Die Ermordung einer Butterblume und andere Erzählungen

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Die Ermordung einer Butterblume und andere Erzählungen ist ein Erzählband von Alfred Döblin. In den Jahren 1903 bis 1905 verfasst, wurden die Erzählungen 1910/1911 zuerst in der Zeitschrift Der Sturm publiziert, ehe sie 1912 in einem Band im Georg Müller Verlag erschienen. Sie weichen in ihrer Form stark voneinander ab. Gemeinsam sind den Erzählungen die Themen Eros und Geschlechterkampf,[1] die Zerbrechlichkeit bürgerlicher Rollenmuster und Verzerrungen der Wahrnehmung. Weiterhin spielt die „Demontage des Individuums“[2] eine gewichtige Rolle. Gerade die titelgebende Novelle Die Ermordung einer Butterblume erfüllt diesen modernistischen Anspruch und gilt als Schlüsseltext des Expressionismus und der literarischen Moderne.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Erzählband von Döblin enthält zwölf Erzählungen und ist 1913 erschienen.

Die einzelnen Erzählungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Segelfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der achtundvierzigjährige Brasilianer Copetta spaziert entlang der Promenade von Ostende und begegnet hier einer jungen Frau, doch sie weicht einem Augenkontakt aus. Der verliebte Copetta lässt ihr am nächsten Tag ein Angebot zukommen, eine Segelfahrt, das auch angenommen wird. Die Segelfahrt endet in einer Katastrophe, denn das Boot gerät in einen Sturm und Copetta kommt ums Leben, während die Frau sich am Arm verletzt. Sie bleibt noch eine Woche in Ostende und reist daraufhin nach Paris ab. In Paris lernt sie das Tanzen und erwirbt sich einen gewissen Ruf, so sprechen die jungen Männern von der Hyäne. Als sie ein Jahr später einen Blumenstrauß und einen Brief überreicht bekommt, telegraphiert sie eine Nachricht an Copetta. Sie verlässt Paris Richtung Ostende und fährt in der Nacht mit einem Boot zu der Unglücksstelle hinaus. Ein Sturm zieht auf, sie gerät in Panik und will schon verzweifeln, als der tote Copetta aus dem Meer auftaucht. Die Frau jubelt, aber Copetta weist sie zurück. Schließlich stürzt sich die Frau in die Wellen.

Die Tänzerin und der Leib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Protagonistin Ella lernte bereits mit elf Jahren das Tanzen, mit achtzehn Jahren war ihre Figur vollendet, doch nach gerade einem Jahr wird ihr Körper von einer Krankheit befallen. Nachdem Sie auf Drängen ihrer Mutter das Krankenhaus besucht hat, empfindet sie gegenüber dem eigenen Körper nur noch Ekel. Gegenüber den Ärzten und Kranken empfindet sie Abscheu. Im Krankenbett verändert sich die Verfassung der Tänzerin, sie spricht nicht mehr, betet vor Nachtanbruch, und als ihre Mutter sie trösten will, erwidert sie dumpf: „Wir stehen alle in Gottes Hand.“ Trotzdem lässt ihre Abneigung gegen die Kranken nicht nach, so verweigert sie den Ärzten eine wahrheitsgemäße Aussage über ihre Beschwerden und simuliert durch das Ziehen einer Grimasse ihren Tod. Später gibt sie die Abwehrhaltung gegenüber Ärzten und Schwestern auf, sie beruhigt ihren verfallenden Körper: „Sei ruhig bis morgen zur Visite.“ Nun antwortet sie wieder den Ärzten, doch gleichzeitig bemerkt die Tänzerin mit Ironie deren Erfolglosigkeit. Der stetige Zerfall ihres Körpers bereitet ihr unter anderem Schadenfreude. Als eines Mittags Marschmusik zu hören ist, setzt sich Ella auf, denn sie möchte sticken, und entwirft auf dem weißen Tuch drei sonderbare Figuren. Ella hat den Willen, wieder zu tanzen. Es kommt zur Vermählung zwischen ihrem Körper und dem Willen, sie tanzt einen Walzer. Sie stürzt und ruft nach dem Doktor. Als er sich über sie beugt, sieht sie, wie der Arzt die Stickerei betrachtet, und sagt: „Du, — Du Affe, — Du Affe, Du Schlappschwanz.“ Anschließend greift die Protagonistin nach der Nähschere und stößt sich damit in die linke Brust.

