Die Mitte der Welt

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Dieser Artikel behandelt den Roman von Andreas Steinhöfel; für den gleichnamigen Film von 2016 siehe Die Mitte der Welt (Film); für den gleichnamigen Film von 1974 siehe bei Alain Tanner.
Für das Äquatormonument in San Antonio de Pichincha in der ecuadorianischen Provinz Pichincha siehe bei Mitad del Mundo

Die Mitte der Welt ist ein Roman von Andreas Steinhöfel aus dem Jahr 1998. Es ist eine Geschichte über die Probleme des Erwachsenwerdens, Pubertät, Neid und Eifersucht, Freundschaft und (schwule) Liebe. Der Roman wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Das Buch wurde von Alisa Jaffa ins Englische übersetzt und von Jonas Sachwitz bearbeitet (The Center of the World erschienen 2005 in den USA, in Großbritannien veröffentlicht 2006 als Centre of my World). Es ist außerdem ins Dänische (Verdens navle), Niederländische (Het midden van de wereld), Polnische (Środek świata) und Ukrainische (Середина світу) übersetzt worden.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phil wohnt mit seiner Mutter Glass und seiner Zwillingsschwester Dianne in der alten Villa Visible etwas abseits eines Städtchens. Dessen Bewohner haben kaum Kontakt zu der als sonderbar geltenden Familie – die Kinder werden als „Hexenkinder“ bezeichnet. Dianne kann angeblich mit Tieren kommunizieren, lebt sehr zurückgezogen in ihrer eigenen Welt und lässt nur wenige Menschen an ihrem Leben teilhaben. Phils wichtigster Kontakt zur Umwelt ist seine beste Freundin Kat, die Tochter des Schuldirektors, die immer wieder gegen die Verbote ihrer Eltern verstößt, um Phil zu besuchen. Auch die Rechtsanwältin Tereza ist mit der Familie eng verbunden.

Der Roman schildert einerseits das Leben der Familie zu einem Zeitpunkt, als die Kinder 17 Jahre alt sind. Im Zentrum steht zunehmend Phils Liebe zu seinem Mitschüler Nicholas, aber auch ein Geheimnis, welches das Verhältnis zwischen Dianne und der Mutter zerrüttet hat. Anderseits wird in Rückblenden die Vergangenheit der Familie erzählt und dabei in einzelnen Teilkapiteln die Kindheit der Zwillinge Phil und Dianne, das Leben von deren alleinerziehender Mutter Glass, eine Freundin der Mutter – Tereza –, der abwesende Vater sowie ein Onkel als kompensierende Vaterfigur thematisiert.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Es ist die (Kinder-)Perspektive dieser Rückblenden, die dem trockenen Witz des (Kinderbuch-)Autors Steinhöfel Raum gibt, es sind die romantischen Märchenmotive – vom Teich über die schwarze Holzpuppe zum Schloß mit den Königskindern –, die der Übersetzer und Kritiker Steinhöfel einbaut, und es ist der Kunstgriff eines jungen belesenen Autors, mit dem er diese beiden Ebenen zu einem Buch über die Zärtlichkeit des Lesens und das Risiko von Gefühlen verbunden hat.“

Konrad Heidkamp, Die Zeit[1]

„In […] »Die Mitte der Welt« fasziniert von Anfang an ein geheimnisvolles Moll-Thema, eine rätselhafte und doch verführerische Melancholie. [...] Ob er seinen verschollen geglaubten Vater finden wird, erfahren wir nicht, aber wir träumen weiter und hoffen auf eine Fortsetzung dieses Märchens, wir wollen mehr hören von dieser Ballade »in a mellow tone«.“

Fortsetzung Defender – Geschichten aus der Mitte der Welt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In mehreren Kurzgeschichten führt der Autor die Geschichten der handelnden Personen in Defender – Geschichten aus der Mitte der Welt fort.

