Die Rechte

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DIE RECHTE
Parteilogo der Partei DIE RECHTE
Sascha Krolzig
Partei­vorsitzender Sascha Krolzig, Sven Skoda[1]
Stell­vertretende Vorsitzende Michael Brück, Kevin Koch
Gründung 27. Mai 2012
Gründungs­ort Hamburg
Haupt­sitz Thusneldastr. 3

44149 Dortmund

Aus­richtung Rechtsextremismus,
Völkischer Nationalismus,
Antisemitismus,
Neonazismus
Mitglieder­zahl rund 600 (Stand: 2018)[2]
Website die-rechte.net

Die Rechte – Partei für Volksabstimmung, Souveränität und Heimatschutz ist eine rechtsextreme, neonazistische Kleinstpartei[3] in Deutschland. An der Gründung der Partei am 27. Mai 2012 waren hauptsächlich ehemalige Mitglieder der inzwischen aufgelösten rechtsextremen Deutschen Volksunion, die im Mai 2012 mit der NPD fusioniert hatte, beteiligt. Eine zentrale Rolle von der Gründung bis zum Bruch und anschließenden Rückzug auf dem Bundesparteitag am 28. Oktober 2017 spielte der aus Kameradschaftskreisen bekannte Neonazi Christian Worch.[4] Wegen dieser und anderer personeller Überschneidungen wird ihr von verschiedenen Gruppen vorgeworfen, im Ruhrgebiet eine Nachfolgeorganisation des verbotenen neonazistischen Nationalen Widerstands Dortmund (NWDO) zu sein.[5]

Inhaltliches Profil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offizielles Parteilogo

Die Partei sieht sich als Alternative zu bestehenden rechtsextremen Parteien in Deutschland und gibt an, „weniger radikal als die NPD“, aber „radikaler als die REPs und die PRO-Bewegung“ zu sein, ohne diese Verortung näher zu begründen. Das Parteiprogramm sei grundsätzlich von der nicht mehr existierenden DVU übernommen.[6] Die Rechte wird jedoch bei diversen politischen Beobachtern als offen neonazistisch und noch radikaler als die NPD eingestuft.[7]

Die Partei spricht sich gegen den Parlamentarismus und für mehr direktdemokratische Elemente aus. Ihre zentralen Forderungen haben einen völkisch-nationalistischen Hintergrund wie die Änderung der Asylpolitik, die Aufhebung der Duldung von Flüchtlingen oder die Beschleunigung von Abschiebungen.[8]

Der Verfassungsschutz sieht in der Partei sowohl Ideologie als auch Aktivitäten verbotener Neonazi-Kameradschaften fortgeführt und stellt eine „ideologische Wesensverwandtschaft zum historischen Nationalsozialismus und aggressiv-kämpferisches Auftreten“ fest.[9]

Der Soziologe Hendrik Puls bezeichnete Die Rechte als „Vertreterin des Typus der neonazistischen Bewegungspartei“, deren Praxis über den parlamentarischen Rahmen hinausweise und durch eine „ständige Protestmobilisierung“ geprägt sei.[10]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Partei wurde 2012 von dem Neonazi Christian Worch gegründet, gemeinsam mit vielen Mitgliedern der DVU, die sich aus Protest gegen die Fusion der DVU mit der NPD anschlossen.[11][12][13] Bereits im Mai 2012 wurde aus Kreisen der aufgelösten DVU angekündigt, dass die Gründung einer neuen rechten Partei in Konkurrenz zur NPD geplant sei.[14] Im Juni 2012 lagen die Satzung und das Programm der Partei beim Bundeswahlleiter zur Prüfung vor.[13] Am 13. Oktober 2012 fand in Ludwigshafen am Rhein der zweite Bundesparteitag von Die Rechte statt.[15]

Im Januar 2013 kam die Staatsanwaltschaft Dortmund zu dem Ergebnis, dass die Gründung des nordrhein-westfälischen Landesverbandes keinen Anlass für ein Ermittlungsverfahren biete. Geprüft wurde ein Verstoß gegen das im August 2012 ausgesprochene Vereinsverbot für den Nationalen Widerstand Dortmund.[16] Der „harte Kern“ des NWDO um Dennis Giemsch, Michael Brück und Siegfried Borchardt hatte sich in einem am 15. September 2012 gegründeten Landesverband der Partei reorganisiert.[17]

Am 5. Juli 2014 fand in Hamm (NRW) der 5. Bundesparteitag statt, dort wurde Christian Worch erneut zum Bundesvorsitzenden gewählt. Ingeborg Lobocki legte ihre Ämter als stellvertretende Vorsitzende und Schatzmeisterin aus gesundheitlichen Gründen nieder. Zur Nachfolgerin als Schatzmeisterin wurde Tatjana Berner gewählt.

