Haard

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Dieser Artikel befasst sich mit dem nordrhein-westfälischen Waldgebiet Haard. Für den Ortsteil von Nüdlingen (Unterfranken, Bayern) siehe Haard (Nüdlingen). Für ähnliche Namen siehe Hardt (Begriffsklärung).
Haard
Karte der Haard

Karte der Haard

Höchster Gipfel Stimberg (156,9 m ü. NHN)
Lage Kreis Recklinghausen, Nordrhein-Westfalen
Teil der Halterner Berge, Westmünsterland
Einteilung nach Bundesanstalt für Landeskunde, BfN
Haard (Regionalverband Ruhr)
Haard
Koordinaten 51° 41′ N, 7° 13′ OKoordinaten: 51° 41′ N, 7° 13′ O
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Die Haard ist eine etwa 55 km² große und bis 156,9 m ü. NHN[1] hoch gelegene Hügellandschaft aus Sandstein im Naturpark Hohe Mark-Westmünsterland (Nordrhein-Westfalen) im Norden des Kreises Recklinghausen.

Die Haard ist Untereinheit der naturräumlichen Haupteinheit Westmünsterland der Haupteinheitengruppe Westfälische Bucht. Sie wird zusammen mit den Einheiten Hohe Mark (mit Rekener Kuppen) (nordwestlich jenseits der Lippe) und Borkenberge (nordöstlich jenseits von Lippe und Stever) auch unter der Bezeichnung Halterner Berge zusammengefasst.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Haard, die einen Umfang von etwa 30 km hat und nahezu unbebaut ist, erstreckt sich am Nordrand des Ruhrgebiets im Kreis Recklinghausen, etwa 9 km nordnordöstlich der Kreisstadt (je von Zentrum zu Zentrum) zwischen Haltern am See im Norden, Datteln im Osten, Oer-Erkenschwick im Süden sowie Marl im Westen. Sie liegt südöstlich des Waldgebiets Hohe Mark, südsüdwestlich der Borkenberge und östlich der A 43.[3]

Naturräumliche Zuordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Haard bildet in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Westfälische Bucht (Nr. 54) und in der Haupteinheit Westmünsterland (544) die Untereinheit Haard (544.7). Ihre Landschaft fällt nach Nordosten bis Norden in den Naturraum Flaesheimer Terrassen (544.62) ab, der zur Untereinheit Halterner Tal (544.6) zählt, und nach Westen in den Naturraum Drewer Sandplatten (544.81), der zur Untereinheit Dorstener Talweitung (544.8) gehört. Nach Süden fällt sie in die Naturräume Erkenschwicker Tal (543.14) und Sinsener Flachwellen (543.13) ab und nach Südosten in den Naturraum Bockumer Hügelwellen (543.12), die in der Haupteinheit Emscherland (543) zur Untereinheit Oer-Waltroper Flachwellen (543.1) gehören.[4]

Erhebungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Erhebungen der Haard gehören, sortiert nach Höhe:[1]

  • Stimberg (156,9 m; mit markanter Sandsteinfelsformation und ehemaligem militärischem Richtfunkturm) − nördlich von (Klein-)Erkenschwick
  • Rennberg (gut 138 m; mit Feuerwachturm) − südlich von Flaesheim
  • Farnberg (136,4 m; mit Feuerwachturm) − nordnordwestlich des Stimbergs
  • Küsberg (133,0 m) − äußerster Südosten, östlich des Stimbergs, im Gebiet des Stadtteils Rapen
  • Finkenberg (132,0 m) − südsüdwestlich von Flaesheim
  • Schlittenberg (127,4 m) − südliche Randhöhe, unmittelbar nördlich von Oer und innerhalb des Stadtteils
  • Weseler Berg (125,7 m) − etwa im Zentrum der Haard
  • Schwarzer Berg (123,9 m) − nordnordöstlich von Sinsen (Marl)
  • Dachsberg (122,6 m) − südlich von Flaesheim
  • Scharpenberg (113,3 m) − nordöstlich von Sinsen, unmittelbar westlich des Schwarzen Bergs
  • Hammerberg (105,4 m) − südsüdwestlich von Bossendorf
  • Kibitzberg (104,0 m; bis 2011 mit Feuerwachturm) − südlich von Bossendorf
  • Eggenberg (77 m) − südsüdöstlich von Bossendorf

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwartensandstein

Die Haard entstand während der Eiszeit; Näheres siehe Naturpark Hohe Mark-Westmünsterland.

