Didymoticho

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Gemeinde Didymoticho
Δήμος Διδυμοτείχου (Διδυμότειχο)
Didymoticho (Griechenland)
Bluedot.svg
Basisdaten
Staat: Griechenland
Region: Ostmakedonien und Thrakien
Regionalbezirk: Evros
Geographische Koordinaten: 41° 21′ N, 26° 30′ OKoordinaten: 41° 21′ N, 26° 30′ O
Fläche: 569,45 km²
Einwohner: 19.493 (2011[1])
Bevölkerungsdichte: 34,2 Ew./km²
Postleitzahl: 68300
Vorwahl: (+30) 25530
Gemeindelogo:
Gemeindelogo von Gemeinde Didymoticho
Sitz: Didymoticho
LAU-1-Code-Nr.: 0302
Gemeindebezirke: 2 Gemeindebezirke
Lokale Selbstverwaltung: f122 Stadtbezirke
20 Ortsgemeinschaften
Website: www.didymoteicho.gr
Lage in der Region Ostmakedonien und Thrakien
Bild:2011 Dimos Didymotichou.svg
f9f8

Didymoticho (griechisch Διδυμότειχο [ðiðiˈmɔtixɔ] (n. sg.), bulgarisch Dimotika Димотика, türkisch Dimetoka) ist eine kleine, in Westthrakien gelegene Stadt im nordöstlichen Teil Griechenlands und eine gleichnamige Gemeinde im Regionalbezirk Evros. Die Stadt hat rund 9.000 Einwohner, in der Gemeinde leben etwa 19.500 Menschen[1].

Die Stadt Didymoticho erhielt ihren Namen aufgrund der doppelten Stadtmauer (griechisch didymos tichos δίδυμος τείχος ‚Zwillingsmauer‘), die früher zur Verteidigung errichtet wurde. Ein Teil dieser Befestigungsmauer ist heute noch zu besichtigen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Topografische Karte von Didymoticho

Das Gemeindegebiet erstreckt sich beiderseits des Flusses Erythropotamos (bulg. Luda Reka Луда река), der von Nordosten kommend dem Evros zufließt. Die Stadt Didymoticho liegt am Nordufer des Erythropotamos, etwa drei Kilometer nordwestlich der Mündung, in der Evros-Ebene. Der Evros bildet die östliche Gemeindegrenze, die hier gleichzeitig Staatsgrenze zur Türkei mit der Grenzgemeinde Uzunköprü ist. Westlich grenzt an die Gemeinde der bulgarische Oblast Chaskowo. Die griechischen Nachbargemeinden sind Orestiada im Norden und Soufli im Süden. Didymoticho liegt etwa 100 Kilometer nördlich der Ägäis-Küste mit Alexandroupoli und 50 Kilometer südlich von Edirne.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die religiöse Vielfalt des Byzantinischen und später auch des Osmanischen Reiches hat sich teilweise erhalten. Didymoticho ist Bischofssitz der Metropolie Didymoticho, Soufli und Orestiada, Bischof ist seit 2009 Damaskinos Karpathakis. Ein architektonisches Wahrzeichen der Stadt ist die 1966 erbaute Kirche der Metropolie, die Panagia Elefterotria („Befreiende Jungfrau Maria“). Die Kirche ist in neobyzantinischem Stil errichtet worden und ist 35 Meter hoch. Das Patronatsfest wird alljährlich am 28. Oktober gefeiert.

Der Mufti für den Regionalbezirk Evros hat seinen Sitz in der Stadt. Mehmet Şerif Damadoğlu (Μεχμέτ Σερίφ Δαμάδογλου) ist seit 1986 Mufti von Didymoticho. Die Muslime der Stadt sind in ihrer Gesamtheit die seit dem 16. Jahrhundert ansässigen Roma. Einige Familien der örtlichen Roma sind auch christlichen Glaubens. Die Integration in die Gesellschaft und das allgemeine Leben findet nur zögerlich statt, trotz Versuchen wie Bauprojekten und Sprachkursen der kommunalen Verwaltung.