Am 13. Januar 2016 wurde bekannt, dass die Websites der Partei im sozialen Netzwerk Facebook wegen Verstößen gegen die Nutzungsbedingungen gelöscht wurden.[18]

Am 28. Oktober 2017 wurde Worch auf dem Bundesparteitag der Kleinpartei mit 78,4 % der gültigen Stimmen in seinem Amt als Parteivorsitzender bestätigt. Anschließend gab es jedoch einen Antrag des Thüringer Landesverbandes, in dem gefordert wurde, dass der Bundesparteitag beschließen solle, „daß die Partei Die Rechte sich voll und ganz zur deutschen Volksgemeinschaft bekennt.“ Worch hielt „eine Gegenrede und erklärte, daß er den Antrag vor allem aus juristischen, aber auch aus politischen Gründen ablehne“. Es kam zum Eklat, da die Mehrheit der Mitglieder nicht Worch, sondern dem Thüringer Landesverband folgte. Worch legte daraufhin das Tagungspräsidium nieder und verließ den Parteitag. Anschließend erklärte er, „daß er zum 31. Oktober sein Amt als Bundesvorsitzender niederlegen und dies in einem internen Rundschreiben begründen würde“. Anfang Januar 2019 kehrte Worch jedoch auf dem Bundesparteitag als Schatzmeister und Beisitzer in den Bundesvorstand zurück.[19][20][21][22][23]

Worchs kommissarischer Nachfolger war der mehrfach vorbestrafte Dortmunder Neonazi-Kader Christoph Drewer.[24] Am 1. April 2018 wurden auf einem Bundesparteitag Michael Brück und Sascha Krolzig als gleichberechtigte Bundesvorsitzende gewählt.

Für den Wahlkampf zur Europawahl 2019 hat Die Rechte die zur Zeit inhaftierte, mehrmals verurteilte 90-jährige Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck als Spitzenkandidatin aufgestellt.

Am 20. April 2019, also an Adolf Hitlers Geburtsdatum, beteiligte sich Die Rechte neben rechtsextremistischen Organisationen aus Bulgarien, Frankreich, Ungarn, Tschechien und Polen an der Gründung des Bündnisses „Festung Europa“. In diesem Zusammenhang gab die Partei bekannt, fortan über einen Auslandsbeauftragten zu verfügen.[25]

Bei einer rechtsextremen Demonstration in Kassel am 20. Juli 2019, nach der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke durch einen Rechtsextremisten, führten Personen aus dem Umkreis der Partei aus Nordrhein-Westfalen ein Banner mit dem Slogan „Schluss mit Pressehetze und Verbotsphantasien: Nationale Gegenofenssive“ mit sich. Das Wort „Gegenofenssive“ stellte dabei durch den doppelten Buchstaben „S“ eine Anspielung auf die Abkürzung der nationalsozialistischen „Schutzstaffel“ (SS) dar, zum anderen spielte der Wortbestandteil „ofen“ auf die Konzentrationslager der Nationalsozialisten an.[26]

Unter dem Stichwort „Nationale Solidarität“ bot die Partei 2020 in Dortmund eine „Einkaufshilfe während der COVID-19-Pandemie“ an. Gleichzeitig wurde an die „Volksgemeinschaft“ appelliert.[27] Nachdem in der Anfangszeit der Corona-Krise mehrere Aufmärsche der Partei gerichtlich untersagt worden waren, teilte die Partei mit, dass sie in Worms am 1. Mai eine kleine Kundgebung habe abhalten können, mit der man auch „ein Zeichen gegen den Coronawahn“ gesetzt habe.[28]

Organisationsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parteivorsitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeitige Parteivorsitzende sind Sascha Krolzig und Sven Skoda, stellvertretende Vorsitzende sind Michael Brück und Kevin Koch. Beisitzer sind Leon Dreixler, Markus Walter, Christian Worch, Christoph Drewer und Alexander von Malek.[1]

Landesverbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es bestehen Landesverbände in Baden-Württemberg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt,[29] Nordrhein-Westfalen, Hessen, Brandenburg,[29] Niedersachsen[30] und Bayern. Vorsitzender des Landesverbandes NRW ist Dennis Giemsch.[15] Der Landesverband Hessen wird von den ehemaligen NPD-Funktionären Pierre Levien und Duancon Bohnert geführt, der Landesverband Brandenburg von Klaus Mann, einem früheren DVU-Funktionär.[29] Vorsitzender des Landesverbandes Bayern ist Philipp Hasselbach.[31]

Im Januar 2014 trat Levien von seinen Posten bei Die Rechte zurück. Im März erklärte der Landesverband Hessen die Einstellung seiner Aktivitäten, die Partei werde „in Hessen als gescheitert angesehen“. Als Ursache werden, neben der gescheiterten Zulassung zur Europawahl 2014, vor allem Auseinandersetzungen zwischen Levien und seinem Nachfolger Bernd Hilpert vermutet.[32]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2013 hatte die Partei 494 Mitglieder.[33] Der mit Abstand größte Landesverband befindet sich mit ca. 280 Mitgliedern in Nordrhein-Westfalen.[9]

Christian Worch war in der Vergangenheit Mitglied mehrerer, später verbotener neonazistischer Organisationen. Ingeborg Lobocki und Martin Ziegler waren zuvor Mitglieder der DVU. Weiterhin besteht ein „erheblicher Teil“ des Landesverbandes NRW aus ehemaligen Angehörigen verbotener Kameradschaften, so auch der Landesvorsitzende Giemsch und die stellvertretenden Vorsitzenden Sascha Krolzig und Michael Brück. Brück war zudem Mitglied der 2011 verbotenen HNG.[15]

Wahlen und Mandate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rechte wurde vom Bundeswahlausschuss am 5. Juli 2013 zur Bundestagswahl 2013 als politische Partei zur Kandidatur zugelassen. Die Partei, die nur in Nordrhein-Westfalen (NRW) antrat, holte 2.245 Zweitstimmen, was das niedrigste Zweitstimmenresultat aller angetretenen Parteien war.

Bei der Landtagswahl in Hessen 2013 trat die Partei im Wahlkreis 42 (Main-Kinzig III) mit dem Direktkandidaten Pierre Levin an.[34] Dieser erhielt 300 Stimmen (0,4 Prozent).[35]

Die Partei verfügte über ein Kreistags- und ein Stadtratsmandat im Landkreis Verden bzw. der Stadt Verden (Aller) in Niedersachsen, nachdem der NPD-Politiker, der diese Mandate innehatte, 2012 zu Die Rechte übergetreten war.[36] Anfang des Jahres 2015 wurde ihm dieses Mandat jedoch wieder aberkannt.[37] Von 2014 bis 2016 verfügte die Rechte zudem über ein Stadtratsmandat in Bautzen, nachdem eine NPD-Stadträtin zur Rechten gewechselt war.

Die geplante Teilnahme an der Europawahl 2014 scheiterte im März 2014, da mit etwa 1000 die erforderlichen 4000 Unterstützerunterschriften nicht erreicht wurden.[38] Bei der Kommunalwahl in NRW am 25. Mai 2014 errang die Partei einen Sitz im Stadtrat von Dortmund, der zunächst von Siegfried Borchardt wahrgenommen wurde.[39] Außerdem wurde ein Sitz im Stadtrat von Hamm gewonnen.[40]

Bei Wahlteilnahmen legte die Partei einen auffälligen Schwerpunkt auf Baden-Württemberg; auch zur Bundestagswahl 2017 trat sie nur in diesem Bundesland mit einer Landesliste an, erreichte jedoch lediglich 2054 Zweitstimmen (0 %).[41]

Bei der Europawahl in Deutschland 2019 erreichte die Partei 24.627 Stimmen und damit 0,1 %. Bei der zeitgleich stattfindenden Bürgerschaftswahl in Bremen 2019 trat sie lediglich im Wahlbereich Bremerhaven an und erreichte 627 Stimmen (0 %).

Bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen 2020 verlor "Die Rechte" ihr Mandat in Hamm. Das Mandat in Dortmund konnte gehalten werden.[42]

Beobachtung durch den Verfassungsschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Verfassungsschutzbericht 2012 widmete das Bundesamt für Verfassungsschutz der Partei ein ganzes Kapitel. Der Verfassungsschutz sieht die Partei politisch zwischen NPD und Pro-Bewegung angesiedelt. Sie trete ideologisch die Nachfolge der DVU an und könnte im Falle eines NPD-Verbots als Auffangbecken dienen. Er konstatiert weiter, „dass sich die politischen Aktivitäten der Partei (…) bislang vorrangig auf Maßnahmen zur Erlangung des Parteienstatus, wie z. B. die offenkundig angestrebten Wahlbeteiligungen [bezögen]. Eine ernsthafte Betätigung als Partei in der derzeitigen Gründungsphase [sei] noch nicht festzustellen.“[43][44]

Die Mitglieder der Partei wurden auch 2014 vom Verfassungsschutz NRW „weiterhin als Neonazis gezählt“. Seine aktiven Kreisverbände werden in ideologischer und personeller Hinsicht und auch bezüglich ihrer Aktivitäten als eine Weiterführung verbotener Kameradschaften gesehen. Dies gilt insbesondere für den Dortmunder Kreisverband, bei dem eine zunehmend steigende Aggressivität festgestellt wurde. Insgesamt zeichnet sich die Partei durch eine „ideologische Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus und aggressivkämpferisches Auftreten“ aus.[9]

Öffentliche Wahrnehmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beteiligung von Mitgliedern an terroristischen Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2015 hob die bayerische Polizei in Nürnberg und Bamberg eine neonazistische Terrorzelle aus, der auch mehrere Rechte-Mitglieder angehörten. Es wurden dabei Waffen, Explosivstoffe und Hakenkreuzfahnen beschlagnahmt und mehrere Verdächtige festgenommen. Worch als Parteivorsitzender sah keinen Anlass für eine Distanzierung von den Verdächtigen und wertete auch eine mögliche gerichtliche Verurteilung nicht als Anlass für ein Parteiausschlussverfahren.[45]

„Rathaussturm“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die Partei bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 einen Sitz im Stadtrat von Dortmund erlangt hatte, versuchten noch in der Wahlnacht ca. 25 Neonazis, darunter auch der gewählte Siegfried Borchardt, der Wahlparty im Dortmunder Rathaus beizuwohnen, wobei sie sich auf T-Shirts teils offen mit dem verbotenen NWDO solidarisierten. Auslöser der darauf folgenden, als "Rathaussturm" bezeichneten Auseinandersetzungen war eine Blockade des Rathauseingangs durch linke und bürgerliche Lokalpolitiker mit dem Ziel, die Neonazis an der Teilnahme der Wahlfeierlichkeiten zu hindern. Infolgedessen wurden durch das Dortmunder Amtsgericht 14 Strafbefehle gegen Nazi-Gegner erlassen,[46] mehrere Personen erlitten Verletzungen.[47] Das Rechte-Mitglied Daniel G., das mit einer geworfenen Bierflasche einen Gegendemonstranten verletzte, wurde deshalb später zu einem Jahr und zehn Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt,[48] drei weitere Angeklagte wurden freigesprochen.[49]

Antisemitismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2014 stellte Dennis Giemsch als Parteivertreter im Stadtrat von Dortmund die Anfrage an die Stadtverwaltung, wie viele Menschen jüdischen Glaubens in Dortmund ansässig und in welchen Stadtteilen diese gemeldet seien, was breite Empörung hervorrief. Der Präsident des Zentralrates der Juden, Dieter Graumann, fühlte sich durch die Anfrage „an schlimmste Zeiten“ erinnert, die Motivation sei offensichtlich „abscheulicher und perfider Antisemitismus“.[50] Oberbürgermeister Ullrich Sierau kündigte eine Weitergabe der Anfrage an den polizeilichen Staatsschutz an.[51]

