Devotionalie

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Andachts- oder Votivbild mit den heiligsten Herzen Jesu und Mariens, um 1900
Devotionalienverkauf in Lourdes

Devotionalien sind Gegenstände, die der Andacht (lateinisch devotioHingabe‘, ‚Ehrfurcht‘) und der Förderung der Frömmigkeit dienen sollen und dabei benutzt werden,[1] wie etwa Kreuze, Kruzifixe, Rosenkränze, Heiligenfiguren und -bildnisse, Ikonen, Andachtsbilder[2] oder Medaillen wie etwa die Wundertätige Medaille.

Im Katholizismus sind Devotionalien eine Art Fortführung des Sakramentalienwesens, ohne jedoch zur Liturgie der Kirche zu gehören.[3] Oft erbitten die Gläubigen für Devotionalien den kirchlichen Segen.

Zentren des Devotionalienhandels sind vor allem Wallfahrtsorte. Devotionalien vergangener Zeiten sind ein bedeutender Bestandteil vieler Sammlungen und Museen und es gibt auch private Sammler von Devotionalien. Devotionalien kommen auch dem Bedürfnis entgegen, von einer Pilgerfahrt ein Erinnerungsstück mit nach Hause zu nehmen; insofern sind sie mitunter das religiöse Gegenstück zum Souvenir.[4]

Wo Andachtsgegenstände eigens zum gottesdienstlichen oder privaten Gebrauch von der Kirche geweiht oder gesegnet werden, zählt man sie zu den Sakramentalien, den heilswirksamen Zeichen. Der Protestantismus steht Devotionalien ablehnend gegenüber, jedoch lassen sich in Bezug auf Martin Luther Züge des Devotionalienwesens beobachten.[5]

Schon in der Antike gab es Andachtsgegenstände. So wurden bereits damals den Besuchern griechischer oder römischer Kultstätten kleine Götterfiguren oder Abbildungen von Tempeln aus Silber, Keramik oder Blei zum Kauf angeboten. Das Alte Testament erwahnt in Gen 31,34 EU 1 Sam 19,13-16 EU und 2 Kön 23–24 EU kleine Bilder von Hausgöttern, teils zum Gebrauch auf Reisen. Die Apostelgeschichte des Neuen Testaments erwähnt in 19,23-27 EU einen Schmied, der silberne Artemistempel herstellte und so „den Künstlern viel zu verdienen gab“.

Giovanni Battista de Rossi beschreibt im Bullettino di Archeologia Cristiana von 1861 frühchristliche, aus Afrika stammende Metallformen zur Herstellung kleiner Kreuze mit einer Aufhängevorrichtung wie auch Objekte aus den Katakomben in Rom, die in der Art einer Medaille getragen wurden und sieht zumindest letztere als Nachweis für eine Praxis des Gebrauchs von Devotionalien durch die frühen Christen an. In der Lebensbeschreibung der hl. Genova (um 422-502) ist zu lesen, dass der hl. Germanus von Auxerre ihr nach der Jungfrauenweihe eine durchbohrte Bronzemünze mit dem Kreuzzeichen umlegte.[6]

Gelegentlich wird der Begriff Devotionalien verallgemeinert und im übertragenen Sinn – insbesondere im Bereich der rechten Polit-Szene („Nazi-Devotionalien“) und der Popkultur – auf weltlich verehrte Gegenstände bezogen.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

devot, in: Deutsches Fremdwörterbuch Bd. 4., Da capo – Dynastie. 2. Aufl. völlig neubearb. im Institut für Deutsche Sprache. Bearb. von Gerhard Strauß (Leitung/Red.), De Gruyter, Berlin/New York 1999, ISBN 978-3-11-016235-6, S. 453–455; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Devotionalie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Duden – die deutsche Rechtschreibung, 26. Auflage, Dudenredaktion (Hrsg.), Dudenverlag, Berlin, Mannheim, Zürich 2013
  2. Devotionalien, in: Ulrike Peters: Grosses Wörterbuch Religion: Grundwissen von A – Z. Compact-Verlag, München 2008, ISBN 978-3-8174-7751-7, S. 56; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  3. Michael P. Caroll: Catholic cults and devotions, A psychological inquiry, McGill-Queen's University Press, Kingston, Montreal, London 1989, ISBN 0-7735-0693-4, S. 7
  4. Martin Scharfe, Über die Religion − Glaube und Zweifel in der Volkskultur, Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Berlin, 2004, S. 150
  5. Jobst Schöne, Was bringt uns die Reformation? Katalog zur Ausstellung im Jahr des Reformationsgedenkens 2017, S. 2
  6. Thurston, Herbert, Devotional Medals. In: Catholic Encyclopedia, abgerufen am 26. Juni 2017
  7. Deutsches Fremdwörterbuch Bd. 4, 1999, S. 454