Die Scholle

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Dieser Artikel behandelt das Märchen Die Scholle. Für die Künstlergemeinschaft, siehe Scholle (Künstlervereinigung); für den gleichnamigen Roman, siehe La barraca.

Die Scholle ist ein Tiermärchen (ATU 250A). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm ab der 4. Auflage von 1840 an Stelle 172 (KHM 172) und basiert auf Johann Jakob Nathanael Mussäus' Die Königswahl unter den Fischen im Jahrbuch des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde von 1840. Ludwig Bechstein übernahm es nach derselben Quelle in sein Neues deutsches Märchenbuch 1856 als Der Fischkönig (Nr. 25).

Inhalt[Bearbeiten]

Bei den Fischen herrscht Chaos. Sie wollen den zum König wählen, der am schnellsten schwimmen kann, um dem Schwachen zu helfen. Beim Rennen liegt der Hering vorn. Die Scholle ruft neidisch „De nackte Hiering?”. Seitdem steht ihr zur Strafe das Maul schief.

Herkunft[Bearbeiten]

In Ergänzung zu KHM 171 Der Zaunkönig zeigt dieser Text eine Königswahl der Fische und stammt ebenfalls von Johann Jakob Nathanael Mussäus, der ihn 1840 als Die Königswahl unter den Fischen veröffentlicht hatte. Eine ältere Vorlage ist nicht bekannt. Solche Erklärungssagen waren im 19. Jahrhundert besonders verbreitet, hier als Warnerzählung vor Überheblichkeit. Anders als Ludwig Bechsteins spätere Bearbeitung Der Fischkönig (Neues deutsches Märchenbuch 1856, Nr. 25) verzichtete der eher monarchistisch eingestellte Wilhelm Grimm auf Anspielungen auf die politische Lage in Deutschland, bis auf den vielleicht zweideutigen Ruf der Fische: „Wie schön wäre es, wenn wir einen König hätten, der Recht und Gerechtigkeit bei uns übte.“ Ursprungsgeschichten zur hässlichen Flunder, die anderen Fischen oder Heiligen eine Fratze schnitt, gab es schon vor Grimm v.a. in Meeresgebieten, und betreffen seltener Seezunge, chinesischen Barsch, den brasilianischen Fisch Aramança oder den japanischen Trepang. Sonst ist die Flunder literarisch kaum bezeugt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen herausgegeben von Heinz Rölleke. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort. 507. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe, Reclam-Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-15-003193-1, S. 259.
  • Rölleke, Heinz (Hrsg.): Grimms Märchen und ihre Quellen. Die literarischen Vorlagen der Grimmschen Märchen synoptisch vorgestellt und kommentiert., Schriftenreihe Literaturwissenschaft Bd. 35, 2., verb. Auflage, Wissenschaftlicher Verlag, Trier 2004, ISBN 3-88476-717-8, S. 328-329, 573-574.
  • Uther, Hans-Jörg: Handbuch zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. de Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-11-019441-8, S. 358-360.
  • Lixfeld, Hannjost: Flunder. In: Enzyklopädie des Märchens. Band 4. Berlin, New York 1984, S. 1373-1374.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Die Scholle – Quellen und Volltexte