Der baden-württembergische Landesverband schrieb 2017 auf seiner Website anlässlich der Stichwahl zwischen Marine Le Pen vom FN und Emmanuel Macron um das französische Präsidentenamt in antisemitisch-verschwörungsideologischer Weise von „Nationalismus vs. Rothschild“ (der Name der Bankiersfamilie steht im rechtsextremistischen Szenejargon für eine angebliche jüdische, gefährliche Banken- und Finanzmacht in der Welt.). Weiter heißt es, „Politiker der internationalistischen Einheitsparteien“ seien lediglich „Marionetten der Wirtschaft und Hochfinanz“, was wiederum an die Fiktion einer vermeintlichen jüdischen Weltverschwörung anknüpft.[52]

Bei einer Demonstration zum 1. Mai in Erfurt unter dem Motto „Soziale Gerechtigkeit für alle Deutschen“ wurde von der Partei auch ein Transparent mitgeführt mit der Aufschrift „Ob Dortmund, Erfurt oder Buxtehude: Der Feind ist & bleibt der Kapitalismus“. Die antisemitische Anspielung ist offenkundig, da der – in geradezu auffälliger Weise ausbleibende – erwartete Reim auf das Wort „Buxtehude“ (vor dem Hintergrund einer rechtsextremistischen Demo) das Wort „Jude“ suggeriert. Solche innerhalb der rechtsextremen Szene häufige Codierungen dienen den Verbreitern derartiger Parolen dazu, juristische Konsequenzen zu vermeiden.[53]

2018 wurde eine Demonstration unter dem Motto „Europa Erwache!“ (in Anlehnung an die NS-Propagandaparole „Deutschland, erwache!“) vor einem riesigen Konterfei des ehemaligen iranischen Staatspräsidenten und Holocaustleugners Mahmud Ahmadineschād und dem Schriftzug „The world without Zionism“ abgehalten, der den Titel einer von Ahmadineschād betriebenen antisemitischen und anti-israelischen Kampagne aufnahm.[54]

Die Israelfeindschaft der Partei erweist sich an diversen antizionistischen Stellungnahmen.[55] 2019 erstattete der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe Anzeige gegen Wahlplakate der Partei zur Europawahl. Auf diesen Plakaten, die auch bei Demonstrationen verwendet wurden, stand: „Zionismus stoppen: Israel ist unser Unglück!“ Laut dem Landesverband der jüdischen Gemeinden sind die Plakate volksverhetzend, da die Formulierung „Israel ist unser Unglück“ eine bewusste Anlehnung an das Zitat „Die Juden sind unser Unglück“ von Heinrich von Treitschke ist. Dieser Satz wurde zudem samt Ausrufezeichen als regelmäßiger Untertitel auf der ersten Seite des von Julius Streicher herausgegebenen nationalsozialistischen Hetzblattes Der Stürmer verwendet. Die Verwendung dieses Zitats samt Satzzeichen beinhalte somit eine bewusste Verherrlichung des Nationalsozialismus.[56] In der hessischen Stadt Neukirchen ließ Bürgermeister Klemens Olbrich (CDU) nach Beschwerden Plakate mit dieser Aufschrift entfernen. Nach einer Klageandrohung der Partei, die sich auf einen Einstellungsbeschluss der Staatsanwaltschaft Dortmund vom Februar 2019 berief (der sich auf ein gleichlautendes Transparent bei einer Kundgebung der Partei bezogen hatte), wurden die Plakate wieder ausgehändigt und laut Partei wieder aufgehängt, was der Bürgermeister allerdings dementierte.[57] Auch die nordbadische Gemeinde Pfinztal erstattete Strafanzeige gegen die Partei, nachdem sie diese Wahlplakate zwei Mal hatte entfernen lassen.[58] Nach Bewertung der Generalstaatsanwaltschaft Celle vom November 2019 sind die Plakate allerdings strafrechtlich relevant, so dass Ermittlungen eingeleitet wurden.[59] Auch der Kreisverband Rhein-Neckar der Partei twitterte anlässlich des in Israel stattgefundenen Eurovision Song Contests 2019 die Sätze „Zionismus Stoppen: Israel ist unser Unglück – Schluss damit“ und forderte „Israel Null Punkte, nicht nur beim ESC“.[60]

