Die Anstalt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Seriendaten
Originaltitel Die Anstalt
Die Anstalt 0,,17376127 401,00.png
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Jahr(e) seit 2014
Produktions-
unternehmen
RedSpider Networks
Länge ca. 50–60 Minuten
Episoden 20+
Genre politisches Kabarett
Titelmusik KraftklubJuppe
Regie Frank Hof
Drehbuch Max Uthoff,
Claus von Wagner,
Dietrich Krauß
Erstausstrahlung 4. Februar 2014 auf ZDF
Besetzung

Hauptdarsteller:

  • Max Uthoff
  • Claus von Wagner

Nebendarsteller: Verschiedene Gäste aus dem Bereich der Kleinkunst

Die Anstalt ist eine politische Kabarettsendung, die vom deutschen Fernsehsender ZDF seit dem 4. Februar 2014 ausgestrahlt wird. Sie gilt als Nachfolger von Neues aus der Anstalt, welche am 1. Oktober 2013 zum letzten Mal gezeigt wurde. Durch die Sendung führen die Kabarettisten Max Uthoff und Claus von Wagner. Zu ihnen gesellen sich bekannte Gäste aus dem Bereich der Kleinkunst. Regisseur der Sendung ist Frank Hof.

Sendeplatz, Set und Autoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anstalt wird achtmal im Jahr an einem Dienstagabend nach dem heute-journal im ZDF ausgestrahlt und live aus den ARRI-Studios in München gesendet. Wiederholt wird die Sendung im D-A-CH-Gemeinschaftssender 3sat.

Das Studio stellt das Foyer einer psychiatrischen Klinik dar. Die auftretenden Kabarettisten können über Gänge, Treppen und einen Aufzug die Bühne betreten. Uthoff und von Wagner stellen die Besetzer der von Urban Priol und Frank-Markus Barwasser (alias Erwin Pelzig) verlassenen Klinik dar. Jede Sendung steht unter einem Thema, welches meistens auch in den Solo-Auftritten der Gäste thematisiert wird. Passend zum Thema wird auch das Titellied abgeändert, zum Beispiel Samba de Janeiro in der Sendung zur Fußball-Weltmeisterschaft. In der Sendung nach den Terroranschlägen in Paris wurde das erste „A“ von „Anstalt“ im Logo durch den Eiffelturm dargestellt.

Dem dreiköpfigen Autorenteam der Anstalt gehört neben Uthoff und von Wagner der Journalist und Kabarettredakteur Dietrich Krauß an, der auch zum Autorenteam der heute-show zählt.[1]

Wiederkehrende Elemente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als eine Art Running Gag gibt sich die Gruppe in einigen Folgen gern einen neuen Eigennamen, setzt zur Verkündigung der Abkürzung an, unterlässt aber immer die Aussprache, weil die Abkürzung immer in Verbindung mit etwas aus ihrer Sicht Negativem steht (z. B. AfD oder Napalm). Ebenfalls wiederholt wird Max Uthoff gerne in seinem Solo unterbrochen, worüber er sich dann beschwert.

Weiterhin taucht in den meisten Ausgaben der Anstalt ein rollbares Whiteboard auf, auf dem ein Schaubild über personelle oder politische Verquickungen entwickelt wird. Das erste Schaubild dieser Art wurde von Erwin Pelzig in der Ausgabe vom 13. November 2012 der Vorgängersendung Neues aus der Anstalt dargeboten. In diesem Schaubild ging es um die personellen Verbindungen zwischen der Bank Goldman Sachs und hohen staatlichen Finanzposten weltweit. Ein zweites Schaubild wurde von Pelzig in der Ausgabe am 25. Juni 2013 zum Thema Gustl Mollath gezeigt; regelmäßig wird es aber erst seit dem Debüt von Die Anstalt von Uthoff und von Wagner betrieben. Auch gibt es in jeder Ausgabe eine Art Rollenspiel, bei dem politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Vorgänge veranschaulicht werden. Diese Rollenspiele werden häufig mit den Schaubildern auf dem Whiteboard kombiniert.

Episodenliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Episode Erstausstrahlung Leitmotiv Themen Gäste Dauer in
Minuten
01 4. Februar 2014 Revolution 18. Deutscher Bundestag, Wirtschaftslobbyismus, Münchner Sicherheitskonferenz 2014, Deutsche Bank, Asylanträge, Fernsehprogramm, Perspektiven von Depressionen, Aussterben der Gespräche und menschlicher Aktivitäten durch die Technik, Homophobie Simone Solga, Nico Semsrott, Matthias Egersdörfer 51
02 11. März 2014 Rente und Ukraine-Krise Ukraine-Krise, Rentenpaket, Private Altersvorsorge, Betriebliche Altersvorsorge, Deutsche Rentenversicherung, Das Alter, Rentenreform, Krisendemokratie, Stress im Alltag Norbert Blüm, Jochen Busse, Christoph Sieber, Timo Wopp 51
03 29. April 2014 Europäische Union Ukraine-Krise, NATO, Einseitige Berichterstattung, EU-Wahl und -Wahlprogramm, Französische Politik, Feindbilder, EU-Politik, Gurkenverordnung, Griechenland-Krise, Wahrnehmung von Moslems in Deutschland, Krieg und Frieden Alfons, Abdelkarim, Konstantin Wecker 49
04 27. Mai 2014 Fußball-Weltmeisterschaft Fußball-Weltmeisterschaft 2014, FIFA-Korruption, Edward Snowden, EU-Wahlergebnis, Ukraine-Krise, Gelassenheit, Vertrauen, Gut und Böse, Uli Hoeneß, FC Bayern München, Fußball-Weltmeisterschaft 2018, Arbeitsbedingungen bei Adidas Monika Gruber, Mathias Tretter, Philip Simon 49
05 23. September 2014 Erster Weltkrieg Deutscher Rüstungsexport, NATO, Medienmanipulation, Militärisches Eingreifen, NSU-Prozess, Flughafenkontrolle, Ukraine-Krise, Willkommenskultur John Doyle, Simone Solga, Tobias Mann 53
06 28. Oktober 2014 Steuern Steuergerechtigkeit, Steueroasen, Steuerflucht, Steuerumgehung der Großkonzerne, Transatlantisches Freihandelsabkommen, Operation Eikonal, Das Ende der Solidarität, Bundeswehr, Finanzprodukte Michael Mittermeier, HG. Butzko, Chin Meyer 52
07 18. November 2014 Flüchtlinge Mauerfall, EU-Einwanderungspolitik, Das duale Prinzip, fehlende und falsche (Migranten-)Förderung, Das Böse des Monats, Wutbürger, Kommerzialisierung, Neonazis, Mare Nostrum/Triton, Geldanlage bei Banken, Arabischer Frühling und Vertriebene Jürgen Becker, Marc-Uwe Kling, Nessi Tausendschön, Flüchtlingschor „Zuflucht“ 54
08 9. Dezember 2014 Weihnachtsfeier und Jahresrückblick Jahresrückblick für 2014, Wirtschaftsweise, PEGIDA, Tank & Rast/Sanifair, Ukraine-Krise, Politik in Thüringen, Demokratie-AID, Abrechnung mit Politikern, Moby-Dick bezogen auf die heutige Zeit, Kapitalismus Christian Ehring, Matthias Egersdörfer, Rainald Grebe, Kraftklub 56