Seit dem 18. Jahrhundert gibt es in Didymoticho eine relativ große armenische Gemeinde. Das Kulturzentrum der Armenier liegt in der historischen Kirche des Heiligen Georgios Paleokastris (Αγιός Γεώργιος Παλεοκαστριτής).

Über die Jahrhunderte bestand in Didymoticho eine große jüdische Gemeinde, eine der ältesten Griechenlands. Im Ersten Weltkrieg verlor sie viele Mitglieder. Im Ersten Weltkrieg wurden 731 Juden am 4. Mai 1943 von deutschen Truppen ins besetzte Polen deportiert und Opfer des Holocaust. Nur 33 Personen konnten der Deportation entgehen.[2] Das letzte Mitglied der Gemeinde starb 1987.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antike und Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Statue von Konstantin XI. Palaiologos als letzter Kaiser und Regent des byzantinischen Reiches vor dem Dom in Didymoticho

Archäologische Funde datieren die Gründung des Ortes auf das 7. Jahrhundert n. Chr. Als Geburtsstadt der byzantinischen Kaiser Johannes III. Dukas Batatzes, Johannes V. Palaiologos und Basileios II. zeugt die Stadt von reicher byzantinischer Geschichte und war mehrmals Regentensitz der byzantinischen Kaiser. Basileios II., „der Bulgarentöter“ genannt, nutzte die Stadt als Lager und Zentrale für seine Annexionspolitik gegen das Erste Bulgarische Reich.

Der Niedergang der Stadt und damit das Ende ihrer Geschichte innerhalb des Reiches von Byzanz war auch der Niedergang des Reiches selbst. Der 3., 4. und 5. Kreuzzug der westlichen Kirche schwächten Byzanz und boten eine Angriffsfläche für spätere Besatzer. Die Stadt Didymoticho litt unter diesen Kreuzzügen und den Zerstörungen unter anderem durch Kaiser Barbarossa. Im Juni 1206 versuchte der bulgarischen Zar Kalojan die Stadt einzunehmen, nachdem sich die Bewohner mit den Kreuzrittern gegen ihn verbündet hatten. Dabei änderte er die Flussrichtung des Flusses Erythropotamo. Ende August 1206 erfolgte die Zweite Belagerung von Didymoticho. Dabei wurde die Stadt eingenommen und zerstört. In der Folgezeit wurde die Stadt erneut von byzantinischen Truppen erobert und die Stadt wieder aufgebaut.

Um 1340 wurde Didymoticho Sitz des Gegenkaisers Johannes VI. Seine Krönung in Didymoticho löste ein weiteren Bürgerkrieg aus, der letztendlich von Johannes V. 1354 gewonnen wurde. Der italienische Chronist Matteo Villani berichtet, dass die Stadt 1359 zum ersten Mal von den Osmanen erobert worden sei. Im November 1361 geriet sie endgültig in osmanische Hände und löste kurzzeitig Bursa als Residenzstadt der osmanischen Sultane ab. Somit war Didymoticho deren erste Hauptstadt in Europa (bis 1366, danach Adrianopel (Edirne) bis 1453).[3] Villani beschreibt Didymoticho als die zweitwichtigste byzantinische Stadt in Thrakien, nach Konstantinopel. Der Eroberung Didymotichos folgte die Unterwerfung und Zerstörung der Festungen in den Ostrhodopen, unter anderem Perperikon, Ljutiza bei Iwajlowgrad, Ustra und Wischegrad bei Kardschali.

Osmanische Herrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 1713 wurde Karl XII. von Schweden während seines Aufenthaltes im Osmanischen Reich von Sultan Ahmed III. in Adrianopel arrestiert. Von dort aus verlagerten die Osmanen den Hausarrest im November 1713 nach Didymoticho.

