Diakonin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ikone der hl. Olympias von Konstantinopel, einer frühchristlichen Diakonin

Die Diakonin (von altgriechisch διάκονος diákonos ‚Diener, Helfer‘) bekleidet ein geistliches Amt innerhalb der Kirche, den Diakonat. Diakoninnen gibt es in verschiedenen Kirchen, in denen auch Frauen ordiniert werden, beispielsweise in den meisten evangelischen, anglikanischen und alt-katholischen Kirchen. Die römisch-katholischen und die orthodoxen Kirchen weihen keine Diakoninnen, mit Ausnahme der Kirche von Griechenland. 2004 entschied die Heilige Synode der Kirche Griechenlands, dort nach Maßgabe des jeweiligen Ortsbischofs Frauen zum Diakonat zuzulassen.[1]

Eine Diakonin übt wie ein Diakon ein kirchliches Amt aus und ist in einer Kirchengemeinde im Auftrag des Landesbischofs tätig. Sie ist dem Gemeindeleiter unterstellt. Die Hauptaufgabe einer Diakonin ist die Verbindung von Seelsorge und sozialer Tätigkeit, also beispielsweise die Alten- und Krankenseelsorge. Biblische Quellen (z. B. Apostelgeschichte 6,1–7 EU) und andere frühchristliche Zeugnisse, etwa die apostolischen Konstitutionen, lassen darauf schließen, dass der Diakonat sowohl für Männer als auch für Frauen in der frühen Christenheit keine Vorstufe zum Priesteramt, sondern ein eigenständiger Dienst war.

Im frühen Christentum war „Diakonin“ (oder „Diakonisse“) ein von Frauen ausgeübter geistlicher Dienst, wie z. B. die Didaskalia Apostolorum des 3. Jahrhunderts bezeugt, der laut Evangelos Theodorou,[1] bis zum Fall Konstantinopels im 15. Jahrhundert weit verbreitet war. Die Weihung von Frauen in der Westkirche war hingegen seltener und endete im 11. Jahrhundert, also mit der Besetzung des römischen Episkopats mit deutschen Päpsten. Die Diakonin entsprach im geistlichen Rang einem Diakon und hatte, vom Altardienst abgesehen, ähnliche Aufgaben. So wirkten Diakoninnen bei der Taufvorbereitung und Taufe der weiblichen Katechumenen mit, da die Taufe damals durch Untertauchen und Salbung des ganzen Körpers erfolgte.

Frühe Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der Bibel wird eine Frau erwähnt, die das Amt eines Diakons ausübt: Phoibe (Phöbe), die Diakonin von Kenchreai, die den Römern den Brief des Paulus überbringt (Römer 16,1 EU). Außerbiblisch erwähnt Plinius um 112 n. Chr. zwei weibliche Diakone. Sowohl Clemens von Alexandria als auch Origenes interpretieren Paulus so, dass es männliche und weibliche Diakone gegeben habe.

In der syrischen Didaskalie (Gemeindeordnung) werden noch vor dem Jahr 250 Diakoninnen mit deren Aufgabenbereich beschrieben. An einem theologischen Vergleich wird dort deutlich, dass es sich um ein hierarchisches Amt handelt, der Bischof wird mit Gott Vater verglichen, der Diakon mit dem Sohn und die Diakonin mit dem Heiligen Geist, der in der semitischen Sprache weiblich ist. „Für die Priester blieb da kein Platz mehr, sie werden mit den Aposteln verglichen“.[2]

Weitere bekannte Diakoninnen waren Makrina die Jüngere, die ältere Schwester von Basilius von Caesarea und Gregor von Nyssa, Olympias von Konstantinopel und Radegundis.

Im vierten, fünften und sechsten Jahrhundert werden Diakoninnen von allen führenden Kirchenvätern des Ostens erwähnt, und in den Kirchenannalen werden zahlreiche Diakoninnen namentlich erwähnt. Der Diakonat galt als ehrenvolles Amt, dem zahlreiche begabte Frauen von hohem Rang angehörten. In der Hagia Sophia gab es unter Justinian I. vierzig Diakoninnen; kleinere Gemeinden hatten bis zu sechs Diakoninnen.

