Die Kartause von Parma (Film)

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Filmdaten
Deutscher TitelDie Kartause von Parma
OriginaltitelLa Chartreuse de Parme
ProduktionslandFrankreich, Italien
OriginalspracheFranzösisch
Erscheinungsjahr1948
Länge170 / 105 (gekürzte dt. Fassung) Minuten
AltersfreigabeFSK 12
Stab
RegieChristian-Jaque
DrehbuchChristian-Jaque,
Pierre Jarry,
Pierre Véry
ProduktionAndré Paulvé
MusikRenzo Rossellini
KameraNicolas Hayer
SchnittJacques Desagneaux
Besetzung
Synchronisation

Die Kartause von Parma (Originaltitel: La Chartreuse de Parme) ist eine italienisch-französische Verfilmung des gleichnamigen Romans (1839) von Stendhal aus dem Jahr 1948.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der junge Adelige Fabrizio del Dongo kehrt nach einem vierjährigen Theologiestudium nach Parma zurück. Unterwegs trifft er auf Ferrante Palla, einen zum Tode verurteilten Arzt aus Mailand, der gegen die dort herrschende Tyrannei aufbegehrt hatte. Er konnte jedoch fliehen und zieht nun als Räuber durch die Wälder. Ferrante zeigt auf den Turm Farnese, das Gefängnis von Parma, und meint, der dort herrschende Fürst Ernesto IV. sei ein Tyrann. Fabrizios vielfach umschwärmte Tante, Gräfin Gina Sanseverina, bei der Fabrizio aufgewachsen war, erwartet derweil sehnlichst die Rückkehr ihres Neffen. Sie liebt ihn über alles und ist glücklich, ihn wiederzusehen. Sie führt ihn umgehend in die Gesellschaft ein und weicht nicht mehr von seiner Seite. Parmas Premierminister, Graf Mosca, der ihr schon seit längerem den Hof macht, reagiert eifersüchtig und beneidet Fabrizio zudem um dessen Jugend.

Fürst Ernesto, der einen Aufstand von Rebellen fürchtet, lässt zu seinem Geburtstag einen Empfang veranstalten. Er begehrt die frühzeitig verwitwete Gräfin und bedauert, dass sie ihm bisher widerstanden hat. Mit einem anonymen Brief versucht Ernesto, Graf Mosca gegen Fabrizio – ihren gemeinsamen Rivalen um die Gunst der Gräfin – aufzuwiegeln. Fabrizio umgarnt derweil Fausta, eine junge verheiratete Frau. Als ihn Faustas gehörnter Ehemann vor den Bürgern der Stadt lächerlich macht, fordert Fabrizio den Ehemann zum Duell und geht dabei als Sieger hervor. Kurz darauf bändelt Fabrizio mit der Schauspielerin Marietta an. Als sie gemeinsam mit einer Kutsche ausfahren, lauert ihnen Mariettas Ehemann Gilletti auf. Beim darauffolgenden Kampf läuft Gilletti in ein Messer, das Fabrizio in der Hand hält, und stirbt. Als sich eine Kutsche nähert, entschließen sich Fabrizio und Marietta über die Grenze nach Österreich zu fliehen. Beim Versuch, durch den Grenzfluss zu schwimmen, wird Fabrizio von Soldaten festgenommen. Als er in den Turm Farnese gebracht wird, begegnet er Clelia, der Tochter von General Conti. Weil er die Rechtschaffenheit der örtlichen Richter infrage stellt, wird Fabrizio zu 20 Jahren Haft verurteilt. Von seiner Gefängniszelle aus kann er das Haus von General Conti sehen. Sein einziger Trost wird es, die liebreizende Clelia dort Tag für Tag zu beobachten.

