Deutschland-Tour

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Deutschland-Tour 2006 – Fahrerfeld bei Ettal, 6. Etappe

Die Deutschland-Tour ist das wichtigste deutsche Etappenrennen im Straßenradsport. Sie wurde unter verschiedenen Namen (meist Deutschlandrundfahrt o.ä.) seit 1911 unregelmäßig ausgetragen. Die vorerst letzten Austragungen fanden zwischen 1999 und 2008 unter der Eigenschreibweise Deutschland Tour statt. Ab 2018 soll die Rundfahrt wieder stattfinden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge 1911–1937[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahrerfeld der Deutschland-Tour 2003 in Dippoldiswalde

Die erste Austragung einer Radrundfahrt durch Deutschland startete 1911 unter dem Namen Quer durch Deutschland. Auch bedingt durch den Ersten Weltkrieg ließ die nächste Ausgabe elf Jahre auf sich warten. 1922 fand, unter großer Mithilfe der deutschen Fahrradindustrie, die zweite Ausgabe statt. Die dritte Rundfahrt durch Deutschland ließ weitere fünf Jahre auf sich warten. Mit dem Automobilhersteller Opel wurde ein namhafter Sponsor für den Großen Opelpreis von Deutschland gefunden. Herrmann Schwartz, der damalige Werbechef des Unternehmens, kümmerte sich von da an um die Organisation der Rundfahrt bis zu seinem Ableben im Jahr 1953. Die dritte Edition unterschied sich bis heute aber grundlegend von den anderen Ausgaben. Im Gegensatz zu den vorhergegangenen Etappenrennen, die zusammenhängend innerhalb weniger Wochen bzw. Tage beendet waren, fanden nun mehrere Rennen über das ganze Jahr verteilt statt. Nachdem wieder drei Jahre verstrichen waren, begann 1930 die vierte Ausgabe und im darauffolgenden Jahr die fünfte. Jedoch hatte man von dem Austragungsmodell von 1927 wieder Abstand genommen. 1931 wirkte die Rundfahrt, nicht nur wegen ihres Namens Internationale Opel-Deutschland-Rundfahrt internationaler. Mit dem zweimaligen Tour de France-Sieger Nicolas Frantz nahm ein Star der damaligen Zeit an der Tour teil. Für die nächsten sechs Jahre blieb es aber die letzte Radrundfahrt durch Deutschland.

1937 startete ein neuer Versuch eine Rundfahrt im Stile der großen Vorbilder Tour de France und Giro d’Italia zu organisieren. Nach der sechsjährigen Pause war das Interesse der Industrie und des Publikums groß. So verfolgten die Schlussetappe, die im Berliner Olympiastadion endete, alleine dort über 80.000 Zuschauer. Auch in den beiden folgenden Jahren fand die Rundfahrt unter großem Interesse statt. Vor allem die Großdeutschlandfahrt 1939 war eine Rundfahrt der Superlative. Da die Nationalsozialisten die Größe des Reiches demonstrieren wollten, war sie mit 5.049,6 km länger als die Tour de France und der Giro d’Italia und führte sowohl durch das heutige polnische Staatsgebiet als auch das damals angegliederte Österreich. Zudem führte man erstmals eine Bergwertung ein und die Mannschaftswertung fand auch wieder Beachtung in den Siegerlisten. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg war die Austragung des Jahres 1939 die vorerst letzte.

Nachkriegszeit 1947–1962[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter erschwerten Bedingungen wurde die Rundfahrt 1947 wieder aufgenommen. In Form von Kriterien fanden sechs Rennen in der britisch besetzten Zone statt. In den beiden folgenden Jahren fanden ähnliche Austragungen statt, wobei das Rennen unter dem Namen Grünes Band der IRA wieder durch das damalige gesamte Staatsgebiet führte. Einen weiteren Aufschwung gab es 1950. Da die UCI den westlichen Teil Deutschlands als vollständiges Mitglied akzeptiert und aufgenommen hatte, war es deutschen Rennfahrern wieder gestattet, an internationalen Rennen teilzunehmen. Zudem durften bei Rennen in Deutschland auch wieder internationale Fahrer starten. So blieb die Rundfahrt bis 1952 fester Bestandteil des Radsportkalenders. Durch das sinkende Interesse der Sponsoren fand die Rundfahrt 1953 nicht statt, obwohl es bereits Pläne dafür gab. Für die Sponsoren stand jedoch der finanzielle Aufwand in keinem vernünftigen Verhältnis zum Werbeeffekt. Nachdem 1955 ein weiterer Anlauf gestartet worden war, gab es die nächste Tour durch Deutschland erst 1960. Inspiriert durch die Erfolge deutscher Radsportler wie Hennes Junkermann, Rudi Altig und Rolf Wolfshohl fanden von 1960 bis 1962 weitere Deutschland-Rundfahrten statt.

Deutschland-Rundfahrt 1979–1982[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erfolge von Dietrich Thurau bei der Tour de France 1977 weckten in Deutschland wieder das Interesse am Radsport und so organisierte man für das Jahr 1979 eine Rundfahrt, die Thurau gewann. Auch in den folgenden drei Jahren fand die Rundfahrt statt. Nach Thurau gewann 1980 Gregor Braun, 1981 Silvano Contini und 1982 Theo de Rooij. U.a. das abnehmende Interesse der Fernsehanstalten und ein Defizit von 300.000 DM im Jahr 1982 führten zur Einstellung der Veranstaltung.[1]

Deutschland Tour 1999–2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infolge des Ende der 1990er-Jahre Jan Ullrich und Erik Zabel ausgelösten Radsport-Booms wurde die Rundfahrt mit der Deutschland Tour 1999 wieder in den internationalen Radsportkalender aufgenommen und fand seitdem zunächst jährlich zwischen Ende Mai und Anfang Juni statt. Die Erstaustragung gewann 1999 Jens Heppner. Mit der Einführung der UCI ProTour im Jahr 2005 wurde die Rundfahrt Teil dieser Serie der wichtigsten Straßenradrennen und wurde von nun an im jeweils im August ausgetragen. In den ProTour-Zeiten gewann 2005 Levi Leipheimer, 2006 und 2007 Jens Voigt sowie schließlich 2008 Linus Gerdemann.

