Diamond DA42

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Diamond DA42
Diamond DA 42
Typ: Leichtflugzeug
Entwurfsland: OsterreichÖsterreich Österreich
Hersteller:

Diamond Aircraft

Erstflug: 9. Dezember 2002
Indienststellung: 2004
Produktionszeit:

seit 2004

Diamond DA42 Twin Star, Technisches Museum Wien

Die Diamond DA42 Twin Star ist ein Flugzeug des Flugzeugherstellers Diamond Aircraft.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach zweieinhalb Jahren Entwicklungszeit wurde die aus der DA40 Star abgeleitete DA42 Twin Star im Mai 2004 zugelassen. Der Erstflug erfolgte am 9. Dezember 2002 mit Christian Dries, Geschäftsführer und Eigentümer von Diamond Aircraft Industries, und einem Flugingenieur an Bord.[1]

Die DA42 Twin Star ist zudem komplett für Instrumentenflug ausgerüstet und ist als Option auch mit einer auf Enteisungsflüssigkeit basierenden Flugzeugenteisung erhältlich, welche Flüge unter bekannten Vereisungsbedingungen ermöglicht. Somit kann man dieses Flugzeug als „allwettertauglich“ betrachten.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Flugzeug hat eine hohe aerodynamische Güte und wird von zwei 99 kW (135 PS) starken Dieselmotoren Centurion 1.7 angetrieben, die wahlweise mit Dieselkraftstoff oder Jet A1-Treibstoff betrieben werden können. Neuere Baustände sind serienmäßig mit dem Centurion 2.0 ausgerüstet. In der neusten Version der Twin Star, der DA42 NG, wird der AE300-Dieselmotor von Austro Engines mit 125 kW Leistung verbaut. Dieser Motor wurde Anfang 2009 von der EASA und im August 2009 auch von der FAA mitsamt dem Flugzeug für diesen Typ zugelassen und wurde nach der Zulassung auch in der DA40 eingesetzt. Die DA42 Twin Star ist aus Carbon-Composite gebaut und mit einem Glascockpit des Typs Garmin G1000 ausgestattet. Das maximale Abfluggewicht beziffert sich auf 1785 Kilogramm (3935 lbs).[2] Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt ca. 356 km/h (192 kts).[2]

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DA42
In Österreich und Kanada gefertigte Produktion der DA42
DA42 M
Für spezielle Einsätze (Überwachung) in Österreich gebaute Variante.
DA42 L360
Mit Lycoming IO-360-Triebwerken (134 kW) ausgerüstete Version, welche Avgas statt Jet-A1 verwendet. Die Variante ist für den amerikanischen Flugschulmarkt bestimmt.[3][4]
DA42 NG
Mit Austro Engine AE 300 (168 PS) ausgerüstete Variante. Im März 2009 EASA-, im April 2010 FAA-zertifiziert.[4][5]
DA42 MPP
Die zweimotorige DA42 MPP (Multi Purpose Platform) ist als multifunktionaler Sensorträger geeignet und kann aufgrund der Ausstattung (Glascockpit mit Garmin G1000) bei Instrumentenflugbedingungen (IFR) eingesetzt werden, wobei Betriebsgeschwindigkeiten von minimal 75 kts bis maximal 152 kts (IAS) möglich sind. Im Überwachungsmodus/Betriebsmodus kann das Flugzeug bis zu 12,5 Stunden ohne Tankstopp in der Luft bleiben. Bei 50 % Leistung wird eine maximale Reichweite von mehr als 1350 km erzielt.
Die DA42 MPP ist entwickelt worden, um die folgenden Sensorausrüstungen tragen zu können:
  • Großformat-Digitalkameras
  • panchromatische & Multispektrale-Zeilen-Scanner
  • hyperspektrale Zeilen-Scanner
  • Laser-Scanner
  • Synthetic Aperture Radar (SAR)
  • kreiselstabilisierte Kameras für „High-Definition“-TV
  • kreiselstabilisierte Multisensor-Kameras für Überwachungsaufgaben
(Grenzschutz, Exekutive, Umweltmonitoring usw.) [6] Vom britischen Verteidigungsministerium wurden zwei Flugzeuge im Juni 2008 bestellt.[7]
Aurora Centaur
Die Aurora Centaur ist ein von Aurora Flight Sciences vertriebenes Derivat der DA42 MMP, das als Optionally Piloted Vehicle ausgeführt ist. Am 28. November 2012 wurde das erste Serienexemplar an die Armasuisse ausgeliefert.[8]
Dominator II
Aeronautics Defense Systems Ltd entwickelte eine als „Aeronautics Defense Dominator“ benannte UAV-Version der DA42 welche im Juli 2009 ihren Erstflug absolviert hatte. Sie verfügt über eine Höchstflugdauer von 28 Stunden, über eine Nutzlast von 900 lbs (408 kg) und einer Maximalgeschwindigkeit von 190 Knoten (354 km/h) bei einer maximalen Flughöhe von 30.000 Fuß (9144 m).[9][10]

