Dichtmaterial

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Dichtmaterialen sind Werkstoffe und Hilfsmittel, die zum Abdichten verwendet werden.

Dichtungshanf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werg

Dichtungshanf (auch Werg) ist ein Abdichtmittel für Gewinde, das aus Hanf besteht. Es wird als Dichtungsmittel in Kombination mit einem meist pastösen Dichtungsmittel bei der Wasser- und Gasinstallation eingesetzt.

Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Quillt bei Kontakt mit Wasser auf, wodurch leichte Bewegung in der Dichtungsfuge ebenso wie die ungenaue Passung der konischen Verschraubung von Installationsrohren aus Stahl kompensiert werden können. Eine Verschraubung kann in der Regel eine Viertel-Umdrehung weit geöffnet werden, ohne dass die Verbindung undicht wird.
  • Die Temperaturbeständigkeit wird mit 140 - 160 °C angegeben.[1] Bei höheren Temperaturen kann Hanf verzundern.[2] Gelegentlich wird Hanf auch bei höheren Temperaturen erfolgreich eingesetzt.[3]

Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Verarbeitung ist etwas aufwendiger als bei Dichtband. Das Gewinde sollte vor dem Auftrag des Hanfs aufgeraut werden, damit die Hanflage gut haftet und beim Zusammenschrauben nicht verrutscht. Installateure nutzen dafür oft das Sägeblatt einer Handbügelsäge und ziehen dessen Zähne an verschiedenen Seiten des Rohres in Längsrichtung über das Gewinde. Das Gewinde sollte mehrfach dünn mit Hanffasern umwickelt werden. Anschließend können die Fasern noch mithilfe einer Drahtbürste fest in das Gewinde gestrichen werden. Zuletzt wird eine Schicht des Dichtungsmittels aufgetragen. Danach sollte das Gewinde umgehend verschraubt werden, da bei zu langer Wartezeit das Hanf aufquillt und die Dichtigkeit nicht mehr sichergestellt ist.

Gewindedichtungsband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teflonband im Einsatz

Dichtungsband (umgangssprachlich auch: Teflonband, Fluflex oder PTFE-Band) ist ein moderneres Gewindedichtmaterial. Im Gegensatz zu Dichtungshanf und Bleiwolle wird es ohne zusätzliche Hilfsmittel von der Rolle verarbeitet. Das Dichtungsband ist in verschiedenen Varianten erhältlich, zum Beispiel mit oder ohne Zulassung für Gasinstallation, Hochtemperaturfest und mehr.

Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chemisch weitgehend beständig, kann daher mit so gut wie allen Medien verwendet werden.[1]
  • Druckbeständig bis 20, teilweise sogar bis 30 bar[1]
  • Temperaturbereich -60 °C bis +240, teilweise bis 260 °C[1]
  • Das Gewinde braucht nicht aufgeraut zu werden, da sich das dünne Teflonband in der Regel beim Zusammenschrauben nicht verschiebt
  • Leicht zu verarbeiten

Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Quillt nicht und dichtet nicht elastisch, so dass eine Gewindeverschraubung nicht mehr zurückgedreht werden kann, ohne eine Undichtigkeit zu riskieren.
  • Bei höheren Temperaturen, die beispielsweise in der Solarinstallation vorkommen, können ebenfalls Undichtigkeiten auftreten.[3]
  • Dichtet nur bei engen und gleichmäßigen Spalten zuverlässig. Sollen breitere Spalten überbrückt werden, müsste das Band in mehreren Schichten übereinander gewickelt werden. Dann besteht jedoch die Gefahr, dass es sich beim Zusammenschrauben verschiebt, da es wenig Reibungswiderstand entwickelt.[3] Durch die Verwendung von Teflonfaden anstelle von Teflonband kann das Material möglicherweise in einer etwas größeren Schichtdicke aufgebracht werden.
  • Einige Hersteller von Rohrsystemen aus rostfreiem Stahl raten von der Anwendung ab, da die Befürchtung besteht, Gewindedichtband könnte Chlorid-Ionen abgeben, die unter ungünstigen Bedingungen den Stahl angreifen.[4]

Aluminiumhanf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aluminiumhanf wird ähnlich wie Hanf verwendet und kann bei Temperaturen bis zu 640 °C eingesetzt werden. Gegebenenfalls auch in Verbindung mit Grafitpaste, welche bis 300 °C temperaturbeständig ist.[2]

Bleiwolle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolle aus Blei wird als Dichtungsmittel überall dort eingesetzt, wo Dichtungshanf ungeeignet ist. Sie ist besonders für die Feuerwehr von großer Bedeutung (z. B. bei Tankwagenunfällen mit auslaufendem Öl kann Bleiwolle als Dichtung verwendet werden). Auch beim Strahlenschutz spielt Bleiwolle eine gewisse Rolle.

Kompriband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kompriband

Kompriband (auch Anschlagband oder Fugenband) ist ein vorkomprimiertes, imprägniertes Schaumstoffdichtungsband auf Polyurethanbasis, das nach dem Einbringen in eine Fuge langsam expandiert und sich dicht an die Fugenränder anlegt. Kompriband gibt es in der Regel in Ausführungen als Innen- und Außenband.

Selbstverschweißendes Klebeband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Klebeband

Selbstverschweißendes Klebeband kann als Korrosionsschutz für die Außenseite von Rohren und anstelle von Schrumpfschlauch zur Abdichtung von Reparaturstellen an Elektrokabeln eingesetzt werden.

Fensterdichtungsband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: RAL-Montage

Dichtungsband wird in der Fenstermontage eingesetzt.

Weitere Dichtmaterialien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den obigen Dichtmaterialien finden insbesondere bei den Feuerwehren folgende Produkte Anwendung: Zum Abdichten von Straßenabläufen und ähnlichen Kanaleinläufen können Schachtabdeckungen sowie Sinkkastenschnellverschlüsse verwendet werden. Ebenso werden teilweise auch Bindemittel eingesetzt. Mittel zum Abdichten von Leckagen sind außerdem Leckdichtmanschetten bzw. -bandagen sowie aus Holz oder Kunststoff gefertigte Dichtpfropfen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Angaben auf der Internetseite des Herstellers von Dichtungsmaterialien - Fermit, abgerufen im Februar 2016
  2. a b Angaben im Katalog des Herstellers von Dichtungsmaterialien - Fermit, abgerufen im Februar 2016
  3. a b c Diskussion im Forum der Seite Haustechnikdialog.de, abgerufen im Februar 2016
  4. Technische Produkt- und Montageinformationen des Herstellers Sanha, abgerufen im Februach 2016