Astralia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adolf Götting, Denker und Privatgelehrter sowie Gründer der Brüderschaft Astralia, schreibt gerade über „Das innere Leben und seine körperliche Darstellung“. Das späte Gespräch mit seiner Frau unterfordert ihn, gipfelt in der Aussage: „Ich sollte dich nicht anhören, Elfriede. Du weißt nicht, was du sprichst.“ Dennoch bindet Elfriede ihrem Ehemann einen Strumpf um den Hals und ermahnt ihn, dass er doch auf sich aufpassen solle. Adolf verlässt das Haus und nimmt nach einem Spaziergang an der nächtlichen Sitzung seiner Brüderschaft teil. Der kleine Kreis trinkt Most und raucht viel, bis ein Astralianer aufsteht und im Rausch die Apokalypse prophezeit. Die Brüder trinken ihren Most weiter und öffnen das Fenster für die heilige Neumondnacht. Am nächsten Morgen kriecht ein halbnacktes Männlein, Adolf Götting, aus der Tür und erregt die befremdeten Anblicke der Passanten. Das Männlein wird von Rolljungen, Bäckern und Barbieren verlacht und von einer Schülergruppe bedrängt, doch es empfindet nur Dankbarkeit. Als das Männlein vor seiner Wohnung steht, beginnen auch die Nachbarn zu tuscheln. Es bringt sie zwar durch einen Blick zum Verstummen, doch seine Nacktheit interessiert es nicht. Elfriede Götting erschrickt sich vor ihrem hereintretenden Mann und fragt ihn nach seiner Kleidung, doch er reagiert böswillig, droht ihr. Das Männlein geht in seinem Zimmer und brüllt „Nicht lachen, nicht lachen! Hier gibt es nichts zu lachen!“ Schließlich versteckt es sich darin, verkriecht sich alsbald unter einer Decke und fleht darum, dass sie aufhören sollen zu lachen.

Mariä Empfängnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Baum, der in einem von Männern gemiedenen Wald steht, wird regelmäßig von Maria und ihren Gespielinnen aufgesucht. Während des Regens sitzt Maria unter den Gespielinnen und gemeinsam beschwören sie singend den Regengott, doch Maria, die an einem Fenster sitzt, schreit beim Anblick eines Kindchens laut auf, verlässt die Halle und empfängt das Kind sehr herzlich. Dennoch verweigert sie Werbungen und bleibt Jungfrau. Als die Gespielinnen und Maria sich unter diesen Baum treffen, fährt eine Hand aus Wolken auf sie zu, und nachdem selbst ein helles Licht über die Dunkelheit des Himmels leuchtet, verlassen sie schließlich den Baum. Maria klammert sich dagegen an ihrem Freund fest, den sie vor einiger Zeit abgewiesen hat und der gerade einsam um das Haus ging. Dem Lichte folgt ein Donner und Maria fällt in die Arme des Freundes. Am nächsten Tag wird Maria von den Gespielinnen gefunden. Ihr seltsames Verhalten wird als Verstörung wahrgenommen, so stopft sie sich ihr Tuch in den Mund, oder stöhnt laut auf. Nach der Pflege und Besserung wandert Maria wieder über das nasse Gras, doch sie weist ihren Freund nicht mehr zurück, sondern streichelt ihm die Hand. Als Maria mit dem kleinen Kind vor der Halle sitzt, kommt ihr Freund, jetzt namentlich Josef genannt, auf sie zu. Maria öffnet ihren Mund zu einem Kuss gegen den Himmel und bedankt sich: „Ich liebe dich, ich liebe dich, du Gottespfand.“