In der byzantinischen Kirche gab es bis zum 12. Jahrhundert Diakoninnen, in der Westkirche, wo sie allgemein weniger vertreten waren, bis zum 8. Jahrhundert. Mit der Entwicklung des Diakonats hin zu einer Ausprägung des dreigliedrigen Weiheamtes fand die bisherige Praxis ihr Ende. Die in diesen Zeiten immer seltenere Taufe von erwachsenen Frauen bedeutete zugleich den fast vollständigen Wegfall des wichtigsten Aufgabengebietes der Diakonin.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Didaskalia Apostolorum (Syrien, um 280), Kapitel XVI, sagt[3]:

„Deshalb, o Bischof, sollst du um dich Arbeiter der Gerechtigkeit berufen, die dir lebenslange Helfer sind. Unter allen Leuten sollst du die, die dir gut erscheinen, als Diakone wählen und berufen, einen Mann, um viele nötige Dinge zu tun, und eine Frau für den Dienst an den Frauen. Denn es gibt Häuser, wohin du den Diakon nicht zu Frauen senden kannst wegen der Heiden, sondern du sollst die Diakonin senden. Denn es ist auch in vielen andern Dingen das Amt einer Frau erforderlich. (85,4)“

Diese Quelle zeigt, dass Diakoninnen spezifisch für solche Dienste notwendig waren, bei denen ein Mann aus sittlichen Gründen nicht eingesetzt werden konnte. Dazu gehörten:

  • der Beistand bei der Taufe erwachsener Frauen: „Es ist erforderlich, dass die, die in das Taufbecken hinein gehen, von einer Diakonin mit dem Salböl gesalbt werden.“ (85,13) Der Hintergrund ist hier die Ganzkörpersalbung vor der Taufe.
  • die Instruktion neugetaufter Frauen: „Wenn die Getaufte aus dem Wasser kommt, soll die Diakonin sie empfangen und sie lehren, wie das Siegel der Taufe in Keuschheit und Heiligkeit ungebrochen bleibt.“ (85,22) Hierzu gehörten auch klare Worte zu sexuellen Dingen, deshalb kam ein Mann für dieses Gespräch nicht in Frage.
  • das Überbringen von Botschaften des Bischofs an Frauen (85,33)
  • Kranke und Arme zu betreuen (85,33)

Ordination[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diakone wurden schon in der frühen Kirche ordiniert und zum Klerus gezählt. Die ökumenischen Konzilien von Nicaea (325), Chalcedon (451) und die Trullanische Synode (692) erwähnen die Ordination von Diakoninnen. Ob das auch für Diakoninnen galt, gilt in der Theologie als umstritten (siehe Frauenordination).

In der Apostolischen Konstitution werden Diakoninnen erwähnt, und zwar nach den Diakonen und vor den Subdiakonen. Diakoninnen wurden ordiniert, indem ihnen der Bischof in Gegenwart der Priester, Diakone und Diakoninnen die Hände auflegte (Cheirotonie) und dasselbe Weihegebet wie bei der Diakonenweihe sprach.[4]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den 1970er Jahren werden neben Diakonen wieder Diakoninnen ausgebildet. Sie erhalten neben der theologischen auch eine sozialpädagogische oder pflegerische Ausbildung. Die Ausbildung ist in den Landeskirchen unterschiedlich geregelt, sie dauert zumeist zwischen drei und fünf Jahren. Die Diakone und Diakoninnen in der Landeskirche werden heute nicht mehr ordiniert, sondern in den Dienst „eingesegnet“, was kirchenrechtlich mit weniger Rechten verbunden ist. Der Verband evangelischer Diakonen- und Diakoninnengemeinschaften in Deutschland (VEDD) setzt sich seit 1999 für eine Gleichstellung des Diakonenamts mit dem Amt des Pfarrers ein. Diakoninnen sind nicht zu verwechseln mit den Diakonissen.

Freikirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Situation in den Freikirchen ist bezogen auf die Diakoninnen sehr unterschiedlich. Viele Freikirchen haben in den letzten Jahrzehnten neben den Diakonissen, deren Anzahl stark sinkt, auch Diakoninnen eingestellt. Im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden sind die Diakone und Diakoninnen in einem Verband organisiert. Diakoninnen gibt es darin seit 1979. Seit 2003 werden Diakone und Diakoninnen innerhalb dieses Bundes nicht nur angestellt, sondern auch ordiniert.[5] Die Aufgabenbereiche umfassen Jugendarbeit, Seniorenarbeit, Frauenarbeit, Krankenbesuche und Krankenpflege, Beratung in sozialen Angelegenheiten, Leitung von Bibelkreisen und vieles mehr. Damit sind sie vom Aufgabenbereich etwa mit einem katholischen Gemeindereferenten vergleichbar.

Römisch-katholische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

über die Möglichkeit einer Wiedereinführung des altkirchlichen Diakonats der Frauen wird seit längerem vor allem in der westlichen Welt diskutiert. Die Lehre der katholischen Kirche schließt die Ordination von Frauen aus. Das Weihesakrament umfasst drei geordnete Stufen: den Diakonat (Diakonweihe), den Presbyterat (Priesterweihe) und den Episkopat (Bischofsweihe), wobei nur in letzterem als höchster Weihestufe die Fülle des Sakraments vereint ist. Nach katholischer Lehre kann das Weihesakrament nur von einem Mann gültig empfangen werden.

1975 schlug die Würzburger Synode, an der auch alle deutschen Bischöfe beteiligt waren, dem Papst vor, die Frage des Diakonats der Frau entsprechend den gegenwärtigen theologischen Erkenntnissen zu prüfen und Frauen angesichts der pastoralen Situation womöglich zur Diakonatsweihe zuzulassen.[6][7]

Beim Studientag der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz machte Walter Kardinal Kasper im Februar 2013 in einem Vortrag den Vorschlag einer Benediktion, vergleichbar der einer Äbtissin. Im Sinne der Tradition könne diese auch mit der Jungfrauenweihe verbunden werden.[8] Erzbischof Robert Zollitsch sprach sich im April 2013 ebenfalls für einen spezifischen Dienst für Frauen aus.[9] Gegen die Ordination von Frauen zum Diakonat wandten sich etwa der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer[10] und der Münchener Erzbischof Reinhard Kardinal Marx.[11]

Als Gründe für die Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern werden der Priestermangel angeführt, weiterhin die innerkirchliche Aufwertung der Frauen und die grundsätzliche Gleichstellung der Frau in anderen Lebensbereichen. Als Gründe dagegen werden genannt: das Vorbild Christi, der nur Männer zu Aposteln wählte, die konstante Praxis der Kirche, die in der ausschließlichen Wahl von Männern Christus nachahmt, und das Lehramt, das an an diesem göttlichen Gebot festhalte.[12]

Am 12. Mai 2016 kündigte Papst Franziskus bei einer Audienz für Ordensfrauen die Einrichtung einer Kommission an, durch die das Diakonat der Frau in der Urkirche wissenschaftlich noch einmal genau untersucht werden solle. Am 1. August 2016 gab der Heilige Stuhl die Einsetzung der Kommission bekannt, die von Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer SJ geleitet wird.[13]

Alt-katholische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den siebziger Jahren hatte die Bischofskonferenz der Utrechter Union nach heftigen Debatten die Nichtzulassung von Frauen zum apostolischen Amt des Diakons, Priesters und Bischofs bekräftigt. Die Begründung lautete, Jesus habe nur Männer zu Aposteln berufen, somit seien Frauen nicht in sakramentalen Ämtern zugelassen.

1982 jedoch stellte die Internationale Bischofskonferenz fest, dass dem Diakonat der Frau nichts im Wege stehe, eine Wiedereinführung wurde den Ortskirchen überlassen. Die erste Diakonin in der Schweiz wurde 1987 ordiniert, die erste in Deutschland 1988, die erste in Österreich 1991. Seit 1996 werden in der Alt-katholischen Kirche im deutschsprachigen Raum auch Priesterinnen geweiht.[14]

Orthodoxe Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Diakonissenamt war zu byzantinischen Zeiten relativ weit verbreitet, verschwand jedoch nach dem Ende des byzantinischen Reiches nahezu. Diakonissen können sowohl sakramental, als auch nicht sakramental geweiht werden, wobei eine sakramentale Weihe heute im Gegensatz zur byzantinischen Zeit sehr selten ist. In seltenen Fällen wurden aber auch in der Neuzeit Diakonissen sakramental geweiht, so zum Beispiel im 20. Jahrhundert vom Heiligen Nektarios und dem ehemaligen Athener Erzbischof Christodoulos.[15]