2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Episode Erstausstrahlung Leitmotiv Themen Gäste Dauer in
Minuten
09 3. Februar 2015 Religion Anschlag auf Charlie Hebdo, Islamfeindlicher Journalismus, Aufforderung zur Gewalt in der Bibel und im Koran, PEGIDA, Meinungs-Mathematik, Drohnen, Freiheit, Der Islam und Deutschland, Willkommenskultur, Patriotismus, Griechenland, Sorgen der deutschen Bevölkerung René Sydow, Abdelkarim, Simone Solga 51
10 31. März 2015
(Aufgrund des Absturzes des Germanwings-Fluges 9525 am 24. März 2015 wurde die Sendung an diesem Tag aufgezeichnet und später ausgestrahlt, jedoch zuvor in die Mediathek gestellt)[2][3]
Griechenland Griechische Staatsschuldenkrise (auch aus türkischer Sicht), Troika, Medienpolitik gegen Griechenland, Reparationszahlungen wegen NS-Vergangenheit, Automatisierungstechnik, Die Ikone der schwäbischen Hausfrau, Theorie der EU-Politik, Wahl von Verstorbenen zu Politikern, Aufrüstung in der Krise Klaus Eckel, Arnulf Rating, Serdar Somuncu, Argyris Sfountouris 50
11 28. April 2015 Feminismus Geschlechterrollen, Postnatale Zustände, Flüchtlingspolitik, Sexismus, Konflikt der Frau zwischen Familie und Beruf, Weibliche Werte an der Börse, Frauen in Führungspositionen, Entsolidarisierung, Lebenslauf von Mann und Frau Lisa Politt, Christoph Sieber, Carolin Kebekus 55
12 26. Mai 2015 Spionage BND-Skandal, Bundesnachrichtendienst, Bundesamt für Verfassungsschutz, MAD, Demokratie, Parlamentarisches Kontrollgremium, Vorratsdatenspeicherung, Selbstverdatung, Terrorprävention, Glaubwürdigkeit, Freiheitsschutz, Verantwortung, Lügen von Journalisten, Feinde der Demokratie, Einschränkung des Briefgeheimnisses Christine Prayon, Frank Lüdecke, Tobias Mann 53
13 22. September 2015 Fluchtursachen Asylpolitik der Europäischen Union, Europäische Solidarität, Bundesregierungs-"Neusprech" auf der Bundespressekonferenz, Bürgerkrieg in Syrien, Integration, Kosovokrieg, Luxemburg-Leaks/Steuerflucht, Migration (Emigration/Immigration), Soziale Ungleichheit, Welthandel, Willkommenskultur, Wirtschaftspartnerschaftsabkommen/Freihandel Michael Altinger, Anny Hartmann, Timo Wopp 54
14 20. Oktober 2015 Nahostkonflikt Fluchtursachen, Kriege in Syrien, Libyen und Irak, Gegenthese des MIT zur UN-Untersuchung zum Einsatz chemischer Waffen in Ghuta, Bayerische Flüchtlingspolitik, US-Außenpolitik, Moderate Rebellen, "Wirtschaftsflüchtlinge", Belastungsgrenzen ("Das Boot ist voll"), Bündnis 90/Die Grünen, Freiwillige Helfer, Medienberichterstattung, Empathie, Fremde und eigene Bedürfnisse, Asylrechtsverschärfung, Soziale Medien, Ängste, Das Fremde, Quantenquarks Luise Kinseher, HG. Butzko, Hennes Bender 50
15 17. November 2015 Rechtsextremismus Terroranschläge in Paris, Rechter Terror, Überwindung von Hass durch Toleranz für alle Religionen, Integration von Neonazis, NSU, Rassismus bei der Polizei, Dummheit, Vergleich von linker und rechter Gewalt, Opfer rechter Gewalt, Verstrickung von Verfassungsschutz und NSU, Holocaust Till Reiners, Alfons, Kutlu Yurtseven, Esther Bejarano & Joram Bejarano 51
16 8. Dezember 2015 Weihnachtsfeier und Terrorismus Weihnachtsansprache, Integration von radikalen Moslems und Neonazis, Terrorgefahr, Xenophobie, Konsum, Wachstum, Weihnachtliche Bräuche, Glaube, Geschenketipps für ein nationales Weihnachtsfest in der "Unkulturzeit" auf "National-TV", PR-Kampagne für Saudi-Arabien, Militärisches Eingreifen in Syrien, Bundespressekonferenz zu Weihnachten Tina Teubner, Stefan Waghubinger, Philipp Weber, Die Toten Hosen 63