Vor der Europawahl 2019 fuhr die Rechte mit einem Lautsprecherwagen durch Pforzheim. Dabei hielt sie für eine Weile vor der Pforzheimer Synagoge an, während Radiowerbespots, u. a. mit der verurteilten Holocaustleugnerin und Nationalsozialistin Ursula Haverbeck, abgespielt wurden.[61] Mitglieder der Jüdischen Gemeinde berichteten auch von „Raus aus Deutschland“-Rufen, die Aktivisten der Partei in Richtung der Synagoge skandiert hätten. Die Partei selber bestreitet entsprechende Rufe. Der Staatsschutz nahm im Nachgang dieses Vorfalls Ermittlungen auf. Auch das antisemitische Wahlwerbeplakat Zionismus stoppen: Israel ist unser Unglück! Schluss damit! wurde in unmittelbarer Nähe zur Synagoge aufgehängt, was in der Stadt Proteste hervorrief.[62][63]

Am 9. November 2019 organisierte die Partei in Bielefeld eine Kundgebung unter dem Motto „Freiheit für Ursula Haverbeck“. 232 Rechtsextreme, darunter auch NPD-Parteimitglieder, nahmen laut dem nordrhein-westfälischen Innenministerium daran teil, 14.000 Menschen demonstrierten dagegen. Nach den Worten von Burkhard Freier, dem Leiter des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, reiht sich diese Versammlung „nahtlos ein in eine Strategie der maximalen Provokation und Einschüchterung unterhalb der Strafbarkeitsgrenze“. Die Rechte bezeichnet Haverbeck im Internet als Opfer „der Herrschenden“ und als Kämpferin für eine „nicht mehr existente Meinungsfreiheit in Deutschland“. Laut FAZ ging es der Partei bei der Wahl des Kundgebungsdatums 9. November nicht um den Fall der Berliner Mauer 30 Jahre zuvor, sondern darum, das Datum der antijüdischen Novemberpogrome 1938 für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Auch Freier zufolge ist damit „eine deutliche Grenze überschritten“, denn die Partei lege „ganz offensiv ein Bekenntnis zum historischen Nationalsozialismus ab“.[64][65]

In der einzigen 2019 veröffentlichten Ausgabe des Magazins Reconquista, das seit 2016 publiziert wird und in deren Impressum die Adresse des Dortmunder Kreisverbandes der Partei angegeben ist, wurde der klassische antisemitische Verschwörungsmythos aufgegriffen, dem zufolge „Menschen jüdischer Abstammung oder Religion […] seit eh und je hinter allen Fronten gleichzeitig“ stünden, während des 2. Weltkrieges „sowohl an den Kabinettstischen von London, Paris und Washington als auch im Zentralkomitee der KPDSU“ gesessen seien und heute die Verantwortlichen für die Flüchtlingsmigration wie auch für den islamistischen Terrorismus seien.[66]

Illegaler Waffenbesitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 2016 wurde Alexander Kurth, der damalige sächsische Landesvorsitzende der Partei, wegen des Besitzes von zwei Schlagringen zu einer Geldstrafe in Höhe von 650 Euro verurteilt.[67]

