Die Drei von der Tankstelle (1930)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
OriginaltitelDie Drei von der Tankstelle
Die drei von der Tankstelle 1930 Logo 001.svg
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr1930
Länge90 Minuten
AltersfreigabeFSK 0
Stab
RegieWilhelm Thiele
DrehbuchFranz Schulz,
Paul Frank
ProduktionErich Pommer
MusikWerner Richard Heymann
KameraFranz Planer
SchnittViktor Gertler
Besetzung

Die Drei von der Tankstelle ist eine deutsche Tonfilmoperette der Universum Film aus dem Jahr 1930, die am 15. September 1930 im Gloria-Palast in Berlin uraufgeführt wurde. Die Musik ist von Werner Richard Heymann, die Liedtexte schrieb Robert Gilbert. Neben Willy Fritsch, Oskar Karlweis und Heinz Rühmann spielte Lilian Harvey die weibliche Hauptrolle.

Der Film wurde 1955 unter dem gleichen Titel mit Adrian Hoven, Walter Müller, Walter Giller und Germaine Damar noch einmal verfilmt. Auch in diesem Film spielt Willy Fritsch mit, diesmal in der Rolle des Konsuls Kossmann.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die drei Freunde und Lebemänner Willy, Kurt und Hans kehren von einer längeren Reise zurück. Dabei müssen sie feststellen, dass sie pleite sind und fortan erstmals in ihrem Leben einer ernsthaften Arbeit nachgehen müssen. Nachdem ihre Möbel alle vom Gerichtsvollzieher gepfändet wurden, bleiben ihnen nur noch der Hund und ihr Auto, welches sie – nachdem ihnen auf einer vielbefahrenen Landstraße das Benzin ausgeht – verkaufen, um an ebendieser Stelle eine Tankstelle mit dem Namen „Zum Kuckuck“ zu eröffnen. Beim Dienst wechseln sie sich nach jeweils acht Stunden ab und lernen so unabhängig voneinander die reiche und attraktive Lilian Cossmann kennen. Alle drei verlieben sich in sie und halten ihre Bekanntschaft geheim.

Lilian findet zwar alle drei sympathisch, liebt bloß Willy und lädt alle gleichzeitig in ein teures Lokal ein, um Klarheit zu schaffen. Die Freundschaft der drei geht durch Lilian in die Brüche. Willy könnte Lilian bekommen, ist aber verärgert darüber, dass sie alle drei gleichzeitig als Verehrer hatte. Doch Lilian hat einen Plan und bittet ihren Vater, eine Tankgesellschaft zu gründen, deren Direktor Willy werden soll. Der willigt ein unter der Bedingung, dass seine beiden Freunde Kurt und Hans auch von der Partie sind. Als Lilian aber als neue Sekretärin vor Willy sitzt, diktiert der voller Wut seine Kündigung und unterschreibt, ohne zu lesen. In Wirklichkeit hat er aber einen Ehevertrag mit Lilian unterschrieben. So muss er sich am Ende schließlich doch mit einer Ehe abfinden.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erst kommt ein großes Fragezeichen
  • Ein Freund, ein guter Freund
  • Hallo, Du süße Frau, fahr’ nicht allein
  • Das Lied vom Kuckuck (Lieber, guter Herr Gerichtsvollzieh’r)
  • Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen

Die meisten der Lieder erreichten auch über den Film hinaus Bekanntheit. Das Lied Lieber, guter Herr Gerichtsvollzieher zitiert das Kinderlied Kuckuck, Kuckuck, ruft’s aus dem Wald sowie den Mittelteil Trauermarsches aus der 2. Klaviersonate op. 35 von Frédéric Chopin, der auch dem bayerischen Volkslied vom Hintertupfer Bene zugrundeliegt. Ein Freund, ein guter Freund wurde von den Böhsen Onkelz 1988 unter dem Titel Ein guter Freund gecovert.[1]

Französische Fassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleichzeitig zur deutschen wurde auch ein französischsprachiger Versionenfilm unter dem Titel Le chemin du paradis gedreht. Dies war zum Beginn der Tonfilmzeit Ende der 1920er-Jahre ein übliches Verfahren, da die Synchronisation noch nicht vollständig entwickelt war und Frankreich als lukrativer Filmmarkt galt. In der französischen Fassung übernahm Lilian Harvey erneut die Rolle der Tochter Cossmann, während die Rolle des Willy hier von Henri Garat gespielt wurde.[2][3]

Drehorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten fanden vom 17. Juni bis zum 31. Juli 1930 in Berlin-Zehlendorf, Steinstücken und im Studio Babelsberg statt.[4] Am Drehort der Tankstelle in der Lindenthaler Allee 42 in Berlin-Zehlendorf befindet sich noch heute eine Tankstelle (Lage: Welt-Icon). Das Wohnhaus zu Beginn des Films erbaute Erich Mendelsohn 1927/28 in Steinstücken für den Arzt Curt Bejach. Heute hat in der Bernhard-Beyer-Straße 12 die Erich-Mendelsohn-Stiftung ihren Sitz.[5]

Nachwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Film wurde am 1. Oktober 1937 von der Film-Oberprüfstelle verboten, nachdem er erst knapp zwei Jahre zuvor zugelassen worden war.[6]
  • 2002 wurde die musikalische Jubiläums-Revue Herzensbrecher - ein Freund, ein guter Freund zum 100. Geburtstag von Heinz Rühmann im Festspielhaus Wittenberge im Rahmen der Elblandfestspiele uraufgeführt. Regie: Hans Hermann Krug, Idee: Heiko Reissig
  • Am 22. September 2005 wurde in Berlin das Musical Die Drei von der Tankstelle uraufgeführt.
  • Seit Februar 2006 wird Die Drei von der Tankstelle als Theaterstück in der Komödie Dresden aufgeführt.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Der schwungvolle, sehr unterhaltsame Film erfand durch den virtuosen Umgang mit Erzählung, Tanz und integrierter Musik eine damals neue filmische Form. Er ließ die kleine Handlung mit Liedern besingen, die äußerst populär wurden und den Erfolg des Films mitbegründeten.“

„Der schwungvolle, sehr unterhaltsame Film erfand durch den virtuosen Umgang mit Erzählung, Tanz und integrierter Musik eine damals neue filmische Form: das Musical. Er ließ die kleine Handlung mit Liedern besingen, die äußerst populär wurden („Ein Freund, ein guter Freund“, „Lieber guter Herr Gerichtsvollzieh’r“, „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“) und den Erfolg des Films mitbegründeten.“

Prisma Online[8]

„[Der Film umfasst] scheinbar unvereinbare Versatzstücke [wie modernistische Montagen, Slapsticknummern, Stepptanz und Brechtsche Verfremdungseffekte] [...] und begründete das Genre der ‚Tonfilmoperette‘.“

Malte Hagener, 2005[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joe Hembus, Christa Bandmann: Klassiker des deutschen Tonfilms. 1930–1960. Goldmann Magnum/Citadel-Filmbücher. Goldmann, München 1980, 262 S., ISBN 3-442-10207-3
  • Gregor Ball, Eberhard Spiess, Joe Hembus (Hrsg.): Heinz Rühmann und seine Filme. Goldmann, München 1985, ISBN 3-442-10213-8.
  • Die Drei von der Tankstelle. Ufa-Magazin Nr. 9. Deutsches Historisches Museum, Berlin 1992, 16 S.
  • Michael Hanisch Die Drei von der Tankstelle. In Günther Dahlke, Günther Karl (Hrsg.): Deutsche Spielfilme von den Anfängen bis 1933. Ein Filmführer. Henschel Verlag, 2. Auflage, Berlin 1993, S. 232 f. ISBN 3-89487-009-5
  • Malte Hagener: Die Drei von der Tankstelle. In: Heinz-B. Heller, Matthias Steinle (Hrsg.): Filmgenres. Komödie (= RUB. Nr. 18407). Reclam, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-15-018407-3, S. 89–92 [mit Literaturhinweisen].

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ein Freund, ein guter Freund adS coverinfo.de
  2. Die Drei von der Tankstelle – Ein Film, zwei Fassungen adS cinema-arte.tv/de
  3. Le Chemin du paradis Französischsprachige Filmfassung adS der Internet Movie Database
  4. BZ-Serie über die Ortsteile der Hauptstadt bz-berlin.de
  5. Berliner Häuser: Hier soll die Sonne reinschauen, nicht die Gestapotagesspiegel.de
  6. Zensurentscheidung (Memento vom 3. September 2005 im Internet Archive) (PDF; 57 kB)
  7. Die Drei von der Tankstelle. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins; abgerufen am 24. September 2017.
  8. Die Drei von der Tankstelle. In: Prisma Online. Abgerufen am 24. September 2017.
  9. Malte Hagener: Die Drei von der Tankstelle. In: Heinz-B. Heller, Matthias Steinle (Hrsg.): Filmgenres. Komödie (= RUB. Nr. 18407). Reclam, Stuttgart 2005, S. 89–92, hier 91.