Am Stimberg gibt es Felsbänke aus Sand, bei dem eine Mischung von Kieselsäure und farbigen Eisenverbindungen zur Zementation führte, so dass er zum sogenannten Schwartensandstein geworden ist. Die Eisensandsteine enthalten bis zu 30 % Eisen.[5]

Im Tal, das nördlich an die Haard grenzt, fließt die Lippe entlang des Wesel-Datteln-Kanals nach Westen. Dort befinden sich auch die vom Lippe-Zufluss Stever durchflossenen Stillgewässer Halterner Stausee und Talsperre Hullern.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wanderertreffpunkt: das Häuschen von Jans Boms Steen

Die gänzlich bewaldete Haard ist neben der benachbarten Hohen Mark das größte zusammenhängende Waldgebiet am Nordrand des Ruhrgebiets, das außerhalb der Besiedelung sonst aus Feldern, Wiesen und auch Mooren besteht.

Die Haard ist nahezu unbesiedelt. Es gibt lediglich die Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, die sogenannte Haardklinik in Marl-Sinsen, zwei Wetterschächte der Deutschen Steinkohle AG, einen Sandgewinnungsbetrieb (Baggersee), einen Forsthof und mehrere Gaststätten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Haard wird nur von einer größeren Verbindungsstraße, der Landesstraße 551, durchquert. Der Rhein-Haard-Express verkehrt täglich im Stundentakt zwischen Münster Hbf und Düsseldorf Hbf; bis Essen Hbf ist die Verbindung durch die Linie RB 42 zu einem Halbstundenrhythmus verdichtet. Nächstliegende Station ist Marl-Sinsen.

Die Haard verfügt über zahlreiche Wander- und Reitwege.

Aussichtsmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Rennberg steht einer der beiden Feuerwach- und Aussichtstürme der Haard, auf dem Farnberg der andere. Bei guter Fernsicht bietet sich von dort aus ein Panorama, das vom Teutoburger Wald bis zum Niederrhein und von den Baumbergen bis ins Bergische Land und Sauerland reicht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruno Oelmann, Rolf Sonderkamp: Auf krummen Touren durch die Haard. Der Haard-Führer. Klartext Verlag, Essen 2008 (2. Aufl. 2010), ISBN 978-3-89861-996-7.
  • Bruno Oelmann: Meine allerschönste Wanderfahrt. Chronik des Haardwaldes. Verlag Rudolf Winkelmann, Recklinghausen 2000, ISBN 3-921052-75-0.
  • Verein Wanderlust in Recklinghausen (Hg.): Haardführer. Von Recklinghausen durch die Burg und durch die Haard. Verlag F. Werres, Recklinghausen, 2. Aufl. 1918.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise)
  2. Emil Meynen, Josef Schmithüsen (Herausgeber): Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen/Bad Godesberg 1953–1962 (9 Lieferungen in 8 Büchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960).
  3. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise) – Kartendienst „Schutzgebiete“ macht die Grenzen der Haupteinheitengruppe („Naturräume“) und der Haupteinheiten sowie Gemeindegrenzen einblendbar, der etwas gröbere Kartendienst „Landschaften“ unterteilt die Naturräume noch etwas feiner.
  4. Wilhelm von Kürten: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 95/96 Kleve/Wesel. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1977. → Online-Karte (PDF; 6,9 MB)
  5. Bruno Oelmann: Meine allerschönste Wanderfahrt. Chronik des Haardwaldes, 2000 (siehe Abschnitt Literatur), S. 21.