Die Verwandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Erzählung ist Döblins späterer Ehefrau Erna Reiß gewidmet. Die ersten Ehejahre verlaufen voller Konflikte. Nach der Geburt ihres Kindes gibt sich die Königin einem lasterhaften Leben hin, sie hintergeht ihren Ehemann mit einem Kavalier, während ihr Gatte Trost beim Hoffräulein sucht. Eines Mittags bricht die Königin das anfänglich heitere Gespräch mit ihrem Mann ab, verlässt den Speisesaal und verschließt die Türe ihrer Gemächer hinter sich. Auch am Abend bleibt die Ablehnung zwischen der Königin und dem Prinzgemahl sichtbar. Erst am dritten Tag gibt sich das Ehepaar die Hand, doch sie fordert ihn nach einigen Minuten zum Verlassen auf, er nimmt dies als Verlangen wahr. Der Prinzgemahl verkleidet sich alsbald in der Gestalt des Kavaliers, während seine Ehefrau ein schwarzes Seidenkleid trägt und gemeinsam unternehmen sie einen Spaziergang durch die Gemächer. Am nächsten Mittag kommt es zum letzten gemeinsamen Aufenthalt der Königin mit dem Grafen Hagen, einem Dichter, der sich nun als der namenlose Kavalier herausstellt. Am nächsten Tag kehrt der Graf zurück, wird jedoch mit Gewalt von ihr vertrieben. Auch die Liebschaft des Prinzen bricht auseinander. Das Hoffräulein setzt ihr Zimmer in Brand und verliert an Körpergewicht. Sie bekommt von der Königin Urlaub bewilligt, doch nach zwei Tagen wird sie ertränkt im Teich ihres väterlichen Gutes aufgefunden. Das königliche Paar verändert sich, so nehmen beide scheinbar die jeweilige fremde Gestalt des Grafen und des Hoffräuleins an. Der Fluch über das Paar ist noch lebendig, so zieht sich die Königin zurück, überlässt gar die Regierungsgeschäfte ihren Ministern. Eines Morgens zerstört sie die Kleidungsstücke, die an den Grafen erinnern. Sie fordert ihren verzweifelten Gatten zur Tötung der „lebendigen Lüge“ auf, des damals lang erwarteten Thronfolgers. Selbst Vergnügungen wie die Jagd erhellen die miserable Stimmung nicht. Nachdem der Prinz für drei Tage spurlos verschwindet, erregt dies die Gemüter des Volkes. Eines Tages verlassen sie, nun in weiße Mäntel gehüllt, das Land und finden nach fünf Tagen auf einer kleinen Insel ihr neues Zuhause. Die trübe Stimmung bessert sich dort nicht. Tagelang sitzen sie am Meer, bis zu einem Sonnenaufgang, wo Königin und Prinz in prächtigen Gewändern und mit Insignien auf den weiten Ozean zugehen. „Oben auf dem flinkernden Wasser schwammen nebeneinander ein runder Stab und eine goldene Königskrone.“

Die Helferin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erzählung spielt in der Mitte des 19. Jahrhunderts und wäre der Nachwelt in Erinnerung geblieben, wenn nicht der Sezessionskrieg dies verhindert und so bloß Mythen hinterlassen hätte. Grasso, ein italienischer Einwanderer, ist Besitzer eines Beerdigungsinstitutes und zugleich Monopolist in einer gerade 200.000 großen Stadt. Sein Helfer ist ein gewisser Mike Bondi, der ebenfalls Italiener sein soll, aber im Gegensatz zu seiner Umgebung nicht altert. Seine genaueren Lebensumstände sind zwar niemandem bekannt, doch scheint dies keinen Anstoß zu erregen. Auf seinen Krankenbesuchen wird Mike von einem russischen Windhund begleitet. Als der untröstliche Witwer und Rechtskonsulent Martin eines Nachts Grasso besucht, weil er seine verschiedene Frau aufzubahren wünscht, entdeckt er, wie sich aus einem Sarg zwei Frauenarme nach Grasso strecken. Am nächsten Tag berichtet er Grassos Ehefrau vom Vorfall. Als sie der Geschichte nachgeht, wird sie zur Zeugin der Begegnung zwischen dem Wesen im Sarg, das sich als Mike Bondi herausstellt, und ihrem Gatten. Nach einer Anzeige werden Grasso und Bondi verhaftet. Der rätselhafte Bondi wird als eine zwanzigjährige Frau enttarnt, deren Name Bessie Bennet lautet. Genau diese Bessie Bennet starb vor achtzig Jahren in Senn Fair bei New York und bekam vom Tod die Chance, als Helferin den Sterbenden einen „liebevollen Tod“ zu schenken. Bennet wird daraufhin des Giftmordes angeklagt und soll das Gift vorzeigen, doch sie weigert sich, der Aufforderung nachzukommen, und nachdem ihr gar auf die Schulter geschlagen wird, verwandelt sich Bessie Bennet in eine schwarze Flamme, die sechshundert Menschen tötet. Seitdem sterben die Kranken in diesem Stadtteil gewöhnlich.

