Dezimalzeit

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Uhr mit Dezimalzeitanzeige aus der Zeit der Französischen Revolution

Dezimalzeit ist die Darstellung der Uhrzeit mit dezimalen Unterteilungen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In China gibt es etwa 50 verschiedene historische Kalender. Für den größten Teil der rund dreitausendjährigen chinesischen Geschichte wurde eine Dezimalzeit verwendet, oft neben der duodezimalen Zeitmessung. Der Tag (von Mitternacht bis Mitternacht) wurde zunächst in 100 Einheiten (ke 刻; pinyin: ) unterteilt. Ein Ke entsprach also 14,4 Minuten. Während kürzerer Abschnitte der chinesischen Geschichte unterteilte man den Tag davon abweichend auch in 120, 96 oder 108 Ke. Später wurde auch eine Unterteilung des Tages in zwei mal 12 Stunden (Shi) benutzt und Ke auf eine Viertelstunde verlängert.

Die Zeiteinheit Ke wurde je nach Kalender in 100 oder 60 Fen unterteilt, die somit rund 9 oder 15 Sekunden entsprachen.

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Französische Dezimaltaschenuhr der Revolutionszeit

Die Franzosen führten die Dezimalzeit im Rahmen ihres Revolutionskalenders ein und teilten einen Tag in 10 Dezimalstunden auf. Jede Stunde hatte 100 Dezimalminuten. Jede Dezimalminute hatte 100 Dezimalsekunden. Das Dekret vom 24. November 1793 (4 Frimaire II) lautete:

« XI. Le jour, de minuit à minuit, est divisé en dix parties ou heures, chaque partie en dix autres, ainsi de suite jusqu’à la plus petite portion commensurable de la durée. La centième partie de l'heure est appelée minute décimale; la centième partie de la minute est appelée seconde décimale. »

„XI. Der Tag, von Mitternacht bis Mitternacht, wird in zehn Teile oder Stunden geteilt, jeder Teil in zehn andere, bis die kleinste messbare Einheit erreicht ist. Das Hundertste einer Stunde soll Dezimalminute genannt werden. Das Hundertste einer Minute soll Dezimalsekunde genannt werden.“

Es sollte also heißen „5 Uhr Mittag“ oder „10 Uhr Mitternacht“. Manche Uhren aus der Zeit zeigten beide Uhrzeiten an, die dezimale und die traditionelle. Die Dezimalzeit wurde als allgemeingültige Zeiteinheit 1795 wieder abgeschafft.

Heutige Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachkommastellen des Julianischen Tages[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am gebräuchlichsten ist die Dezimalzeit heute in den Nachkommastellen des Julianischen Datums, einer fortlaufenden Nummerierung der Tage. Allerdings dient das Julianische Datum nicht der Darstellung der Uhrzeit, sondern dem Rechnen mit Zeit. Maschinell wird das Julianische Datum dann meist binär repräsentiert, vergleiche Hexadezimalzeit.

Swatch Internet Time[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweizer Firma Swatch stellte 1998 die sogenannte Internetzeit vor. Diese teilt den Tag in 1000 .beats ein und soll weltweit gültig sein. Der Tagesbeginn ist festgelegt auf 0:00 Uhr MEZ, die nach dem Hauptsitz der Swatch Group benannte Biel Mean Time (BMT). Diese Zeitrechnung konnte sich nicht durchsetzen.

Universität München[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ludwig-Maximilians-Universität München teilt zur Zeiterfassung den Tag in Zehntelstunden, wobei die Uhrzeit tatsächlich in diesen Einheiten auf Stempelkarten gedruckt wird.[1] Es handelt sich also um eine Variante der Industrieminute (0,1 statt 0,01 Stunden) und nicht um eine dezimale Unterteilung des Tages.

Deutsche Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnintern werden Zeiten in Zehntelminuten (eine Zehntelminute = sechs Sekunden) berechnet und festgelegt.[2] Die internen Fahrpläne sind bis auf die Zehntelminute genau.[3]

Umrechnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt 86.400 sexagesimale Sekunden und 100.000 Dezimalsekunden pro Tag.

  • Eine Dezimalsekunde hat 86.400/100.000 = 0,864 sexagesimale Sekunden.
  • Eine Dezimalminute hat 1440/1000 = 1,44 sexagesimale Minuten.
  • Eine Dezimalstunde hat 24/10 = 2,4 duodezimale Stunden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. LMU: Zeiteinheiten auf der Stempelkarte.
  2. Martin Kopp: Hamburgs Fahrpläne: Der S-Bahn-Mastermind denkt in Zehntel-Minuten. In: DIE WELT. 18. November 2012 (welt.de [abgerufen am 1. Dezember 2017]).
  3. Michael Evers: Schienenverkehr: Fahrplanmacher der Bahn planen auch Gegenwind ein. In: DIE WELT. 11. Juni 2014 (welt.de [abgerufen am 1. Dezember 2017]).