Die Ermordung eines chinesischen Buchmachers

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Film
Deutscher Titel Die Ermordung eines chinesischen Buchmachers
Originaltitel The Killing of a Chinese Bookie
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1976
Länge 135 Minuten / USA: 108 (Director’s Cut) Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie John Cassavetes
Drehbuch John Cassavetes
Produktion Phil Burton, Al Ruban
Musik Bo Harwood
Kamera Mitch Breit, Al Ruban
Schnitt Tom Cornwell
Besetzung

Die Ermordung eines chinesischen Buchmachers (auch Mord an einem chinesischen Buchmacher; englischer Originaltitel The Killing of a Chinese Bookie) ist ein 1976 erschienener Gangsterfilm des US-amerikanischen Independent-Filmers John Cassavetes.

Die dynamische Handkamera setzte Cassavetes schon 20 Jahre vor dem dänischen Dogma-Stil ein: Der Zuschauer nimmt hautnah teil an der brutalen Realität einer Großstadt der Vereinigten Staaten – ohne den üblichen Glamour Hollywoods. In den USA kam der Film bei Kritikern und Zuschauern schlecht an[1], in Europa bewunderte man die tiefgründige Psychologie der Figuren, die ohne jedes Psychologisieren auskommt, die hervorragenden Schauspieler mit Ben Gazzara in einer seiner Glanzrollen [2] und die Würde und Liebe, die Cassavetes seinen Protagonisten auch in diesem Film angedeihen lässt.[3]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nachtclubbesitzer Cosmo Vitelli verspielt in einem Club in San Francisco 23.000 Dollar. Weil er die Spielschulden nicht bezahlen kann, wird er von den Inhabern der Spielhölle vor die Wahl gestellt, entweder selbst zu sterben, oder einen ihrer Konkurrenten in Chinatown zu töten.

An sich gutherzig, aber mit den Regeln der Unterwelt vertraut, sieht Vitelli keinen anderen Ausweg. Nahezu emotionslos und durchaus professionell ermordet der Korea-Veteran den chinesischen Buchmacher, selbst ein hochrangiger Gangsterboss. Jenen Mafiosi, die ihn zum Morden gedrängt haben und ihn hinterher beiseiteschaffen wollen, kann er entkommen.

Doch am Ende sehen wir Vitelli vor seinem Club stehen, wie immer, möchte man meinen – wäre da nicht sein blutverschmiertes Jackett, nachdem ihn eine Kugel getroffen hat.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„John Cassavetes […] wandte sich hier erstmals dem Gangsterfilm zu, ohne freilich dessen Regeln zu akzeptieren. Im Gegensatz zu seinen vorangegangenen Filmen stieß sein sehr auf die Schauspieler ausgerichteter Inszenierungsstil diesmal auf völlige Ablehnung − in den Vereinigten Staaten wurde Die Ermordung… fast einhellig verrissen. Die europäische Kritik jedoch war begeistert.“

Arne Laser: Das große Film-Lexikon. Alle Top-Filme von A–Z[4]

„Atmosphärisch sehr dicht und differenziert in der Charakterzeichnung […]“

„Ben Gazzaras Nachtclubbesitzer Cosmo Vittelli ist ein trauriger Selfmademan, von einem obskuren Lebenstraum getrieben […] Cosmo macht mit seinen breiten Hemdkragen, dem selbstsicheren Auftreten und der roten Orchidee im Knopfloch einen windigen Eindruck, aber es ist diese ihm eigene Moralität, die ihn im Gangstermilieu wie einen Fremdkörper erscheinen lässt. […] Eine tragische Selbstbehauptungsgeschichte im Gewand eines Gangsterfilms.“

Andreas Busche: The Killing Of A Chinese Bookie – Gangster im Dunkel aus der taz[6]

„John Cassavetes ist der unabhängigste der unabhängigen Filmemacher, nicht weil er mit den Versatzstücken des Thrillers spielen oder sich an ihnen abarbeiten würde. Cassavetes nimmt sich nicht die Freiheit, sondern er hat sie einfach. Es ist die Freiheit, Kamera, Schnitt und Musik völlig subjektiv und exzessiv für seine Themen und Obsessionen zu nutzen. […] Selten hat das Kino eindringlicher von der Verlorenheit eines Menschen erzählt.“

Anke Leweke: Die Einsamkeit im Strip-Lokal in Die Zeit[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „In 1976, when The Killing of a Chinese Bookie was first released, it bombed at the box office, much to Cassavetes’s disappointment. Critics found it disorganized, self-indulgent, and unfathomable; audiences took their word for it and stayed away.“, heißt es bei Phillip Lopate in seinem Essay „The Raw and the Cooked“ auf criterion.com (vom 24. Oktober 2013; englisch; abgerufen am 28. März 2022).
  2. Jonathan Rosenbaum: The Killing of a Chinese Bookie. In: Chicago Reader. Abgerufen am 29. Februar 2008 (englisch): „(Ben Gazzara at his very best) […] fine performances by Timothy Agoglia Carey, Seymour Cassel, Azizi Johari, Meade Roberts, and Alice Friedland.“
  3. Georg Seeßlen: Liebesströme, Todesbilder: Die Filme von John Cassavetes. In: epd Film 6/89. Abgerufen am 29. Februar 2008 (bei www.filmzentrale.com): „Jeder in […seinen Filmen] vorkommende Mensch hat den umfassenden Anspruch darauf, ernst genommen zu werden.“
  4. Dirk Manthey, Jörg Altendorf, Willy Loderhose (Hrsg.): Das große Film-Lexikon. Alle Top-Filme von A–Z. Zweite Auflage, überarbeitete und erweiterte Neuausgabe. Verlagsgruppe Milchstraße, Hamburg 1995, ISBN 3-89324-126-4, S. 797 f.
  5. Katholisches Institut für Medieninformation [KIM] und Katholische Filmkommission für Deutschland (Hrsg.): Lexikon des internationalen Films. Kino, Fernsehen, Video, DVD. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-86150-455-3, S. 2174.
  6. Andreas Busche: The Killing Of A Chinese Bookie – Gangster im Dunkel. In: taz. Abgerufen am 29. Februar 2008 (bei www.filmzentrale.com).
  7. Anke Leweke: Die Einsamkeit im Strip-Lokal. In: Die Zeit. Abgerufen am 29. Februar 2008 (Nr. 18 vom 26. April 2007, S. 52).