Deutschneudorf

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Deutschneudorf
Deutschneudorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Deutschneudorf hervorgehoben
Koordinaten: 50° 36′ N, 13° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Erzgebirgskreis
Verwaltungs­gemeinschaft: Seiffen/Erzgeb.
Höhe: 664 m ü. NHN
Fläche: 8,07 km2
Einwohner: 1027 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 127 Einwohner je km2
Postleitzahl: 09548
Vorwahl: 037368
Kfz-Kennzeichen: ERZ, ANA, ASZ, AU, MAB, MEK, STL, SZB, ZP
Gemeindeschlüssel: 14 5 21 140
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bergstr. 9
09548 Deutschneudorf
Webpräsenz: www.gemeinde.deutschneudorf.net
Bürgermeisterin: Claudia Kluge (FDP)
Lage der Gemeinde Deutschneudorf im Erzgebirgskreis
SachsenAmtsbergAnnaberg-BuchholzAueAuerbach (Erzgebirge)Bad SchlemaBärenstein (Erzgebirge)Lauter-BernsbachBockauBörnichen/Erzgeb.Breitenbrunn/Erzgeb.BurkhardtsdorfCrottendorfDeutschneudorfDrebachEhrenfriedersdorfEibenstockElterleinGelenau/Erzgeb.GeyerGornau/Erzgeb.GornsdorfGroßolbersdorfGroßrückerswaldeGrünhain-BeierfeldGrünhainichenHeidersdorfHohndorfJahnsdorf/Erzgeb.JohanngeorgenstadtJöhstadtKönigswaldeLauter-BernsbachLößnitz (Erzgebirge)Lugau (Erzgebirge)MarienbergMildenauNeukirchen/Erzgeb.Niederdorf (Sachsen)NiederwürschnitzOberwiesenthalOelsnitz/Erzgeb.OlbernhauPockau-LengefeldRaschau-MarkersbachScheibenbergSchlettauSchneeberg (Erzgebirge)SchönheideSchwarzenberg/Erzgeb.SehmatalSeiffen/Erzgeb.Stollberg/Erzgeb.StützengrünTannenbergThalheim/Erzgeb.Thermalbad WiesenbadThumWolkenstein (Erzgebirge)ZschopauZschorlauZwönitzKarte
Über dieses Bild

Deutschneudorf ist eine Gemeinde im Erzgebirgskreis in Sachsen (Deutschland). Sie gehört der Verwaltungsgemeinschaft Seiffen/Erzgeb. an.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Deutschneudorf liegt an der Schweinitz, einem Nebenfluss der Flöha, unmittelbar an der tschechischen Grenze. Es ist eine typische Streusiedlung in der Kammlage des Erzgebirges.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschneudorf grenzt an den tschechischen Ortsteil Mníšek v Krušných horách. Im Westen grenzen Olbernhau und Seiffen/Erzgeb., im Norden Neuhausen/Erzgeb., im Osten Nová Ves v Horách und im Süden Hora Svaté Kateřiny an die Gemeinde.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Ort Deutschneudorf gehören folgende Ortsteile zur Gemeinde:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindeamt Deutschneudorf
Deutschneudorf: Blick auf die 1734/36 erbaute Kirche
Deutschneudorf: Gedenkstätte für die Opfer des Todesmarsches vom 9. Juni 1945

Um 1514 finden erste Schürfungen auf dem späteren Gemeindegebiet statt. Der Grünthaler Saigerhüttenfaktor August Rohdt erhält 1620 die Fortuna Fundgrube und die Pallas Fundgrube. 1637 errichtet er einen Hohen-Ofen-Platz zur Unterstützung des Drahthammers in Rothenthal. Aus dem nahen St. Katharinenberg kommen Exulanten als Fachleute. 1651 wird die Ansiedlung als Naudorff untern Catherbergk erstmals urkundlich erwähnt und umfasst 1657 drei Häuser. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und dem Auftreten der Pest ist die Gegend nahezu menschenleer. Auf den entstandenen Rodeflächen werden böhmische Exulanten angesiedelt. Der erste Lehrer wird 1718 aktenkundig. Der Bau einer eigenen Kirche wird 1736 fertiggestellt und 1741 wird ein Schulgebäude errichtet. 1801 wird Deutschneudorf eigenständige Kirchgemeinde. Die Freiwillige Feuerwehr wird 1875 gegründet. 1879 wird die erste Fernsprechstelle eingerichtet. Das Gemeindeamt wird 1924 errichtet. 1936 wird ein Schwimmbad erbaut. Während des Einmarsches der deutschen Wehrmacht ins Sudetenland am 1. Oktober 1938 befinden sich der Reichserziehungsminister Bernhard Rust sowie Konrad Henlein im Ort. Am 1. April 1939 wird die Oberlochmühle, bisher Ortsteil von Oberseiffenbach, Deutschneudorf zugeordnet. Zwischen Herbst 1944 und 8. Mai 1945 legen Mitglieder der Spezialeinheit der Wehrmacht Brandenburg unter der Code-Bezeichnung ORPHE ein Geheimdepot für Kunst- und Kulturgut an.

Zur Erinnerung an die Opfer des Todesmarsches vom 9. Juni 1945 von Komotau nach Maltheuern, der auch durch Deutschneudorf führte, wurde eine Gedenkstätte errichtet.

