Die Frau ohne Schatten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Oper. Zur gleichnamigen Erzählung siehe Die Frau ohne Schatten (Erzählung).
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.
Werkdaten
Titel: Die Frau ohne Schatten
Amme, Figurine von Alfred Roller (UA 1919)

Amme, Figurine von Alfred Roller (UA 1919)

Originalsprache: Deutsch
Musik: Richard Strauss
Libretto: Hugo von Hofmannsthal
Uraufführung: 10. Oktober 1919
Ort der Uraufführung: Wiener Staatsoper
Spieldauer: ca. 3 ¼ Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Märchenland, zur Märchenzeit
Personen
  • Der Kaiser (Tenor)
  • Die Kaiserin (Dramatischer Sopran)
  • Die Amme (dramatischer Mezzosopran)
  • Der Geisterbote (Bariton, Hoher Bass)
  • Der Hüter der Schwelle des Tempels (Sopran)
  • Die Stimme des Jünglings (Tenor)
  • Falke (Sopran)
  • Stimme von oben (Alt)
  • Barak, der Färber (Bassbariton)
  • die Färberin (dramatischer Sopran)
  • Baraks Brüder (Tenor/Bariton/Bass)
  • Stimmen der Wächter (Tenor/Bariton/Bass)
  • Sechs Kinderstimmen, Dienerinnen

(Hauptpartien kursiv)

Die Frau ohne Schatten (op. 65) ist eine Oper in drei Aufzügen von Richard Strauss, deren Text von Hugo von Hofmannsthal stammt. Das Werk wurde am 10. Oktober 1919 an der Wiener Staatsoper uraufgeführt (Dirigent: Franz Schalk, Regie: Hans Breuer, Bühne: Alfred Roller); einige Tage später fand als Premiere einer zweiten Einstudierung die Erstaufführung an der Semperoper in Dresden statt.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kaiser der südöstlichen Inseln hat auf der Jagd eine weiße Gazelle erlegt, die sich als Tochter des Geisterkönigs Keikobad (vgl. den Herrscher Kai Kobad in der persischen Mythologie) herausstellte. Er nahm sie zur Frau und gab sich nächstens der Ehe hin (die Amme teilt mit: „Er ist ein Jäger und ein Verliebter, sonst ist er nichts! (…) Seine Nächte sind ihr Tag, seine Tage sind ihre Nacht.“), aber weil die Kaiserin keinen Schatten wirft, gehört sie nicht vollständig zu den Menschen, denn Schatten, Fruchtbarkeit und menschliche Empathie sind ein- und dasselbe. Ihr zur Seite steht die Amme, die alles Menschliche verabscheut, die Kaiserin aber über alles liebt.

Erster Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Morgengrauen erscheint ein Geisterbote und verkündet der Amme: In drei Tagen sei die Frist um; wenn die Frau dann keinen Schatten werfe, treffe der fehlende Fluch nicht sie, sondern ihn, ihren Gatten („Er wird zu Stein“). Der Kaiser tritt auf, er ahnt nichts von der drohenden Frist, sondern macht sich fröhlich auf auf die Jagd („Drei Tage komm ich nicht heim“). Die Kaiserin tritt aus ihrem Gemach und erzählt die vergangenen Ereignisse. Um ihren Gatten vor der drohenden Versteinerung zu retten, möchte sie einen Schatten gewinnen, berät sich mit der Amme und macht sich deswegen gemeinsam mit ihr zu den Menschen auf („Ein Tag bricht an! Führ mich zu ihnen: Ich will!“).

Der Färber Barak (die einzige auftretende Figur, die einen Namen trägt!) lebt mit seiner Frau und seinen Brüdern in Armut. Auch diese Ehe ist unfruchtbar („Dritthalb Jahr bin ich dein Weib, und du hast keine Frucht gewonnen aus mir und mich nicht gemacht zu einer Mutter.“). Die Färbersfrau wird von der Amme umworben, sie möge den Schatten und die ungeborenen Kinder gegen Reichtum abtreten. Sie schließt mit der Amme einen Pakt („Abzutun Mutterschaft auf ewige Zeiten“), die Kaiserin versteht den Handel, kann ihn aber nicht verhindern. Aus einer Pfanne, in der die Färbersfrau Essen kocht, hört sie die Stimmen der ungeborenen Kinder weinen und klagen. Doch sie trennt die Betten, der Pakt ist geschlossen. Der heimgekehrte Barak lauscht traurig („Sie haben mir gesagt, dass ihre Rede seltsam sein wird und ihr Tun befremdlich die erste Zeit. Aber ich trage es hart, und das Essen will mir nicht schmecken.“) den Stimmen der Wächter, die Gattenliebe und Elternglück preisen.