Bulgarische Flüchtlinge aus Bulgarköi (heute Ellinochori), bei Didymoticho (1913)

Didymoticho gehörte danach zunächst bis 1912 ununterbrochen zum Osmanischen Reich, bevor es während des Ersten Balkankrieges von bulgarischen Truppen besetzt und zunächst an Bulgarien abgetreten wurde. Als der Zweite Balkankrieg ausbrach, verloren die bulgarischen Truppen. Wegen des drohenden Anschlusses an Bulgarien formte sich Widerstand in der muslimisch-türkischen Bevölkerung Westthrakiens, die mit 185.000 Einwohnern die Mehrheit in der Region stellte.[4] Der Widerstand mündete in die Gründung der Regierung Westthrakien.

Im Ergebnis des Zweiten Balkankrieges erhielten die Osmanen 1913 die Stadt zwar noch einmal zurück, traten sie aber 1915 endgültig an Bulgarien ab, um Bulgarien an der Seite der Mittelmächte zum Eintritt in den Ersten Weltkrieg zu bewegen. Nach der Niederlage der Mittelmächte musste Bulgarien 1919 schließlich West-Thrakien samt Dydimoticho an Griechenland abtreten. Beim folgenden Bevölkerungsaustausch verließen 53.000 Bulgaren Griechenland.[5] Umgekehrt verließen 46.000 Griechen Bulgarien.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Didymoticho und die Präfektur Evros blieben als Enklave auch während des Zweiten Weltkriegs griechisch, da sie unter deutscher Militärverwaltung standen. Die weiter westlich gelegenen Gebiete Thrakiens und Ostmakedonien hingegen waren von 1941 bis 1944 wieder von Bulgarien annektiert worden.

Starke Regenfälle verursachten am 17. Februar 2005 eine Überflutung der Region um den Fluss Evros und der Stadt. Die Flut ebbte ab dem 4. März langsam ab und hinterließ große Schäden. Auch die Eisenbahnlinie wurde stark betroffen, so dass der Zugverkehr für mehrere Monate stillgelegt werden musste.

2010 wurde im Zuge des Kallikratis-Programms die westliche Nachbargemeinde Metaxades in die Gemeinde Didymoticho eingemeindet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Überreste der antiken Siedlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen dem Bahnhof der Stadt und den Flüssen Erythropotamos und Evros erhebt sich die Agia Petra. Ausgrabungen ergaben, dass dieser Ort mit der antiken Stadt Plotinoupolis zu identifizieren ist, die der römische Kaiser Trajan gründete und nach seiner Frau Pompeia Plotina benannte. Die Ruinen der antiken Siedlung sind heute dort zu besichtigen. Die Ausgrabungen dauern an, und die Funde werden im archäologischen Museum von Komotini ausgestellt. Die Böden der Patrizierhäuser sind gut erhalten und offenbarten bei Ausgrabungen seit 2009 hochwertige Mosaike mit Darstellungen aus der antiken griechischen Mythologie. Bereits einige Jahrzehnte früher hatte man eine Goldbüste des römischen Kaisers Septimius Severus zufällig beim Bau eines Grabens durch die griechische Armee gefunden. In der Umgebung der Stadt laufen Ausgrabungen an mehreren griechisch-thrakischen Gräbern, wie z. B. in Thyrea.[6] Auch Überreste der Festung Pythion befinden sich in der Nähe.

Die Burg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Hauptsehenswürdigkeiten zählen die Burg und die Befestigungsanlagen des mittelalterlichen Didymoticho. Die Burg dokumentiert die geostrategische Wichtigkeit der Stadt während der Jahrhunderte. Der berühmte „Prinzessinenturm“ (Pyrgos tis Vasilopoulas, Πύργος της Βασιλοπούλας), wo sich der Sage nach die junge Prinzessin eines byzantinischen Kaisergeschlechts in den Tod warf, weil sie einer Zwangsheirat entkommen wollte, ist der besterhaltene Turm der Burg. Insgesamt 24 Türme sind heute noch erhalten, wobei die meisten steinerne Monogramme verschiedener byzantinischer Kaiserdynastien aufweisen. Gut erhalten ist auch das Burgtor. Während der osmanischen Herrschaft wohnte die christlichen Bevölkerung, also die Griechen, Armenier und Bulgaren, „oben“ (= innerhalb der Burg), während die muslimischen Bewohner der Stadt „unten“, um die Moschee herum, lebten.

