Dichtmaterial

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Dichtmaterialen sind Werkstoffe und Hilfsmittel, die zum Abdichten verwendet werden.

Pflanzenfasern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Speziell die zugfesten und verwitterungsresistenten Fasern der Hanfpflanze werden traditionell zur Abdichtung gegen Flüssigkeiten und Gase eingesetzt. Um die Poren der organischen Fasern luft- und flüssigkeitsdicht zu verschließen und zu konservieren, wird der Hanf oft mit wasserfesten, nicht flüchtigen Flüssigkeiten getränkt, von denen einige nach der Anwendung aushärten.

In der Altbausanierung und dem ökologischen Bauen werden insbesondere Kokos- und Hanffasern als Wärmedämmung und Stopfmaterial zur luftdichten Abdichtung von Fugen verwendet. Kokosfaser ist ähnlich verwitterungsbeständig wie Hanffaser, jedoch spröder und weniger geschmeidig.

Zum Kalfatern von hölzernen Schiffsrümpfen werden Hanf und andere Fasermaterialien eingesetzt, die mit Holzteer oder Pech getränkt werden.

Kompriband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kompriband

Kompriband (auch Anschlagband oder Fugenband) ist ein vorkomprimiertes, imprägniertes Schaumstoffdichtungsband auf Polyurethanbasis, das nach dem Einbringen in eine Fuge langsam expandiert und sich dicht an die Fugenränder anlegt. Kompriband gibt es in der Regel in Ausführungen als Innen- und Außenband.

Selbstverschweißendes Klebeband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Klebeband

Selbstverschweißendes Klebeband kann als Korrosionsschutz für die Außenseite von Rohren und anstelle von Schrumpfschlauch zur Abdichtung von Reparaturstellen an Elektrokabeln eingesetzt werden.

Fensterdichtungsband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: RAL-Montage

Dichtungsband wird in der Fenstermontage eingesetzt.

Dichtmaterial für Rohrverbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dichtungshanf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werg

Dichtungshanf (auch Werg) besteht aus Hanf und ist ein Abdichtmittel für Gewinde. Es wird in Kombination mit einem meist pastösen Dichtungsmittel bei der Wasser- und Gasinstallation eingesetzt.

Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Quillt bei Kontakt mit Wasser auf, wodurch leichte Bewegung in der Dichtungsfuge ebenso wie die ungenaue Passung der konischen Verschraubung von Installationsrohren aus Stahl kompensiert werden können. Eine Verschraubung kann in der Regel eine Viertel-Umdrehung weit geöffnet werden, ohne dass die Verbindung undicht wird.
  • Die Temperaturbeständigkeit wird mit 140 - 160 °C angegeben.[1] Bei höheren Temperaturen kann Hanf verzundern.[2] Gelegentlich wird Hanf auch bei höheren Temperaturen erfolgreich eingesetzt.[3]

Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Verarbeitung ist aufwendiger als bei Dichtband: Zunächst sollte das Gewinde vor dem Auftrag des Hanfs aufgeraut werden, damit die Hanflage gut haftet und beim Zusammenschrauben nicht verrutscht. Statt einer speziellen Zange verwenden Installateure dafür oft auch das Sägeblatt einer Handbügelsäge und ziehen dessen Zähne an verschiedenen Seiten des Rohres über das Gewinde, um Riefen in Längsrichtung herzustellen. Die üblichen Rechtsgewinde werden dünn im Uhrzeigersinn mit Hanffasern umwickelt. Die Hanffasern folgen also der Richtung, in der anschließend das Aussengewinde aufgeschraubt wird. Vorteilhaft wird mit einem langen, dünnen Faserstrang gearbeitet. Es soll nur so viel Hanf verwendet werden, dass die oberen Kanten der Gewindegänge gerade noch zu erkennen sind. Auch wird gelegentlich empfohlen, die ersten ein bis zwei Gewindegänge frei zu lassen. Anschließend können die Fasern mithilfe einer Drahtbürste fest in das Gewinde gestrichen werden. Zuletzt wird eine gute Menge eines pastösen Dichtungsmittels aufgestrichen.

Manche Hersteller verbieten die Verwendung von Hanf zur Eindichtung von Kunststoffgewinden (meist aus PVC).[4]

Gewindedichtungsband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teflonband im Einsatz

Dichtungsband (umgangssprachlich auch: Teflonband oder Fluflex) besteht meist aus meist PTFE (Teflon). Im Gegensatz zu Dichtungshanf und Bleiwolle wird es ohne zusätzliche Hilfsmittel von der Rolle verarbeitet. Dichtungsband ist in verschiedenen Varianten erhältlich, zum Beispiel mit Zulassung für Gasinstallation oder hochtemperaturfest.

