Didactica magna

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Didactica magna 1913

Die Didactica magna oder Große Didaktik wurde von Johann Amos Comenius zwischen 1627 und 1638 verfasst und im Jahr 1657 erstmals veröffentlicht.

Kurzbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Didactica Magna wird gemeinhin als erstes großes Werk der Pädagogik überhaupt und als die Disziplin begründende Literatur bezeichnet.[1] Comenius beschrieb sein Werk als „Didaktik des Lebens“, deren Ziel es sei, „Alle alles ganz zu lehren“ oder „Alle alles in Rücksicht auf das Ganze zu lehren“ (lateinisch omnes omnia omnino excoli). Der Hintergrund dieses hohen Anspruches ist die zeitgenössischen Sichtweise, dass nur ein gebildeter Mensch überhaupt Mensch sei. Comenius vertrat damit einen Ansatz der optimistischen Anthropologie, die in jedem Menschen etwas Gutes sieht. Diese Gute ist dabei generell ausbau- und der Menschen damit bildungsfähig. Parallel dazu sollte die Didactica magna als Leitfaden dienen, um in angenehmer Lernatmosphäre einen hohen Lernertrag bei den Schülern zu erzielen.[2]

Anforderungen an Lehrer und Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Comenius setzte sich in der Didactica magna ausdrücklich dafür ein, Kinder beider Geschlechter und aller Stände zu unterrichten, und zwar kurz, angenehm und gründlich.[3] Dabei sollten die Lehrer nach Möglichkeit weniger lehren, die Schüler aber gleichzeitig mehr lernen.

In der Didactica magna formuliert Comenius recht präzise, in welchen Bereichen Kinder Unterweisung nötig haben. Dieses sind:

Gleichzeitig dient die Didactica magna zur Unterweisung der Lehrer. Diese sollten den Schülern

  • die Dinge in der Natur der Sache selbst zeigen,
  • Vergleichsbeispiele zur Verifizierung ihrer Thesen heranziehen,
  • einen (zeitlichen) Lehrplan entwickeln (vom Leichten zum Schweren, vom Allgemeinen zum Speziellen) und
  • den Schülern einen Weg weisen, „auf dem sich alles leicht und sicher erreichen lässt.“

Kapitelübersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Didactica magna ist in insgesamt 33 Kapitel untergliedert. Diese befassen sich mit folgenden Schwerpunkten:

  • 1–6: Lebensziel des Menschen
  • 7–29: Schule/Unterricht (Mutterschule und Volksschule)
  • 30–31: Lateinschule/Hochschule
  • 32: Allgemeine Schulordnung
  • 33: Praktische Einführung in die Universalmethode

Weiterhin wird die Didactica magna in vier Schulen unterteilt:

  1. Die Mutterschule (1. – 6. Jahr), in der die die äußeren Sinne des Kindes ausgebildet werden.
  2. Die Grund- und Muttersprachschule (7. – 12. Jahr), in welcher vor allem die äußeren Sinne, das Vorstellungsvermögen und das Gedächtnis ausgebildet werden.
  3. Die Lateinschule (13. – 18. Jahr) für das Erlernen von Verständnis und Urteil für alle mit den Sinnen aufgenommenen Dinge.
  4. Die Universität (19. – 24. Jahr) als Lehre der Willensbildung durch universale Studien und umfassende Darstellung der Wissenschaften und Weisheit.[4]

Rezeptionsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Veröffentlichung der Didactica magna kann in der Pädagogik zwischen einer weiten und einer engen Definition des Begriffes „Didaktik“ unterschieden werden. Die weite Definition bezeichnet die Didaktik als Theorie des Lehrens und Lernens in allen möglichen Situationen und Zusammenhängen. Die enge Definition sieht sie als Theorie des Lehrens und Lernens in institutionalisierten Zusammenhängen (vor allem Schule). Diese grundlegende Unterscheidung wird bis heute als Anbeginn der Differenzierung zwischen Schulpädagogik und Allgemeiner Pädagogik betrachtet.

Des Weiteren gelten die Inhalte der Didactica Magna bis heute als wichtige Grundlage des Realienunterrichts, der muttersprachlichen Bildung, der allgemeinen Schulpflicht und der Unterrichtsmethodik.

Zu den Pädagogen, die sich in ihren Werken auf die Didactica Magna beziehen, zählen unter anderem Johann Heinrich Pestalozzi, Hermann Lietz, Celestin Freinet, Paul Heimann, Hans Aebli und Wolfgang Klafki.

Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann Amos Comenius: Orbis sensualium pictus. Abgerufen am 25. Oktober 2022.
  2. https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/comenius1698
  3. Johann Amos Comenius | COMENIUS-Projekte. Abgerufen am 25. Oktober 2022.
  4. Comenius Expertenforum. Abgerufen am 25. Oktober 2022.