Die Altstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb der Stadtmauern befindet sich die Altstadt. Hier stehen die byzantinische Kirche der Heiligen Ekaterini sowie die historische Kirche des Heiligen Georgios Palaeokastritis, in der Johannes VI. Kantakouzenos gekrönt wurde. Felshöhlen befinden sich sowohl im Bereich, der von den byzantinischen Festungsmauern umrahmt wird, als auch in dessen Umkreis. Zwei Höhlen, die neben der Metropolis des Heiligen Athanasios liegen, dienten der Legende nach als Gefängnis Karls XII. von Schweden. Bei der Çelebi-Sultan-Mehmed-Moschee, deren Konstruktion unter Murad I. (1326–1389) begonnen und unter Bayezid I. (1347–1402) fertiggestellt wurde, handelt es sich um die älteste Moschee Europas. Sie wurde gebaut, als die Stadt kurzfristig Residenz des osmanischen Sultans war. Gegenwärtig wird das Gebäude saniert. Besichtigen kann man außerdem den Komplex des türkischen Hamam, griechisch auch „Bäder der Liebe“ (Λουτρά του Έρωτα) genannt. Dieses Hamam wird auf das 15. Jahrhundert datiert. Besichtigen kann man das Mausoleum des Oruç Paşa (Ορούτς Πασά), welches sich direkt hinter dem heutigen Rathaus der Stadt befindet. Oruç Paşa war General des osmanischen Heers und Stifter des Hamam.

Viele klassizistische Gebäude wie Stadtvillen prägen das Bild der Stadt und wurden unter Denkmalschutz gestellt. Ebenfalls häufig und unter Denkmalschutz sind für die Region typische Herrenhäuser (griechisch Αρχοντικά).

Der alte Bahnhof wurde von 1919 bis 1920 unter der Herrschaft der Entente von Franzosen erbaut, daher sein einheimischer Name „Französischer Bahnhof“ (griechisch Γαλλικός Σταθμός). Der Bahnhofskomplex besteht aus vier Gebäuden, die vollständig aus Holz gebaut und mit vielen Details der damaligen Epoche ausgestattet sind.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das neu erbaute und im Jahr 2014 eingeweihte byzantinische Museum dokumentiert in zahlreichen Funden der Gegend die Rolle Didymotichos während des Byzantinischen Reiches, als die Stadt dreimal als Residenz der Kaiser diente.
  • Das Volkskundliche Museum wurde 1967 von Lehrern der Stadt gegründet.[6]
  • Das Militärmuseum zieht vor allem Heereseinheiten aus umliegenden Garnisonen an.
  • Der Dom beherbergt ein Ikonenmuseum mit seltenen Exponaten aus der byzantinischen Epoche.
  • Im Mai des Jahres 2000 weihten Gianna Angelopoulos-Daskalaki und Theodoros Angelopoulos die Pinakothek im historischen Haus Vafiadi ein. Dieses Museum trägt den Namen des Malers und Künstlers Dimitrios Nalbandi (Δημοτική Πινακοθήκη Δημητρίου Ναλμπάντη), dessen Werke es ausstellt, darunter Wandmalereien des Künstlers.

Sehenswürdigkeiten im Umland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An den südlichen Hügeln der Stadt erstreckt sich der Wald Tsingla, der als Naherholungsgebiet für Ausflüge und Feierlichkeiten von den Einheimischen genutzt wird. Im Ort Koufovouno gibt es eine Tropfsteinhöhle mit dem Namen „Vouvas“, die von Höhlenforschern im Jahr 1962 entdeckt und erforscht wurde. Besichtigen kann man in der 30 Meter hohen Höhle Stalagmiten und Stalaktiten.[6]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das im September jährlich stattfindende Kulturfestival Erythropotamos bietet außer Folklore auch Tanz und Musik. Ein weiteres und seit vielen Jahren stattfindendes Fest ist das Fest der Gaida, des traditionellen thrakischen Dudelsacks. Viele Gaidaspieler ergießen sich in die Straßen und Gassen der Stadt und tragen die Musik in jede Wohnsiedlung. Anschließend findet am Zentrum ein Tanzfest statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landwirtschaft ist für die meisten Einwohner die Haupteinnahmequelle. Zu den landwirtschaftlich angebauten Pflanzen gehören Baumwolle und Mais. Die Nahrungsmittelindustrie ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. An der östlichen Stadtgrenze liegt die Hauptverwaltung des Nahrungsmittelkonzerns Evrofarma, welcher von mehreren Großmolkereien hauptsächlich in Evros, aber auch aus dem gesamten Thrakien beliefert wird. Soldaten und Offiziere des griechischen Heers, die ihren Dienst in der Region absolvieren, steigern den Umsatz der Einzelhändler in der Stadt. Die Stadt ist zudem Sitz des Metropoliten der dortigen Region. Es gibt Einrichtungen zur Ausbildung von Polizisten und von Beamten sowie ein staatliches Krankenhaus.

Die vor einigen Jahren neu erbaute Nationalstraße 51 ist der Hauptverkehrsweg der Stadt und verbindet diese mit der Autobahn „Egnatia Odos“ im Süden und Orestiada im Norden. Auch eine Bahnstrecke führt durch den Ort und verbindet die Stadt mit den Zentren des Landes. Die Bahn wird hauptsächlich von Rekruten und Soldaten genutzt, die in der Präfektur ihren Wehrdienst absolvieren. Der Busverkehr wird hauptsächlich von den Einheimischen genutzt, wobei mehrere Buslinien täglich in Richtung Makedonien und Attika verkehren.

Dörfer der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen der meisten Dörfer der Gemeinde sind rückläufig, während die Einwohnerzahlen der Gemeindezentren wachsen. Allerdings kehren Griechen aus der Diaspora als Rentner wieder in ihre Herkunftsdörfer zurück.

Pythio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem Ort Pythio befindet sich der einzige verbliebene Grenzübergang für den Zugverkehr zwischen der Türkei und Griechenland. Die Byzantiner nannten den Ort Empythion. Am Dorfrand steht eine Burg aus dem 14. Jahrhundert, ein Zeugnis der Militärarchitektur der letzten Jahre des griechisch-byzantinischen Reiches. Die Burg ist sehr gut erhalten. Sie wurde auch als Schatzkammer genutzt.[6] Auf dem Weg zum Nachbarort Rigio befinden sich zwei Gräber aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.

Neo Sofiko[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfänge und die frühen Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Spätbyzantinischen Architekturstil erbaute Kirche des Heiligen Dimitrios in Neo Sofiko