2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Episode Erstausstrahlung Leitmotiv Themen Gäste Dauer in
Minuten
17 23. Februar 2016 Sexismus und Fremdenfeindlichkeit Stimmung vor und nach den Vorfällen der Silvesternacht in Köln, Diskussion über Frauenrechte im "christlichen Abendland" auf dem "Ilmtaler Feministenstammtisch", Frieden durch deutsche Bürokratie, Ängste, Stimmung gegen Flüchtlinge im Osten, Selbstüberschätzung durch zu viel Lob, Das Leben als Wettbewerb, Sieger, Waffenlieferungen an Saudi-Arabien, Nazi-Postings, Auslegung des Pressekodex, Deutsches Sexualstrafrecht, Der Zufall des Lebensstandards, Vorfall in Clausnitz, Die Rolle der Türkei in der EU, Syrien-Krieg, "Heilung" von Empathie für die Flüchtlinge zum Wohl des Landes durch CSU und AfD Thomas Reis, Michael Mittermeier, Nessi Tausendschön 53
18 5. April 2016
(Aufgrund der Terroranschläge in Brüssel am 22. März 2016 wurde die Sendung an diesem Tag aufgezeichnet und später ausgestrahlt)[4]
Armut und Reichtum Umverteilung, Statistiken über das Vermögen in Deutschland, Mittelschicht, Schere zwischen Arm und Reich, Steuerreformen, fehlende Besteuerung der Reichen durch die Parteien, fehlende Vermögenssteuer, Soziale Ungleichheit, Stiftungen als Steuersparmodell, EU-Türkei-Abkommen, Frauenbild nach der Aufklärung, Einstellungen zu Migranten nach den Silvestervorfällen in Köln, Munitionshandel und Waffenproduktion Lisa Fitz, Nils Heinrich, Abdelkarim 49
19 26. April 2016 Rechtspopulismus Bundespressekonferenz zum Fall Böhmermann, Deutsche Leitkultur, AfD, Rechtes Kabarett, fehlende Beobachtung der AfD vom Verfassungsschutz, "Entmenschlichung" durch Sprache, subjektive Wahrheit, Gründe für das Wahlverhalten bei den "kleinen Leuten", Gründe für Fremdenfeindlichkeit Hazel Brugger, Alfred Dorfer, Arnulf Rating 47
20 24. Mai 2016 Transatlantisches Freihandelsabkommen Lobbyismus, TTIP-Verhandlungen, Einschränkungen des Verbraucherschutzes und der Arbeitnehmerrechte, Schiedsgerichte, (Handels-)Grenzen, Vorurteile, Alltagsprobleme von Migranten, CETA Christine Prayon, Masud, Chin Meyer 50
21 6. September 2016 Fatih Çevikkollu, Carolin Kebekus, Nico Semsrott
22 4. Oktober 2016 Özcan Cosar, Thilo Seibel, Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie
23 1. November 2016 Simone Solga, Matthias Egersdörfer, Frank Lüdecke
24 6. Dezember 2016 Klaus Eckel, Uta Köbernick, Michael Altinger

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einschaltquoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Sendung erreichte 3,11 Millionen Zuschauer; die Einschaltquote wurde mit 14 Prozent beziffert. Die Quote blieb hinter der zuletzt vom Vorgängerformat erreichten zurück.[5]

Insgesamt kommen Uthoff und von Wagner auch 2015 nicht an die Quoten von „Neues aus der Anstalt“ heran, nur beim jungen Publikum sind leichte Zuwächse zu beobachten. Der Auftritt des NS-Besatzungsopfers Argyris Sfountouris in der Griechenland-Folge Nr. 10 wurde mit über 1,2 Millionen Abrufen bei Facebook und über 500.000 bei YouTube zum viralen Hit. Ähnlich gute Werte hatte die Ukraine-Folge Nr. 2 in Russland.[6] Die 12. Folge erreichte noch 2,75 Millionen Zuschauer und eine Einschaltquote von 13,1 Prozent.[7]

Die ersten beiden Folgen im Jahr 2016 erreichten 12,6[8], bzw. 10,1 Prozent.[9]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bewertungen der Sendungen fallen sehr unterschiedlich, jedoch tendenziell eher positiv aus.