Betreiber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Royal Thai Air Force setzt seit Mitte 2009 sechs Maschinen und der Jamaica Defence Force Air Wing zwei Maschinen seit 2013 für die Pilotenausbildung ein. Die Maschinen werden von der Staffel 604 in Don Mueang betrieben. Die Argentinische Armee setzt die DA42 für Überwachungsaufgaben ein.[11]

Eine spanische Flugschule bestellte sechs Maschinen mit einem Cockpit, das jenem des Airbus oder der Boeing entspricht, mit denen Verkehrspiloten ausgebildet werden sollen.[12] Weiterhin werden zukünftige Piloten bei Lufthansa Aviation Training auf der DA42 in Grenchen und Rostock-Laage ausgebildet.

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen Juni 2007 und Mai 2012 kamen bei zehn Unfällen mit DA42 15 Menschen ums Leben:[13]

  • Am 6. Juni 2007 stürzte eine DA42 auf dem Flug von Aachen nach Valence in Frankreich ab, alle drei Insassen kamen ums Leben.[14]
  • Am 20. September 2007 musste der Pilot einer DA42 auf dem Flug von Krems nach Linz nach einem Motorausfall in einem Feld bei St. Valentin notlanden. Der Pilot wurde schwerst verletzt, die Passagierin kam mit leichten Verletzungen davon.[15]
  • Am 25. September 2007 starben drei Personen beim Absturz einer DA42 in Rumänien.[16]
  • Beim Absturz einer DA42 am 15. April 2008 in Jechtingen nach einem Blitzschlag kam der Pilot ums Leben.[17]
  • Am 29. Mai 2009 kam eine dreiköpfige Familie in der Steiermark ums Leben, als ihr Flugzeug bei dichtem Nebel in einen Wald am Hang des Schwarzkogel zwischen Hohentauern und Trieben prallte.[18]
  • Am 6. Juni 2009 wurden zwei Personen in Niederösterreich getötet.[19]
  • Am 16. Juli 2011 lenkte ein 48-jähriger Pilot eine gemietete DA42 nach mehrmaligem Tiefflug über der schweizerischen Gemeinde Oberhallau (SH) gewollt in ein Einfamilienhaus am Dorfrand. Beim Gebäude handelte es sich um sein Elternhaus, welches noch von seiner 69-jährigen Mutter bewohnt wurde. Diese konnte von den ersten Rettungskräften unverletzt aus dem brennenden Gebäude geborgen werden, der Sohn, der einen Abschiedsbrief hinterließ, kam ums Leben.[20][21]
  • Am 28. Mai 2012 starben eine Frau und ein Mann nach einem Absturz einer DA42 nach dem Start in Parchim. Zwei Personen überlebten schwer verletzt.[22]
  • Am 2. Juni 2016 kamen drei Menschen beim Absturz einer DA42 (Luftfahrzeugkennzeichen HS-IAN) in der Nähe von Nakhon Phanom in Thailand ums Leben, nachdem ein Triebwerk in Brand geraten war.[23]
  • Am 12. September 2017 kamen vier Personen beim Absturz einer DA42 (Kennzeichen F-HFBS) bei Ghisonaccia auf Korsika ums Leben.[24]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Daten gelten für die Basisversion:

