Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

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Janine Jansen mit der Deutsche Kammerphilharmonie Bremen im Concertgebouw (Amsterdam)

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen ist ein Orchester in Bremen. Sie wird seit 2004 von Paavo Järvi geleitet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Orchester wurde 1980 gegründet und war zunächst ein Zusammenschluss von Musikstudenten. 1983 trat es vor der UNO auf[1] sowie 1983, 1984 und 1985 beim Kammermusikfest Lockenhaus. 1987 erfolgte die Institutionalisierung als professionelles Kammerorchester in Frankfurt am Main.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1992 hat die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen ihren Sitz in Bremen und gestaltet jährlich vier Abonnement-Reihen, Sonderkonzerte, eine Kammermusikreihe und das Open-Air-Festival Sommer in Lesmona. Das Orchester ist seit 1998 Bestandteil des Musikfests Bremen und trat hier in musikalisch-theatralen Produktionen mit Klaus Maria Brandauer auf. Ständige Erste Gastdirigenten bzw. Künstlerische Leiter waren zu dieser Zeit Mario Venzago, Heinrich Schiff, Jiří Bělohlávek und Thomas Hengelbrock. Von 1999 bis 2003 bekleidete Daniel Harding die Funktion des Musikalischen Direktors.

Ein festes Ensemble aus den Reihen des Orchesters sind seit 1990 die Bläsersolisten der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Neben der Konzerttätigkeit veranstalten die Musiker seit 1992 Konzerteinführungen und Workshops und pflegen die Zusammenarbeit mit Schulen und Erwachsenenbildungsinstituten.

Im April 2007 hat die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen neue Probenräume in der Gesamtschule Bremen-Ost bezogen. Dadurch entstanden Projekte und Kooperationen mit der Schule, für die Orchester und Schule mit dem Zukunftsaward 2007 als beste soziale Innovation ausgezeichnet wurden. Der neue Probensaal bietet außerdem Nutzungsmöglichkeiten für öffentliche Veranstaltungen und auch als Aufnahmestudio in SACD-Qualität.

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen ist als Unternehmen organisiert, in dem die Musiker alleinige Gesellschafter sind. Damit sind sie nicht nur für die künstlerische, sondern auch für die wirtschaftliche Seite verantwortlich. Das Orchester wird zu 40 % subventioniert, die übrigen 60 % werden selbst erwirtschaftet. Nach Jahren der Überschuldung und drohender Pleite wurde es von dem Kontrabassisten Albert Schmitt, der heute Managing Director des Orchesters ist, innerhalb von zweieinhalb Jahren finanziell saniert.[2]

Gemeinsam mit dem Wirtschaftswissenschaftler Christian Scholz von der Universität Saarbrücken wurde nach einer Untersuchung der künstlerischen und unternehmerischen Aktivitäten das 5-Sekunden-Modell entwickelt. Dieses Führungsmodell soll der Optimierung der Leistungen dienen. Hauptsponsoren des Orchesters sind die Sparkasse Bremen und KPMG. Daneben erhält es Unterstützung durch die Stadt Bremen sowie durch Freunde und Förderer.

Künstlerischer Leiter ist seit 2004 Paavo Järvi. Der Schwerpunkt der Zusammenarbeit zwischen Järvi und dem Orchester sind die Sinfonien Ludwig van Beethovens. Das gemeinsame Beethoven-Projekt, die Aufführung sämtlicher Sinfonien Ludwig van Beethovens und ihre Einspielung in der 5.1 DSD-Technologie wurde im Sommer 2007 mit Konzerten in Frankreich, Kanada, USA, Japan und Deutschland fortgesetzt. Dabei wurden im kanadischen Lanaudière und beim Festival de Strasbourg jeweils alle neun Sinfonien Beethovens aufgeführt.

Gemeinsam mit Järvi sowie weiteren Gastdirigenten und Solisten tritt die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen auf nationalen und internationalen Festivals und Konzertpodien auf. Seit 2005 ist sie Orchestra in Residence des Beethovenfestes in Bonn. Das Orchester arbeitete mit Sabine Meyer, Viktoria Mullova, Heinz Holliger, Olli Mustonen, Hélène Grimaud, Julia Fischer, Janine Jansen, Heinrich Schiff, Ton Koopman, Trevor Pinnock, Pierre Boulez und Christian Tetzlaff zusammen.

2014 wurde das Orchester von den Wiener Festwochen für die Aufführung der Oper Così fan tutte verpflichtet.[3]

Ab 2017 ist die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen das Festivalorchester des Kissinger Sommers.[4]

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2008: Deutscher Gründerpreis in der Kategorie Sonderpreis: Für die Verbindung von Unternehmertum und Kultur.
  • 2010: Bremer Stadtmusikantenpreis: Für ihr soziales Engagement an der Gesamtschule Bremen-Ost.
  • 2010: Preis der deutschen Schallplattenkritik: Ehrenurkunde für ihr editorisches Gesamtwerk.
    Paavo Järvi erhielt als Dirigent der Beethoven-Aufnahmen den Echo Klassik 2010.
  • 2012: Echo Klassik für Nachwuchsförderung: Für ihre Initiative Zukunftslabor/Neue Gesellschafts-Perspektiven durch Musik.
  • 2016: Orchester des Jahres: Wahl durch den Deutschlandfunk Kultur: Für besondere Beiträge zum deutschen Musikleben, wie herausragende künstlerische und pädagogische Arbeit.[5]

Repertoire[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Repertoire des Orchesters erstreckt sich vom Barock bis zur zeitgenössischen Musik. Dabei wird die Zusammenarbeit mit Spezialisten der jeweiligen Genres gepflegt. Darüber hinaus gilt das Interesse des Orchesters auch „Cross-over“-Projekten.

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen spielte bei Deutsche Grammophon, Teldec, BMG, Virgin Classics, Decca Records, Berlin Classics und PentaTone CDs ein.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angaben auf der Seite der Kammerphilharmonie zur Geschichte, abgerufen am 14. Oktober 2014
  2. Catalina Schröder: Kammerphilharmonie Bremen: "Geil, das ist ja Beethoven!" Die Zeit, 15. Januar 2015, abgerufen am 14. August 2016
  3. Wiener Festwochen mit „Herz und Hirn“ (…) Haneke nur noch in Wien zu sehen. In: orf.at, 16. Dezember 2013, dato abgerufen.
  4. https://www.kammerphilharmonie.com/de/component/content/article/173-deutsch/presse/pressemitteilungen/pm-2014/548-pm-151119-kissinger-sommer
  5. Orchester des Jahres. Kammerphilharmonie Bremen ausgezeichnet. Deutschlandfunk Kultur, Beitrag vom 4. Februar 2016, abgerufen am 8. August 2017.