Die falsche Tür[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Ehren der Brüder Kyrias findet im Kasino ein Abend unter Freunden statt. Nick Kyrias, der jüngere Bruder, ist sehr redselig und prahlt unter anderem mit seiner Finesse im Kartenspiel und wie er gar an einem Freitag Morgen das Spielgeld von der Bank abholte. Daraufhin kommt der alkoholisierte Oberleutnant Irfen und nimmt neben Nick Platz. Irfen wurde in diese Garnison strafversetzt, weil er, obwohl für eine Beförderung vorgesehen, unter Alkohol sein eigenes Pferd und zwei Pferde des Kommandeurs erschossen hatte. Als Nick eine Wahrscheinlichkeitsrechnung durchführen will, beschmiert Irfen das Papier. Nick fährt Irfen scharf an, doch der Betrunkene antwortet: „Kismet, es gibt nur das Fatum.“ Irfen erklärt, dass das Glück nicht erzwingbar sei und schläft nach einer halben Stunde ein. Am nächsten Tag treffen sich die Brüder und Irfen wieder im Kasino. Es wird Poker gespielt und getrunken, bis Irfen plötzlich aufsteht und schreit. Irfen brüllt auch die scheinbar nutzlosen Informationen „Nummer 6“ und „Perastraße“ heraus. Doch Nick und seine Kameraden verhöhnen ihn. Kurz vor 11 Uhr verlassen sie das Kasino, Irfen geht voraus und Nick folgt ihm nach. Irfen bleibt vor einem Haus in der Perastraße Nummer 6 stehen und versucht sich Eintritt zu verschaffen, wird aber vom Diener des Hauses gewaltsam vor der Tür gesetzt. Nun schlägt Irfen mit Gewalt die Tür auf, jedoch feuert der Diener zwei Kugeln ab. Irfen stirbt durch einen Kopfschuss, während Nick Kyrias am Arm verletzt wird. Er kommentiert den Tod des Vorgesetzten: „Kismet“.

Die Ermordung einer Butterblume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einem Spaziergang von Immenthal nach St. Ottilien bleibt Michael Fischer mit seinem Gehstock an Unkraut hängen. Vergeblich versucht er seinen Stock herauszuziehen. Fischer gerät darüber in große Wut und haut wild auf das Grün ein. Wie er einer Butterblume den Kopf abgeschlagen hat, erblickt er in dem tropfenden Pflanzensaft Blut, das sich zum grotesk-apokalyptischen Bild einer Flut entwickelt. Obwohl er sich diszipliniert; er befiehlt die Ausweisung eines Bediensteten und ironisiert das Zerhacken der Pflanzen zum Mord, gelingt es ihm nicht, sich zu beruhigen. Vor Ekel wendet er sich vom verwesenen Kopf der Pflanze ab und sucht das Weite. Mit einem Taschenmesser beabsichtigt er eine Selbstverletzung, da seine Füße ihn augenscheinlich unwillentlich fortragen. Erschöpft stößt Michael Fischer das Messer in einem Baum und entscheidet sich zurückzukehren. Doch die Blume, nun auf den Namen Ellen getauft, kann er nicht finden. Im Glauben, die Bäume würden über ihn Gericht halten, reißt er sich vom Ort los und kommt erst bei Nacht im Dorf an. Am nächsten Tag schikaniert er seine Lehrlinge. Am zweiten Tag schreibt er Ellen 10 Mark gut, opfert Speise und Trank. Sein Verhalten ist von großer Zuneigung und bitteren Vorwürfen geprägt. Zum Jahrestag des Vorfalls gedenkt er ihr. Während einer Pause auf seinem Weg nach St. Ottilien erinnert er sich an dem Ort und gräbt eine Butterblume aus, die er in einen goldenen Topf setzen lässt. Es handle sich nach Fischer um eine Tochter der Toten, die er gerettet habe, und stellt sie auf einen Tisch in seinem Schlafzimmer. Die Opfergaben bleiben daraufhin aus. Eines Abends erklärt ihm die Wirtschaftlerin, sie hätte den Topf beim Putzen zerbrochen und die Pflanze samt Scherben entsorgt. Fischer kann sein Glück kaum fassen: „Nun war er die ganze Butterblumensippschaft los. Das Recht und das Glück standen auf seiner Seite. Es war keine Frage“. Plötzlich steht er von seiner Chaiselongue auf und nimmt den Weg Richtung St. Ottilien.