In einigen orthodoxen Kirchen wird heute über eine allgemeine Wiedereinführung diskutiert. Seit 2004 sind in den orthodoxen Kirchen in Griechenland, soweit der jeweilige Ortsbischof einverstanden ist, Diakoninnen durch Entscheid der Heiligen Synode zugelassen.[16] Das Griechisch-Orthodoxe Patriarchat von Alexandria und ganz Afrika beschloss im November 2016 die Wiedereinführung des Diakonates der Frauen für den Bereich der orthodoxen Kirchen in Afrika. Theodoros II., der griechisch-orthodoxe Patriarch von Alexandrien, weihte daraufhin 2017 fünf Frauen, drei Nonnen und zwei Katechetinnen, zu Diakoninnen. Sie sollen in der Mission im afrikanischen Katanga wirken, insbesondere bei Erwachsenentaufen, kirchlichen Trauungen und in der Katechese.[17][18]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Radio Vatikan: Griechenland-Wiederbelebung des Frauendiakonats
  2. Ernst Leuninger: Frauen im Urchristentum (Memento vom 8. Juni 2003 im Internet Archive); Vortrag, gehalten in Limburg am 28. September 1997
  3. Die syrische Didaskalia, übersetzt und erklärt von Hans Achelis und Johs. Flemming, Die ältesten Quellen des orientalischen Kirchenrechts, Band 2, Leipzig 1904 online.
  4. Evangelos Theodorou: Frauenordination in der Orthodoxen Kirche? In: Dietmar W. Winkler (Hrsg.): Diakonat der Frau. Befunde aus biblischer, patristischer, ostkirchlicher, liturgischer und systematisch-theologischer Perspektive. LIT Verlag, Münster 2010, ISBN 9783643501813, S. 45 ff.
  5. Baptisten.de: Konvent der Diakoninnen und Diakone im BEFG (Memento vom 17. Februar 2016 im Internet Archive); eingesehen am 17. Februar 2016
  6. Domradio.de:"Wir erleben das noch", Diskussion um die Frauenordination, 31. März 2017
  7. https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/Synoden/gemeinsame_Synode/band1/synode.pdf Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland
  8. Bischofskonferenz: Kardinal Kasper schlägt neues Amt für Frauen vor. In: Spiegel Online. 20. Februar 2013, abgerufen am 9. Juni 2018.
  9. http://de.radiovaticana.va:80/news/2013/04/30/d:_verwirrung_um_%E2%80%9Adiakonenamt%E2%80%99_f%C3%BCr_frauen/ted-687679 (Memento vom 3. Mai 2013 im Internet Archive)
  10. http://www.archivioradiovaticana.va/storico/2013/04/29/d_bischof_voderholzer_gegen_diakonat_der_frau/ted-687290
  11. Archivlink (Memento vom 12. Mai 2013 im Internet Archive)
  12. Ordinatio Sacerdotalis, Nr. 1.
  13. Radio Vatikan zur Einsetzung der Kommission
  14. http://www.alt-katholisch.de/info/frauen/prozess.htm (Memento vom 4. Oktober 2006 im Internet Archive)
  15. "Διακόνισσες και Ορθόδοξη Θεολογία"
  16. Orthodoxes Forum:Frauendiakonat
  17. Patriarch weiht Diakoninnen. In: Kontinente, Jg. 52 (2017), Heft 4 (Juli/August), S. 9.
  18. https://www.paris.catholique.fr/le-patriarche-d-alexandrie-a.html

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorothea Reininger: Diakonat der Frau in der einen Kirche. Diskussionen, Entscheidungen und pastoral-praktische Erfahrungen in der christlichen Ökumene und ihr Beitrag zur römisch-katholischen Diskussion. Schwabenverlag, Ostfildern 1999, ISBN 978-3-7966-0949-7.
  • Mari Kristin Arat: Die Diakonissen der armenischen Kirche in kanonischer Sicht. Mechitharisten-Druckerei, Wien 1990.