Manche Hersteller schreiben die Verwendung von Teflondichtbändern zur Eindichtung von Kunststoffgewinden (meist aus PVC) vor, da diese sehr dünn sind und weniger Druck auf den nachgiebigen Kunststoff ausüben. Da das Verschrauben weniger Kraft erfordert, lässt sich die Erhöhung des Drehmoments beim Überdrehen des Gewindes besser wahrnehmen.[5]

Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chemisch beständig, kann daher mit so gut wie allen Medien verwendet werden.[1]
  • Druckbeständig bis 20, teilweise sogar bis 30 bar[1]
  • Temperaturbereich −60 °C bis +240, teilweise bis 260 °C[1]
  • Metallische Gewinde braucht nicht aufgeraut zu werden, da sich das dünne Teflonband in der Regel beim Zusammenschrauben nicht verschiebt
  • Leicht zu verarbeiten

Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Quillt nicht und dichtet nicht elastisch, so dass die Gewindeverschraubung nicht mehr zurückgedreht werden kann, ohne eine Undichtigkeit zu riskieren.
  • Bei höheren Temperaturen, die beispielsweise in der Solarinstallation vorkommen, können ebenfalls Undichtigkeiten auftreten.[3]
  • Dichtet nur bei engen und gleichmäßigen Spalten zuverlässig. Sollen breitere Spalten überbrückt werden, müsste das Band in mehreren Schichten übereinander gewickelt werden. Dann besteht jedoch die Gefahr, dass es sich beim Zusammenschrauben verschiebt, da es wenig Reibungswiderstand entwickelt.[3] Durch die Verwendung von Teflonfaden anstelle von Teflonband kann das Material möglicherweise in etwas größerer Schichtdicke aufgebracht werden.
  • Einige Hersteller von Rohrsystemen aus rostfreiem Stahl raten von der Anwendung ab, da die Befürchtung besteht, Gewindedichtband könnte Chlorid-Ionen abgeben, die unter ungünstigen Bedingungen den Stahl angreifen.[6]

Aluminiumhanf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aluminiumhanf wird ähnlich wie Hanf verwendet und kann bei Temperaturen bis zu 640 °C eingesetzt werden. Gegebenenfalls auch in Verbindung mit Grafitpaste, welche bis 300 °C temperaturbeständig ist.[2]

Bleiwolle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolle aus Blei wird als Dichtungsmittel überall dort eingesetzt, wo Dichtungshanf ungeeignet ist. Sie ist besonders für die Feuerwehr von großer Bedeutung (z. B. bei Tankwagenunfällen mit auslaufendem Öl kann Bleiwolle als Dichtung verwendet werden). Auch beim Strahlenschutz spielt Bleiwolle eine gewisse Rolle.

Glasfaserverstärkter Kunststoff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Notreparaturen werden GFK-Systeme angeboten. Meist wird zunächst Epoxidharz von außen auf ein undichtes Rohr aufgetragen. Durch das Umwickeln mit Glasfasermatten kann eine hohe Druckfestigkeit erreicht werden.

Richtlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • DIN EN 751 Dichtmittel für metallene Gewindeverbindungen in Kontakt mit Gasen der 1., 2. und 3. Familie und Heißwasser
    • Teil 1 Anaerobe Dichtmittel
    • Teil 2 Nichtaushärtende Dichtmittel
    • Teil 3 Ungesinterte PTFE-Bänder

Feuerwehr und Rettungsdienste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den obigen Dichtmaterialien finden insbesondere bei den Feuerwehren folgende Produkte Anwendung: Zum Abdichten von Straßenabläufen und ähnlichen Kanaleinläufen können Schachtabdeckungen sowie Sinkkastenschnellverschlüsse verwendet werden. Ebenso werden teilweise auch Bindemittel eingesetzt. Mittel zum Abdichten von Leckagen sind außerdem Leckdichtmanschetten bzw. -bandagen sowie aus Holz oder Kunststoff gefertigte Dichtpfropfen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Angaben auf der Internetseite des Herstellers von Dichtungsmaterialien - Fermit, abgerufen im Februar 2016
  2. a b Angaben (Memento des Originals vom 25. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.fermit.de im Katalog des Herstellers von Dichtungsmaterialien - Fermit, abgerufen im Februar 2016
  3. a b c Diskussion im Forum der Seite Haustechnikdialog.de, abgerufen im Februar 2016
  4. Montage PE-HD Kaltwasserleitung, Marley.de
  5. Montage PE-HD Kaltwasserleitung, Marley.de
  6. Technische Produkt- und Montageinformationen des Herstellers Sanha, abgerufen im Februach 2016