Zur Auftaktsendung und Nachfolgesendung von Neues aus der Anstalt attestierte Irene Helmes in der Süddeutschen Zeitung Uthoff und von Wagner zwar, dass jene „mit sichtlicher Freude“ austeilen würden. Den „selbst formulierten Anspruch“ könnten sie „aber noch nicht erfüllen“, „viele Späße […] waren allzu bekannt“ und insbesondere das Tempo zu hoch.[10] Auf Spiegel Online hob Stefan Kuzmany die „inhaltliche Schärfe“ der zweiten Episode hervor und bezeichnete das neue Format „mit der richtigen Mischung aus guten Gags und fiesen Fakten“ als „glänzend gelungen“.[11]

Stefan Winterbauer lobte auf Meedia die fünfte Folge als „echte Werkschau klassischen Kabaretts“ und „intellektuell, scharfzüngig, mutig“.[12]

Für den Stern zeigte die siebte Folge mit ihrer eindringlichen Darstellung des Flüchtlingsdramas, „dass Satire nicht immer nur lustig sein muss, um zu wirken“.[13]

Die achte Episode bezeichnete Katja Thorwarth in der Frankfurter Rundschau als „Aneinanderreihung von Allgemeinplätzen auf Grundschulniveau garniert mit reduziertem Gut-Böse-Schema à la Querfront“, bei der „einfachste Sachverhalte auf vulgäre Kinderreime heruntergebrochen werden“.[14]

Richard Weber wertete die neunte Folge im Tagesspiegel als „kabarettistisches Schlachtfest der Halbwahrheiten und Behauptungen“. Je nach Bedarf würde z. B. Barack Obama mal hinsichtlich des Drohnenkrieges als „blutrünstiger und barbarischer Mörder“ dargestellt, um dann „beim Thema Griechenland [als] strahlender und moralischer Zeuge dafür [aufzutreten], dass endlich Schluss sein muss mit dem finanziellen Ausquetsch-Terror“.[15]

David Segler sah in der Frankfurter Rundschau anlässlich der zehnten Folge die Stärke der Anstalt darin, dass sie „die großen und komplexen Themen und vor allem die Flut, in der sie auf einen einprasseln [… aufgreife, abstrahieren …] und schließlich in verständlichen Bildern auf die Bühne“ bringe.[16] Zur elften Folge lobte er die gute Hintergrundrecherche, „deren Ergebnisse dann in [den] Dialogen so unter[gebracht würden], dass die Pointen nur so funkeln“.[17]

Matthias Kalle bemängelte an der zwölften Folge im Tagesspiegel „geklaute Gags“ und die Zweitklassigkeit der Gastkabarettisten.[18]

Ruth Schneeberger lobte anlässlich von Folge 13 in der Süddeutschen Zeitung, dass das Team „alle angreife, von der herrschenden über die oppositionelle bis hin zur Politik anderer Länder, von den Kritikern bis zum treuen Publikum im Saal.“ Man sei dabei „so bissig wie witzig, von der messerscharfen Analyse bis zum Kalauer.“[19]

Den Gastauftritt einer Auschwitz-Überlebenden in der 15. Folge kritisierte Reinhard Mohr als künstlerischen Offenbarungseid: „ein Akt schamloser Instrumentalisierung. Der Holocaust als billige Münze, Agitprop-Kabarett, linientreu wie zu DDR-Zeiten […]. Zugleich ist dieses linke Bauerntheater auch ein maßgeschneidertes Convenience-Produkt für die Besserfühlenden, ein Wellness-Bad der moralischen Selbstgewissheit.“[20]

Kontrovers werden die medienkritische Aspekte der Sendung bewertet, insbesondere in Bezug auf die Krise in der Ukraine 2014. Mit dem eigenen Sender gehe man wesentlich schonender um als mit anderen Medien wie Focus und Spiegel, meinte Richard Weber im Tagesspiegel.[15] Matthias Kalle wies – ebenfalls im Tagesspiegel – auf den Widerspruch hin, dass sich die Anstalt in ihrem „Faktencheck“ der zwölften Folge ganz überwiegend auf „Lügenpresse“ wie „Spiegel, Süddeutsche Zeitung, Tagesspiegel, Die Zeit, Die Welt und einige andere“ berufe, „die doch im Verständnis der Anstalts-Macher und ihrer Fans eigentlich systemstützende, faule, voneinander abschreibende Putin-Gegner sein müssten.“[18] Uthoffs Beitrag zum Ukraine-Konflikt in der fünften Folge wurde von Stefan Winterbauer auf Meedia als „reichlich einseitig[e]“ Medienschelte, die jedoch die Publikumserwartung „vortrefflich bedient“, bezeichnet.[12] Laut Katja Thorwarth von der Frankfurter Rundschau sei Uthoff als Putin-Fan „ganz versessen auf das Märchen von der ferngesteuerten Ukraine“ und die in der Anstalt enthaltene Medienkritik sei vergleichbar mit den Verschwörungstheorien Ken Jebsens.[14] Der Vorwurf einer zu einseitigen Darstellung des Ukraine-Konfliktes wurde auch von Reinhard Mohr in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erhoben: Jeder Hauch von Kritik an Putin und Russland werde vermieden, „[m]it traumwandlerischer Sicherheit landet alles Elend der Welt bei Angela Merkel und ihren alliierten Kriegstreibern von Hochfinanz und Atlantikbrücke.“ Das Ergebnis sei die „unfreiwillige Selbstkarikatur eines Kabaretts, das nur noch affirmative Ideologie produziert“.[21] Dagegen bezeichnet Stefan Kuzmany auf Spiegel Online den Bezug auf die Revolution in der Ukraine als „schmerzhaft überzeugend“.[11]