  • Besatzung: ein Pilot
  • Passagiere: 3
  • Länge: 8,56 m[2]
  • Spannweite: 13,42 m[2]
  • Höhe: 2,49 m[2]
  • Flügelfläche: 16,29 m²[2]
  • Leermasse: 1080 kg
  • max. Startmasse: 1785 kg[2]
  • Höchstgeschwindigkeit: 356 km/h[2]
  • Reisegeschwindigkeit: 287 km/h[2]
  • Steigleistung: 8,7 m/s
  • Gipfelhöhe: 5486 m
  • Reichweite: 1912 km
  • Antriebsoptionen: 2 flüssigkeitsgekühlte elektronisch geregelte 4-Zylinder-Reihenturbodieselmotoren:

Vergleichbare Flugzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Diamond DA42 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Diamond DA42 Twin Star absolviert ihren Erstflug
  2. a b c d e f g h i laut Datenblatt zum Typenzertifikat TCDS No. EASA.A.005, Issue 22, 14. Juni 2013
  3. Diamond Aircraft: Diamond Aircraft unveils new Lycoming-powered DA42 L360 twin at AOPA Expo 2008. November 2008. Archiviert vom Original am 18. Dezember 2008. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.diamondaircraft.com Abgerufen am 27. Dezember 2008.
  4. a b Diamond Aircraft: Diamond announces DA42 New Horizons: Austro-Engine, Lycoming powered DA42s. July 2008. Archiviert vom Original am 1. Dezember 2008. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.diamondaircraft.com Abgerufen am 27. Dezember 2008.
  5. Aero-News Network: Diamond Aircraft Receives FAA Certification For Austro Engine AE300 Powerplant!. 2009. Abgerufen am 31. Juli 2009.
  6. Diamond Airborne Sensing GmbH. Abgerufen am 20. Dezember 2010.
  7. Air Forces Monthly (UK edition), Oct 2008, pp 70. Abgerufen am 20. Dezember 2010.
  8. FlightGlobal: Armasuisse takes delivery of first Aurora Centaur. Abgerufen am 18. Dezember 2012.
  9. Russ Niles: DA42-Based UAV Tested. August 2009. Abgerufen am 13. August 2009.
  10. defence.professionals GmbH: Aeronautics Defense Systems successfully tested unmanned Diamond DA42. July 2009. Archiviert vom Original am 4. August 2009. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.defpro.com Abgerufen am 13. August 2009.
  11. Alan Warnes: DA42 TWIN STARS delivered to Argentine Army for ISR missions, 24. Februar 2016
  12. Diamond Aircraft: Großauftrag in Spanien auf ORF vom 14. Juli 2012 abgerufen am 14. Juli 2012
  13. Erneut DA 42 „Twin Star“ abgestürzt: Artikel auf Austrianwings
  14. Bulletin Unfälle und Störungen beim Betrieb ziviler Luftfahrzeuge (Memento des Originals vom 25. Januar 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bfu-web.de, Juni 2007
  15. Propellermaschine abgestürzt. Zwei Verletzte. ORF, 20. September 2007, abgerufen am 14. Januar 2011.
  16. Rumänien: Zwei Österreicher starben bei Flugzeugabsturz: Artikel in Die Presse vom 26. September 2007
  17. Unfälle und Störungen beim Betrieb ziviler Luftfahrzeuge. Aktenzeichen 3X019-0/08. In: Statusbericht. Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, April 2008, S. 11, archiviert vom Original am 25. Januar 2011; abgerufen am 18. November 2017 (PDF).
  18. Vermisstes Flugzeug entdeckt – Familie tot: Artikel auf ORF online
  19. Flugzeugabsturz: Pilot und Kopilot tot: Artikel auf ORF online
  20. Meldung Schaffhauser Polizei
  21. Meldung Schaffhauser Polizei
  22. Aktenzeichen: BFU CX009-12. In: Untersuchungsbericht. Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, 8. September 2016, abgerufen am 28. September 2016 (PDF).
  23. Unfallbericht DA42 HS-IAN, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 16. September 2017.
  24. Unfallbericht DA42 F-HFBS, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 16. September 2017.