In der Geschichte „Herbstastern“ geht es um Dennis und seine Geschwister, die aus Herbstastern einen Totenkranz schneiden, für ihren alkoholkranken Vater, welcher zuvor verstorben ist. Dennis hat seinen Auftritt im Buch „Die Mitte der Welt“ bei der „Schlacht am großen Auge“; er ist der Junge, der Dianne mit dem Messer an der Schulter verletzt.

In der Geschichte „Winterlandschaft“ geht es um Kora und ihren kleinen Bruder Tobbel, die gezwungen sind, ein paar Tage in einem Wohnwagen zu verbringen. Ihre Eltern haben einen schrecklichen Streit und glauben, diesen nur in Abwesenheit der Kinder beilegen zu können; die Art der Erzählung lässt die Möglichkeit, dass dadurch die Kinder geschützt werden sollen, nicht zu. Die Zeit im Wohnwagen ist für Kora und Tobbel besonders schwierig, da es Winter ist, Kora mit der Situation überfordert ist und die Kinder sich von ihren Eltern weggeschickt (oder abgeschoben) fühlen. Kora ist im Buch „Die Mitte der Welt“ Diannes einzige Freundin.

In der Geschichte „Die Katze“ erzählt Kat von ihrem Freund Thomas, was sie wirklich für ihn empfindet, ihrem ersten Mal mit ihm, aber auch von ihrer Beziehung zu ihren Eltern und ihrem besten Freund Phil, den sie sehr liebt aber auch weiß, dass sie von ihm nicht dieselbe Liebe erwarten kann. Die Kurzgeschichte hilft ein wenig zu verstehen, warum Kat Phil im Buch „Die Mitte der Welt“ derartig hintergeht.

In der Geschichte „Merle“ geht es um eine tapfere Schülerin, die nicht dem Gruppenzwang unterliegt. Ein neuer Lehrer unterrichtet an ihrer Schule und wird von Merles Mitschülern gemobbt. Nachdem sich Merle einmal daran beteiligt hat, kommen ihr Zweifel an ihrem Handeln und sie nimmt allen Mut zusammen, um ihrem Gewissen Rechnung zu tragen.

Schließlich lernt man auch „Defender“ näher kennen, der eigentlich Johannes heißt und auch in Steinhöfels Buch Der mechanische Prinz einen Gastauftritt hat.

Das Zitat, auf dem Defender aufbaut, stammt aus Charles Dickens’ Roman David Copperfield.

Das Buch wurde ebenfalls für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Verfilmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buch wurde unter der Regie von Jakob M. Erwa verfilmt und kam am 10. November 2016 in die deutschen Kinos. Der Film wurde von Neue Schönhauser Filmproduktion, mojo:pictures und Prisma Film produziert und wird von Universum Film verliehen. Die Verfilmung erhielt verschiedene öffentliche Förderungen. Louis Hofmann übernahm die Hauptrolle des Phil, Jannik Schümann die Rolle des Nicholas und Svenja Jung verkörperte Kat. In weiteren Rollen sind Sabine Timoteo als Glass, Inka Friedrich und Nina Proll als Tereza und Pascal, Ada Philine Stappenbeck als Dianne und Sascha Alexander Geršak als Glass’ neuer Freund Michael.[3][4][5][6]

Literatur und Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Konrad Heidkamp: LUCHS 136: Andreas Steinhöfels Jugendroman "Die Mitte der Welt". zeit.de, 8. Januar 2013, abgerufen am 30. Januar 2013.
  2. http://derstandard.at/2355115/Andreas-Steinhoefel-Die-Mitte-der-Welt
  3. Andreas Steinhöfel: Die Mitte der Welt – Casting. 15. März 2015, abgerufen am 6. Juni 2015.
  4. Filmfonds Wien – Die Mitte der Welt. Abgerufen am 6. Juni 2015.
  5. mojo:pictures. Abgerufen am 6. Juni 2015.
  6. Kulturstaatsministerin Grütters fördert Film- und Drehbuchprojekte mit rund 2 Mio. Euro. 29. Mai 2015, abgerufen am 6. Juni 2015.