Dickpic

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Ein Dickpic (entlehnt von englisch dick pic) ist ein umgangssprachliches partielles Kurzwort für ein Penisbild (üblicherweise mit Abbildung des männliches Gliedes im erigierten Zustand), das über das Internet verschickt wird, aber auch per konventioneller Post versandt oder anderweitig veröffentlicht werden kann, z. B. durch Aufkleber, Poster oder Graffiti. Diese Praxis geschieht in der Regel aus exhibitionistischen Gründen und zählt als sexuelle Belästigung, wenn sie ohne Zustimmung des Empfängers erfolgt.[1] Das unwillentliche Versenden von anstößigen Bildern wie Dickpics über Apples Wi-Fi-Dienst AirDrop wird von den Medien auch als Cyberflashing bezeichnet.[2]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff ist ein Kofferwort und setzt sich aus dem englischen Begriffen dick (deutsch „Schwanz“) und pic für picture (deutsch „Bild“) zusammen und bedeutet wörtlich übersetzt „Schwanzbild“.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursache für das Versenden solcher Bilder ist vor allem ein Problem mit der eigenen Männlichkeit. Diese soll mit solchen Bildern Frauen gegenüber unter Beweis gestellt werden und dadurch eine Ausübung von Macht und das bewusste Überschreiten von Grenzen darstellen. Eine Studie, welche im Journal of Sex Research erschien, zeigt, dass bei den Versendern solcher Bilder narzisstische Persönlichkeitsmerkmale vorliegen.[3] Durch das durchaus bewusste Überschreiten von Grenzen sollen Mut und Dominanz zum Ausdruck kommen, obwohl dem Sender die negative Wirkung bekannt ist. Der Schutz der Anonymität dient dem Sender hierbei zumeist als Rückhalt. Ablehnung und Kritik durch die Empfängerin führen hier im Regelfall zu extrem beleidigendem und aggressivem Verhalten, da die Frau durch ihre kritische Reaktion den Machtunterschied ausgleicht. Dieser Moment werde für den Mann als unerträglich wahrgenommen, da ihm die Wahrnehmung als stark und die ersuchte Bestätigung der Männlichkeit verwehrt werden. Die Reaktionen von Frauen werden zumeist mit Wut, Empörung und Entsetzen beschrieben. Der Auslöser für diese Reaktionen ist im Regelfall nicht das Dickpic selbst, sondern die Unfreiwilligkeit, weil die Frau nicht die Wahl hat, ob sie das Bild anschauen möchte.[4][5]

In einer britischen Studie wurden 2121 Frauen und 1738 Männer im Alter zwischen 18 und 36 Jahren zum Thema Dickpics befragt. 46 % der befragten Frauen gaben an, bereits ein Dickpic erhalten zu haben. Von den Frauen, die ein solches Bild erhielten, haben 89 % nicht danach gefragt. Es gaben 30 % der Männer an, von einer Frau gebeten worden zu sein, ihnen ein Dickpic zu schicken, und 22 % der Männer gaben an, jemals eines geschickt zu haben. 21 % der Männer, die ein Dickpic geschickt haben, gaben an, dies getan zu haben, ohne danach gefragt worden zu sein.[6][7]

Rechtslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das unaufgeforderte Versenden eines Dickpics stellt in Deutschland nach § 184 (unerlaubte Verbreitung pornographischer Schriften) im Strafgesetzbuch eine Straftat dar und kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe bestraft werden.[8]

Eine Anzeige kann online über https://dickstinction.com/ erstellt werden und dann bei Polizeistationen in Deutschland abgegeben werden.[9]

Mediale Aufarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem 15-minütigen Film Männerwelten aus dem Jahr 2020 von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf wurde das Thema behandelt. Hierbei wurde durch die Moderatorin Palina Rojinski eine Galerie von Penisfotos gezeigt, welche ihr oder ihren Freundinnen unerwünscht über das Internet gesendet wurden.[10]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cyber-Grooming, gezieltes Ansprechen von Personen im Internet mit dem Ziel der Anbahnung sexueller Kontakte
  • Sexting, private Kommunikation über sexuelle Themen per mobile Messaging
  • Cybersex, Sammelbegriff für verschiedene Formen der virtuellen Erotik, sexueller Interaktion und Pornografie
  • Cyber-Mobbing, Sammelbegriff verschiedener Formen der Verleumdung, Belästigung, Bedrängung und Nötigung anderer Menschen oder Unternehmen mit Hilfe elektronischer Kommunikationsmittel über das Internet

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Dickpic – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pourquoi certains hommes envoient des «dick pic», des photos de leur pénis? Abgerufen am 27. Mai 2020 (französisch).
  2. Deutsche Welle (www.dw.com): Cyberflashing: Warum verschicken Männer ungefragt Fotos von ihrem Penis? | DW | 19.02.2020. Abgerufen am 27. Mai 2020 (deutsch).
  3. Studie: Typen, die Dick Pics schicken, sind Narzissten. 2. September 2019, abgerufen am 27. Mai 2020.
  4. Warum Männer ungefragt Dickpics verschicken, Interview von Nike Laurenz mit Barbara Krahé, in Spiegel Psychologie, online spiegel.de 20. Mai 2020
  5. Warum Männer ungefragt Penisbilder verschicken. Abgerufen am 27. Mai 2020.
  6. Four in ten female millennials have been sent an unsolicited penis photo | YouGov. Abgerufen am 27. Mai 2020 (britisches Englisch).
  7. Bine sagt: Studie zu Penisfotos: Warum verschicken Männer Dick Pics? 25. März 2020, abgerufen am 27. Mai 2020 (deutsch).
  8. Mark Heywinkel: „Männerwelten“ auf ProSieben: Frauen machen auf sexualisierte Gewalt aufmerksam. In: ze.tt. Abgerufen am 27. Mai 2020 (deutsch).
  9. Dickstinction - Access to justice. Abgerufen am 19. August 2021.
  10. Joko und Klaas' 15 Minuten gegen Sexismus: Es beginnt mit einem Dick-Pic. Abgerufen am 27. Mai 2020.