Fürst Ernesto ist bereit, Fabrizio freizulassen, wenn die Grafin seine Geliebte wird. Doch diese weist ihn erneut zurück. Der ehrgeizige Polizeichef Rassi heckt unterdessen einen Plan aus. Der Gefängniswächter Grillo soll Fabrizio vergiften und es aussehen lassen, als sei Fabrizio an einer Krankheit gestorben. Rassi verspricht sich davon, dass die Gräfin und Graf Mosca Parma in der Folge verlassen und das Amt des Premierministers endlich für ihn frei wird. Grillo, der bemerkt hat, dass sich Fabrizio und Clelia ineinander verliebt haben, zeigt jedoch Mitgefühl und erklärt sich bereit, zwischen Fabrizio und Clelia Liebesbotschaften zu übermitteln. Als Ferrante Palla auf dem Marktplatz Parmas zum Sturz Ernestos aufruft und von Soldaten verfolgt wird, springt er spontan in die Kutsche der Gräfin. Weil diese Ernesto ebenfalls hasst, bittet sie Graf Mosca, Ferrante Palla bei sich zu verstecken.

Clelias Vater, General Conti, stellt derweil seiner Tochter ein Ultimatum: Entweder sie heiratet den vermögenden Marchese Crescenzi oder sie geht ins Kloster. Clelia ist bereit, einem Orden beizutreten, ändert dann jedoch ihren Entschluss, als die Gräfin sie darum bittet, bei der Befreiung Fabrizios behilflich zu sein. Während der Verlobungsfeier Clelias und Crescenzis veranlasst die Grafin, dass General Conti etwas ins Glas gemischt wird. Als Conti ohnmächtig wird, eilt Ferrante Palla herbei und bringt ihn nach Hause. Dort übergibt Ferrante Clelia ein Kissen, in dem ein Seil und eine Feile für Fabrizio versteckt sind. Grillo, der nichts von der geplanten Befreiungsaktion ahnt, arrangiert ein Treffen von Clelia und Fabrizio in der Gefängniskapelle. Dort weiht Clelia Fabrizio in den Plan ein. Während einer Feier anlässlich des Wiederantritts ihres genesenen Vaters gelingt Fabrizio die Flucht.

In Como angekommen, bedauert Fabrizio seine Flucht, weil er Clelia nun nicht mehr sehen kann. Als ihm die Gräfin aus Eifersucht mitteilt, dass Clelia den Marchese Crescenzi heiraten werde, reist Fabrizio zurück nach Parma. Ehe er dort eintrifft, ist Clelia bereits vermählt. Crescenzi, der sie sehr liebt, möchte ihr Zeit geben, sich ihm voll und ganz hinzugeben, und reist noch am Hochzeitstag ab, um seine weit verstreuten Ländereien zu begutachten. General Conti, der nach Fabrizios Flucht bei Fürst Ernesto in Ungnade gefallen war, lässt Fabrizio festnehmen, als dieser Clelia vor ihrem Haus aufsucht. Nun ist es Clelia, die die Gräfin um Hilfe bittet. Um Fabrizios Freilassung zu bewirken, ist die Gräfin schließlich bereit, Ernestos Avancen nachzugeben. Auf der Straße trifft sie anschließend auf Ferrante, der ihr zuvor seine Liebe gestanden hatte. Er ahnt, welchen Preis die Gräfin für Fabrizio gezahlt hat. Nach dessen Freilassung ersticht Ferrante Ernesto beim Morgenappell, was einen Aufstand der Rebellen zur Folge hat. Ferrante wird von Soldaten getötet, Grillo wiederum wird von einer wütenden Menge niedergeschlagen. Polizeichef Rassi nutzt die Unruhen, um sich von Ernestos Witwe Marie Louise zum Baron und Premierminister ernennen zu lassen. Clelia, mit der Fabrizio fern von Parma ein neues Leben anfangen will, ist entschlossen, nicht mit ihm zu gehen. Nachdem sie sich geliebt haben, reist sie zu Crescenzi nach Bologna. Die Gräfin wiederum reist nach Neapel und Fabrizio lebt fortan in der Kartause von Parma.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten fanden von April bis September 1947 in Rom, Mailand und in Como am Comer See statt. Als Filmarchitekt trat Jean d’Eaubonne in Erscheinung, die Kostüme entwarf Juri Pawlowitsch Annenkow. Hauptdarstellerin Renée Faure, die mit dem Film ihren Durchbruch schaffte, und Regisseur Christian-Jaque waren seinerzeit miteinander verheiratet.

