Dichogamie

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Als Dichogamie, Zeitliche Geschlechtertrennung, bezeichnet man in der Fortpflanzungsbiologie der Zoologie und Botanik das Phänomen unterschiedlicher Reifezeitpunkte von weiblichen und männlichen Geschlechtsorganen.

Üblicherweise bei zwittrigen Blüten (intraflorale Dichogamie) und Tieren, aber auch bei diklinen Pflanzen (interflorale Dichogamie).[1] Bei Zwittern gibt es zwei verschiedene Formen mit tendenziell unterschiedlichen Zielen, die Proterogynie (weibliche Reife tritt früher ein) und die Proterandrie (männliche Reife tritt früher ein). Wenn sie gleichzeitig reifen nennt man das Homo- oder Adichogamie. Oder wenn bei eingeschlechtlichen, diklinen Pflanzen, die männlichen Blüten zuerst reifen, nennt man dies Metandrie, wenn die weiblichen zuerst reifen; Metagynie und wenn sie gleizeitig reifen; Synchronogamie.[2]

Man unterscheidet verschiedene Unterformen:[1]

  • Heterodichogamie; Schwanken einer Art zwischen protogyner und proterandrischer Dichogamie, wobei die im männlichen Zustand befindlichen Blüten zur gleichen Zeit blühen wie die im weiblichen Zustand befindlichen Blüten. Oder wenn bei einer Pflanzenart metandrische und metagynische Individuen vorkommen.[2]
  • Homodichogamie; bezeichnet das Vorkommen von homogamen und dichogamen Individuen bei einer Art.[2]
  • Duodichogamie; eine Abfolge von männlichen, dann weiblichen und wieder männlichen Blüten, wie bei der Edelkastanie (Castanea sativa).
  • Synchrone Dichogamie (temporale Diözie); Die männlichen und weiblichen Fortpflanzungsorgane auf einer Pflanze erscheinen, oder reifen, zu verschiedenen Zeiten am Tag.[3]
  • Diecodichogamie; wenn bei einer dichogamen Population, bei einigen Individuen die männlichen, bei anderen die weiblich, zuerst reifen.
  • Ecodichogamie; hier haben Individuen von diözischen Pflanzen unterschiedliche Reifezeitpunkte.[4]

Dichogamie in der Zoologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fast alle Plattwürmer sind Zwitter (Hermaphroditen). In der Regel reifen dabei die männlichen Gonaden zuerst (Proterandrie oder Vormännlichkeit). Selten kommt der umgekehrte Fall vor (Proterogynie oder Vorweiblichkeit). Dichogamie vermeidet Selbstbefruchtung und fördert damit die gegenseitige Befruchtung. Die Spermien werden in der Samentasche aufbewahrt, bis die Eizellen gereift sind. Danach erfolgt die Befruchtung im Ootyp (erweiterter Anfangsabschnitt des Uterus vieler Saugwürmer).

Proterandrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Proterandrie versteht man die im Tierreich auch gelegentlich vorkommende Sonderform der Zwittrigkeit, bei der das Individuum im Verlauf seines Lebens zunächst männliche Geschlechtsteile entwickelt und andere, „weibliche“, also ältere Artgenossen begattet. Mit zunehmendem Alter bildet es allmählich mehr und mehr weibliche Geschlechtsteile aus und männliche Geschlechtsteile zurück. Dieser Vorgang führt schließlich zu einem vollwertigen „Weibchen“, das für die Entwicklung und das Austragen von Eiern oder Jungen sorgt. Beispiele finden sich bei den meisten Schneckenarten, bei Regenwürmern sowie einigen Meerespolypen und -muscheln oder auch der Goldbrasse[5] und der Nasenmuräne.

Proterogynie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwittrigkeit in umgekehrter Reihenfolge, also vom Weibchen zum Männchen, wird als Proterogynie bezeichnet. Bei einigen Wirbeltieren, darunter manchen marinen Barschverwandten (Percomorphaceae), kommt es zu dieser Form der entwicklungsbedingten Geschlechtsumwandlung.

Dichogamie in der Botanik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Proterogynie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Proterogynie (auch Protogynie oder Vor- oder Erstweiblichkeit) spricht man, wenn die weiblichen Geschlechtsorgane (Fruchtblätter) vor den männlichen (den Staubbeuteln) reifen.[6] Wenn Selbstfertilität gegeben ist, verhindert ein völlig getrennter Reifezeitpunkt der Geschlechtsorgane eine Selbstbestäubung vollständig (starke Proterogynie), ein zeitlich nur teilweise versetzter Reifezeitpunkt begünstigt zwar eine Fremdbestäubung, erlaubt aber die Selbstbestäubung der Blüte, falls diese bisher unbestäubt blieb (schwache Proterogynie).

Beispiele für Proterogynie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Proterandrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zur Proterogynie steht die Proterandrie (auch Protandrie, Proteroandrie, Protoandrie oder Vor- oder Erstmännlichkeit). Hier reifen die Staubbeutel vor den Fruchtblättern, der Pollen wird also entlassen, bevor der Stempel ausgereift ist. Zwar wird dadurch ebenfalls eine Selbstbestäubung ausgeschlossen, da sich Proterandrie jedoch auch häufig bei selbststerilen Blüten findet, wird auch in Betracht gezogen, dass dadurch eine Blockierung der Narbe durch eigene Pollen ausgeschlossen wird und so die erforderliche Bestäubung durch andere Individuen verstärkt erhalten wird.

Beispiele für Proterandrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Walter Durka: Blüten- und Reproduktionsbiologie. Schriftenreihe für Vegetationskunde, H. 38, Bundesamt für Naturschutz, Bonn 2002, S. 133–175, online (PDF; 532 kB).
  2. a b c Karl Linsbauer (Hrsg.): Handwörterbuch der Botanik. 2. Auflage, Engelmann, 1917, S. 304, 306, archive.org.
  3. Monica A. Geber, Todd E. Dawson, Lynda F. Delph: Gender and Sexual Dimorphism in Flowering Plants. Springer, 1999, ISBN 978-3-642-08424-9, S. 6.
  4. Edward M. Barrows: Animal Behavior Desk Reference. Third Edition, CRC Press, 2011, ISBN 978-1-4398-3651-4, S. 218.
  5. fao.org Informationen zur Aquakultur fao.org/fishery/culturedspecies/ (abgerufen am 24. September 2014).
  6. Vorweiblichkeit, Thomas Schöpke, Pharmazie Uni-Greifswald