Kontroverse um Medienschelte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der dritten Episode stellte von Wagner auf dem Whiteboard Mitgliedschaften einer Reihe prominenter deutscher Journalisten in NATO-freundlichen Elitenetzwerken wie z. B. der Atlantik-Brücke dar, wodurch insbesondere hinsichtlich der Ukraine-Krise ein Interessenkonflikt in der Berichterstattung bestünde.[22] Zur Vorbereitung dieses Beitrages war Uwe Krüger konsultiert worden, der mit seiner Studie "Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten - eine kritische Netzwerkanalyse" das Thema wissenschaftlich analysiert hatte. [23]

In einem Interview der HNA erwiderte Uthoff auf den Vorhalt, seine Medienschelte erinnere an „die Kritik der Pegida-Demonstranten an der angeblich gleichgeschalteten Mainstream-Presse“, dass es „die Arbeit der Journalisten“ sei, „fein zu differenzieren“, sein Job als Kabarettist hingegen, „Missstände anzuprangern und sie satirisch zu überhöhen, manchmal bis zur Schmerzgrenze“. Der Vorwurf durch Journalisten an Die Anstalt sei deshalb nicht gerechtfertigt. Vielmehr fehle „die Differenzierung in der Ukraine-Krise [...] etwa in der ‚Süddeutschen Zeitung‘ und der ‚Zeit‘“. Man habe in der Anstalt „nie gesagt, dass Putin ein Engel wäre. Es geht darum, dass ein Bürgerkrieg angezettelt wird [...] an dem NATO und Amerikaner ganz bestimmte Interessen haben.“[24]

Der Zeit-Mitherausgeber Josef Joffe und der Zeit-Journalist Jochen Bittner erwirkten zunächst beim Landgericht Hamburg einstweilige Verfügungen gegen sie betreffende Aussagen der Sendung. Dem ZDF wurde untersagt, zu behaupten oder zu verbreiten, Joffe sei Mitglied, Beirat oder Vorstand von acht und Bittner von drei Organisationen, die auf dem Whiteboard genannt wurden. Dies führte auch zur Entfernung der Sendung aus der ZDFmediathek.[25] Die einstweiligen Verfügungen wurden vom LG Hamburg am 6. Oktober 2014 im Fall von Joffe ganz und im Fall von Bittner teilweise wieder aufgehoben. Im Hauptsacheverfahren wurden dagegen gerichtete Klagen von Joffe und Bittner zunächst vom LG Hamburg im Hinblick auf den satirischen Charakter der Sendung zurückgewiesen.[26] Am 9. September 2015 hob das Oberlandesgericht Hamburg im Berufungsverfahren diese Urteile auf und untersagte der Anstalt die weitere Verbreitung oder Wiederholung der strittigen Aussagen.[27][28] Zudem untersagte es die Aussage, Bittner habe an der Rede von Bundespräsident Joachim Gauck auf der Münchner Sicherheitskonferenz mitgeschrieben.[29]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Die Anstalt ist die Rache des Mainstreams an sich selbst.“