Zweiter Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Amme beeinflusst die Färbersfrau mittels eines hergezauberten schönen Jünglings. Barak kehrt heim, bringt ein Festmahl mit („Was ist nun deine Rede, Prinzessin, vor dieser Mahlzeit, du Wählerische?“), weiß aber nicht, was im Haus und in seiner Frau vorgeht.

Der Kaiser ist glücklich, den verlorenen Falken wieder bei sich zu haben und trifft auf der Jagd auf jene Hütte, in der die Kaiserin mit der Amme drei Tage verbringen wollte. Doch „das Haus ist leer“, der Kaiser glaubt sich betrogen und möchte seine Frau töten, was er nicht vermag („meine Hände vermögen es nicht“).

Die Amme möchte den Handel, der im ersten Akt durch Baraks unvermutete Heimkehr unterbrochen wurde, fortsetzen. Sie verabreicht Barak ein Schlafmittel und zaubert den Jüngling wieder herbei. Die Färberin erschrickt über sich und versucht ihren Mann zu wecken. Amme und Färberin gehen ab, die Kaiserin bleibt bei Barak. Dieser wacht auf: „Wer da?“, die Kaiserin antwortet: „Ich, mein Gebieter, deine Dienerin“. Dies ist der Dreh- und Angelpunkt des Dramas, denn die Kaiserin zeigt erstmals menschliche Gefühle (Mitleid mit einem gepeinigten Menschen; Mitgefühl ist die eigentliche Bedingung für die Menschwerdung der Kaiserin!).

Angst umfasst die Kaiserin. Sie träumt, dass ihr Mann in einem unterirdischen Gewölbe eingeschlossen wird (dies ereignet sich ja auch) und schreit erschrocken aus dem Schlaf („alles ist meine Schuld“).

Die Färberin erleidet einen Nervenzusammenbruch, sie verkündet ihrem Mann einen nie stattgefunden Ehebruch mit dem Jüngling und den Verkauf ihres Schattens, um ihn aus seiner Lethargie zu reißen. Barak möchte in seiner Verzweiflung auf seine Frau losgehen, doch das Färbershaus versinkt im Erdboden, nachdem die Amme die Kaiserin gerade noch rechtzeitig zu sich reißen konnte („Übermächte sind im Spiel, her zu mir!“).

Dritter Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Färber und Färberin befinden sich, voneinander nichts wissend, in einem unterirdischen Gewölbe. Beide bereuen ihre Fehler bitter („Mir anvertraut, dass ich sie hege, dass ich sie trage auf diesen Händen“).

Kaiserin und Amme landen mit einem Kahn beim Mittelpunkt des Kaiserreichs. Die Amme hat panische Angst, die Kaiserin aber weiß, was sie erwartet und dass sie sich ihrer Aufgabe allein stellen muss. Posaunen rufen zum Gericht über den Kaiser, die Frau will ihm beistehen („Was er leidet, will ich leiden“). Die Amme versucht, sie davon abzuhalten, es kommt zum endgültigen Bruch der beiden: „Amme, auf immer scheid ich mich von dir!“. Die Kaiserin geht allein durch das Tor und lässt die Amme zurück.

Die einander suchenden Färbersleute kommen nacheinander vorbei und erkundigen sich bei der Amme nach dem jeweils anderen Partner, die Amme schickt beide in unterschiedliche Richtungen. Die Amme möchte der Kaiserin folgen („Ich will zu ihr!“), wird aber vom Geisterboten abgewiesen, wird aus dem Geisterreich abgewiesen und muss ihr weiteres Leben unter den ihr verhassten Menschen fristen.

Die Kaiserin befindet sich allein in einer Felsenkammer. Die Quelle des Lebenswasser springt empor, die Kaiserin sieht ihren beinah versteinerten Mann. Sie wird angewiesen: „Trink, und der Schatten, der des Weibes war, wird deiner sein“, doch sie möchte nicht ihr Glück um das der Färbersleute erkaufen („Blut ist in dem Wasser“).

