Devisen

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Dieser Artikel behandelt Devisen als Währungsforderungen. Für weitere Bedeutungen siehe Devise.

Devisen (lat. divisa ‚Getrenntes‘) ist ein pluraletantischer Begriff aus der Volkswirtschaft und dem Bankwesen, der allgemein auf fremde Währung lautende ausländische Zahlungsmittel, außer Sorten, umschreibt. Speziell im Bankwesen werden hierunter auf fremde Währung lautende, im Ausland zahlbare Forderungen (Wechsel, Schecks und Zahlungsanweisungen) verstanden. Im Devisenhandel der Kreditinstitute wird der Begriff am engsten interpretiert, denn hier reduziert sich der Devisenbegriff auf bei ausländischen Kreditinstituten gehaltene Bankguthaben.

Begriffsinhalt und Abgrenzungen[Bearbeiten]

Je nach Untersuchungszweck wird der Devisenbegriff weiter oder enger verwendet. Alle Definitionen erfassen Zahlungsmittel in fremder Währung, die im Ausland zahlbar sind. Zahlungsmittel wiederum sind geldähnliche Forderungsrechte im Rahmen des unbaren Zahlungsverkehrs (Wechsel, Schecks und Zahlungsanweisungen wie Reiseschecks oder Kreditbriefe). Devisen ermöglichen die sofortige (oder zumindest sehr kurzfristige) Geldzahlung in einer fremden Währung und verkörpern damit sofortige Kaufkraft in fremder Währung (oder zumindest Kaufkraft in Form kurzfristig fälliger Forderungen, also mit einer kurzen Selbstliquidationsfrist)[1]. Bei Kreditinstituten wird der Devisenbegriff technisch auf „Sichteinlagen in fremder Währung auf den Girokonten ausländischer und inländischer Banken“ reduziert[2], manchmal sogar auf Sichteinlagen im Emissionsland der Währung eingeengt: „Im Zentrum des Devisenhandels stehen die auf fremde Währung lautenden Sichtguthaben, die bei Banken im Emissionsland der Fremdwährung gehalten werden“[3]. Darüber hinaus werden kurzfristige Termineinlagen und Geldmarktpapiere hinzugerechnet[4].

Nicht zu den Devisen gehören Sorten, weil sie als Bargeld zu den gesetzlichen Zahlungsmitteln gehören. Sie können jedoch durch Einzahlung auf ein Konto in gleicher Landeswährung in Devisen umgewandelt werden. Weniger liquide Forderungsrechte wie Schuldverschreibungen/Anleihen in ausländischer Währung werden ebenfalls nicht zu den Devisen gerechnet, erst recht nicht Anteilswerte wie Aktien.

Konvertierbarkeit[Bearbeiten]

Ein freier Devisenverkehr ist nur möglich, wenn die betroffenen Währungen einer vollen Konvertierbarkeit unterliegen. Dann hat jeder Besitzer von Devisen das Recht, diese unbeschränkt, insbesondere ohne Rücksicht auf den Verwendungszweck, zum Paritätskurs gegen inländische oder andere ausländische Währungen einzutauschen[5]. Ist jedoch eine Währung lediglich beschränkt konvertierbar, so unterscheidet man folgende Teilaspekte:

  • Ausländerkonvertibilität: Das Recht, inländische Währung gegen ausländische einzutauschen, wird lediglich Ausländern oder ausländischen Zentralbanken gewährt;
  • Verwendungszweck: Das Eintauschrecht wird im Hinblick auf die Verwendung eingeschränkt, etwa Kapitaltransaktionen oder Beteiligungen an inländischen Unternehmen werden verboten oder einer Genehmigungspflicht unterstellt;
  • Währungen: Eintauschrechte werden auf bestimmte Währungen oder betraglich begrenzt.

Die beschränkte oder völlig fehlende Konvertierbarkeit behindert einen freien Devisen- und Kapitalverkehr, insbesondere den Handel mit Devisen über Börsen oder zwischen Kreditinstituten. Volle Konvertierbarkeit ist ein wichtiges Indiz für so genannte „Hartwährungsländer“.

