Deutschschweiz

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Sprachgebiete der Schweiz – Mehrheitsverhältnis nach der BFS-Erhebung 2010; Karte mit einem Gemeindebestand per 1. Januar 2017
  • Deutsch
    (65,6 % der Bevölkerung; 73,3 % der Schweizer)
  • Französisch
    (22,8 % der Bevölkerung; 23,4 % der Schweizer)
  • Italienisch
    (8,4 % der Bevölkerung; 6,1 % der Schweizer)
  • Rätoromanisch
    (0,6 % der Bevölkerung; 0,7 % der Schweizer)
  • Mit dem Begriff Deutschschweiz (auch deutsche Schweiz) wird ein die Kantonsgrenzen überschreitendes Gebiet der Schweiz mit einer überwiegend Deutsch bzw. Schweizerdeutsch sprechenden Bevölkerung («Deutschschweizer») umschrieben. Etwa 65 Prozent des Territoriums der Schweiz (die Nordwestschweiz, die Ostschweiz, Teile des Mittellandes, die Zentralschweiz sowie grosse Teile der Schweizer Alpen) werden zur Deutschschweiz gezählt. Die anderen Gebiete der Schweiz werden als Romandie, Italienische Schweiz und Rätoromanische Schweiz bezeichnet.

    Die Bevölkerungszahl der Deutschschweiz beträgt rund 5.4 Millionen, also ungefähr 65 % der schweizerischen Gesamtbevölkerung, die sich wiederum vor allem auf die Metropolräume Zürich, Basel und Bern konzentriert.

    Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Alltagsprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Als Alltagsprache wird Schweizerdeutsch, eine Sammelbezeichnung für die in der Deutschschweiz gesprochenen alemannischen Dialekte, gesprochen. Während im übrigen alemannischen Sprachraum das Standarddeutsche die Ortsdialekte vielfach als vorrangige Sprachvarietät verdrängt hat, werden die schweizerdeutschen Dialekte in fast allen Gesprächssituationen vorrangig benutzt. In diesem Zusammenhang beschrieb der Deutschschweizer Schriftsteller Hugo Loetscher in einem Essay die Sprachsituation der Deutschschweizer als zweisprachig innerhalb der eigenen Sprache.[1]

    Gebärdensprache

    In der Deutschschweiz wird die Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS) eingesetzt. Falls Lehnwörter in Einsatz kommen, so werden dort bevorzugt Wörter der in der Romandie genutzten Langue des signes Suisse romande (LSF-SR) verwendet, weniger solche der Deutschen Gebärdensprache (DGS) oder der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS), mehr die nationalen Grenzen sind also entscheidend, weniger die Lautsprachgrenzen.[2] Die DSGS ist eine eigenständige Sprache, deren Familienzugehörigkeit unklar ist (französisch oder deutsch).[3]

    Amtssprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die Sprachregionen der Schweiz bilden an sich keine administrativen Einheiten. Auch die Kantonsgrenzen sind keine Sprachgrenzen, somit hat die Schweiz eine weitere Vielfalt: Kantone mit mehreren gesprochenen Sprachen und Amtssprachen. Der Status der Sprachen in der Schweiz ist auf Kantonsebene geregelt. In 17 der 26 Kantone ist aufgrund der Bevölkerungsstruktur Schweizer Hochdeutsch die alleinige Standard- und Amtssprache. In vier weiteren Kantonen zählt das Schweizer Hochdeutsch zu den offiziellen Sprachen:

    • In den Kantonen Bern, Freiburg und Wallis gelten Französisch und Schweizer Hochdeutsch als Amtssprachen.
    • Im Kanton Graubünden gilt Schweizer Hochdeutsch neben Rätoromanisch und Italienisch ebenfalls als Amtssprache, da mehr als die Hälfte der Bevölkerung Varietäten des Schweizerdeutschen sprechen.

    Kulturgrenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die romanisch-germanische Sprachgrenze zwischen Schweizerdeutsch bzw. Schweizer Hochdeutsch in der Deutschschweiz und dem Schweizer Französisch in der französischen Schweiz wird auch als Röstigraben bezeichnet. Etwas östlich davon markiert die Mundartgrenze Brünig-Napf-Reuss-Linie eine weitere Kulturgrenze.

    Im Schulwesen zeichnet sich ab, dass lediglich die Deutschschweizer Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Solothurn, Bern und das Oberwallis Französisch als erste obligatorische Fremdsprache in der Primarschule lehren, während in den restlichen deutschsprachigen Kantonen zuerst Englisch unterrichtet wird, wobei im deutschsprachigen Teil Graubündens zuerst Italienisch eingeführt wird.[4]

    Regionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die Deutschschweiz gestaltet sich traditionell als sehr unterschiedlich geprägter Raum, der durch verschiedene Zentren und kulturelle Gepflogenheiten jeweils anders politisch und gesellschaftlich gekennzeichnet ist.