Hochfügen, eines der Etappenziele der 2008er Deutschland-Tour

Die Deutschland Tour wurde nach der Austragung 2008 eingestellt.[2] Als Grund wurde genannt, dass die Verantwortlichen der ARD bekanntgaben, dass die Tour de France 2009 nicht live im Ersten übertragen wird. Auch das ZDF konnte zum damaligen Zeitpunkt nicht versichern, dass es die Deutschland-Tour übertragen wird. Die dadurch entfallenden Einnahmen durch die Rundfunkübertragungsrechte waren letztendlich auch der Grund für die Absage der Deutschland-Tour 2009.[3]

Wiedereinführung 2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer vom Bund Deutscher Radfahrer und dem Tour de France-Organisator Amaury Sport Organisation im Jahr 2016 geschlossenen Vereinbarung soll es im Jahr 2018 zu einer erneuten Austragung der Deutschland-Tour kommen.[4] Im Juli 2016 wurde bekannt gegeben, dass die Rundfahrt zunächst über vier Etappen ausgetragen werden und im Laufe der weiteren Austragungen - zunächst geplant bis in das Jahr 2028 - eine Ausweitung auf eine Woche erfolgen soll.[5]

Namen der Rundfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tabelle zeigt die verschiedenen Namen der Rundfahrt im Verlauf von 1911 bis heute. In nicht aufgeführten Jahrgängen ist die Rundfahrt nicht ausgetragen worden.

Jahr Name
1911 Quer durch Deutschland
1922 Großer Preis von Deutschland
1927 Großer Opelpreis von Deutschland
1930 Deutschlandrundfahrt
1931 Internationale Opel-Deutschland-Rundfahrt
1937–1938 Internationale Deutschland-Rundfahrt
1939 Großdeutschlandfahrt
1947 Grünes Band vom Rhein
1948–1949 Grünes Band der IRA
1950–1955 Deutschland-Rundfahrt
1960–1962 Internationale Afri-Cola-Deutschland-Rundfahrt
1979 Internationale Vitamalz-Rundfahrt
1980–1982 Deutschland-Rundfahrt
1999–2008 Deutschland Tour
2018 Deutschland Tour

Sieger der Deutschland-Tour[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Liste der Sieger der Deutschland Tour

Gesamtwertung Gelbes Trikot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Trophäe der Deutschland-Tour

Bei den bisher insgesamt 31 Ausgaben gab es 30 verschiedene Gesamtsieger. Einzig der damals für das dänische Radsportteam CSC fahrenden deutsche Profi Jens Voigt konnte die Tour zweimal gewinnen, nämlich in den Jahren 2006 und 2007. Unter den 30 Siegern waren achtzehnmal deutsche Fahrer. zwölfmal nahmen ausländische Fahrer den Sieg mit in ihr Heimatland. Hier führen die Niederländer mit drei Siegen, gefolgt von den Belgiern, Italienern und Spaniern mit jeweils zwei Siegen. Zudem konnten sich jeweils ein US-Amerikaner, Kasache und Australier den Gesamtsieg sichern.

Bergwertung Rot-gepunktetes Trikot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bergwertung wurde bisher siebzehnmal vergeben. Kein Fahrer konnte die Wertung zweimal gewinnen. Fünfmal siegten deutsche Fahrer, je zweimal Italiener, Schweizer und Belgier. Mit einem Sieg folgen je ein Österreicher, US-Amerikaner, Niederländer, Spanier, Schwede und Australier.

Punktewertung Schwarzes Trikot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Punktewertung wurde bisher dreizehnmal vergeben. Unangefochtener Spitzenreiter ist der Deutsche Erik Zabel, der zwischen 1999 und 2007 die Wertung insgesamt siebenmal gewinnen konnte. Er ist auch der Einzige, der die Wertung mehrmals gewinnen konnte. Deutsche Fahrer siegten zehnmal. Zudem waren ein Belgier, ein Italiener und ein Schwede erfolgreich.

Nachwuchswertung Weißes Trikot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wertung, die erst seit 2006 ausgetragen wurde, gewann im Premierenjahr der Russe Wladimir Gussew, im Jahr darauf der Niederländer Robert Gesink.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutschland-Rundfahrt 1982 auf cycling4fans.de
  2. Deutschland Tour 2009 findet nicht statt. deutschland-tour.de, 17. Oktober 2008, archiviert vom Original am 20. September 2014, abgerufen am .
  3. Nach Dopingwelle und TV-Ausstieg Deutschland-Tour 2009 abgesagt. Focus.de, archiviert vom Original am 30. Juli 2012, abgerufen am 9. März 2016.
  4. Deutschland-Tour kommt zurück - Start spätestens 2018. eurosport.de, 8. März 2016, abgerufen am 8. März 2016.
  5. D-Tour gibt Comeback im August 2018 über vier Tage. radsport-news.com, 19. Juli 2016, abgerufen am 29. Juli 2016.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutschland Tour – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien