Die Planeten

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Die Planeten (englischer Originaltitel: The Planets oder auch The Planets Suite) ist der Titel einer Orchestersuite des englischen Komponisten Gustav Holst. Das Werk trägt die Opuszahl 32. Holst komponierte dieses Stück in den Jahren 1914 bis 1916 für ein großes Sinfonieorchester, im letzten Satz (Neptun, siehe unten) kommt zusätzlich ein sechsstimmiger Frauenchor zum Einsatz. Es handelt sich um spätromantische Programmmusik, die vom Charakter her späterer, großorchestraler Filmmusik ähnlich ist und deren Wirkung auf den Zuhörer vor allem durch die monumentalen Klangeffekte und die Klangfarben des Orchesters entsteht.

Während Die Planeten in der Anglosphäre und besonders in Großbritannien häufig aufgeführt werden, ist das Stück im deutschsprachigen Raum eher selten im Konzertsaal zu hören.

Die Sätze[Bearbeiten]

Die Planeten bestehen im Original aus sieben Sätzen; jeder Satz trägt den Namen eines Planeten unseres Sonnensystems beziehungsweise der römischen Gottheit, nach der der Planet benannt ist. Die Erde ist nicht berücksichtigt, ebenso nicht der Pluto, weil dieser Himmelskörper seinerzeit noch unbekannt war und erst 1930 entdeckt wurde. Im Jahre 2000 wurde dem englischen Komponisten Colin Matthews aufgetragen, für das Hallé-Orchester einen achten Satz zu komponieren, wobei dieser dem damals noch als Planet eingestuften Pluto gewidmet wurde.

Deutscher Titel Englischer Titel Tempobezeichnungen Audio
Mars, der Kriegsbringer Mars, the Bringer of War Allegro
Venus, die Friedensbringerin Venus, the Bringer of Peace Adagio – Andante – Animato – Tempo I
Merkur, der geflügelte Bote Mercury, the Winged Messenger Vivace
Jupiter, der Bringer der Fröhlichkeit Jupiter, the Bringer of Jollity Allegro giocoso – Andante maestoso – Tempo I – Lento maestoso – Presto
Saturn, der Bringer des Alters Saturn, the Bringer of Old Age Adagio – Andante
Uranus, der Magier Uranus, the Magician Allegro – Lento – Allegro – Largo
Neptun, der Mystiker Neptune, the Mystic Andante – Allegretto

Die Spieldauer beträgt zwischen 50 und 60 Minuten. Im Wesentlichen entspricht die Reihenfolge der Sätze der Planetenfolge im Sonnensystem, nur dass Mars und Merkur vertauscht sind.

Erstmals war die Suite am 29. September 1918 in einer privaten Aufführung in der Queen’s Hall in London zu hören; der Dirigent war Adrian Boult. Die öffentliche Uraufführung des gesamten Werkes – vorher wurden nur Teile gespielt – fand unter dem Dirigenten Appleby Matthews am 10. Oktober 1920 in Birmingham statt. Am 11. Mai 2000 wurde das Werk mitsamt dem von Colin Matthews komponierten Stück „Pluto – Der Erneuerer“ aufgeführt.

Thematischer Hintergrund[Bearbeiten]

Das Konzept des Werks ist eher astrologischer als astronomischer Natur. Darum gibt es auch keinen Satz über die Erde. Statt Mond und Sonne kommen die Planeten Uranus und Neptun vor, die in der Antike noch nicht entdeckt worden waren. Clifford Bax gab Holst eine Einführung in die Astrologie und inspirierte ihn damit letztlich zu diesem Werk. Jeder Satz soll Gedanken und Gefühle thematisieren, die mit der entsprechenden römischen Gottheit in Verbindung gebracht werden. Einen weiteren Ausgangspunkt bildete das Buch „Was ist ein Horoskop“ von Alan Leo, dem Holst unter anderem die Inspiration zu den Untertiteln der einzelnen Sätze („The Bringer of...“ etc.) entnahm.

Die Planeten entstand zunächst in einer Fassung für zwei Klaviere, mit der Ausnahme des für eine einzelne Orgel komponierten Neptun, da Holst den Klang des Klaviers als zu hart und direkt für eine derart geheimnisvolle, weit entfernte Welt wie den Neptun empfand. Er instrumentierte die Suite jedoch auch für ein großes Orchester einschließlich Orgel, im letzten Satz (wortlos) begleitet von einem Frauenchor.

Holsts farbenfrohe Instrumentierung zeugt von erheblicher Vorstellungskraft und scheint eher von Kontinentaleuropäern wie Igor Stravinsky beeinflusst zu sein als von britischen Komponisten.

Das Konzertpublikum zeigte sich bereits bei der Uraufführung von diesen Klangfarben begeistert. Obgleich Die Planeten bis heute Holsts bekanntestes Werk sind, zählte der Komponist selbst sie jedoch nicht zu seinen gelungensten Arbeiten und äußerte später seine Enttäuschung darüber, dass alle seine anderen Werke durch den Erfolg der Planeten völlig in den Schatten gestellt wurden. Dennoch dirigierte er in den frühen 1920er Jahren selbst eine Einspielung. Sein persönlicher Favorit war der Satz Saturn.

Die Reihenfolge der Sätze entspricht derjenigen der Planeten im Sonnensystem – mit Ausnahme von Mars und Merkur. Die Bahn des Merkur verläuft in Wirklichkeit näher an der Sonne als die des Mars (und der Venus). Die Satzreihenfolge entspricht dagegen der Entfernung der Planeten zur Erde, wobei der Mars etwa 2 Millionen Kilometer weiter weg ist als die Venus. Daher vertreten einige Musikwissenschaftler die Theorie, dass der Mars aus musikalischen Gründen an den Anfang gestellt wurde, um die ersten vier Sätze in die bekannte musikalische Form einer Sinfonietta zu bringen. Ein anderer Erklärungsversuch ist es, dass Holst der weit verbreiteten Fehlvorstellung Rechnung tragen wollte, dass der Mars der Sonne tatsächlich näher sei als die Venus.

Eine alternative Erklärung ist aus dem astrologischen Konzept der Dominanz bestimmter Tierkreiszeichen durch die Planeten abzuleiten. Listet man diese gemeinsam mit den ihnen zugeordneten Planeten in der traditionellen Reihenfolge auf, beginnend mit dem Widder, und lässt sowohl den zur Zeit der Komposition noch nicht entdeckten Pluto als auch Sonne und Mond aus, so ergibt sich genau die Reihenfolge der Sätze in der Suite.

Besetzung der einzelnen Sätze[Bearbeiten]

Satz Besetzung
I. Mars 2 Piccolos, 2 gr.Flöten, 2 Oboen, 1 Englisch Horn, 1 Bassoboe, 3 Klarinetten (B), 1 Bassklarinette (B), 3 Fagotte, 1 Kontrafagott

6 Hörner (F), 4 Trompeten (C), 2 Posaunen, 1 Bassposaune, 1 Euphonium (B), 1 Basstuba

Pauken (2 Spieler), Schlagwerk (kl. Trommel, Becken, Gr. Trommel, Tamtam)

Orgel

2 Harfen

Streicher

II. Venus 4 gr. Flöten, 3 Oboen, 1 Englisch Horn, 3 Klarinetten (B), 1 Bassklarinette (B), 3 Fagotte, 1 Kontrafagott

6 Hörner (F)

Schlagwerk (Glockenspiel)

Celesta

2 Harfen

Streicher

III. Merkur 2 Piccolos, 2 gr. Flöten, 2 Oboen, 1 Englisch Horn, 1 Bassoboe, 3 Klarinetten (2xA,1xB), 1 Bassklarinette (B), 3 Fagotte, 1 Kontrafagott

4 Hörner (F), 2 Trompeten (C)

Pauken (1 Spieler), Schlagwerk (Glockenspiel)

Celesta

2 Harfen

Streicher

IV. Jupiter 2 Piccolos, 2 gr. Flöten, 3 Oboen, 1 Englisch Horn, 3 Klarinetten (B), 1 Bassklarinette (B), 3 Fagotte, 1 Kontrafagott

6 Hörner (F), 4 Trompeten (C), 2 Posaunen, 1 Bassposaune, 1 Euphonium (B), 1 Basstuba

Pauken (2 Spieler), Schlagwerk (Triangel, Tamburin, Becken, Gr. Trommel, Glockenspiel)

2 Harfen

Streicher

V. Saturn 3 gr. Flöten, 1 Bassflöte (G), 2 Oboen, 1 Englisch Horn, 1 Bassoboe, 3 Klarinetten (B), 1 Bassklarinette (B), 3 Fagotte, 1 Kontrafagott

6 Hörner (F), 4 Trompeten (C), 2 Posaunen, 1 Bassposaune, 1 Basstuba

Pauken (2 Spieler), Schlagwerk (Röhrenglocken)

2 Harfen

Streicher

VI. Uranus 2 Piccolos, 2 gr. Flöten, 2 Oboen, 1 Englisch Horn, 1 Bassoboe, 3 Klarinetten (B), 1 Bassklarinette (B), 3 Fagotte, 1 Kontrafagott

6 Hörner (F), 4 Trompeten (C), 2 Posaunen, 1 Bassposaune, 1 Euphonium (B), 1 Basstuba

Pauken (2 Spieler), Schlagwerk (Xylophon, Becken, Tamburin, kl. Trommel, Gr. Trommel, Tamtam)

Orgel

2 Harfen

Streicher

VII. Neptun 1 Piccolo, 2 gr. Flöten, 1 Bassflöte (G), 2 Oboen, 1 Englisch Horn, 1 Bassoboe, 3 Klarinetten (A), 1 Bassklarinette (B), 3 Fagotte, 1 Kontrafagott

4 Hörner (F), 4 Trompeten (C), 3 Posaunen

Pauken (1 Spieler), Schlagwerk (Hängebecken, Gr. Trommel, Tamtam)

Orgel (Pedale)

Celesta

2 Harfen

6-stimmiger Frauen- oder Kinderchor (2x3 Stimmen)

Streicher

Biographische Einbettung[Bearbeiten]

Holst war zu jener Zeit Musiklehrer an der Mädchenschule St Paul's School for Girls in Brook Green (Hammersmith), eine Tätigkeit, der er mit großem Engagement nachging. Bald wurde das Schulgebäude um einen neuen Flügel ergänzt, der zu Holsts großer Freude einen schalldichten Musikraum erhielt. Diesen nutzte er fortan am Wochenende und in den Ferien intensiv zum Komponieren.

1913 erhielt Holst durch Kontakte mit dem englischen Manager des Ballets Russe die Gelegenheit, im Aldwych-Theater einer Probe des Sacre von Igor Strawinski beizuwohnen – vor der skandalträchtigen Premiere dieses Werks in Paris. Sechs Wochen später erhielt auch das Londoner Konzertpublikum Gelegenheit, erste Reaktionen auf diese zunächst schwer fassbare Neue Musik zu äußern. Die Londoner fanden Strawinskis Ballettmusik wohl ebenfalls gewöhnungsbedürftig, doch zugleich fesselnd. Ein Tumult wie zuvor in Paris blieb jedenfalls aus.

Es wird angenommen, dass Holst 1912 in London Aufführungen von Strawinskis Feuervogel in einer Inszenierung durch Djagilews Ballets Russes besuchte. Zudem hörte er wohl ein neues Werk von Arnold Schönberg namens Fünf Orchesterstücke. Erwartungsgemäß wurde dieses Werk bei seiner Premiere unter Sir Henry Wood mit Gelächter quittiert; Holst charakterisierte den neuen Stil mit den Worten „Das klingt wie Wagner, nur ohne Melodien“. Im Januar 1914 dirigierte Schönberg selbst eine Aufführung. Diesmal gab sich das Publikum verträglicher. Der Premierendirigent Wood, der diesmal die zweite Hälfte des Konzerts bestritt, bekam allerdings den größeren Applaus.

Holst hatte als erste, nicht ganz ernst gemeinte Reaktion ein Stück mit dem Titel Futuristisches Tongedicht in H für die Studenten des Morley College komponiert. Das ironisch gemeinte Stück machte das Publikum mit exotischen „neuen“ Instrumenten bekannt wie der Kontrabass-Makrone, dem Babyphon („besonders attraktiv für Mütter“), dem Pneumatischen Röhren-Summafon sowie einem vierstimmigen Satz Schöpfkellen mit Dämpfer.

Obgleich sich Holst derart über Schönberg und die moderne Schule lustig machte, hegte er eigentlich einen tiefen Respekt vor Neuer Musik. Seine 1913 komponierte St Paul's Suite für Streichorchester zeigte zwar noch keinerlei Einflüsse von Strawinski oder Schönberg, doch 1914 begann er die Arbeit an einem Werk mit dem Arbeitstitel Seven Pieces for Large Orchestra („Sieben Stücke für großes Orchester“). Er hatte sich bereits seit geraumer Zeit mit dem Gedanken beschäftigt, ein Werk dieser Größenordnung zu komponieren, das sich mit einer astrologischen Thematik auseinandersetzte. Nach der Lektüre von Was ist ein Horoskop? nahm dieses Projekt konkrete Formen an. In diesem Buch deutete Alan Leo die Charaktermerkmale von Menschen, die im Zeichen bestimmter Planeten geboren waren, ähnliche wie jene Stimmungsbilder, die Holst vorschwebten: Mars ist „willensstark und zuweilen zu überschwänglich“; Venus verstärkt die „affektive und emotionale Seite der in ihrem Zeichen Geborenen und verleiht ihnen so einen ausgeprägten Sinn für die Kunst und die Schönheit“; Merkur spendet die „Fähigkeit, den Verstand auf verschiedene Arten einzusetzen“; Jupiter „Freude und Lebenskraft im Überfluss (…), Edelmut und Großherzigkeit“; Saturn die Fähigkeit zum „langsamen, doch stetigen Fortkommen im Leben“ und Uranus eine Neigung zum „Metaphysischen und Okkulten, welche exzentrische, schwer verständliche und sprunghafte Reaktionen hervorruft“. Die unter Neptuns Einfluss Geborenen dagegen zeichnen sich durch psychische Sensibilität und eine Empfänglichkeit für jenseitige Erfahrungen aus.

Werkstruktur[Bearbeiten]

In Mars, the Bringer of War präsentiert Holst eine derart erstaunliche Vision der mechanisierten Kriegführung, dass viele Hörer immer wieder annahmen, das ungestüme Stück sei als Reaktion auf den Großen Krieg komponiert worden. In Wirklichkeit begann Holst diese Komposition bereits mehrere Monate vor Ausbruch der Feindseligkeiten (wenngleich in der Gewissheit des nahen Krieges). Die breite Öffentlichkeit erfuhr dagegen zum Teil erst Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges vom Grauen der Schützengräben, dem Horror des Gaskriegs, der Ohnmacht gegenüber den ersten Panzerangriffen und Flächenbombardierungen oder auch nur von den tatsächlichen Opferzahlen, die jede Vorstellungskraft sprengten.

Bei Kriegsbeginn wurde deutsche Musik in Großbritannien umgehend verboten und deutsche Musiker verloren aufgrund ihrer Herkunft ihre Anstellung bei Orchestern. Gustav von Holsts Familie stammte ursprünglich aus Schweden, war jedoch bereits zu Anfang des 19. Jahrhunderts nach London emigriert; Holst selbst war in den Cotswolds aufgewachsen. 1914 hatte er eben erst ein Haus in Thaxted in der Grafschaft Essex gekauft, wo ihn die Dorfbewohner jetzt mit einem gewissen Argwohn beäugten. Dieser Konflikt wurde jedoch bald bewältigt, und Holst durfte weiter lehren und komponieren wie zuvor.

Holsts Biograph Michael Short belegte Einflüsse des Feuervogels und der Fünf Orchesterstücke sowie von Ralph Vaughan WilliamsSea Symphony auf den Satz Venus, the Bringer of Peace und kommentierte Holsts Neigung dazu, aus eigenen früheren Kompositionen zu zitieren. Nach Venus schrieb er zunächst Jupiter, the Bringer of Jollity, der mit seinen anfänglichen Echos des Jahrmarkts aus Petruschka eine wundervoll ausgelassene Atmosphäre besitzt. Daran schließt sich eine Melodie im Stil des nobilmente-Motivs aus Elgars zweiter Sinfonie an, die er 1921 (unter dem Namen Thaxted) auch für das Lied I Vow to Thee, My Country verwendete und die heute von feiernden Rugby-Fans als Siegeshymne geschmettert wird.

Nach einer kurzen Unterbrechung, während der er einen Chorsatz des Nunc dimittis für den Chor der Kathedrale von Westminster schrieb, nahm Holst 1915 die Arbeit an den Planeten wieder auf. Saturn, the Bringer of Old Age zeichnet das unerbittliche Herannahen des Sensenmanns und die panische Reaktion seines Opfers so schmerzlich-treffend nach, dass mehrere ältere Damen es bei der Uraufführung nicht ertragen konnten und eilends den Konzertsaal verließen.

Uranus, the Magician zeigt Einflüsse von Paul Dukas' Zauberlehrling sowie – an gewissen, übermütig trampelnden Stellen – von Strauss' Till Eulenspiegel.

Im Satz Neptune, the Mystic wird durch das Stilmittel einer schrittweisen Ausblendung (das ganze Stück ist pianissimo) der Eindruck erzeugt, dass der Hörer die Grenze des bekannten Universums verlässt und in die dahinter liegende Leere eintritt.

Es blieb noch Mercury, the Winged Messenger, doch Holst musste die Arbeit an den Planeten zunächst unterbrechen, um seine Japanische Suite für den japanischen Tänzer und Choreographen Michio Ito vom Londoner Coliseum zu komponieren. Er schrieb daher den Satz Mercury, der mit ständig wechselnden Rhythmen und Bitonalität beim Hörer auch heute noch für atemloses Staunen sorgt, erst Anfang 1916.

Heute existiert auch ein Satz zum Pluto, welcher vier Jahre vor Holsts Tod entdeckt wurde und bis 2006 als Planet gegolten hat, obschon angenommen wird, dass Holst womöglich Pläne hatte, einen entsprechenden Zusatz selbst zu komponieren. Erst im Jahr 2000 komponierte der Brite Colin Matthews den Satz „Pluto, der Erneuerer“ (Pluto, the Renewer) im Auftrag des britischen Hallé Orchestras. Seither wird es oft in neueren CD-Aufnahmen zu der Holst'schen Planeten-Suite angefügt und mitaufgeführt.

Rezeptionsgeschichte[Bearbeiten]

Bis 1916 existierte ein Großteil der Komposition weiterhin erst in der Fassung für zwei Klaviere, aus der Holst seinen Schülerinnen oft vorspielte. Die Orchestrierung des neuen Werks leistete Holst überwiegend im Jahr 1916, in dem er auch mehrere Aufführungen seiner anderen Werke leitete (oft frustriert vom Mangel an männlichen Musikern, die an die Front geschickt worden waren) und seinen Lehrverpflichtungen nachkam.

In jenem Jahr machte Holst die Bekanntschaft des bis dahin wenig bekannten Dirigenten Adrian Boult, der einige Stücke für eine kleinere Orchesterbesetzung bei ihm bestellt hatte. Im Verlauf ihrer Gespräche arrangierte Holst ein Vorspiel der Planeten in der Fassung für zwei Klaviere, woraufhin Boult einige kleinere Stücke von Holst in sein Konzertprogramm aufnahm. Gegen Kriegsende dann erhielt Holst eine Anfrage vom CVJM wegen einiger Benefizkonzerte für im Ausland stationierte englische Truppen. Er sollte dazu nach Thessaloniki reisen, doch unmittelbar vor der geplanten Abfahrt kündigte sein Freund und gelegentlicher Mäzen Henry Balfour Gardiner überraschend an, dass Boult eine private Premiere der Planeten in der Queen’s Hall dirigieren würde. Die Vorstellung vor ausgewählten Freunden, Schülern und Kollegen war ein triumphaler Erfolg.

Noch während Holst sich im Ausland aufhielt, dirigierte Boult mehrere öffentliche Vorstellungen der Planeten. Da er den Eindruck hatte, das Publikum könne nicht mehr als 30 Minuten Neue Musik am Stück ertragen, ließ er Venus und Neptun jedoch aus. Holst selbst kehrte 1919 nach England zurück und dirigierte im November eine weitere unvollständige Aufführung, diesmal jedoch einschließlich Venus. Das gesamte Werk wurde erstmals im November 1920 vom London Symphony Orchestra unter Albert Coates aufgeführt.

Der Erfolg dieser ersten vollständigen Aufführung bekehrte letztlich auch Kritiker, die sich zuvor von den einzelnen Sätzen nicht hatten überzeugen lassen. Bald folgten Aufführungen im Ausland, zum Beispiel die szenische Aufführung als Ballett von und mit Harald Kreutzberg an der Berliner Staatsoper 1929, dort als Tanzsymphonie bezeichnet, so dass Holst fast gegen seinen Willen internationale Berühmtheit erlangte.

Als Nebeneffekt dieses Erfolges wurde er von seinem Freund Ralph Vaughan Williams im Nachhinein darum ersucht, die Melodie, die das Kernstück des Jupiter bildet, als patriotische Hymne („I vow to Thee, my Country“) auszusetzen. Holst gestattete dies nur zögerlich; zu seiner Erleichterung passte der von Cecil Spring-Rice verfasste Text wenigstens rhythmisch genau zur Melodie. Dieses Lied ist seither im anglophonen Sprachraum einerseits sehr populär – Prinzessin Diana wünschte es sich beispielsweise zu ihrer Trauung, und es wurde auch zu ihrem Begräbnis gesungen. Andererseits ist sein Text in neuerer Zeit wegen rassistischer und kriegsverherrlichender Untertöne nicht unumstritten; so lehnt die anglikanische Kirche es heute ab.

Im Jahre 2000 wurde auf Anregung des Dirigenten Kent Nagano von dem Komponisten Colin Matthews ein achter Satz ergänzt, so dass die Reihe der bekannten Planeten komplettiert wird. Seit 2006 gilt Pluto allerdings nur noch als Zwergplanet. Die Uraufführung des Werkes von Matthews fand mit dem Hallé Orchestra unter Nagano am 11. November 2000 in Manchester statt.

2006 wurden unter dem Konzert-Titel Ad Astra vier weitere Werke, die inspirativ mit der Holst-Suite in Verbindung stehen, durch die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle uraufgeführt, und zwar von Kaija Saariaho (Asteroid 4179: Toutatis), Matthias Pintscher (toward Osiris), Mark-Anthony Turnage (Ceres) und Brett Dean (Komarov’s Fall).

Die Planeten in anderen musikalischen Werken[Bearbeiten]