1966 bis 1970 erfolgt der Bau der zentralen Trinkwasserversorgung.

Am 3. Mai 1927 wurde als eine der letzten in Sachsen gebauten Bahnstrecken die 1919 vom sächsischen Landtag bewilligte Bahnstrecke Olbernhau-Grünthal–Deutschneudorf eröffnet. Am 21. Mai 1966 wurde der reguläre Personenverkehr auf dieser Bahnstrecke eingestellt; die Einstellung des Güterverkehrs erfolgte am 26. September 1969. Eine Verfügung vom 12. Juni 1970 ordnete den Streckenrückbau an, im Folgejahr wurden alle Gleisanlagen sowie die stählernen Brückenüberbauten der Strecke demontiert.

Am 1. Januar 1999 werden Deutscheinsiedel und Deutschneudorf zur Gemeinde Deutschneudorf zusammengeschlossen.[2]

Während des Augusthochwassers 2002 war Deutschneudorf einer der ersten Orte, die überflutet wurden.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres mit Gebietsstand Januar 2007:

1982 bis 1988

  • 1982 − 1.727
  • 1983 − 1.690
  • 1984 − 1.664
  • 1985 − 1.654
  • 1986 − 1.649
  • 1987 − 1.639
  • 1988 − 1.593

1989 bis 1995

  • 1989 − 1.571
  • 1990 − 1.494
  • 1991 − 1.484
  • 1992 − 1.456
  • 1993 − 1.416
  • 1994 − 1.439
  • 1995 − 1.382

1996 bis 2002

  • 1996 − 1.387
  • 1997 − 1.341
  • 1998 − 1.301
  • 1999 − 1.296
  • 2000 − 1.271
  • 2001 − 1.237
  • 2002 − 1.215

2003 bis 2012

  • 2003 − 1.197
  • 2004 − 1.187
  • 2005 − 1.174
  • 2006 − 1.170
  • 2007 − 1.142
  • 2009 − 1.129
  • 2012 − 1.068

ab 2013

  • 2013 − 1.058
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahl 2014[3]
 %
80
70
60
50
40
30
20
10
0
74,3 %
25,7 %
  
Insgesamt 12 Sitze

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 12 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

Die Wahlbeteiligung betrug 59,9 %.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1973 bis 1989: Alfons Knittel
  • 1990 bis 1994: Ludwig Kluge, parteilos
  • 1994 bis 2015: Heinz-Peter Haustein, FDP
  • seit 2015: Claudia Kluge, FDP

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Partnergemeinde ist Beratzhausen in Bayern.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschneudorf ist Anfang- und Endpunkt des April 2015 eingeweihten Glockenwanderweges

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschkatharinenberg befindet sich in einer bis 1880 betriebenen Kupfer- und Silbererzgrube das 2001 eröffnete Besucherbergwerk „Fortuna-Stollen“. Bis heute bestehen Vermutungen, nach denen hier am Ende des Zweiten Weltkrieges das Bernsteinzimmer eingelagert wurde. Das Heimatmuseum „Haus der erzgebirgischen Tradition“ befindet sich in Deutschneudorf.

Deutschneudorf und das Bernsteinzimmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehemalige Bürgermeister Heinz-Peter Haustein sucht seit Jahren in der Region nach dem Bernsteinzimmer. Wie im Februar 2008 bekannt wurde, hätten Bodenscans quaderförmige Formen gezeigt, welche auf unterirdisches Gold oder Silber schließen ließen. Des Weiteren gebe es in den Unterlagen eines Funkers und Navigators der Luftwaffe der ehemaligen Wehrmacht Hinweise darauf, dass in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wertvolle Kisten nach Deutschneudorf verbracht worden seien. Im Jahr 2008 fand eine bisher erfolglose Suche mit rasterartigen Erdbohrungen statt.[4][5]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehem. Bahnhof Deutschneudorf (2016)

In Deutscheinsiedel befindet sich ein 2002 eröffneter Grenzübergang für den PKW-Verkehr. Seit dem Wegfall der Grenzkontrollen durch das Schengener Abkommen im Dezember 2007 sind außerdem auch die Übergänge in Deutschneudorf und in Deutschkatharinenberg, die vorher nur für Fußgänger geöffnet waren, für PKW freigegeben.

Deutschneudorf war von 1927 bis 1969 Endpunkt der Bahnstrecke Olbernhau-Grünthal–Deutschneudorf.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschneudorf wird ein deutsch-tschechischer Kindergarten betrieben. Der Bau einer deutsch-tschechischen Grundschule ist in Vorbereitung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutschneudorf. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 7. Band. Schumann, Zwickau 1820, S. 16–18.
  • Richard Steche: Deutschneudorf. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 3. Heft: Amtshauptmannschaft Freiberg. C. C. Meinhold, Dresden 1884, S. 5.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  3. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  4. Bernsteinzimmer - Deutschneudorf bleibt dran. focus.de, 26. Februar 2008, abgerufen am 4. Oktober 2016.
  5. Dorf im Goldrausch: Jagd nach dem Bernsteinzimmer. Spiegel TV, 4. März 2008, abgerufen am 4. Oktober 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutschneudorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien