Die öffentliche Meinung

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Die öffentliche Meinung (englischer Originaltitel Public Opinion) ist eine Monographie Walter Lippmanns aus dem Jahr 1922. Es handelt sich um eine kritische Darstellung der Funktionsweise des demokratisch legitimierten Regierungssystems. Im Vordergrund stehen die irrationalen und oft von Eigeninteresse geleiteten sozialen Wahrnehmungen, die das individuelle Verhalten beeinflussen und den optimalen gesellschaftlichen Zusammenhalt verhindern.[1] Lippmann beschreibt im Detail die kognitiven Einschränkungen der meisten Menschen hinsichtlich ihres Verständnisses der soziopolitischen und kulturellen Einflussgrößen ihrer Umwelt. Diese Einschränkungen führen dazu, dass Menschen einer Vielzahl von Stereotypen oder Klischeevorstellungen folgen, die Lippmann im Einzelnen ausführlich darstellt. Diese Darstellung machte Public Opinion zu einem grundlegenden Text für die Medienwissenschaften, die Politikwissenschaft und die Sozialpsychologie.

"Die öffentliche Meinung" in der deutschen Übersetzung wurde 2018 im Westend Verlag neu aufgelegt.[2]

Erzeugung einer „Pseudoumwelt“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Einleitung beschreibt Lippmann die Schwäche der Menschen bei ihrem Versuch, die Wirklichkeit zu verstehen. „Die wirkliche Umwelt ist zu groß, zu komplex und zu sehr im Fluss befindlich, um Menschen direkt zugänglich zu sein.“ Daher entwickelt sich in den Menschen eine konstruierte Pseudoumwelt, die ein subjektives, voreingenommenes und vereinfachtes Bild der Welt darstellt. Bis zu einem gewissen Grad ist nach Lippmanns Auffassung das Weltbild jedes Menschen notwendigerweise eine solche Fiktion. Die Menschen leben „in der selben Welt, aber sie denken und fühlen in verschiedenen Welten.“

Die künstliche und fiktive Vorstellung der Welt bestimmt das reale Verhalten der Menschen in der realen Welt. Lippmann stellt die seiner Meinung nach wichtigsten Wechselbezüge und Abhängigkeiten zwischen der Psychologie des Einzelmenschen, der Umwelt und den Medien dar.

Medienberichte und Wahrheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die relevanten Fakten werden niemals vollständig und genau als Bestandteile des großen Ganzen dargestellt, sondern oft so ausgewählt und zusammengestellt, dass sie eine subjektive Interpretation eines Ereignisses zum Ausdruck bringen. Oft konstruieren gerade diejenigen, die die wirkliche und wahrhafte Umwelt kennen, in der öffentlichen Sphäre eine täuschende Scheinwelt, um so ihre Privatinteressen zu fördern. Propaganda wird gerade dadurch erst ermöglicht, dass es zwischen dem Ereignis der Wirklichkeit und der öffentlichen Meinung einen Bruch gibt, eine Barriere, an der die Zensur des "Türstehers" wirksam werden kann. Folglich sind gerade die Massenkommunikationsmittel ihrem Wesen nach als Übertragungsmittel von Information und Wertung grundsätzlich von Manipulierbarkeit geprägt.

Die Schuld an der perspektivischen Verschiebung von Bildern der Wirklichkeit ist nach Lippmanns Auffassung nicht in der technischen Seite der Medien zu suchen, sondern in der geringen intellektuellen Anteilnahme und Bereitschaft von Mitgliedern der Gesellschaft, die Wirklichkeit als solche zu schätzen. Dies führt zu folgenden Erscheinungen:

  1. Nachrichten werden zur Ware: Die "verwirrte Herde" ("bewildered herd") muss für das von den Medien vermittelte Verständnis der nicht selbst wahrgenommenen Wirklichkeit einen Preis bezahlen. Es liegt eine gewisse Ironie darin, dass die Inhalte der öffentlichen Meinung trotz ihrer großen Bedeutung gerade von den Menschen bezahlt werden müssen, die sie dann akzeptieren sollen. Die Menschen sind dabei sehr selektiv und kaufen Medien zum niedrigsten möglichen Preis. "Für einen Dollar bekommt man nicht einmal einen Arm voll Süßigkeiten, aber die Menschen erwarten, dass sie zu diesem oder einem niedrigeren Preis mühelos eine wahrheitsgemäße Darstellung der Realität geschenkt bekommen." Die Medien erfüllen dabei zwei ihrer Funktionen: Information über die öffentlichen Angelegenheiten zu übermitteln und Profit zu machen, um gegenüber der Konkurrenz auf dem Medienmarkt zu bestehen.
  2. Nachrichten werden zustimmungsfähig zubereitet: Man publiziert Meinungen in einer mehrfach bestätigten Form, so dass sie nach diesem Bestätigungsprozess weniger kontrovers erscheinen. Offizielle Darstellungen der politischen Angelegenheiten werden als reputable Nachrichten verkauft, die inoffiziellen, also als "privat" abgewerteten Auffassungen, werden kaum berücksichtigt oder dienen als plakative „Streitthemen“ zu verhüllten Propagandazwecken.
  3. Nachrichten haben einen Signalwert: Nachrichten machen auf ein Ereignis aufmerksam, diese Aufmerksamkeitssteuerung über die Signalwirkung der Nachrichten ist aber das Ergebnis einer Auswahl und Beurteilung der Nachrichten durch die Herausgeber: Der Journalismus erzeugt und streut die Saat (Nachrichten) aus, aus der dann die öffentliche Meinung erwächst.

Herstellung eines Konsenses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei richtiger Anwendung im Interesse der Öffentlichkeit ist die Herstellung einer einheitlichen Meinung nützlich und für den Zusammenhalt der Gesellschaft sogar notwendig, da in vielen Fällen nur nach genauer Analyse und der Daten feststellbar ist, wo das wirkliche „allgemeine Interesse“ liegt. Zu dieser intellektuellen Anstrengung sind aber die meisten Menschen weder fähig noch willig. Daher muss den meisten Menschen die Welt durch die Gutinformierten aufbereitet werden, so dass sie entsprechend dieser Deutung der Welt handeln können.

Nur die politische Elite ist in der Lage, die Komplexität der Wirklichkeit in höherem und angemessem Grade zu verstehen. Lippmann schlägt vor, dass eine „spezialisierte Gruppe von Menschen“ ihre Erkenntnisse den Entscheidungsträgern unterbreitet. Diese wiederum beherrschen die „Kunst der Überzeugung“, um der Öffentlichkeit die Entscheidungen zu vermitteln und akzeptabel erscheinen zu lassen, die sie betreffen.[3]

Public Opinion vertritt die These, dass die gewachsene Macht der Propaganda und der Spezialkenntnisse, die für politische Entscheidungen nötig geworden sind, die herkömmliche Bedeutung von Demokratie bedeutungslos gemacht haben.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noam Chomsky und Edward S. Herman übernahmen den Ausdruck "manufacturing consent" 1988 für den Titel ihres medienkritischen Werkes Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media (deutsch: Die Konsensfabrik: Zur politischen Ökonomie der Massenmedien).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Walter Lippmann: 1922 (Public Opinion – Internet Archive).
  2. Walter Lippmann: Die öffentliche Meinung. Wie sie entsteht und manipuliert wird. Mit einer Einführung von Walter Ötsch und Silja Graupe. Westend Verlag, Frankfurt am Main 2018, ISBN 978-3-86489-223-3 (westendverlag.de).
  3. Chapter XV, section 4: Leaders and the Rank and File.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]