Devisenbörsen und Kursbildung[Bearbeiten]

Devisen – hier begrenzt auf Guthaben bei ausländischen Banken – sind in standardisierten Mengen handelbar. Dies kann über Devisenbörsen, also staatlich genehmigte und organisierte Institutionen, bei denen durch einen amtlichen Makler für notierte Währungen ein amtlich ermittelter Kassakurs als Mittelkurs festgelegt wird, geschehen. Leitbörse in Deutschland war bis zum 31. Dezember 1998 Frankfurt/Main, die börsentäglich gegen 13 Uhr etwaige offene Devisenspitzen unter Mitwirkung der Bundesbank im so genannten Fixing ausglich und sodann den amtlichen Devisenkurs festgestellt hatte[6]. Alle Börsenteilnehmer verrechneten zum amtlichen Mittelkurs, während für die Bankkunden eine über dem Mittelkurs liegende Spanne („Spread“) als Briefkurs und eine entsprechend darunter liegende Spanne als Geldkurs ermittelt wurde. Zum Geldkurs kaufen die Banken Devisen ihrer Kunden an, zum Briefkurs werden sie den Kunden verkauft. Damit war der amtliche Devisenkurs der wichtigste Referenzwert für Devisengeschäfte.

Seit der Schließung der deutschen Devisenbörsen durch Einführung des Euro werden als Referenzwerte für Devisen vielfach die so genannten „EuroFX“[7], bei denen insgesamt 17 Institute gegen 13 Uhr die Mittelwerte ihrer Wechselkurse festlegen und bei REUTERS veröffentlichen[8], herangezogen. Börsen wie die NYSE Euronext greifen bei der Umrechnung von Fremdwährungskontrakten auf die EuroFX-Kurse zu, Kreditkartengesellschaften rechnen Auslandsumsätze auf dieser Basis um, und der Endverbraucher kann mit Hilfe der Veröffentlichung in der Tagespresse seine Abrechnungen kontrollieren.

Nach einer Telefonkonferenz mit den Zentralbanken der Euro-Teilnehmerländer stellt die Europäische Zentralbank (EZB) täglich kurz nach 14 Uhr Wechselkurse, so genannte Referenzkurse, fest. Sie werden jedoch – aufgrund ihrer größeren Marktferne – weniger für Devisengeschäfte als für Statistiken, Bilanzen von Großunternehmen und allgemeine Orientierungshilfe genutzt.

Der größte Teil des weltweit gehandelten Devisenvolumens wurde und wird weiterhin über den Devisenhandel im Rahmen des Interbankenhandels abgewickelt. Hierbei bemühen die Banken nicht Devisenbörsen, sondern schließen bilaterale Devisengeschäfte direkt mit ihren Partnerbanken („Kontrahenten“) ab. Dabei kommt es zu einer individuellen Kursbildung für jedes einzelne Geschäft, die völlig unabhängig vom EuroFX-Kurs auf Grundlage der aktuellen Marktkurse erfolgt. Der EuroFX-Kurs ist allenfalls ein Zwischenergebnis und reflektiert den Durchschnittswert des Interbankenhandels zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Devisengeschäfte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Devisenmarkt

Durch den Devisenmarkt wird der Tausch inländischen Geldes in ausländisches und umgekehrt ermöglicht und dadurch Kaufkraft von Inlandswährung in Auslandswährung umgewandelt[9]. Der Devisenmarkt ist ein ökonomischer Ort, an dem Devisenangebot und Devisennachfrage aufeinandertreffen. Dies geschieht institutionalisiert durch den Devisenhandel, der Devisengeschäfte als Handelsobjekt zum Gegenstand hat. Hierzu gehören als Grundformen Devisenkassa- und Devisentermingeschäfte. Der Devisenhandel bei Kreditinstituten sorgt im Kundengeschäft für den Ausgleich der Devisenüberschüsse oder –defizite und für die Absicherung vor Währungsrisiken, die aus dem Halten offener Devisenpositionen resultieren können.