Das Dorf Neo Sofiko (griechisch Σοφικό) wurde in der fruchtbaren Ebene auf der griechischen Seite des Flusses Evros von griechischen Flüchtlingen aus den Orten Kostikioi (heute türkisch Serem), Louloukioi (heute türkisch Akcadam), Kawakli, Karaile, Giaoup, Kourti (heute türkisch Kurdu), Nantirli, Derekioi und Megalo Zaloufi gegründet.[7] Diese Dörfer lagen in der und um die Gemeinde Uzunköprü (griechisch Μακρά Γέφυρα) in der heutigen Türkei.[8] Das Dorf Louloukioi wurde in einem kirchlichen Dokument aus dem Jahre 1878 erstmals erwähnt, das für den Ort eine griechisch-orthodoxe Kirche, eine Schule und 56 Familien bezeugt.[8] Die Flucht aus dem Dorf begann nach dem Türkisch-bulgarischen Vertrag von Sofia im September 1915.[9] 15.130 Griechen aus der Region Uzunköprü (von insgesamt geschätzt 150.000 Griechen im weiteren Umland des östlichen Thrakiens) wurden zu Flüchtlingen.[9] Die Flüchtlinge aus Louloukioi und Kostikioi verweilten bis 1919 auf der griechischen Seite des Flusses Evros in Didymoticho und konnten zum Teil noch ihre alten Äcker bestellen. Nach dem Griechisch-Türkischen Krieg (1919–1922) wurden weitere Umsiedlungen durchgeführt,[9] auch von türkischer Bevölkerung aus der Region um Didymoticho in die Türkei. Die griechischen Flüchtlinge gaben nach mehreren Überflutungen ihre Äcker und ihre Soflar genannte Siedlung auf, ließen sich weiter flußaufwärts nieder und gründeten im Sommer 1923 ihren Ort, vorerst mit den Namen Neo Lili und Neo Kosti. Aus dem ehemaligen Ort Megalo Zaloufi ließen sich lediglich 7 Familien in Neo Kosti nieder.[8] Die übrigen Familien des Ortes siedelten in den umliegenden Dörfern wie Neo Chimonio und Sakkos und bis hinauf an die Grenze zu Bulgarien. Das Dorf Megalo Zaloufi wurde hauptsächlich von Arvaniten bevölkert,[8] die nicht nur einen eigenen Dialekt mitbrachten, sondern auch Baukunst und Handel. Die meisten Arvaniten bauten und verwalteten Mühlen und Lagerhallen.

Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts und die Auswanderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kapelle der Panagia Sofikiotisa im Ortsteil Lili von Neo Sofiko
Neo Sofiko im Jahre 2009 von der Anhöhe von Lili, die fruchtbare Uferebene des Evros im Hintergrund

Das heutige Neo Sofiko erhielt diesen Namen im Zuge einer Kommunalreform im Jahre 1961 und besteht aus zwei Ortsteilen, Kosti und Lili. Mit knapp 800 Einwohnern ist es das bevölkerungsreichste Dorf der Gemeinde Didymoticho.[1] Das eine Dorfzentrum bildete sich um die große Kirche des Heiligen Dimitrios, das andere, größere entstand in Kosti, mit traditionellen Kafenions.

Im Jahre 1976 besuchte ein Filmteam des staatlichen Senders E.R.T. den Ort. Dessen Dokumentarfilm zeigt die Geschichte und das kulturelle Erbe des Dorfes. Ein weiteres Filmteam des staatlichen Senders ET-3 dokumentierte 1989, wie eine Folkloregruppe eine traditionelle Hochzeit aufführte und die örtlichen Bräuche zeigte.[8] Es sind zeitgeschichtliche Zeugnisse, welche Historiker, Sprachforscher und Musikwissenschaftler nutzen, um die Kultur der Griechen in Ostthrakien, insbesondere im Bereich um Didymoticho darzustellen. In diesen Dokumentationen sind alte und seltene Rhapsodien, Lieder und Melodien aus der Region festgehalten: eine gesprochene und gesungene Überlieferung, welche ansonsten mit den Jahrzehnten und den Generationen verloren gegangen wäre.

Im Dorf liegen drei Kirchen. Die größte Kirche ist die des Heiligen Dimitrios. Nahe der Sportanlage des Vereins A.E.S.Orfeas Sofikou (A.E.Σ. Ορφέας Σοφικού) wurde 1994 eine kleine Kapelle der Panagia Sofikiotissa (Παναγιά Σοφικιοτισά) eingeweiht. Mit den Jahren wurde an der Kapelle der kleine Park „Lilikosti“ angelegt, benannt nach den beiden Ortsteilen. Seit 2008 schmückt eine neue Kirche die östliche Dorfgrenze.

Im Dorf gab es bis in die 1990er Jahre eine Grundschule und einen Kindergarten, in den 1980er Jahren sogar ein Gymnasium, das auch Jugendliche aus den umliegenden Dörfern aufnahm. Als die Schülerzahlen sanken, wurden die Grundschule und das Gymnasium Mitte der 1990er Jahren geschlossen.