  • Der Jazzpianist Manuel Krass dekonstruiert mit seinem Trio Krassport auf dem Album The Planets – Discovering Gustav Holst die gesamte Suite und setzt sie in einen Jazzkontext.
  • In dem Titel Running von Sarah Brightman benutzt sie einen Teil aus der Bringer der Fröhlichkeit am Anfang und am Ende des Liedes.
  • Das Thema des Jupiter-Satzes wird in Frank Zappas Stück Invocation and Ritual Dance of the Young Pumpkin (Album Absolutely Free, 1967) zitiert.
  • Die Einleitung des Stückes The Prophet der Progressive-Rock-Band Yes auf dem Album Time and a Word zitiert ebenfalls Jupiter.
  • Die Progressive-Rock-Band King Crimson spielte bei ihren Live-Auftritten 1969 ein vereinfachtes Arrangement von Mars; auf ihrem zweiten Album In the Wake of Poseidon (1970) erschien es unter dem Titel The Devil's Triangle.
  • Die Rockband Manfred Mann's Earth Band ließ sich bei ihrem Album Solar Fire (1973) von den Planeten inspirieren. Ihre Single Joybringer aus dem gleichen Jahr basiert auf dem Thema von Jupiter. Auf dem Album Masque sind mehrere Versionen des Jupiter zu hören. Auf dem Album 2006 von Manfred Mann ist eine bearbeitete Version des Mars zu hören.
  • Der Niederländer Ed Starink kreierte 1989 eine Synthesizeradaption, die neben den Kompositionen von Gustav Holst auch eigene Kompositionen enthält, die als Überleitungen fungieren. Starinks Adaption gilt in Fachkreisen neben der Tomitas als eine der besten.
  • Die schwedische Metal-Band Bathory, welche als Begründer für den heutigen Black-und Viking Metal gilt, verwendete im Stück Hammerheart, das auf der 1991 erschienenen Platte Twilight of the Gods enthalten war, das Thema von Jupiter.
  • Das Album NATO der slowenischen Band Laibach wurde von einem gleichnamigen Stück eingeleitet, welches eine elektronische Adaption von Mars darstellt.
  • Einzelne Passagen aus Mars – The Bringer of War wurden in dem 20 Minuten langen Titelstück des Albums The Divine Wings of Tragedy der US-amerikanischen Progressive-Metal-Band Symphony X zitiert.
  • Ähnlichkeiten zu den Teilen in Andante von Neptune, the Mystic finden sich auch in den Werken der US-amerikanischen Filmkomponisten James Horner – der wie Holst am Royal College of Music in London studierte .
  • 1977 setzte Isao Tomita die Orchestersuite für Synthesizer auf seine Art um: Dem Satz zum Planeten Mars stellte er einen, mit dem Jupiter-Thema dominierten Raketenstart mit Countdown voran, was den Satz auf eine Länge von über 10 Minuten brachte.
  • Die britische Metal-Band Iron Maiden spielt einen Teil aus Mars – Bringer Of War als Intro bei ihrer im Oktober 2006 gestarteten Tournee. Das Thema „Krieg“ ist ein inhaltlicher Schwerpunkt des auf dieser Tour vorgestellten neuen Albums A Matter of Life and Death.
  • Die amerikanische Death-Metal-Band Nile zitiert auf ihrem Album Amongst The Catacombs Of Nephren-Ka mit dem Song Ramses – Bringer Of War den Mars sowohl vom Titel her als auch musikalisch.
  • Auf der 1986 erschienenen LP Emerson, Lake & Powell ist eine Adaption von Mars, the bringer of war enthalten.
  • Im Jahr 2001 verarbeitete Vangelis das Mars-Thema in seinem Album Mythodea – Music for the NASA Mission: 2001 Mars Odyssey.

Die Planeten in der Filmmusik[Bearbeiten]

Die Planeten in Computerspielen[Bearbeiten]

  • Sierras Spiel Outpost aus dem Jahr 1994, welches vom Aufbau einer menschlichen Kolonie in einem fernen Sternensystem handelt, nachdem die Erde durch einen Asteroidentreffer unbewohnbar wurde, spielt eine MIDI-Version von Mars – Bringer des Krieges ab, wenn die Startsequenz des Kolonieschiffes beginnt. Auch ist das Lied auf CD gebrannt, so dass man es mit einem CD-Player abspielen kann.
  • Im Videospiel Super Mario Bros. 3 basiert die Melodie der Luftschifflevel auf dem Stück von Mars – The Bringer of War.
  • Die Hintergrundmusik des Computerspiels Mega lo Mania basiert ebenfalls auf „Mars – The Bringer of War“

Weblinks[Bearbeiten]