Die Kleinen und die Bösen

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Film
OriginaltitelDie Kleinen und die Bösen
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2015
Länge 94 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
Stab
Regie Markus Sehr
Drehbuch Xaõ Seffcheque,
Martin Ritzenhoff
Produktion Christine Kiauk,
Herbert Schwering
Musik Paul Eisenach,
Ryan Robinson
Kamera Leah Striker
Schnitt Dirk Oetelhoven
Besetzung

Die Kleinen und die Bösen ist ein deutscher Spielfilm unter der Regie von Markus Sehr. Der Kinostart war am 3. September 2015.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bewährungshelfer Benno, einst mit großen Idealen in den Sozialberuf gestartet, hat sich inzwischen in der Tristesse seines Lebens gemütlich-pragmatisch eingerichtet. Seinen Klienten Hotte betreut er schon eine gefühlte Ewigkeit und gibt sich keinerlei Illusionen mehr hin. Denn Hotte ist nicht nur Gewohnheitstrinker, sondern auch Gewohnheitskrimineller: Ob Einbruch, Betrug, Diebstahl oder Nötigung, mit seiner cholerischen und unbelehrbaren Art taumelt er von einer Katastrophe in die nächste. Als diese tickende Zeitbombe unverhofft das Sorgerecht für seine zwei Kinder Dennis und Jenny zugesprochen bekommt, ist Benno zwar klar, dass das nicht gut gehen kann. Aber was soll er schon tun? Lauter hoffnungslose Fälle! So bleibt es zunächst nur bei einem sehr halbherzigen Versuch, die Jugendamt-Mitarbeiterin Pohl davon zu überzeugen, die beiden Teenager in eine betreute Wohngruppe zu geben.

Hotte will ohnehin nichts davon wissen. Er entscheidet sich, das Sorgerecht anzunehmen, und zieht zu seinen Kindern in die bequeme Wohnung der gerade verstorbenen Oma. Dass er sie seit der Geburt nicht mehr gesehen hat, ist ihm gleich – Hartz IV plus Kinder- und Wohngeld sind für ihn Argumente genug. Als kurz darauf Dennis tödlich verunglückt, hat Benno den Verdacht, dass Hotte seinen Sohn bei einem Diebeszug „anlernen“ wollte. Hotte bestreitet das heftig. Und obwohl er in den nächtlichen Unfall irgendwie verstrickt ist, ist er ausnahmsweise wirklich mal nicht schuld – was man ihm aufgrund seiner Biografie kaum glaubt.

Für Benno ändert der Vorfall jedoch alles. Er gibt sich die Mitschuld an Dennis Tod. Und in ihm erwacht etwas, was er längst verloren glaubte: Er beginnt, sich für andere einzusetzen, und will Jenny unbedingt Hottes Einfluss entziehen. Da Jugendamt-Mitarbeiterin Pohl stur bleibt, sieht Benno nur einen Ausweg, um das Mädchen vor ihrem Vater zu retten: Er stellt Hotte eine Falle, um ihn wieder in sein zweites Zuhause einquartieren zu lassen – den Knast.

Benno überschreitet dabei seine beruflichen wie moralischen Kompetenzen. Folgerichtig geht sein Plan schief und er setzt Dinge in Bewegung, die er nicht mehr kontrollieren kann. Als er Jenny übergangsweise bei sich zu Hause einquartiert, reagiert seine Freundin Tanja ausgesprochen ungehalten – sie stellt sich ihren Familienzuwachs anders, nämlich klassisch selbstproduziert vor. Hätte Benno ihr bloß mal etwas früher von seiner Unfruchtbarkeit erzählt. Der Haussegen hängt mächtig schief. Und dann verknallt sich Jenny auch noch in Ivic, einen kosovarischen Nachwuchskriminellen und ebenfalls Klient von Benno.