Immer mehr Sofikioten wanderten infolge der Finanzkrise ab Ende 2010 ins europäische Ausland aus. Bevorzugte Ziele sind die Niederlande, Belgien und die Bundesrepublik Deutschland. Es ist die dritte große Auswanderungswelle in der Region rund um Didymoticho, nach der ersten großen Auswanderung in den 1950er Jahren und der zweiten Auswanderung Ende der 1960er / Anfang der 1970er Jahren, als viele Bewohner in den Vereinigten Staaten von Amerika und bis nach Australien gingen.[8]

Ellinochori[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort Ellinochori wurden Silbermünzen aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. gefunden. Außerhalb des Dorfes gibt es eine alte Seidenfabrik.[6]

Verwaltungsgliederung der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen stammen aus den Daten der Volkszählung von 2011.[1]

  • Gemeindebezirk Didymoticho – 16.078 Ew.
    • Stadtbezirk Didymoticho – 9.367 Ew.
      • Didymoticho (Διδυμότειχο) – 9.263 Ew.
      • Nei Psathades (Νέοι Ψαθάδες) – 104 Ew.
    • Stadtbezirk Ellinochori – 1.373 Ew.
      • Ellinochori (Ελληνοχώρι) – 593 Ew.
      • Thyrea (Θυρέα) – 160 Ew.
      • Lagos (Λαγός) – 620 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Asvetades (Ασβεστάδες) – 192 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Asimenio (Ασημένιο) – 334 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Isaakio (Ισαάκιο) – 407 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Karoti (Καρωτή) – 271 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Koufovouno (Κουφόβουνο) – 629 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Kyani (Κυανή) – 474 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Mani – 538 Ew.
      • Mani (Μάνη) – 385 Ew.
      • Evgeniko (Ευγενικό) – 85 Ew.
      • Sitaria (Σιταριά) – 68 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Petrades (Πετράδες) – 184 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Pimeniko (Ποιμενικό) – 343 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Prangio (Πραγγίο) – 304 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Pythio 541 Ew.
      • Pythio (Πύθιο) – 429 Ew.
      • Rigio (Ρήγιο) – 100 Ew.
      • Stathmos (Bahnhof, Σταθμός) – 12 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Sitochori (Σιτοχώρι) – 326 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Neo Sofiko (Νέο Σοφικό) – 795 Ew.
  • Gemeindebezirk Metaxades – 3.415 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Alepochori – 365 Ew.
      • Alepochori (Αλεποχώρι) – 237 Ew.
      • Polia (Πολιά) – 128 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Asproneri – 538 Ew.
      • Asproneri (Ασπρονέρι) – 466 Ew.
      • Giatrades (Γιατράδες) – 72 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Doxa (Δόξα) – 410 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Elafochori – 433 Ew.
      • Elafochori (Ελαφοχώρι) – 133 Ew.
      • Vrysi (Βρύση) – 43 Ew.
      • Chionades (Χιονάδες) – 257 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Ladi (Λάδη) – 180 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Metaxades – 749 Ew.
      • Metaxades (Μεταξάδες) – 719 Ew.
      • Avdella (Αβδέλλα) – 30 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Paliouri (Παλιούρι) – 468 Ew.
    • Ortsgemeinschaft Vrysika – 304 Ew.
      • Vrysika (Βρυσικά) – 162 Ew.
      • Savra (Σαύρα) – 142 Ew.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Basileios II. der Bulgarentöter (958–1025) war von 976 bis 1025 Kaiser des Byzantinischen Reiches.
  • Johannes III. Dukes Vatatzes (1193–1254), byzantinischer Kaiser.
  • Johannes V. Palaiologos (1332–1391), byzantinischer Kaiser.
  • Balım Sultan (1457–1517) war der Gründer des muslimischen Sufiordens der Bektaschiten.
  • Bāyezīd II. (1447–1448) war osmanischer Sultan von 1481 bis 1512 und Stifer einer bedeutenden Moschee in Istanbul.
  • Evgenios Evgenidis (1882–1954) war ein Schiffsmagnat des frühen 20. Jahrhunderts. Heute gibt es die Evginidio Foundation in Athen, die unter anderem verschiedene Programme für Jugendliche der Diaspora finanziert.
  • Chronis Aidonidis (* 1928) ist ein berühmter Folkloresänger besonders thrakischen Liedguts und wurde in Karoti geboren.
  • Konstandinos Gatsioudis (* 1973) ist der erfolgreichste Speerwerfer Griechenlands. Ihm zu Ehren wurde die örtliche Sporthalle nach ihm benannt und eine Statue am Eingang eingeweiht. Seit seinen internationalen Erfolgen eifern ihm viele Jugendliche der Leichtathletik nach und organisieren sich im örtlichen Verein Spartacus of Didymoticho.

Personen, die mit der Stadt verbunden sind[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Metropolit Hilarion, 1341–1343
  • Dionysios der Mönch (Διονύσιος ο Μοναχός, † 1518), Märtyrer der griechisch-orthodoxen Kirche
  • Der osmanische Dichter Abdurrahman Hibri (1604–1659) lehrte von 1636 bis 1637 an der Medrese von Didymoticho.
  • Diakon Iakovos (Ιάκωβος ο Διάκονος, † 18. Jahrh.), Märtyrer der griechisch-orthodoxen Kirche
  • Parthenios von Didymoticho (Παρθένιος εκ Διδυμοτείχου, † 1805), Märtyrer der griechisch-orthodoxen Kirche
  • Rüdiger von Rosen wurde am 4. Oktober 2010 für seine Verbundenheit und sein großes Interesse an der Stadt zum Ehrenbürger von Didymoticho ernannt.
  • Pavlos Stamatopoulos, ein berühmter Journalist, Entertainer und Moderator des griechischen Boulevards, stammt aus Sofiko.

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nikolaj Owtscharow: Средновековните крепости на Източните Родопи (Die mittelalterlichen Festungen in den Ostrhodopen). Materialien zu einem 2009 vom Bulgarischen Nationalen Fernsehen gesendeten Dokumentarfilm (bulgarisch).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Ergebnisse der Volkszählung 2011 beim Nationalen Statistischen Dienst Griechenlands (ΕΛ.ΣΤΑΤ) (Memento vom 27. Juni 2015 im Internet Archive) (Excel-Dokument, 2,6 MB)
  2. Martin Gilbert: The Routledge Atlas of the Holocaust. Routledge, London, 3. Aufl. 2002, ISBN 0-415-28145-8, S. 150f.
  3. David Nicolle: Die Osmanen – 600 Jahre islamisches Weltreich. Wien 2008, S. 60.
  4. Katrin Boeckh: Von den Balkankriegen zum Ersten Weltkrieg. Kleinstaatenpolitik und ethnische Selbstbestimmung auf dem Balkan. Oldenbourg, München 1996, ISBN 3-486-56173-1, S. 77.
  5. Elisabeth Kontogiorgi: Population Exchange in Greek Macedonia. The Rural Settlement of Refugees 1922–1930. Clarendon Press, Oxford 2006, ISBN 0-19-927896-2, S. 229.
  6. a b c d e Dimtrios D. Karakousis: Thraki. Touristikos, Istorikos, Archeologikos Odigos. Arrowhead Studios, Alexandroupolis 1995, S. 307.
  7. Konstantinos A. Wakalopoulos, Nikolaos Moutsopoulos, A. Kesopoulos: Anatoliki Thraki – Konstantinoupoli Anatoliki Thraki- Anatoliki Romilia. In: Alismonites Parties tou Ellinismou. Band 7. Ekdosis Tziampiris-Pyramida, Thessaloniki, ISBN 960-8060-17-6, S. 341.
  8. a b c d e f Dimitrios Spanos: Sinorata ki Hariasia. Stilvopress, Grafikes Technes, Didymoticho 2016, S. 19.
  9. a b c Konstantinos A. Wakalopoulos: Thraki – Istoria tou Woriou Ellinismou. 3. Auflage. Ekdotikos Ikos Adelfon Kiriakidi, Thessaloniki 1993, ISBN 960-343-005-6, S. 288.