Die Harmonie der Welt

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Werkdaten
Titel: Die Harmonie der Welt
Form: Durchkomponiert
Originalsprache: Deutsch
Musik: Paul Hindemith
Libretto: Paul Hindemith
Uraufführung: 11. August 1957
Ort der Uraufführung: München
Spieldauer: ca. 4 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Prag, Württemberg, Linz, Sagan und Regensburg zwischen 1608 und 1630
Personen

Die Harmonie der Welt ist eine Oper in fünf Akten von Paul Hindemith, der nicht nur die Musik schrieb, sondern auch sein eigener Librettist war. Das Werk erlebte seine Uraufführung am 11. August 1957 am Prinzregententheater in München. Am Pult stand der Komponist. Neben der Oper, die diesen Namen trägt, existiert auch eine Sinfonie gleichen Namens aus dem Jahr 1951 des gleichen Komponisten.

Orchester[Bearbeiten]

Zwei Flöten, drei Oboen, drei Klarinetten, drei Fagotte, vier Hörner, zwei Trompeten, vier Posaunen, eine Pauke, ein Schlagzeug, eine Harfe und 40 Streicher. Für die Bühnenmusik werden sieben Holzbläser, vier Blechbläser, drei Streicher und ein Schlagzeug benötigt.

Bühnenbilder[Bearbeiten]

  • Erster Akt – Bild 1: Straße in Prag, Bild 2: Ein Friedhof bei Nacht in Württemberg, Bild 3: Auf der Prager Burg, Bild 4: Ein Zimmer in Keplers Haus in Prag
  • Zweiter Akt – Bild 5: Platz in Prag, Bild 6: Arkadenhof des Landhauses in Linz, Bild 7: Garten des Starhemberger Schlosses, Bild 8: Wirtshausgarten
  • Dritter Akt – Bild 9: Keplers Haus in Linz, Bild 10: Güglingen in Württemberg
  • Vierter Akt – Bild 11: Palais Waldstein zu Prag
  • Fünfter Akt – Bild 12: Sagan in Schlesien, Bild 13: Großer Saal in Regensburg, Bild 14: Barockes Himmelsgemälde mit Thron der Sonne

Handlung[Bearbeiten]

Der verwitwete Johannes Kepler steht als Mathematiker und Astronom im Dienste Kaiser Rudolfs II.. Die Arbeit befriedigt ihn nicht, der Lohn ist mehr als dürftig, und um sein Auskommen zu sichern, stellt er wohlhabenden Bürgern Horoskope. Auch der Feldherr Wallenstein zählt zu seinen Kunden. Wallenstein will wissen, welches Schicksal ihm die Sterne im Laufe des drohenden Krieges vorgeben.

In Linz lernt Kepler seine zweite Frau Susanne kennen. Der gläubige Protestant sieht im Abendmahl lediglich ein Symbol für Leib und Blut Christi, aber keine echte Wandlung von Brot und Wein. Weil er diese Gedanken auch öffentlich vertritt, verbietet ihm die Kirche, weiterhin an dem Sakrament teilzunehmen. Dieser Umstand lastet schwer auf seiner Seele.

Keplers Mutter Katharina wird als Hexe angeklagt. Sechs Jahre lang muss der Sohn kämpfen, bis es ihm schließlich gelingt, sie vor dem Tod auf dem Scheiterhaufen zu bewahren.

Keplers Lehre von den Himmelskörpern und ihren Bahnen wird nicht nur von seiner Frau und seiner Mutter bewundert, er wird auch von seinen Schülern hoch geschätzt. Von den Schülern wird sein Gehilfe Ulrich Grüßer abtrünnig, der Kepler die Erfolge neidet.

1627 kommt es zu einer zweiten Begegnung zwischen Kepler und Wallenstein. Der Feldherr bittet ihn, in seine Dienste zu treten und ihm regelmäßig Horoskope zu erstellen. So wird Wallenstein Keplers letzter Brotherr.

Rudolf II. Geist verfinstert sich immer mehr, so dass er noch während des Krieges abgesetzt wird. Sein Nachfolger Ferdinand II. entpuppt sich als Schwächling. Als die Schweden 1630 in das Land einfallen, ruft der Kaiser seine Kurfürsten nach Regensburg. Im Gefolge des Kaisers ist auch der von einer tödlichen Krankheit gezeichnete Kepler. Kepler versucht, auf die Politik warnend Einfluss zu nehmen – vergebens. In sein Schicksal ergeben stirbt er.

Das letzte Bühnenbild zeigt ein barockes Himmelsgemälde mit dem Thron der Sonne. Fast alle Figuren der Oper stellen Himmelskörper dar, so der Kaiser die Sonne, Johannes Kepler die Erde, Wallenstein den Jupiter, Tansur den Saturn, Ulrich Grüßer den Mars, Keplers Frau die Venus, Daniel Hizler den Merkur und Keplers Mutter den Mond. Sie alle ziehen ihre von der Natur (oder von Gott) vorgegebenen Bahnen in einer musikalischen Harmonie der Welt.

Musik[Bearbeiten]

Im Vergleich mit seinen Opern „Cardillac“ und „Mathis der Maler“ war Hindemith hier nicht mehr auf der Höhe seiner Schaffenskraft, weshalb „Die Harmonie der Welt“ heute kaum mehr aufgeführt wird. Dennoch gelangen dem Komponisten einige kraftvolle Szenen mit musikalischer Wucht, so vor allem bei der Schilderung des Hexenprozesses mit der verbissenen Eindringlichkeit der Chöre, beim Kurfürstentag in Regensburg und in der Schlussszene, dem krönenden Höhepunkt des Werkes: In einer groß angelegten Passacaglia klingt das Werk in strahlendem E-Dur aus. Die Musik wirkt dabei barock und modern zugleich.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hellmuth Steger, Karl Howe: Opernführer, Fischer Bücherei, Taschenbuch Nr. 49, Frankfurt am Main 1961.
  • Simon Haasis: Mathis - Hindemith - Kepler. Zur (Be-)Deutung des Opernschaffens Paul Hindemiths zwischen 1929 und 1957 vor dem Hintergrund der Phantasie einer "musica mundana", Diplomarbeit Universität Wien 2011.

Weblinks[Bearbeiten]