Die Beute (Zola)

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Die Beute, in älteren deutschsprachigen Ausgaben auch Die Treibjagd[1] (franz. La Curée), ist der zweite Roman aus Émile Zolas Rougon-Macquart-Zyklus. Er entstand von Mai bis Juli 1870 und erschien im Herbst 1871 ab dem 29. September zunächst im Feuilleton der Wochenzeitschrift La Cloche.[2] Sein Erscheinen dort musste aber ab dem 5. November aus Gründen der Sittlichkeit (moralité) eingestellt werden.[3] In einem Vorwort, das auf den 15. November 1871 datiert ist, verteidigt der Autor sein Werk gegen den Vorwurf der Anzüglichkeit.[4] In den Wirren nach Krieg und Commune bleiben die Verkaufszahlen der bei Albert Lacroix erscheinenden Erstausgabe indes enttäuschend, zudem macht der Verleger Konkurs. Auch die zweite, revidierte Auflage, die 1872 bereits bei Georges Charpentier erscheint, gilt als Misserfolg. Der Roman entwirft mit teils scharf satirischen Mitteln das Panorama der ganz nach der von Devise des „Enrichissez-vous!“ (dt. bereichert euch!) handelnden Hochbourgeoisie des Zweiten Kaiserreichs, die den Staat und die Stadt Paris als ihre Beute betrachtet. Bestimmt von den Werten Gold und Sinnlichkeit führt diese Gesellschaft ein „Leben im Exzess“ (vie à outrance)[5].

Inhalt[Bearbeiten]

Renée, die 21 Jahre jüngere Ehefrau des unter dem Namen Saccard firmierenden Aufsteigers und Spekulanten Aristide Rougon, flüchtet sich aus der Leere ihrer mondänen Existenz in eine intensive erotische Beziehung mit Maxime Rougon, dem Sohn ihres Mannes aus erster Ehe: Auf Drängen seines Bruders Eugène, der „als einer der thätigsten Agenten des Staatsstreiches [...] eine geheime Machtstellung“ innehat und im Laufe des Romans zum Minister avanciert, hat der provinzielle Aristide seinen durch eine im Vorgängerroman Das Glück der Familie Rougon noch zur Schau getragene republikanische Einstellung kompromittierten Namen abgelegt. Im Gegenzug erhält er eine mäßig dotierte Beamtenstelle in der Pariser Stadtverwaltung: Das dort erworbene Insider-Wissen über den Haussmannschen Stadtumbau kann er durch Immobilienspekulationen zu Geld machen, nachdem seine erste Frau Angèle unmittelbar nach ihrer Bekanntschaft mit seiner Schwester, der hexenhaften Sidonie Rougon, erkrankt ist und unter deren fürsorglicher Pflege auch alsbald stirbt: Noch am Sterbebett der bereits gelähmten Gattin stiftet Sidonie die neue Ehe mit der bei einer Vergewaltigung geschwängerten, reichen und schönen Renée Béraud du Châtel, die von ihrem Vater wegen ihrer Schande mit dem Tode bedroht wird. Die Mitgift verschafft Saccard das nötige Startkapital, um Gebäude, die für den Stadtumbau enteignet werden müssen, aufzukaufen und deren Wert durch Scheinmietverträge und mehrfache Wiederverkäufe zu steigern. Zugleich nutzt er seinen Einfluss, um Freunde in der für die Wertbestimmung verantwortlichen Enteignungskommission zu platzieren. Renée, die sich unterdessen ganz einem mondänen Leben verschrieben hat. Als der während seiner Schulzeit in der heimatlichen südfranzösischen Provinzstadt Plassans entsorgte Sohn Aristides, Maxime, im Alter von 14 Jahren in Paris eintrifft nimmt sie sich seiner als eines Zeitvertreibs an: „Er wird uns ein wenig zerstreuen. Am Vormittag ist es bei uns ohnedies zum Sterben langweilig.“ Er wächst in den Boudoirs der Damenwelt zu einer hermaphroditischen Schönheit heran. Als die inzestuöse Beziehung offenbar wird, reagiert der mittlerweile hoch verschuldete Saccard darauf nur, indem er die Zwangslage seiner Frau für weitere Geschäftstätigkeiten ausnutzt. Einen angedeuteten Bruch mit seinem Sohn vollzieht er nicht, stattdessen verheiratet er ihn mit einer todkranken Millionenerbin. Renée, die diese Heirat als Verrat ihrer großen Liebe erfährt, verfällt in Verzweiflung. Verlassen von allen stirbt sie an Meningitis. Sie hinterlässt nichts als eine exorbitante Schneiderrechnung, die ihr Vater begleicht: „Als Renée im darauffolgenden Winter an fortgeschrittener Hirnhautentzündung starb, wurden ihre Schulden von ihrem Vater bezahlt. Die Rechnung bei Worms allein belief sich auf zweihundertsiebenundfünfzigtausend Francs“.

Ausgaben[Bearbeiten]

  • La curée, A. Lacroix, Verboeckhoven et Cie, Paris 1871
  • La curée, G. Charpentier, Paris 1872
  • Die Treibjagd, übers. Armin Schwarz, B. Harz, Berlin, Wien 1923, Neuauflage Europäischer Literaturverlag, Bremen 2012
  • Die Beute, aus dem Französischen nach der Übers. von Arnim Schwarz. überarb. von Annalisa Viviani, Artemis & Winkler, Düsseldorf Zürich 1998

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. de Langenhagen Marie-Aude/ Guislain, Gilbert: Zola. Panorama d'un auteur, Paris 2005; S. 124
  3. Bibliothèque Nationale de France, Catalogue général: Notice bibliographique, Zola, Émile: La Curée
  4. [2]
  5. Zola, Émile: Préface [à La Curée], A. Lacroix, Paris 1871, S. 5