Der Ritter Blaubart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Novelle beginnt mit einer detaillierten Naturbeschreibung einer unwirklichen Gegend. Der Baron Paolo di Selvi kommt an Land, um die letzte Habe eines toten Bootsmannes dessen Vater zu überreichen. Als er die Stadt wieder verlassen hatte, wird der Zugereisten am nächsten Morgen verwahrlost am Strand aufgefunden. Der Verletzte wird in die Stadt gebracht. Nach einer Woche ist er genesen. Daraufhin entlässt er seine Mannschaft und zieht in ein Haus ein. Nach einem erneuten Umzug, verlangt er von einem Baumeister den Bau eines Schlosses mitten in der Ödnis. Der Baron nimmt sich eine unbekannte Portugiesin zu Frau, welche kaum am öffentlichen Leben teilnimmt, denn abgesehen von einem Theaterbesuch ließ sie sich nicht blicken. Schließlich wird sie tot aufgefunden und der zur Hilfe gerufene Arzt kann nur ihren Tod feststellen. Der Witwer selbst taucht nach drei Wochen erneut in der Stadt auf und vertreibt sich die Zeit mit Rennen und Wein. Nachdem er wieder in die See gefahren ist, beauftragt er nach sechs Monaten Fernbleiben seinem Verwalter mit der Vorbereitung zu einem Empfang. Zwei Monate später führt er erneut eine junge Frau in sein Schloss. Sie wird eines Morgens tot aufgefunden. Diesmal sorgen die Geschehnisse für Verwirrung unter der Bevölkerung. Das dritte Opfer, die Tochter eines Ratsherrn, führt zur Verhaftung des Barons. Die Untersuchungen können den Verdacht eines gewaltsamen Todes nicht bestätigen, weshalb er wieder freikommt. Dem wütenden Mob kann er sich zwar erwehren, meidet aber fortan die Stadt. Bei einem Pferderennen lernt er Miß Ilsebill kennen, die nach einem gemeinsamen Spaziergang im Schloss übernachtet. In der ersten Nacht schleicht sie sich an die Tür des abgeschlossenen Zimmers und wiederholt dies in den folgenden Nächten. Nachdem sie über Schmerzen klagte und nach einen Arzt schicken will, erzürnt sie den Baron. Sie solle sich lieber zerstreuen oder verschwinden. Ilsebill wählt Ersteres und erfährt auf einen ihrer Spaziergänge von einem Bauern, dass der Baron seine Seele an einem Ungeheuer verkauft habe, er aber durch eine Frau erlöst werden könne. Wie sich ihr Befinden nicht verbessert, lässt der Baron nach einen Dichter rufen. Sie beschließt ihre Flucht und will das Schloss dabei niederbrennen. Endlich in der Kammer angekommen wird sie von einer Meduse überrascht, der sie gerade noch entkommen kann. Am nächsten Tag durchbricht eine Flut die Dämme und setzt das Schloss und seine Umgebung unter Wasser. Auf einem Berg begibt sie sich in die Hände der Muttergottes, ehe ihre Spur sich im Nebel verliert. Der Baron entdeckt ihr Kreuz an einem Baum und errichtet gleichfalls ein Gebet an Maria. Schließlich soll er auf dem mittelamerikanischen Kontinent mit seiner Truppe im Kampf gegen heidnische Indianer untergegangen sein.