„Die Szene des inneren Kampfes der Kaiserin vor dem versteinerten Kaiser müßte einen sichtbaren Knalleffekt haben. Ginge es, dass die Kaiserin nach schwerem inneren Kampfe, sie fühlt sich dem Tode nahe, endlich einen furchtbaren Schrei ausstößt, den ersten Menschschrei, etwa wie der Schrei einer gebärenden Mutter.
‚Ich will nicht‘ ist ihre Antwort, damit siegt sie für ihren Mann und für die beiden Menschen. Sie wirft einen langen, scharfen Schatten und hat also durch ihre Zuneigung zum Menschenschicksal die Fähigkeit erlangt, Mutter zu werden; der Kaiser steigt unversteinert vom Sockel. Färber und Färberin sind frei und wenden sich ihrer irdischen Welt zu, die ungeborenen Kinder kündigen im Chor an, dass sie nicht mehr lange ungeboren bleiben werden.“

– Hofmannsthal an Strauss, 18. September 1919

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strauss schafft mit seiner hochdramatischen Musik eine klare, kontrastierende Charakterisierung der Personen und Szenen, nahezu filmartig plastisch sind etwa seine Motive für den Falken, die Schwertszene im zweiten Akt oder die Ankunft des Kahns im Reich der Herrscher zu Beginn des dritten Aktes. Unterschiedlich ist die Betrachtung des musikalischen Stils, manche meinen, Strauss habe in seiner musikalischen Sprache eine Kehrtwendung hin zur Tonalität gemacht, andere wiederum heben die grell-eruptiven Orchesterfarben und die z. T. erweiterte Harmonik hervor. Letztlich zeigt sich in diesem Werk Strauss’ Meisterschaft der musikalischen Psychologisierung der Figuren mit allen (damals) zur Verfügung stehenden Mitteln, sogar eine Glasharmonika und fünf chinesische Gongs finden im Orchester Verwendung.

Werkgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hofmannsthals erste Einfälle zu diesem Werk datieren aus dem Jahr 1911, basierend auf den Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter von Johann Wolfgang von Goethe (1795). Die Entstehung der Oper geht nicht ohne Schwierigkeiten vonstatten, was ein umfangreicher Briefwechsel zwischen Hofmannsthal und Strauss bezeugt. Die Vorlage Goethes behandelt Hofmannsthal frei, er erfindet zwei Paare, einen Kaiser und eine Kaiserin aus einem Traumreich bzw. einer Jenseits-Welt, und ein Färber-Ehepaar aus der irdischen Welt. Neben Goethe zieht der belesene Hofmannsthal weitere Vorlagen heran – etwa Teile aus Tausendundeiner Nacht oder Grimms Märchen – und zitiert sogar einmal wörtlich den Mephistopheles aus dem Faust (Amme: „Her zu mir“). In der gesamten Textanlage ist die Oper als Märchen mit dem Thema des Segens der Liebe durch Geburt der Kinder konzipiert. Hofmannsthal verglich sie in einigen Briefen mit Wolfgang Amadeus Mozarts Zauberflöte, zumindest die doppelten Paare sind dort ebenfalls angelegt. Erste Briefe zur Konzeption datieren vom Jahr 1911; Strauss fing sogleich zu komponieren an, die Arbeit an Text und Musik lief parallel und gegenseitig inspirierend. Die Frau ohne Schatten entstand während des Ersten Weltkrieges. Strauss war glücklich über den Text von Hofmannsthal, haderte jedoch mehrfach mit der Partitur und vielen Details, die er um der dramatischen Wirkung willen geändert haben wollte. 1915 war die Oper fertig, doch erst 1919 wurde sie uraufgeführt.

„Ich freue mich unsäglich aufs Hören. Die gewissen Schwierigkeiten mit dem Stoff, stupide Versuche, zu deuten und herumzurätseln, wo alles einfach Bild und Märchen ist, auf das alles bin ich gefasst. Das geht vorüber, und was bleiben soll, bleibt.“

