Die Insel der Fruchtbarkeit

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Die Insel der Fruchtbarkeit (Originaltitel englisch „The Isle of Pines“) ist eine 1668 veröffentlichte Schiffbruchserzählung, Dystopie und frühe Robinsonade von Henry Neville.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buch ist politisch beeinflusst, denn Neville war ein gegnerischer House of Stuart-Republikaner und als ein im Exil lebender Zeitgenosse war er sich den sozial-politischen Anliegen des 17. Jahrhunderts bewusst. Die Inselerzählung ist umrahmt von niederländischen Entdeckern, welche besser organisiert und ausgerüstet waren als die englischen Auswanderer drei Generationen früher. Die niederländischen Entdecker müssen eine kleine englische Kolonialnation vor dem Chaos retten. Es ist interessant zu bemerken, dass dieses Buch am Ende des Zweiten Englisch-Niederländischen Krieges geschrieben wurde.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es beschreibt die Geschichte von diesen schiffbrüchigen – den britischen George Pine und vier weiblichen Überlebenden, die auf einer idyllischen Insel gestrandet sind. Pine findet heraus, dass die Insel durch geringe Anstrengung reichlich Nahrung produziert. Kurze Zeit später geniesst er ein Leben mit viel Freizeit und unterhält eine offene Beziehung zu allen vier Frauen. Jede dieser Frauen gebiert Babys, welche nun zu eigenen Stämme anwachsen und die Pine als Patriarch anerkennen. Eine der Frauen, eine schwarze Sklavin gründet mit Ihren Kindern einen Stamm, welcher „Phills“ genannt wird. Dieser Stamm lehnt die Anwendung von Gesetzen, Regeln und die Bibel ab, welche benötigt wird um eine soziale Ordnung zu schaffen. Schliesslich vergewaltigt einer des Phills-Stamms eine Frau des Stark-Stamms und entfacht so einen Bürgerkrieg. Nun kommen einige niederländische Entdecker und bringen dem Stark-Stamm Waffen, welche benötigt werden, um den Aufstand niederzuschlagen. Die Erzählung ist aus dem Standpunkt der niederländischen Entdeckern geschrieben und beginnt mit ihrer Ankunft und der „Entdeckung“ einer primitiven weissen Englisch sprechenden Rasse. Die Entdecker stellen fest, dass die Insulaner Ur- und Grossenkel von George Pine sind und dass nur in drei Generationen ihre technologischen und industriellen Vorteile ihrer britischen Herkunft verloren haben. Die Niederländer finden heraus dass die Engländer stumpfe Äxte besitzen, die nie geschliffen wurden. Die Insel selber ist so ergiebig bezüglich der Nahrung und Fauna, dass die Insulaner ihre neugeborenen Babys ohne Bedenken nackt sein lassen.

Literarische Betrachtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während die Nahrung in Hülle und Fülle vorhanden ist, stellt der Erzähler Fragen bezüglich der Faulheit und Abhängigkeit der Natur. Es werden auch Fragen aufgeworfen, wie der Roman einer utopischen Literatur entspricht. Gleichzeitig ist eine Umkehrung der üblichen Muster zu beobachten. Anstelle einer fortschrittlichen Gesellschaft, von welcher der Reisende lernen kann, entdeckt der niederländische Entdecker eine primitive Inselrasse, welche Unterstützung in einem Bürgerkrieg sucht. Obwohl die Insel anfänglich als Paradis einer sexuellen Freiheit und idyllischer Freizeit beschrieben wird. Die Geschichte ist eine Dystopia, eine Rückentwicklung in einen primitiven, kritischen und unproduktiven Zustand. Der Mangel an Kreativität und Industrie verschärft sich, da sich die Insulaner viele Kinder haben und nach drei Generationen eine grosse Population hinterlassen ohne wissenschaftliche oder künstlerische Entwicklungen durchlaufen zu haben. Einige Literaturexperten vermuten, dass der Name Pines ein mögliches Anagramm von Penis ist, hinweisend auf die sexuelle Hauptbeschäftigung der frühen Siedler.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Worthington Chauncey Ford: The Isle Of Pines (1668). An Essay in Bibliography. Dodo Press, New York 2007, ISBN 978-1-4065-4979-9. (Nachdr. d. Ausg. Boston, Mass. 1920).
  • Jürg Glauser: Die textuelle Dynamik der Polygamie. Zur Zirkulation fiktionaler Energie in der frühneuzeitlichen Erzählung: Das Beispiel des Joris Pines im skandinavischen 17. und 18. Jahrhundert. In: Annegret Heitmann, Jürg Glauser (Hrsg.): Verhandlungen mit dem New Historicism. Das Text-Kontext-Problem in der Literaturwissenschaft. Verlag Königshausen und Neumann, Würzburg 1999, ISBN 3-8260-1436-7, S. 273-301.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]