In dieser chaotischen Situation findet Benno Trost bei Anabell, der portugiesischen Kellnerin aus seiner Stammkneipe, deren feminin-fragile Erscheinung ihn anzieht und deren Lebensmut und Optimismus ihm gut tut. Und Unterstützung kann er gebrauchen, denn Hotte durchschaut Bennos Plan und nimmt den Kampf um seine Tochter auf. Womit er selbst kaum gerechnet hätte: Bei ihm stellen sich langsam tatsächlich so etwas wie Vatergefühle ein. Zusammen mit Ivic plant er einen großen Coup, um sich danach mit dem erbeuteten Geld und Jenny nach Mallorca abzusetzen. Blöd nur, dass Jenny bei diesem Plan plötzlich nicht mehr mitspielen mag.

Als Benno schließlich die Chance bekommt, sich die erbeutete Kohle selbst unter den Nagel zu reißen, muss er die schwierigste Entscheidung seines Lebens treffen. Doch weil aus dem desillusionierten, zynischen Beamten mittlerweile ein Benno geworden ist, der wieder an etwas glaubt, gelingt es ihm sogar, nicht nur sein eigenes Leben – einigermaßen zumindest – zum Guten zu wenden. So findet er sich am Ende mit einem Strandrestaurant auf den Azoren wieder. Sogar sein Traum von einer Familie ist zwar irgendwie wahr geworden, nur eben ganz anders, als er sich das vorgestellt hatte: Er ist umgeben von einer Patchworkfamilie aus mehr oder weniger hoffnungslosen Fällen: Anabell mit ihrer behinderten Tochter Inez, Jenny und sogar der verrückte Ivic sind dabei. Und das Pulverfass mit der ganz kurzen Lunte – Hotte. Die Sozialarbeit für Benno geht weiter.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Autoren Xaõ Seffcheque und Martin Ritzenhoff orientierten sich laut eigenen Aussagen stilistisch als auch inhaltlich einerseits am italienischen Neoverismo (Die Schmutzigen, die Häßlichen und die Gemeinen), zum anderen an der modernen britischen Social Tragic Comedy (Brassed Off – Mit Pauken und Trompeten, Mein Name ist Joe). Sie entwickelten das Drehbuch bereits 2004, fanden aber weder Finanziers noch unterstützende Fernsehsender. Auch mit der Besetzung der Rollen und der Regie gab es erhebliche Probleme für den Produzenten Herbert Schwering: Neben der streckenweise gewagten Mischung aus ernsten bis brutalen und komödiantischen Elementen, der teilweise extremen Charakterzeichnung und der oftmals schmutzigen Slang-Sprache, war es vor allem der für einen deutschen Film eher ungewöhnliche Genre-Crossover, und hier wiederum besonders der abrupte Tod des noch nicht sechzehnjährigen Dennis, der etliche Produzenten, Geldgeber, Verleiher, Schauspieler und Redaktionen abschreckte. Erst als Christoph Maria Herbst 2012 für die Hauptrolle zugesagt hatte, ging es voran: Nachdem das Bundeskultusministerium, das auch schon das Drehbuch gefördert hatte, eine Anschubfinanzierung gewährte, stieg auch die Film- und Medienstiftung NRW mit ein. Nordmedia und DFFF kamen hinzu, der WDR, vor allem jedoch Arte als Co-Produzenten vervollständigten schließlich die Unterstützer-Riege. Nach der kurzfristigen Absage von Axel Prahl entschied sich Regisseur Markus Sehr für Peter Kurth, dessen Interpretation des prollig-bös-verschlagenen Hotte diesem viel Lob einbrachte.

Der Etat lag dennoch nur bei etwa 1,75 Mio. Euro, weshalb der Film in nur 26 Tagen abgedreht werden musste. Dies geschah im Juni und im Juli 2014 in Köln und Hannover sowie im November 2014 auf Teneriffa.

Im Mai 2015 hatte der Film seine Premiere auf dem Filmfest München. Anfang September 2015 kam er, allerdings nur in bescheidener Kopienanzahl, in die deutschen Kinos.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich seiner Premiere auf dem Filmfest München wurde der Film für den FIPRESCI-Preis der Internationalen Filmkritik nominiert, Markus Sehr für die „Beste Nachwuchsregie“ und Emma Bading als „Beste Nachwuchsdarstellerin“.

Markus Sehr wurde für seine Inszenierung für den Deutschen Regiepreis Metropolis nominiert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Die Kleinen und die Bösen. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Juli 2015 (PDF; Prüf­nummer: 153 054 K).