Gleichnamige Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht zu verwechseln ist die Partei mit der 2005 von Falk Janke gegründeten brandenburgischen Kleinpartei Die Rechte, die dort auf kommunaler Ebene mit der CDU koalierte.[68]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Presseberichte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Sven Skoda: Vom Parteilosen zum Parteichef
  2. Bundesministerium des Innern: Verfassungsschutzbericht 2018 PDF, S. 78
  3. Konrad-Adenauer-Stiftung: Rudolf van Hüller: Neonazistische Kleinstparteien: „Die Rechte“ und „Der III. Weg“. 2018.
  4. Internetseite der Partei „DIE RECHTE“: DIE RECHTE gegründet (Memento vom 22. Juni 2012 im Internet Archive), abgerufen am 17. Juni 2012
  5. Warum „Die Rechte“ in Dortmund Sammelbecken für Autonome Nationalisten sein darf. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 10. Januar 2014.
  6. Internetseite der Partei „Die Rechte“: Warum DIE RECHTE? (Memento vom 22. Juni 2012 im Internet Archive), abgerufen am 18. Juni 2012
  7. Die Rechte: Diese Neonazi-Partei ist gefährlicher als die NPD (Memento vom 18. Mai 2015 im Internet Archive), 25. November 2014.
  8. Jakob Schuchardt: Die Rechte www.bpb.de, 3. Mai 2019
  9. a b c Verfassungsschutzbericht NRW 2014. S. 36–38, 54.
  10. Hendrik Puls: „Die Rechte“ als neue Bewegungspartei des Neonazismus. In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen. 28. Jahrgang, Heft 1, März 2015, S. 160–163.
  11. tagesschau.de: Ziele der "Sonstigen" - Kleinparteien bei der Europawahl. Abgerufen am 14. Mai 2019.
  12. Nicht nur Sachsen: Alte und neue Rechtsextreme in Deutschland. Deutsche Welle, 5. September 2018, abgerufen am 25. Oktober 2018.
  13. a b Marc Brandstetter: DIE RECHTE – Wer sie ist, was sie will. In: Endstation Rechts, 15. Juni 2012.
  14. taz.de: Auf den Trümmern der DVU, abgerufen am 18. Juni 2012
  15. a b c Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage von mehren Abgeordneten der Partei Die Linke. (PDF; 82 kB) 5. November 2012, abgerufen am 7. Januar 2013.
  16. Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt nicht gegen „Die Rechte“. derwesten.de, 14. Januar 2013, abgerufen am 16. Januar 2013.
  17. Tomas Sager: Braune Kader unter anderem Label. In: blick nach rechts. 21. Januar 2013, abgerufen am 23. Februar 2013.
  18. Rechtsextreme Partei: Facebook sperrt offenbar „Die Rechte“-Seiten. In: Spiegel Online. 13. Januar 2016, abgerufen am 13. Januar 2016.
  19. „Die Rechte“ verliert Vorsitzenden, von Sebastian Weiermann, Störungsmelder, 2. November 2017.
  20. Abtrünnige Parteichefs, von Theo Schneider, Blick nach Rechts, 3. November 2017.
  21. Die Rechte: Bundeschef Christian Worch tritt zurück, 2. November 2017.
  22. Die Rechte: Christian Worch hat hingeworfen – Der kleine, braune Minion vom Schwulenparkplatz ist sein Nachfolger, von Stefan Laurin, Ruhrbarone, 2. November 2017.
  23. Verfassungsschutzbericht 2019, S. 79
  24. http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2017/11/02/die-rechte-verliert-vorsitzenden_24926
  25. Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen über das Jahr 2019, S. 101
  26. Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen über das Jahr 2019, S. 106 f.
  27. Lucius Teidelbaum: Rechte Reaktionen auf Corona www.hagalil.com, 24. März 2020
  28. Michael Klarmann: Mobilmachung gegen die „Corona-Diktatur“ www.bnr.de, 4. Mai 2020
  29. a b c Blick nach Rechts: „Die Rechte“ hofft auf Sachsen-Anhalt
  30. Norddeutscher Rundfunk: Die Rechte gründet Landesverband (Memento vom 17. März 2013 im Internet Archive), abgerufen am 28. April 2013
  31. Magazin quer des Bayerischen Rundfunks vom 16. Juli 2015.
  32. Worch-Partei stellt Aktivitäten ein. bnr, 10. März 2014.
  33. taz: Rechtsaußen auf verlorenem Posten, abgerufen am 1. März 2014'
