Deutschlandsender Kultur

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Der Deutschlandsender Kultur (DS Kultur) war ein Rundfunksender, der unmittelbar nach der Wende aus Radioprogrammen des Rundfunks der Deutschen Demokratischen Republik hervorging. Er sendete vom 16. Juni 1990 bis zum 31. Dezember 1993 aus Berlin.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zusammenbruch der DDR Ende 1989 regelte der Einigungsvertrag die Abwicklung des DDR-Rundfunks. Um dem demokratischen Aufbruch der DDR eine Stimme zu geben, entstand als Übergangslösung DS Kultur, ein auf Kultur und Wissenschaft spezialisiertes, weitgehend unpolitisches 24-Stunden-Programm. Es ging aus Redaktionen der beiden DDR-Sender Deutschlandsender[1] und Radio DDR II hervor und sendete aus dem Ost-Berliner Funkhaus Nalepastraße. Seine Chefredakteurin war die Berliner Journalistin Monika Künzel,[2][3] ihr Stellvertreter war Stefan Amzoll, ein DDR-kritischer Musikredakteur von Radio DDR II. Künzel standen anfangs 140 Mitarbeiter zur Verfügung. Sie selbst bezeichnete bei einer Pressekonferenz kurz nach dem Start des Senders dessen Zukunft zurückhaltend als „nicht hoffnungslos“.[4]

DS Kultur sendete aus dem Block A des Funkhauses. Im Studio K 2 wurden Sondersendungen für Langwelle produziert, im Studio K 13 fanden später die Gespräche des runden Tischs statt.

Während für den RIAS und den Deutschlandfunk nach der Wende ein „Hörfunküberleitungsvertrag“ bestand, fehlte für das Weiterbestehen von DS Kultur jegliche gesetzliche Regelung. Gemäß dem Einigungsvertrag vom 3. Oktober 1990 drohte dem Sender (als Nachfolger des Staatsrundfunks der DDR) bereits unmittelbar nach seinem Start das Aus. Um das zu verhindern, wurde ein Kuratorium gebildet und ein „runder Tisch“ einberufen.[5] Nach einer Serie von Entlassungen und dem Verlust von Frequenzen[6] kam DS Kultur dann vorübergehend unter das gemeinsame Dach der West-Senderketten ARD und ZDF und ging am 1. Januar 1994 zusammen mit dem Kulturprogramm des West-Berliner US-amerikanisch geprägten RIAS[7] im Deutschlandradio auf.[8] Die Kernredaktionen verteilten sich auf die Funkhäuser von DeutschlandRadio Berlin und Deutschlandfunk in Köln.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rundfunk der DDR
  • Radio-Kurier (PDF; 709 kB) vom 1. Januar 2012, S. 16 ff.
  • Inga Hoff: Rundfunk nach dem Wendepunkt: Die Integration Ostdeutschlands nach der Wiedervereinigung durch das Zweite Deutsche Fernsehen, das Deutschlandradio und die Deutsche Welle. Diplomatica Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-8428-5802-2
  • Peter Marchal: Kultur- und Programmgeschichte des öffentlich-rechtlichen Hörfunks in der Bundesrepublik Deutschland. Kopaed, München 2004, Bd. 2, ISBN 978-3-938028-10-0

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Von 1971 bis 1990 hieß der Deutschlandsender Stimme der DDR
  2. Wundertüte für Anspruchsvolle – Zehn Jahre Deutschlandradio. ZeitFragen, 1. Januar 2004, Sendemanuskript RTF-Text
  3. Monika Künzel war ab August 1989 stellvertretende Leiterin der Hörspielabteilung, die allen DDR-Sendern zuarbeitete.
  4. Pressekonferenz am 30. Oktober 1990, Berliner Zeitung vom 31. Oktober 1990, S. 9
  5. Wir über uns: DS Kultur. DeutschlandRadio
  6. Otto Köhler: Wellenräuber Biedenkopf. In: Die Zeit, Nr. 3/1992
  7. RIAS 1 war das Kulturprogramm des RIAS. An der Fusion maßgeblich beteiligt war der letzte Programmdirektor des RIAS, Siegfried Buschschlüter
  8. Zum Deutschlandradio gehörte ab da auch der Deutschlandfunk aus Köln.