Der Dritte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gynäkologe Dr. William Converdon gibt eine Stellenanzeige für eine Sekretärin auf. Vier Tage später sagt er einer Bewerberin zu, jedoch einzig aus persönlichen Gründen. Am nächsten Morgen sucht Converdon Mery Walters Nähe, er küsst sie und offenbart ihr seine Liebe, auch gehen sie gemeinsam ins Theater. Schließlich bitter er Frau Walters, in seiner Nähe zu bleiben und bietet ihr gar ein Zimmer dafür an. Doch gleich am nächsten erhebt er schwere Vorwürfe, wirft ihr einen schlechten Lebenswandel vor und das Missverstehen seiner Person. Converdon verspricht seiner Sekretärin eine dreimonatige Einstellung, doch ersetzt er sie durch einen Bürobeamten und verlangt von Mery sich jederzeit ihm zur Verfügung zu stellen. Sein Verhalten zu Mery ist von Willkür und Monotonie geprägt, so verweist er sie forsch aus dem Zimmer, um an einem andern Tag von ihr getröstet zu werden. Später erklärt er ihr, dass sie zur Schauspielerin ausgebildet werden soll, aber sie tritt lediglich im Varieté auf. Alsbald heiraten sie, doch wenig später erreicht ihn ein Brief, worin ihn ein gewisser Paul Wheatstren zum Suizid auffordert, da er Mery gewonnen hätte. Er sucht daraufhin Wheatstren persönlich auf und bietet ihm alternativ dessen Tötung an, da dieser unter anderem unbewaffnet sei. Wheatstren erklärt, dass es sinnlos sei, da am nächsten Monat ein neuer Mann ihn ersetze, sodass sein Kontrahent letztlich aufgibt. Danach kontaktiert Dr. William Converdon einen Pfarrer, doch dieser bestätigt dessen belanglose Existenz. Er nimmt sein Schicksal auf sich, erlebt mit seiner Frau schöne Tage und tötet sich am fünfundzwanzigsten durch Erhängen. Die von Converdon verlangte Autopsie bringt keine Ergebnisse hervor. Wheatstren sucht die Witwe auf und gibt sich als Freund des Verstorbenen aus. Schließlich heiratet er Mery und gewinnt ihre Zuneigung, weil er ihr im Gegensatz zu Converdon erhebliche Abwechslung bietet.

Die Memoiren des Blasierten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Blasierte hält Memoiren eigentlich für unnötig, doch die Aufklärung der Menschheit, so der Ich-Erzähler, erfordert dies. Dabei nivelliert er die unterschiedlichsten Handlungen, ob es das Erobern, das Beten oder die Umarmung von Frauen ist. Der erste Kontakt zur Liebe verlief über die Belletristik, philosophische Texte und Selbstmordanzeigen. Weiterhin gibt er seine frühe Furcht vor der Liebe zu, was seine Zufriedenheit dennoch nicht störte. Nach diesen Enttäuschungen suchte er Männer in leitenden Positionen auf, die dem Blasierten aber auch keine Lösung anbieten konnten. Er beschloss, die Liebe selbst zu bekunden. Dabei ging er planmäßig vor, beobachtete Passanten in Städten und Ländern, später gar die Menschen in Städten, wo die Liebe stark vorkommen sollte. Er gesteht sich die Erfolglosigkeit seiner Suche ein. Er konstatiert, dass seine natürliche Neigung zu Frauen sich auch auf alles bezieht, was Frau ist. Darunter fiel eine grüne Tischlampe, wovor er sich so schämte, dass er beim Ausziehen ein Leinentuch über sie warf. Sein Hass umfasste auch weibliche Tiere. Mütter bezeichnet er als elende Geschöpfe. Selbst das Genus Femininum ist gemeint. Ein Zuvorkommen in der Kommunikation gegenüber Frauen ist ihm zuwider. Obwohl er Geschlechtsverkehr mit Frauen hatte, konnte er keine Liebe finden. Aus Frustration und Hass vergewaltigte er eine Hotelfachangestellte und begründet dies mit der Vergiftung des Mannes durch das Gift Frau. Der Misogyn wiederholt seine Haltung zum Schluss und fleht zu Gott.

Das Stiftsfräulein und der Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Stiftsfräulein beobachtet aus ihrem Fenster die Geschehnisse in der Natur und interpretiert diese als Ankündigung ihres nahen Todes. Von dieser Nachricht erschüttert, nimmt sie einen Bissen und verlässt den Speisesaal Richtung Zimmer. Nachts leuchtet der Mond bis halb vier, was ihr eine schlaflose Nacht beschert. Am daraufhin folgenden Tag kleidet sie sich in Schwarz, unternimmt einen Spaziergang im Park und führt dabei ein lakonisches Gespräch mit ihrer Freundin. In dieser Nacht leuchtet der Mond wieder vor ihrem Fenster, doch das Bett beginnt nun zu schwanken. Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Tagen isst und spricht sie am dritten Tag sehr viel. Trotzdem bittet das Stiftsfräulein eine Freundin, dass sie doch nachts aufs Zimmer kommen solle. Die Freundin kommt der Bitte nicht nach und so reinigt die alte Frau das Zimmer mit Kölnischem Wasser, legt eine Marienstatue mit frischen Blumen in den Raum und beginnt zu weinen. In der dritten Nacht hält die Frau die Pendel der Uhr an, doch nimmt sie dabei das Grinsen der zweiten Uhr wahr und rennt vor Todesangst in den dunklen Park. Die nächsten Tage fällt das Stiftsfräulein in ihren gewohnten Rhythmus zurück, wie es vor der Todesahnung war, dennoch empfindet die Umwelt ihr Verhalten als hochmütig. Seit dem Frühlingsanfang schreibt sie an den Tod adressierte Briefe auf Rosenpapier und vergräbt diese im Gebüsch. Nach einem Spaziergang kehrt Sie mit rotem Klee, Weidenruten und Maikätzchen zurück, lässt die Türe und Fenster offen und betet zu Maria. Das Stiftsfräulein legt sich nun zufrieden hin und stirbt letztlich, trotz Anbiederung an den Tod, grausam.

Editionsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1906 bot Döblin dem Bruno Cassirer Verlag sein Manuskript an. Von 1908 bis 1911 wurden die Novellen in den Publikationsorganen Das Magazin (Das Stiftsfräulein und der Tod) und Der Sturm - mit Ausnahme der letzten Erzählung Die Memoiren eines Blasierten - veröffentlicht. Dezember 1911 überarbeitete Döblin die Sammlung und sendete sie dem Religionsphilosophen und Lektor des Verlages Rütten & Loening Martin Buber zu. Schließlich erschienen die zwölf Novellen im Band Die Ermordung einer Butterblume und andere Erzählungen November 1912 im Münchner Georg Müller Verlag. 1913 erschien die zweite Auflage. Die Novelle Das Stiftsfräulein und der Tod wurde im selben Jahr als Einzelausgabe gemeinsam mit fünf Holzschnitten Ernst Ludwig Kirchners im A.R. Meyer Verlag veröffentlicht. Die im Lyrisches Flugblatt enthaltenen Illustrationen sind die ersten des Malers. Die Erzählung Der Ritter Blaubart erschien 1923 als Blaubart und Miß Ilsebill in einer Ausgabe des Tillgner Verlages mit Steinzeichnungen Carl Rabus. 2001 gab Christina Althen Die Ermordung einer Butterblume. Sämtliche Erzählungen als Band 14 in der von Walter Muschg im Walter Verlag begründeten kommentierten Werkausgabe heraus. Kostengünstige Leseausgaben erschienen 1965 in der dtv Verlagsgesellschaft und 2013 im S. Fischer Verlag.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Band gehört in einer Reihe zyklischer Erzählprosa des Expressionismus,[3] darunter Georg Heyms Der Dieb (1911), Heinrich Eduard Jacobs Das Leichenbegängnis der Gemma Ebria (1912), Kasimir Edschmids Die sechs Mündungen (1915), Gottfried Benns Gehirne (1916), Leonard Franks Der Mensch ist gut (1917), Alfred Lemms Mord (1918) oder Paul Zechs Das Ereignis (1919) fallen.

1906 hatte Döblin seine Erzählungen im Verlag Bruno Cassirers eingesendet, dessen langjähriger Lektor, der Dichter Christian Morgenstern eine Veröffentlichung ablehnte. „Die Novellensammlung Die Ermordung einer Butterblume macht auf mich - trotz mancher merkwürdiger Einzelheiten - einen unheimlichen, krankhaften Eindruck. Man meint zuweilen fast, einen geistig nicht ganz Gesunden vor sich zu haben. Die Sachen erinnern manchmal an Garschin, nur eben dass der grosse Zug fehlt“, urteilte er. Nach Ute Schneider lag es an „Morgensterns mangelnden Verständnis für psychopathologische Themen innerhalb der Literatur und die Unvereinbarkeit des Expressionismus mit bildungsbürgerlichen Werten“.[4]