Devisengeschäfte, bei denen die Währungen zwei Werktage nach dem Zeitpunkt des Geschäftsabschlusses getauscht werden, heißen „Devisenkassageschäfte“. Hingegen ist ein „Devisentermingeschäft“ ein Devisengeschäft, bei dem der Tausch von Währungen zu einem bestimmten zukünftigen Termin (1, 3, 6, 12 Monate oder mehr) und zu einem bereits bei Geschäftsabschluss vereinbarten Devisenkurs (Terminkurs) vereinbart wird. Devisentermingeschäfte eignen sich zur Sicherung gegen Wechselkursschwankungen.

Zwischen dem Devisenkassa- und dem Devisenterminkurs besteht eine Differenz, die als „Swapsatz“ bezeichnet wird; diese wird in Prozent des Devisenkassakurses ausgedrückt. Liegt der Terminkurs über dem Kassakurs, spricht man von einem „Report“, liegt er darunter, von einem „Deport”. Ausgangspunkt ist das Zinsniveau im In- bzw. Ausland:

Zinsniveau Inland > Zinsniveau Ausland = Deport

Zinsniveau Inland < Zinsniveau Ausland = Report

Bei Devisenoptionsgeschäften erwirbt der Käufer das Recht, an einem bestimmten Tag oder auch innerhalb einer bestimmten Frist einen bestimmten Betrag in einer Währung zu einem festgelegten Preis zu kaufen bzw. zu verkaufen. Je nach Inhalt des Geschäfts unterscheidet man Kauf- und Verkaufsoptionen. Der Geschäftspartner des Erwerbers einer Option wird als Stillhalter bezeichnet. Bei einem Devisen-Futures-Kontrakt verpflichtet sich der Erwerber, zu einem bestimmten Betrag Währungen zu kaufen bzw. zu verkaufen.

Kassadevisen stehen dem Käufer sofort zur Verfügung (in der Praxis zwei Werktage nach dem Kauf). Termindevisen dagegen stehen dem Käufer erst zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung.

Devisenspekulation und -arbitrage[Bearbeiten]

Devisen sind als Vermögenswerte auch Objekt für Spekulation und Arbitrage. Während die Spekulation versucht, Kursunterschiede innerhalb eines bestimmten Zeitraums auszunutzen, ist die Arbitrage auf die Ausnutzung von Kursunterschieden zu einem bestimmten Zeitpunkt an verschiedenen Orten angelegt. Devisenspekulation und –arbitrage gehören zum Eigenhandel der Banken, sind also nicht kundengetrieben. Auch Nichtbanken nehmen an Devisenspekulation und –arbitrage in erheblichem Umfang teil, indem (international tätige) Unternehmen insbesondere ihre Deviseneinnahmen oder –ausgaben nicht taggleich glattstellen oder sichern („hedgen“), sondern im Bestand halten, ohne dass es hierfür operative Gründe gibt.

Devisenspekulation ist letztlich der Kauf oder Verkauf von Devisenkassa- oder –termingeschäften in der Erwartung, dass bei Vornahme der entgegengesetzten Transaktion (Glattstellung) in der Zukunft durch die Devisenkursentwicklung ein Gewinn entstehen wird. Damit erfordert Devisenspekulation offene Fremdwährungsforderungen („open long position“) und/oder offene Fremdwährungsverbindlichkeiten („open short position“), die nicht durch entsprechende Gegenpositionen kongruent (also mit identischer Fälligkeit und in derselben Währung) abgesichert sind[10].

Devisenarbitrage liegt vor, wenn Devisenkursunterschiede zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgenutzt werden. Arbitrage erfordert mithin den gleichzeitigen Kauf und Verkauf einer Währung auf zwei unterschiedlichen Märkten, um den zwischen diesen Märkten bestehenden Kursunterschied gewinnbringend zu nutzen. Durch diese Zeitpunktbezogenheit ist die Arbitrage völlig risikolos, während mit der Spekulation auch eine Verlustgefahr verbunden ist.