– Hofmannsthal an Strauss, 18. September 1919

Strauss selbst bezeichnete sie als sein „Sorgenkind“, da die Arbeit aufgrund der Komplexität von Text und Stoff während des Weltkrieges sehr anstrengend war. Abgesehen davon war Strauss unzufrieden mit den ersten Inszenierungen, die seinen Ansprüchen offenbar nicht genügten. Musikalisch gesehen gehört Die Frau ohne Schatten zu Strauss’ kompliziertesten und farbenreichsten Partituren. Im Gegensatz zu der Dichte der verwandten Werke Salome und Elektra gibt Strauss in der Frau ohne Schatten wieder größeren Monologen und Szenen Raum. Gleich fünf sehr anspruchsvolle Hauptpartien (Kaiser, Kaiserin, Färber, Färbersfrau, Amme) und ein sehr großes Orchester sowie die verschiedenen Wirklichkeits-/Traumdarstellungen auf der Bühne machen die Oper selbst für größere Opernhäuser auch heute noch zu einer Herausforderung.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Frau ohne Schatten ist zweifellos eine der bedeutendsten Opern von Strauss. Ohne die Vorgänger Elektra und Salome wäre eine solche Handlung, ein solches Ausdruckspotential nicht möglich gewesen. Insbesondere Symbolik und psychologische Elemente im Text wie in der Musik sind wesentliche Akzente dieser Oper, die beileibe nicht mehr im Goetheschen Sinne ein Märchen ist. Zu beziehungsreich sind etwa die Funktionen des Schattens, des Themas Fruchtbarkeit und Ehe sowie die auch in der Musikgeschichte zentralen Themen von Prüfung und Erlösung gestaltet.

Nach der Uraufführung konnte das Werk trotz aufwändiger Einstudierungen (u.a. in Dresden, München und Berlin) dennoch zunächst keinen großen Erfolg aufweisen, besonders, wie Strauss beklagte, in mittleren und kleineren Theatern. Das lag zum einen an der durch Metaphorik und Symbolik nicht ohne weiteres verständlichen Handlung. Zum anderen lag es an den enormen musikalischen Anforderungen, die das Werk stellt. Nicht alle Häuser konnten fünf erstklassige Sänger des Deutschen Repertoires aufbieten, die für die Hauptpartien unerlässlich sind.

Heute ist Die Frau ohne Schatten sowohl auf großen internationalen Bühnen wie auch an mittleren Theatern wie Bielefeld 1986 (Koch-Dew), Mannheim 2007 (Kober-Horres) oder Wiesbaden 2014 (Hamar-Laufenberg) anzutreffen. Ein Grund dafür mag sein, dass Hofmannsthals cineastische Bühnenanweisungen dank digitaler Technologien heute besser umzusetzen sind als zur Entstehungszeit des Werkes.[1]

Bearbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1946, drei Jahre vor seinem Tod, entschloss sich Strauss, aus der Oper eine Orchesterfantasie auszukoppeln, die die Höhepunkte der Musik zusammenfasst. Die Partitur wurde am 30. Mai 1946 in Ouchy (Schweiz) abgeschlossen. Strauss widmete das einsätzige Werk Manfred Mautner Markhof, einem österreichischen Kunstmäzen. Die Orchesterphantasie wurde am 26. April 1947 im Wiener Konzerthaus-Saal von Karl Böhm uraufgeführt.

Besetzung der Uraufführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rolle Stimmlage Dirigent
(Franz Schalk)
Der Kaiser Tenor Karl Aagard Østvig
Die Kaiserin Hoher dramatischer Sopran Maria Jeritza
Die Amme Dramatischer Mezzosopran Lucie Weidt
Barak, der Färber Bassbariton Richard Mayr
Die Färberin Hoher dramatischer Sopran Lotte Lehmann
Der Einäugige Hoher Bass Viktor Madin
Der Einarmige Bass Julius Betetto
Der Bucklige Hoher Tenor Anton Arnold
Geisterbote Hoher Bariton Josef von Manowarda
Stimme des Falken Sopran Felicie Hüni-Mihacsek
Die Stimme des Jünglings Hoher Tenor
Hüter der Schwelle des Tempels Sopran oder Countertenor Sybilla Blei
Stimme von oben Alt Maria Olczewska

Inszenierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufnahmen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Die Frau ohne Schatten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bryan Gilliam: Der Rosenkavalier – Ariadne auf Naxos – Die Frau ohne Schatten. In: Richard Strauss Handbuch. Hrsg. von Walter Werbeck. J. B. Metzler, Stuttgart und Weimar und Bärenreiter, Kassel 2014, ISBN 978-3-476-02344-5, S. 183–211
  2. San Francisco Opera Performance Archive