Die Bücherdiebin

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Die Bücherdiebin (Originaltitel The Book Thief) ist ein 2005 erschienener Roman des Schriftstellers Markus Zusak.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handlung spielt in Deutschland, vor und während des Zweiten Weltkriegs. Erzähler des Romans ist der Tod, der die Seelen der Menschen mitnimmt und dem sein Beruf zutiefst zuwider ist. Erzählt wird die Geschichte des zu Beginn des Romans 1939 neunjährigen Mädchens Liesel Meminger. Aus der Perspektive des Todes[1] werden die Erlebnisse des Kindes in dem fiktiven Ort Molching bei München geschildert, in Anlehnung an den realen Ort Olching, westlich von München, während der Zeit des Nationalsozialismus.

Eine zentrale Rolle spielen die – zumeist fiktiven – Bücher, die Liesel entweder geschenkt bekommt, bei günstigen Gelegenheiten mitgehen lässt oder heimlich ausleiht: Das Handbuch für Totengräber, Faust, der Hund, Der Leuchtturm, Das Schulterzucken, Der Pfeifer, Die Menschen aus Lehm, Der Überstehmann, Der Traumträger, Ein Lied im Dunkeln, Duden Bedeutungswörterbuch. Ein Buch steht düster über allen Geschehnissen: Mein Kampf.

Die Geschichte endet mit Liesels Tod, als sie schon eine alte Frau ist und mit ihrer Familie in Australien lebt. Der Tod befragt sie über ihr Leben, zeigt ihr ihre schon lange vergessene Autobiographie und bekennt, dass er von den Menschen heimgesucht werde, eine ungewöhnliche, ironische Perspektive, da sich in der Regel die Menschen vor dem Tod fürchten und nicht umgekehrt.

Dietmar Gerts schreibt in seinem Aufsatz Wut auf Gott: „Der Tod mag sie und lässt sie in Ruhe. Vielleicht auch, weil ihn Liesels und ihrer Freunde Einsprüche gegen sich rühren? Jedenfalls hat er eine Schwäche für Menschen, die Bücher und Geschichten lieben und sich für das Leben engagieren – so wie der Jude, der Liesel Geschichten schenkt, oder wie Liesel und ihr Freund, die vorbeigetriebenen KZ-Häftlingen Brot zustecken.“[2]

Der Roman ist Gegenstand der Forschung über „Genderperspektiven in Kinder- und Jugendliteratur und Medien“: „Am Beispiel Die Bücherdiebin von Markus Zusak (dt. EA 2008) soll untersucht werden, welche Erinnerungsstrategien im Hinblick auf NS und Holocaust hier zum Tragen kommen. Dem genderorientierten, narratologischen Ansatz von Nünning und Nünning (2010) folgend, sollen hierzu die im Buch inszenierten Weiblichkeits-und Geschlechterkonstrukte mit erzähltechnischen Momenten verknüpft und im Hinblick auf das erinnerungskulturelle Potenzial ausgewertet werden.“[3]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buch erschien 2008 in der Übersetzung von Alexandra Ernst im cbj-Verlag (ISBN 978-3-570-13274-6) und bei Blanvalet (ISBN 978-3-442-37395-6), in einer textgleichen Jugend- und Erwachsenenausgabe.[4] Das Original The Book Thief erschien 2005 in Australien als Roman für junge Erwachsene, 2006 in den USA als Jugendbuch. In Großbritannien erschien das Buch im Januar 2007 als Jugend- und als Erwachsenenbuch und wurde in beiden Sparten ein Bestseller. Im Januar 2008 kamen Paperback-Ausgaben auf den Markt. Mittlerweile wurde das Buch in mehr als 40 Sprachen übersetzt.[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörbuch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bücherdiebin erschien 2008 als Hörbuch bei Random House Audio in einer leicht gekürzten Lesefassung, vorgetragen von Boris Aljinović.

Verfilmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Studio Babelsberg in Potsdam fanden 2013 die Dreharbeiten zum Film Die Bücherdiebin[7] unter der Regie von Brian Percival statt. Die Hauptrollen spielen Geoffrey Rush, Emily Watson und Sophie Nélisse. Hinter der Kamera dieser amerikanisch-deutschen Koproduktion stand Florian Ballhaus. Die Musik schrieb der dafür Oscar-nominierte amerikanische Komponist John Williams. Der überwiegende Teil der Dreharbeiten fand in den Ateliers und den Außenkulissen des Studio Babelsberg statt, so unter anderem in der Berliner Straße.[8]

Die Bücherdiebin kam am 13. März 2014 bundesweit in die Kinos.[9]

Laut Stiftung Lesen eignen sich Roman und Film als Impulsmaterial für den fächerübergreifenden Schulunterricht der Klassen 8–12.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nina Rehfeld: Kinderbuch-Verfilmung „Die Bücherdiebin“: Bomben für die ganze Familie. In: Spiegel Online. (spiegel.de [abgerufen am 10. August 2015]).
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDietmar Gerts: Wut auf Gott. Abgerufen am 10. August 2015 (deutsch).
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBettina Oeste: Weiblicher Blick auf den Holocaust – Genderperspektiven in zeitgeschichtlicher KJL. In: Immer Trouble mit Gender? 28. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung 2015. 2015, abgerufen am 10. August 2015 (deutsch).
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatJulia Deißler: Das Phänomen der All-Age-Literatur. In: Diplomarbeit an der FH Potsdam. 2010, abgerufen am 10. August 2015.
  5. Vita zu Markus Zusak: Die Bücherdiebin. Abgerufen am 27. Januar 2015.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatSabine Erbstößer/Christina Klätte: Kinderliteratur zu Holocaust/Nationalsozialismus – bewertet aus der Perspektive des historischen Lernens (Teil 2). 2010, abgerufen am 10. August 2015 (deutsch).
  7. Die Bücherdiebin | 20th Century Fox. In: Die Bücherdiebin | 20th Century Fox. Abgerufen am 10. August 2015.
  8. Susan Vahabzadeh: „Die Bücherdiebin“ im Kino – Im Buchstabentanzsaal. In: sueddeutsche.de. ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 10. August 2015]).
  9. Starttermine für Die Bücherdiebin in der Internet Movie Database
  10. Die Bücherdiebin. In: www.stiftunglesen.de. Abgerufen am 10. August 2015.