  34. Wahlkreisbewerberinnen und Wahlkreisbewerber sowie Ersatzbewerberinnen und Ersatzbewerber der Landtagswahl 2013 (Memento vom 25. September 2013 im Internet Archive), abgerufen am 24. September 2013
  35. Endgültiges Ergebnis: 42 Main-Kinzig III, abgerufen am 27. Dezember 2013.
  36. Hannoversche Allgemeine Zeitung: Partei „Die Rechte“ tritt Nachfolge von NPD an, vom 21. Februar 2013, abgerufen am 17. März 2013
  37. Kreiszeitung Syke: Durchsuchung bei Dr. Rigolf Hennig
  38. Zuwenig Anhänger Beitrag in der TAZ vom 4. März 2014, abgerufen am 6. März 2014
  39. Hinweis auf: derwesten.de, abgerufen am 26. Mai 2014
  40. wa.de vom 26. Mai 2014: Hunsteger bleibt OB - doch mit wem wird er regieren?, abgerufen am 26. Mai 2014.
  41. „Die Rechte“ Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg
  42. https://wahlen.digistadtdo.de/wahlergebnisse/Kommunalwahl2020/05913000/html5/Ratswahl_NRW_22_Gemeinde_Stadt_Dortmund.html
  43. Verfassungsschutzbericht 2012, PDF-Datei (Memento vom 30. August 2017 im Internet Archive), online, abgerufen am 26. Mai 2014
  44. Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2012. 2013, S. 37 f. (niedersachsen.de [PDF]).
  45. 2 Vereitelter Anschlag - Partei „Die Rechte“ distanziert sich nicht von Tatverdächtigen, FAZ vom 23. Oktober 2015.
  46. "Rathaussturm" von Dortmund - Nazi-Gegner vor Gericht. Abgerufen am 16. November 2020 (deutsch).
  47. Zehn Verletzte bei Neonazi-Sturm auf Dortmunder Rathaus. WAZ, 26. Mai 2014.
  48. Haftstrafe für Neonazi nach "Rathaussturm" in Dortmund (Memento vom 27. November 2015 im Internet Archive). WDR, 26. November 2015
  49. Jörn Hartwich: Dortmunder Neonazis nach Rathaussturm freigesprochen. 30. November 2015, abgerufen am 16. November 2020 (deutsch).
  50. Rechtsextremer will Zahl der Juden wissen. Die Welt, 14. November 2014
  51. Neonazi fragt im Stadtrat nach Anzahl der Juden in Dortmund (Memento vom 18. Januar 2016 im Internet Archive) web.de, abgerufen am 15. November 2014.
  52. Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg für 2017, S. 160.
  53. Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 2018, S. 155 f.
  54. Bundesamt für Verfassungsschutz „Lagebild Antisemitismus“ (Juli 2020), S. 29 f.
  55. Patrick Gensing: Warum Nazis mit Islamisten gegen Israel marschieren. (Memento vom 17. Juli 2014 im Internet Archive) publikative.org, 15. Juli 2014.
  56. Christof Voigt: Anzeige wegen rechter Wahlplakate. www1.wdr.de, 7. Mai 2019
  57. Daniel Göbel: Meinungsfreiheit oder Hetze? Ärger in Neukirchen um israelfeindliche Wahlplakate. www.hna.de, 26. April 2019
  58. Gemeinde Pfinztal stellt Strafanzeige gegen rechtsextreme Partei kraichgau.news, 24. Mai 2019
  59. Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen über das Jahr 2019, S. 106
  60. Heike Kleffner: „Das Ende eines ‚Junggesellenabschieds‘. Ein rassistischer Überfall auf eine Eisdiele und dessen Folgen.“ In: Matthias Meisner, Heike Kleffner (Hrsg.): Extreme Sicherheit. Rechtsradikale in Polizei, Verfassungsschutz, Bundeswehr und Justiz. Herder, Freiburg 2019, S. 99
  61. Redaktion Audiatur: Die Partei „Die Rechte“ provoziert vor Pforzheimer Synagoge. In: Audiatur-Online. 22. Mai 2019, abgerufen am 28. Mai 2019 (deutsch).
  62. Provokation vor Pforzheimer Synagoge: Der Staatsschutz ermittelt. In: Badische Neueste Nachrichten. 21. Mai 2019, abgerufen am 28. Mai 2019 (deutsch).
  63. Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 2019, S. 165
  64. Reiner Burger: Maximale Provokation. www.faz.net, 9. November 2019
  65. Details zur Demo am 9. November in Bielefeld. www1.wdr.de, 20. November 2019
  66. Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen über das Jahr 2019, S. 141 f.
  67. Unerlaubter Waffenbesitz: Landeschef von Neonazi-Partei nach Medienberichten zu Geldstrafe verurteilt auf endstation-rechts.de vom 23. August 2016, abgerufen am 14. April 2021.
  68. Parteienlexikon.de: Die Rechte, 2005. Abgerufen am 29. Juli 2015.