    Das Kunstmuseum Basel, ältestes und grösstes Kunstmuseum der Schweiz

    Nordwestschweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Der Wirtschaftsraum Nordwestschweiz besteht aus dem Grossraum Basel, umfasst also die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft sowie die Bezirke Laufenburg und Rheinfelden des Kantons Aargau und die Bezirke Dorneck und Thierstein des Kantons Solothurn. Das wirtschaftliche und gesellschaftliche Zentrum der Region stellt hier die Stadt Basel dar, in welcher sich unter anderem die Universität Basel, die älteste Universität der Schweiz, das Kunstmuseum Basel, das grösste Kunstmuseum der Schweiz und der weltweite Sitz der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich befinden. Zusätzlich wird die Stadt Basel auch zu den führenden Chemie- und Pharmazentren, mit dem Hauptsitz der beiden Grossfirmen Novartis und Hoffmann-La Roche, der Welt gerechnet.[5]

    Zentralschweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Zur Zentralschweiz gehören die Kantone Luzern, Schwyz, Uri, Obwalden, Nidwalden und Zug. Das Wirtschafts- und Kulturzentrum des Landesteils stellt historisch die Stadt Luzern dar, wo sich beispielsweise der Sitz des Eidgenössischen Versicherungsgerichts und die im Jahr 2000 gegründete Universität Luzern befinden, aber auch das Kultur- und Kongresszentrum Luzern mit dem Lucerne Festival und das Verkehrshaus der Schweiz.

    Das Opernhaus in Zürich, der grössten Stadt der Schweiz

    Ostschweiz und Zürich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die Ostschweiz umfasst die Kantone Schaffhausen, Thurgau, St. Gallen, Glarus, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden und die deutschsprachigen Teile des Kantons Graubünden. Obwohl der Raum Zürich meist kulturell nicht zur Ostschweiz gerechnet wird, stellt er doch dessen wirtschaftliches und gesellschaftliches Zentrum dar und bleibt somit stark mit der Region verflochten. In der Stadt St. Gallen befinden sich das Bundesverwaltungsgericht sowie die Universität St Gallen. Der Kanton Schaffhausen hingegen hat vor allem auch im Bereich der Uhrenindustrie hinter Genf, Biel und La Chaux-de-Fonds noch eine gewisse Bedeutung, während der Kanton Thurgau um die Bodenseeregion vor allem auch für seine Wein- und Apfelkultur bekannt ist.

    Der Raum und die Stadt Zürich, die bevölkerungsreichste Stadt des Landes, zeichnen sich zusätzlich durch ein vielfältiges Kultur- und Bildungsangebot, wie auch durch einen sehr diversifizierten Wirtschaftsstandort aus. So befinden sich in der Stadt unter anderem die Universität Zürich, die ETH Zürich, der Hauptsitz der Schweizerischen Nationalbank, der Sitz der Schweizer Börse, der grösste nationale Flughafen im Vorort Kloten, der Hauptsitz der FIFA und das Kunsthaus Zürich.

    Espace Mittelland und Oberwallis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Das Espace Mittelland setzt sich aus Teilgebieten der Kantone Freiburg und Solothurn sowie aus dem Kanton Bern zusammen. Das allgemeine Zentrum der Region bildet die Stadt Bern, mit den Nebenzentren Biel, Freiburg, Thun und Solothurn. Die Bundeshauptstadt Bern zeichnet sich unter anderem durch die zahlreichen in der Stadt ansässigen eidgenössischen Departemente, das Bundeshaus, den Zweitsitz der Schweizerischen Nationalbank, die Universität Bern sowie das Zentrum Paul Klee und das Kunstmuseum Bern aus.

    Der Kantonshauptort Freiburg hingegen beheimatet die zweisprachige Universität Freiburg, das Museum für Kunst und Geschichte sowie den Espace Jean-Tinguely–Niki-de-Saint-Phalle. Die Stadt Biel ist vor allem durch die ansässige Uhrenindustrie, Hauptsitz der Firma Swatch, geprägt und der Kantonshauptort Solothurn mit seiner St. Ursenkathedrale, wird gemeinhin als schönste Barockstadt der Schweiz betrachtet.[6]

    Der deutschsprachige Teil des Kantons Wallis, das sogenannte Oberwallis, zeichnet sich dadurch aus, als dass kulturell und wirtschaftlich sowohl zum deutschsprachigen Nachbarskanton Bern, als auch zum unteren, französischsprachigen Kantonsgebiet und somit zur Romandie enge Beziehungen bestehen. Das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des alpin-geprägten Kantonsteil bilden die beiden Städte Brig und Visp.

    Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. Hugo Loetscher: Identität: Schweizstunde. Sind wir die «Dorftrottel Europas»? Oder sind wir «Niemandskinder»? Was ist eigentlich ein Schweizer? Ein Essay über unsere Identität. DIE ZEIT Nr. 17, 16. April 2009; abgerufen am 6. Juli 2011.
    2. Penny Boyes Braem, Tobias Haug, Patty Shores: Gebärdenspracharbeit in der Schweiz: Rückblick und Ausblick, Hamburg: Zeitschrift für Sprache und Kultur Gehörloser
    3. Henri Wittmann: Classification linguistique des langues signées non vocalement. In: Revue québécoise de linguistique théorique et appliquée. 10:1.2, 1991, S. 15–88 (online, PDF).
    4. Schule Schweiz. Abgerufen am 19. Mai 2017.
    5. Präsidialdepartement Basel-Stadt, Abteilung Kultur, Marktplatz 30a, CH-4001 Basel, Schweiz: Kunstmuseum Basel. Abgerufen am 18. Mai 2017.
    6. Schönste Barockstadt der Schweiz. Abgerufen am 18. Mai 2017.