Max Uthoff[33]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Hoff: "Die Anstalt" im ZDF - Die sind doch irre. In: Süddeutsche.de. 19. Januar 2015. Archiviert vom Original am 23. November 2014. Abgerufen am 9. Februar 2015.
  2. ZDF-Programmänderung ab Woche 13/2015. In: news aktuell. ZDF, 26. März 2015, abgerufen am 29. März 2015.
  3. Manuel Nunez Sanchez: Kein Platz für Humor: «Anstalt» und «TV total» entfallen. Quotenmeter.de, 24. März 2015, abgerufen am 24. März 2015.
  4. ZDF: "Die Anstalt" fällt nach Terroranschlägen aus. 22. März 2016, abgerufen am 22. März 2016.
  5. Jens Schröder: TV-Quoten: Unspektakuläre Premiere der neuen “Anstalt”. Meedia, 5. Februar 2014, abgerufen am 6. Februar 2014.
  6. Stephan Denzer: Erwartungen an «Die Anstalt» werden höher Interview mit dem ZDF-Teamleiter "Kabarett und Comedy" auf Quotenmeter.de vom 27. April 2015
  7. Die Anstalt bei quotenmeter.de
  8. Die Anstalt bei quotenmeter.de
  9. Die Anstalt bei quotenmeter.de
  10. Irene Helmes: Jetzt mal ganz langsam. Süddeutsche Zeitung, 5. Februar 2014, abgerufen am 6. Februar 2014.
  11. a b Stefan Kuzmany: Der kleine Sozialist in uns allen. In: Spiegel Online. 12. März 2014.
  12. a b Stefan Winterbauer: “Die Anstalt” – das gute, linke, einseitige Gewissen des ZDF, Meedia vom 24. Dezember 2009
  13. Bewegende Satire ohne Pointe Stern vom 19. November 2014
  14. a b Katja Thorwarth:Ken-Jebsen-Stammtisch im ZDF, Frankfurter Rundschau vom 11. Dezember 2014
  15. a b Kabarett light taugt nicht als Frischzellenkur fürs Zweite, Der Tagesspiegel vom 4. Februar 2015
  16. Bilder, die den Wahnsinn zeigen, Frankfurter Rundschau vom 31. März 2015
  17. Die frivolen Feministen, Frankfurter Rundschau vom 29. April 2015
  18. a b "Witzecheck" für geklaute Gags, Der Tagesspiegel vom 29. Mai 2015
  19. CSU-Hinterwäldler aus Strunzenöd, Süddeutsche Zeitung vom 23. September 2015
  20. Das deutsche Kabarett ist auf dem Terror-Auge blind
  21. Reinhald Mohr: Der Zweifel als Propagandawaffe, FAZ, 13. Februar 2015
  22. Die Anstalt: Unabhängiger Journalismus (Video). ZDFmediathek, 29. April 2014, archiviert vom Original am 29. Mai 2014, abgerufen am 30. Mai 2014.
  23. Uwe Krüger: Journalisten als politische Lobbyisten? heise.de, 2. August 8.2014Vorlage:FormatDate/Wartung/0, abgerufen am 31. Dezember 2014.
  24. Kabarettist Max Uthoff: "Meine Wut ist größer geworden", Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 16. Dezember 2014
  25. Alexander Krei: "Zeit"-Journalisten erwirken EV gegen ZDF-"Anstalt". DWDL.de, 29. Juli 2014, abgerufen am 29. Juli 2014.
  26. "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe scheitert mit Klage gegen ZDF. Hamburger Abendblatt, 21. November 2014, abgerufen am 10. Dezember 2014.
  27. http://www.lto.de/recht/nachrichten/n/olg-hamburg-urteil-7u12012114-zeit-zdf-die-anstalt-aussage-untersagt/
  28. http://www.heise.de/tp/news/OLG-Hamburg-versteht-keinen-Spass-Satiriker-muessen-genau-recherchieren-2808801.html
  29. http://dejure.org/dienste/internet2?www.patrick-breyer.de/wp-content/uploads/2014/09/B_7_W_78_14.pdf
  30. Grimme-Institut Preisträger des 51. Grimme-Preises bekannt gegeben. Pressemeldung vom 4. März 2015
  31. http://www.m3-amnesty.de/; m3-2015 Gewinner, abgerufen am 22. September 2015
  32. https://www.deutscher-fernsehpreis.de/verleihung/preistraeger/preistraeger-2016/
  33. https://www.youtube.com/watch?v=3nJRpCqRjFY