Volks- und weltwirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Aus volkswirtschaftlicher Sicht entstehen Devisenbestände in einem Staat insbesondere durch permanente Überschüsse in der Handelsbilanz (wenn von anderen Einflüssen abstrahiert wird). Dann nämlich exportiert ein Staat mehr, als er importiert, wodurch er mehr Devisen einnimmt, als er durch Importe wieder ausgeben muss. Die auf diese Weise entstehenden Devisenbestände eines Staates sind nicht nur ein international anerkanntes Statussymbol für die Wirtschaftskraft des Staates, sondern sind Teil wichtiger Kennzahlen beim Rating von Staaten durch Ratingagenturen (siehe Länderrisiko). Diese berechnen etwa die Kennzahl der Importdeckung, indem sie das Importvolumen eines Staates den Devisenbeständen in einem bestimmten Zeitraum gegenüberstellen und dadurch ermitteln können, wie lange das Importvolumen aus vorhandenen Devisenbeständen ohne Kreditaufnahme bezahlt werden kann. Darüber hinaus bilden derartige Devisenbestände auch das Zahlungsmittel für die Tilgung und Zinszahlung von Staatsschulden bei ausländischen Gläubigern. Temporäre Leistungsbilanzdefizite können bei hohen Devisenreserven bedenkenlos über die Aufnahme von Auslandskrediten finanziert werden. Ein Staat mit hohen Devisenbeständen besitzt mithin vergleichsweise höhere Importfähigkeiten und Schuldenbedienungspotenziale als Staaten mit sehr geringen oder keinen Devisenbeständen. Staaten mit sehr geringen oder keinen Devisenbeständen können Ziel internationaler Spekulation werden.[11] Dann müssen die betroffenen Länder Kursstützungsmaßnahmen ergreifen, die absehbar durch Devisenmarktinterventionen zu einem Verbrauch der Währungsreserven[12] führen und auf diese Weise ein internationales Moratorium eines Staates verursachen können. Damit sind Devisenbestände auch eine wesentliche Bestandsgröße innerhalb der Währungsreserven eines Staates.

Die von Staaten gehaltenen Devisenreserven betrugen 1999 nach Angaben des Internationalen Währungsfonds knapp 2 Billionen US-Dollar. Im Jahr 2008 war dieser Betrag in der Spitze auf 7 Billionen Dollar angestiegen, davon entfielen etwa 2 1/2 Bio. Dollar auf fortgeschrittene Industrieländer, während 4 1/2 Bio. Dollar von Schwellenländern gehalten wurden. 2009 war dieser weltweite Devisenbestand rückläufig. Er liegt jetzt bei 6 1/2 Bio. Dollar[13].

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rolf Caspers, Zahlungsbilanz und Wechselkurse, 2002, S. 35
  2. Rolf Caspers, a.a.O., S. 37
  3. Helmut Lipfert, Devisenhandel und Devisenoptionshandel, 1992, S. 17
  4. Gustav Dieckheuer, Internationale Wirtschaftsbeziehungen, 2001, S. 234
  5. International Money Fund, Article VIII Artikel VIII des IWF in englisch; Artikel VIII in Verbindung mit Artikel IV der Statuten des Internationalen Währungsfonds
  6. Welt Online vom 8. August 2000, Wenn fremdes Geld zur Ware wird
  7. EuroFX ist der Kurzname für die tägliche Ermittlung von Referenzkursen der wichtigsten internationalen Währungen gegenüber dem Euro. Es wird in unmittelbarer Nachfolge zum amtlichen Devisenkursfixing verwendet.
  8. das Verfahren wurde kartellrechtlich genehmigt
  9. Rolf Caspers, a.a.O., S. 35 f.
  10. Rolf Caspers, a.a.O., S. 69
  11. Rolf Caspers, a.a.O., S. 114.
  12. Währungsreserven sind der Bestand an internationaler Liquidität einer Zentralbank (also Devisenbestände, darüber hinaus auch alle übrigen Forderungen in ausländischer Währung, Goldbestände und Sonderziehungsrechte beim IWF), der bei Bedarf zur Finanzierung temporärer Leistungsbilanzdefizite herangezogen werden kann.
  13. Economist, 18. Juli 2009, S. 90