Kurt Pinthus, Herausgeber der expressionistischen Anthologie Menschheitsdämmerung befand: „So zeigt die Novellensammlung Döblins, die er nach einer dieser kurzen Geschichten „Die Ermordung einer Butterblume“ genannt hat, die Umwandlung vom Impressionismus zum Expressionismus. Außer dieser für unsere neueste Literatur symptomatischen Bedeutung ist das Buch aber auch wegen seines absoluten künstlerischen Wertes durchaus zu beachten.“[5] Der expressionistische Lyriker Albert Ehrenstein lobte die „edle Leidenschaftlichkeit des Stils, Glut einer gleichwohl hart geschmiedeten Sprache, spannend - plastische Handlung, Psychologie ohne ekelhaft-intime Seelenzerfaserung“[6] Der Kritiker Joseph Adler hob in einem im Sturm erschienen Artikel den geringen Umfang der Erzählungen, den parataktischen Stil und die plastische Sprache Döblins hervor.[7] Die erste Novelle sei „die gewaltige Musik des Meeres. Sie ist die melodische Unrast des Elementes selber, sie gibt nicht eben nur seine Erscheinung wieder. Sie ist tief und gespenstisch, die Worte rollen wie Wellen heran“.

Nach Klaus Müller-Salget ist das Thema der Geschlechterliebe wie Geschlechterkampfes besonders in der Novelle Die Segelfahrt, dem Kunstmärchen Der Ritter Blaubart und in der Satire Der Dritte verwirklicht. Die erste Novelle des Bandes und die titelgebende Erzählung zeigten dagegen Döblins literarische Meisterschaft.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Textausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred Döblin: Die Ermordung einer Butterblume und andere Erzählungen. Georg Müller Verlag, München 1912.
  • Alfred Döblin: Die Ermordung einer Butterblume und andere Erzählungen. dtv, München 2004, ISBN 3423131993.
  • Alfred Döblin: Die Ermordung einer Butterblume und andere Erzählungen. S. Fischer, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-596-90459-4.

Sekundärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sabine Kyora: Der Novellenzyklus Die Ermordung einer Butterblume (1912). In: Sabina Becker (Hrsg.): Döblin Handbuch. Leben - Werk - Wirkung. Metzler, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-476-02544-9, S. 29–40.
  • Georg Reuchlein: „Man lerne von der Psychiatrie“. Literatur, Psychologie und Psychopathologie in Alfred Döblins „Berliner Programm“ und „Die Ermordung einer Butterblume“. In: Jahrbuch für internationale Germanistik 23, Heft 1 (1992), S. 10–68.
  • Ernst Ribbat: Autonome Prosa? Zur Wertung der expressionistischen Novellen Alfred Döblins. In: Werner Stauffacher (Hrsg.): Internationale Alfred-Döblin-Kolloquien 1980-1983. Bd. 14. Peter Lang, Bern 1986, ISBN 978-3-261-03554-7, S. 293–306.
  • Helga Stegemann: Studien zu Alfred Döblins Bildlichkeit. Die Ermordung einer Butterblume und andere Erzählungen. Lang, Bern 1978, ISBN 978-3-261-03113-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Klaus Müller Salget: Alfred Döblin. In Deutsche Dichter des 20. Jahrhunderts. Hartmut Steinecke (Hrsg.) Erich Schmidt, Berlin 1994, ISBN 3-503-03073-5, S. 215
  2. Klaus Müller Salget: Alfred Döblin. In Deutsche Dichter des 20. Jahrhunderts. Hartmut Steinecke (Hrsg.) Erich Schmidt, Berlin 1994, ISBN 3-503-03073-5, S. 216
  3. Vgl. Peter Sprengel: Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1900–1918. Von der Jahrhundertwende bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. In: Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Band 12, München 2004, ISBN 3-406-52178-9, S. 175.
  4. Vgl. Ute Schneider: Der unsichtbare Zweite. Die Berufsgeschichte des Lektors im literarischen Verlag. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 978-3-8353-1780-2, S. 45.
  5. Kurth Pinthus, Ingrid Schuster, Ingrid Bode (Hrsg.): Alfred Döblin im Spiegel der zeitgenössischen Kritik. Francke, Bern 1973, S. 15.
  6. Albert Ehrenstein: Analytische Dichter der Dämmerung. In: Hanni Mittelsmann (Hrsg.) Albert Ehrenstein Werke. Aufsätze und Essays. Waldstein, Göttingen 2004, ISBN 3-89244-719-5, S. 28.
  7. Joseph Adler: Ein Buch von Döblin. In: Der Sturm, Nr. 170/171, Juli 1913, S. 71.
  8. Vgl. Klaus Müller Salget: Alfred Döblin. In: Hartmut Steinecke (Hrsg.): Deutsche Dichter des 20. Jahrhunderts. Erich Schmidt, Berlin 1994, ISBN 3-503-03073-5, S. 216.