Die Frau mit der Handtasche

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
A Woman Hitting a Neo-Nazi With Her Handbag in Växjö, Sweden 1985. Photograph by Hans Runesson.
Hans Runesson, 1985
Fotografie

Link zum Bild
(Bitte Urheberrechte beachten)

Die Frau mit der Handtasche (schwedisch Kvinnan med handväskan oder häufiger Tanten med handväskan) ist ein von der schwedischen Bildhauerin Susanna Arwin geschaffenes lebensgroßes Denkmal, das in der südschwedischen Stadt Växjö an ein couragiertes Eintreten gegen die Neonazi-Demonstrationen vom 13. April 1985 erinnern soll. Es ehrt die damals 38-jährige Danuta Danielsson, die – mit ihrer Handtasche auf einen Demonstranten einschlagend – sich spontan gegen den wieder aufkeimenden Judenhass gewehrt haben will. Danielsson, deren Mutter nach Angaben der schwedischen Presse in einem Konzentrationslager inhaftiert gewesen sein soll, wanderte 1981 aus Polen ein, nachdem sie ihren späteren Ehemann kennengelernt hatte. Ihre spontane Attacke stand im Zusammenhang mit tätlichen Übergriffen anderer, meist kommunistischer Gegner der rechten Gruppierung. Die Szene wurde von einem Bildjournalisten festgehalten, auf diese Art berühmt und später als Bild des Jahres ausgezeichnet.

Jahrestag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 30. Jahrestag am 13. April 2015 sollte das Denkmal auf dem Stortorget enthüllt werden, doch nach den islamistischen Terroranschlägen in Paris und Kopenhagen gab es massive Proteste dagegen, das Denkmal noch zu errichten. Andererseits wurden an den Tagen vor der Entscheidung viele schwedische Standbilder als Ausdruck der Zustimmung mit Handtaschen verziert, was verschiedene, auch internationale Medien aufgriffen.[1] Vor allem Konservative und Grüne äußerten sich jedoch gegen eine Aufstellung. Im Kern finden sie bedenklich, so die Stadträtin Eva Johansson, dass das Schlagen mit der Handtasche auf den Kopf eines anderen idealisiert werde.

„Aber man muss Andersdenkenden mit Worten begegnen, nicht mit Gewalt.[2]

Andere Städte wie beispielsweise Malmö erklärten sich jedoch bereit, im Falle der Ablehnung im Stadtrat, der über die Aufstellung befinden soll, das Denkmal zu übernehmen. Der Sohn Danielssons hingegen möchte ein solches Denkmal seiner Mutter nicht überall in Schweden aufgestellt sehen.[3]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Genehmigung durch den Kulturausschuss der Stadt Växjö für die Demonstration der Neonazis um 12:00 Uhr gilt heute als leichtfertig, weil wenig später eine an gleicher Stelle für 11:00 Uhr angesetzte Kundgebung der Kommunisten gestattet wurde, bei der auch deren Landesvorsitzender Lars Werner sprechen sollte.[4] Für die Stadtoberen waren Gewaltexzesse in ihrer beschaulichen Stadt bis dahin unvorstellbar.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ellen Provoost: Handtassen tegen neonazi's. In: HLN.be, 15. Februar 2015 (niederl.)
  2. In Schweden tragen Denkmäler Handtaschen. Deutschlandfunk, Europa heute, Sendung vom 25. Februar 2015.
  3. Silke Bigalke: Hoch die Taschen, in: Süddeutsche Zeitung, 28. Februar 2014, S. 49
  4. Anita Bengtsson: Berättelsen om det förra århundradets bästa foto, in: Dagens Nyheter, 15. Februar 2015
  5. Mats Bergström: Kulturnämnden hyllar det råa våldet, in: Smålandsposten, 3. Januar 2015 (schwed.)