihe Edition Deutschland-Archiv heraus, in der Ergebnisse der (west)deutschen DDR-Forschung veröffentlicht wurden.

Der in der April-Ausgabe von 2004 erschiene Aufsatz Deutsche Identität in Verfassung und Geschichte von Konrad Löw führte zu massiver Kritik. Der Chef-Historiker der Zeitung Die Welt Sven Felix Kellerhoff bezeichnete den 10-seitigen Text in einem Artikel unter dem Titel Eine Ansammlung antijüdischer Klischees., als „ziemlich krude(n) Unsinn“ und als „intellektuelle Selbstentleibung eines einst angesehenen Marxismus-Kritikers“.[2]

Im März 2009 sorgte ein Artikel von Helmut Müller-Enbergs für Aufsehen, in dem die Mitarbeit des früheren Berliner Polizeibeamten Karl-Heinz Kurras thematisiert wurde, der am 2. Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschoss und inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) war.[3]

2010 entschieden die Bundeszentrale und der Verlag, die Zeitschrift parallel online zu vertreiben. Seit Januar 2011 erscheinen die Beiträge monatlich auf der Homepage der Bundeszentrale für politische Bildung.[4] Dieses Angebot war kostenlos. Bis Ende 2012 erschien die Zeitschrift daneben viermal jährlich als Druckversion. Aus Kostengründen wurde zu Beginn des Jahres 2013 die Druckausgabe eingestellt.[5]

2011 sorgte ein Interview des Historikers Manfred Wilke mit dem ehemaligen Generaloberst der sowjetischen Streitkräfte, Anatolij Grigorjewitsch Mereschko für Aufsehen. In diesem Gespräch, das im DA 02/2011 am 4. Februar 2011 veröffentlicht wurde,[6] behauptet Mereschko, er habe den Bau der Berliner Mauer geplant und nicht wie von sich selbst behauptet Erich Honecker. Die Superillu veröffentlichte hierzu einen vierseitigen Bericht.[7] Maria Nooke, stellvertretende Direktorin der Stiftung Berliner Mauer, sagte gegenüber dem Berliner Kurier, man werde sich auf der wissenschaftlichen Tagung zum 50. Jahrestags des Mauerbaus mit der These beschäftigen.[8]

Anne Hähnig nannte das Deutschland Archiv in der Zeit, rückblickend auf die Printversion bezogen, „die wichtigste Zeitschrift für Ost-West-Forschung“.[9]

  • Karl Wilhelm Fricke: Zur Geschichte des Deutschland Archivs (PDF; 0,1 MB). In: Zeitschrift des Forschungsverbunds SED-Staat. 17/2005, S. 140–151.
  • Karl Wilhelm Fricke: 40 Jahre „Deutschland Archiv“. Eine Zeitschrift im Dienst von DDR-Forschung und Wiedervereinigung. In: Deutschland Archiv. 2008, S. 217–225.
  • Gisela Helwig, Hans-Georg Golz, Christel Marten (Red.): Deutschland Archiv. 30 Jahre Gesamtregister. Leske + Budrich, Opladen 1998, ISBN 978-3-663-09657-3.
Commons: Deutschland Archiv – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Ilse Fischer (Hrsg.): Von der frei gewählten Volkskammer zum vereinten Deutschland. Politik- und Alltagserfahrungen sozialdemokratischer Volkskammerabgeordneter. Dokumentation einer Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung am 23./24. September 2010 in Berlin (library.fes.de PDF). Bonn 2013, S. 62 (Fn. 83).
  2. Sven Felix Kellerhoff: Eine Ansammlung antijüdischer Klischees. In: Die Welt. 15. April 2004.
  3. Ohnesorgs Todesschütze war IM. In: Der Tagesspiegel. 22. Mai 2009.
  4. Deutschland Archiv Online. Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 19. Februar 2019.
  5. Fachzeitschrift Deutschland Archiv vor dem Aus. 17. Februar 2013, archiviert vom Original am 17. Februar 2013;.
  6. Arbeiten Sie einen Plan zur Grenzordnung zwischen beiden Teilen Berlins aus! In: Deutschland Archiv, 02/2011, 4. Februar 2011.
  7. „Nicht Honecker, ich habe die Mauer geplant“. In: Superillu, Heft 12/2011, 17. März 2011, S. 16–19.
  8. Ich habe die Mauer geplant. (Memento vom 10. Januar 2017 im Internet Archive) In: Berliner Kurier, 17. März 2011.
  9. Anne Hähnig: Einheits-Wissen. In: Die Zeit. Nr. 2/2013.