Die Premiere des Films erfolgte 1948 beim Internationalen Filmfestival von Locarno.[1] Mit mehr als sechs Millionen Zuschauern war Die Kartause von Parma in Frankreich der erfolgreichste Film des Jahres.[2] Am 19. Oktober 1949 kam die Literaturverfilmung in die bundesdeutschen Kinos in einer um mehr als 60 Minuten gekürzten Fassung. In den Kinos der DDR lief der Film am 4. Dezember 1953 an. Erstmals im deutschen Fernsehen wurde er am 13. April 1964 auf DFF 1 gezeigt. Im Jahr 2016 erschien der Film auf DVD.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lexikon des internationalen Films befand, dass die „Verfilmung von Stendhals Meisterwerk der französischen Romantik […] mit ambitionierten Darstellern und hervorragender Fotografie“ realisiert worden sei. „[D]ie Tiefe der Vorlage“ werde „jedoch nur in wenigen Augenblicken erkennbar“, weshalb der Film „letztlich ein sauber konstruierter Kostümfilm mit einigen religiösen Mißdeutungen“ bleibe.[3] Der Spiegel schrieb 1949, dass sich im Film del Dongos Liebe zu Clelia „eigensinnig durch das Dickicht einer aufregenden Handlung“ ziehe. Dabei kämen „Degen und Dolch, Opium und Arsen, Galgen, Pulver und Blei […] zweckentsprechend zur Anwendung“.[1]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Internationalen Filmfestival von Locarno wurde Die Kartause von Parma 1948 mit fünf Preisen bedacht. Zwei erste Preise gingen an die Schauspielerinnen Renée Faure und Maria Casarès.[1] Die Kameraarbeit von Nicolas Hayer wurde ebenfalls mit einem ersten Preis prämiert. Gérard Philipe erhielt für seine darstellerische Leistung einen zweiten Preis hinter US-Schauspieler Victor Mature.

Deutsche Fassungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine gekürzte bundesdeutsche Synchronfassung entstand 1949 bei der Internationalen Film-Union (IFU). Für das Dialogbuch und die Synchronregie war Ela Elborg zuständig.[4][5] In den 1980er Jahren strahlte das Fernsehen der DDR die ungekürzte Fassung aus, die dafür vom DEFA-Studio für Synchronisation 1986 neu synchronisiert wurde. Dialogbuch und -regie übernahm dabei Irene Mahlich.[6] Statt der Originalmusik wurden bei dieser Fassung Archivstücke (vorrangig von Prokofiew) verwendet.

Rolle Darsteller Synchronsprecher BRD 1949 Synchronsprecher DDR 1986
Clelia Conti Renée Faure Christine Mylius Ulrike Mai
Polizeichef Rassi Lucien Coëdel Lutz Riemann
Fürst Ernesto IV. Louis Salou Wolfgang Eichberger Paul Arenkens
Gräfin Gina Sanseverina Maria Casarès Tina Eilers Roswitha Hirsch
Fabrizio del Dongo Gérard Philipe Peer Schmidt Joachim Siebenschuh
Graf Mosca Tullio Carminati Herbert Gernot Ezard Haußmann
General Conti Aldo Silvani Martin Rosen Gerd Ehlers
Marietta Maria Michi Hellena Büttner
Marchese Crescenzi Claudio Gora Heinz Drache Peter Hladik
Grillo Louis Seigner E. O. Fuhrmann Hans-Joachim Hanisch
Ferrante Palla Attilio Dottesio Jaecki Schwarz
Gilletti Enrico Glori Karl Sturm
Botschafter Rudolf H. Neuhaus Jörg Knochée
Moscas Spion Claudio Ermelli Klaus Mertens

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Sechzehnender der Leinwand. In: Der Spiegel, 13. Oktober 1949.
  2. vgl. filmsdefrance.com
  3. Die Kartause von Parma. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 2. März 2017.
  4. vgl. synchrondatenbank.de (Memento des Originals vom 5. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.synchrondatenbank.de
  5. Die Kartause von Parma – BRD 1949. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei, abgerufen am 10. August 2018.
  6. Die Kartause von Parma – DDR 1986. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei, abgerufen am 10. August 2018.