Diakonie Neuendettelsau

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Das Diakoniewerk Neuendettelsau ist einer der größten unabhängigen diakonischen Träger in Deutschland und der größte in Bayern.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darstellung des diakonischen Dienstes

Gegründet wurde das Werk am 9. Mai 1854 von Wilhelm Löhe als Diakonissenanstalt in der Gemeinde Neuendettelsau, einer Ortschaft im Landkreis Ansbach und westlich von Nürnberg. Es gehörte zu den Sozialwerken der neulutherischen Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts.[2]

Die ursprüngliche Absicht Löhes war, junge Frauen zu Krankenschwestern und Sozialarbeiterinnen auszubilden, damit sie dann in ihrer Gemeinde soziale Aufgaben übernehmen konnten. Dabei wurden auch ausgebildete Diakonissen nach Amerika geschickt.[2] Dieses Ziel wurde nach kurzer Zeit modifiziert und es entstand ein Diakonissen-Mutterhaus, das als Wohnhaus für Diakonissen und Schülerinnen diente und dem eine Krankenanstalt und Betreuung für ältere und behinderte Menschen angegliedert war. Erste Oberin der Anstalt wurde Amalie Rehm aus dem oberschwäbischen Memmingen.

Durch die Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren in Bayern die Klöster aufgehoben worden, die bis dahin den Großteil der sozialen Tätigkeit und Volksschulen getragen hatten. Während die Landbevölkerung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verarmte, war die traditionelle Armenpflege praktisch ausgefallen. Ebenso gab es nach der Aufhebung der Klöster kaum mehr Ausbildungsmöglichkeiten für junge Mädchen, und Diakonissenhäuser waren beinahe die einzige Institution, die in der damaligen Zeit unverheirateten Frauen einen Wirkungskreis bot.

Der Eintritt in die Diakonissengemeinschaft war in den ersten Jahrzehnten nicht zwingend lebenslang, zahlreiche Frauen traten auch wieder aus, weil sie sich verheirateten.

In den Sechzigerjahren des 19. Jahrhunderts kamen Strukturen wie Alters- und Krankenversorgung für die Diakonissen dazu, eine einheitliche Tracht wurde eingeführt, in den Siebzigerjahren wurde unter dem Nachfolger Löhes die geistliche Seite der Gemeinschaft stärker betont. Ebenso entstanden in dieser Zeit mehrere Filialen des Mutterhauses.

Es hatte von Anfang an auch männliche Mitarbeiter gegeben, doch die Brüderschule florierte in den ersten Jahrzehnten längst nicht so gut wie die Diakonissenanstalt. In den Neunzigerjahren wurden eine Brüderschule und ein Brüderheim für männliche Diakone gegründet.

Das Werk expandierte weiter, neben den Spitälern und Altersheimen kamen Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts noch eine Schule für Lehrerinnenausbildung, eine Höhere Töchterschule und eine soziale Frauenschule dazu. Anfang der Dreißigerjahre hatte Neuendettelsau 1.300 Diakonissen.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Schulen von Neuendettelsau wie alle konfessionell getragenen Schulen aufgelöst. In den Vierzigerjahren wurden 1.200 Menschen mit Behinderung aus Neuendettelsau als lebensunwertes Leben in staatliche Anstalten verlegt und dort zum größten Teil ermordet. Die in Neuendettelsau verbliebenen Menschen mit Behinderung überlebten.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen zu den Diakonissen immer mehr freie Mitarbeiter dazu. Die sozialen Berufe entwickelten sich aufgrund staatlicher Vorgaben. In den Sechzigerjahren wurde dann die Organisation den neuen Gegebenheiten angepasst.

Heute wird die Diakonie, die als selbständiger Rechtsträger Mitglied im Diakonischen Werk Bayern ist, von einem Direktorium geleitet und führt Seniorenheime, Behinderteneinrichtungen, Schulen und Krankenhäuser sowie das Studentenwohnheim und Studienzentrum collegium oecumenicum Bamberg. Sie hat etwa 6.000 Mitarbeiter.

Heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jedes Jahr bietet die Diakonie Neuendettelsau ein Jahresfest an, bei welchem ein Programm für Kinder und Erwachsene angeboten wird.[3]

Im Jahr 2017 wurde bekannt gegeben, dass die Diakonie Neuendettelsau mit der Werkstatt und der Förderstätte für Menschen mit Behinderung von Himmelkron nach Neuenmarkt umziehe, dort werden rund 10 Millionen Euro in einen modernen Neubau investiert, der ehemalige Standort, das Himmelskroner Schloss, war nicht behindertengerecht und ist hochwassergefährdet.[4]

Die Diakonie Neuendettelsau ist in der Region einer der größten Arbeitgeber, im Jahr 2017 arbeiteten ca. 7300 Mitarbeiter in den fünf Krankenhäuser sowie den 15 Kita und weiteren Einrichtungen für alte und behinderte Menschen.[5]

Die Gesamtleistung lag bei 370 Millionen Euro und erwirtschaftet wurden als Jahresergebnis rund 2,7 Millionen Euro.[5]

Rektoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Diakonissenanstalt erbautes Mutterhaus und Rektorat
Einrichtungen der Diakonie Neuendettelsau
Rektoren der Diakonissenanstalt
Rektoren des Diakoniewerks

Einrichtungen und Sakralbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Klee: Die SA Jesu Christi. Die Kirche im Banne Hitlers. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1989, ISBN 978-3-596-24409-6.
  • Hans Lauerer: Die Diakonissenanstalt Neuendettelsau. Aus der Geschichte und Gegenwart. Buchh. d. Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1924, DNB 576267562.
  • Hans Lauerer: Die Diakonissenanstalt Neuendettelsau. 1854-1954. Verl. d. Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1954, DNB 452725356.
  • Wilhelm Löhe: Etwas aus der Geschichte des Diaconissenhauses Neuendettelsau. Verlag von Gottfried Löhe, Nürnberg 1870, DNB 574645144.
  • Hans-Walter Schmuhl, Ulrike Winkler: Auf dem Weg ins 20. Jahrhundert. Die Diakonissenanstalt Neuendettelsau unter den Rektoren Hermann Bezzel (1891-1909) und Wilhelm Eichhorn (1909-1918). Diakonie Neuendettelsau, Neuendettelsau 2009, ISBN 978-3-9809431-3-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Diakonie Neuendettelsau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Diakonie-Chef rechnet mit Ende der Gemeinnützigkeit. Abgerufen am 13. Juli 2018.
  2. a b c d e Markus Springer: NS-Zeit in Franken - das Beispiel Neuendettelsau | Sonntagsblatt - 360 Grad evangelisch. Abgerufen am 13. Juli 2018 (deutsch).
  3. 5 Highlights beim Jahresfest der Diakonie Neuendettelsau. In: Ansbach Plus. 26. April 2018 (ansbachplus.de [abgerufen am 13. Juli 2018]).
  4. Nordbayerischer Kurier, Germany: Diakonie investiert über zehn Millionen - Nordbayerischer Kurier. (nordbayerischer-kurier.de [abgerufen am 13. Juli 2018]).
  5. a b c Neuendettelsau | Läuft bei der Diakonie. 20. Juni 2018 (radio8.de [abgerufen am 13. Juli 2018]).
  6. Hanna-Lotte Mikuteit: Soziales Jahr: Sie war eine Freiwillige der Stunde null. In: DIE WELT. 9. Juli 2014 (welt.de [abgerufen am 13. Juli 2018]).
  7. Imhof mit Löhe-Medaille ausgezeichnet. In: marktspiegel.de. (marktspiegel.de [abgerufen am 13. Juli 2018]).
  8. Neuendettelsauer Schüler bemalen Ostereier für Luther. In: ANTENNE BAYERN. (antenne.de [abgerufen am 13. Juli 2018]).
  9. Daniel Staffen-Quandt: Die älteste Paramentenwerkstatt der Welt ist in Neuendettelsau | Sonntagsblatt - 360 Grad evangelisch. Abgerufen am 13. Juli 2018 (deutsch).
  10. PresseBox (c) 2002-2018: Kinder und Familien stehen im Mittelpunkt. Abgerufen am 13. Juli 2018 (deutsch).