Die Unbeugsamen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Film
Originaltitel Die Unbeugsamen
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2021
Länge 100 Minuten
Altersfreigabe FSK 0[1]
Stab
Regie Torsten Körner
Drehbuch Torsten Körner
Produktion Leopold Hoesch
Musik Stefan Döring
Kamera Johannes Imdahl, Claire Jahn
Schnitt Sandra Brandl
Besetzung

Herta Däubler-Gmelin
Elisabeth Haines
Renate Hellwig
Marie-Elisabeth Klee
Ursula Männle
Ingrid Matthäus-Maier
Christa Nickels
Renate Schmidt
Helga Schuchardt
Rita Süssmuth
Roswitha Verhülsdonk
Carola von Braun
Sabine Gräfin von Nayhauß-Cormons

Die Unbeugsamen ist ein deutscher Dokumentarfilm von Regisseur Torsten Körner, ein Porträt der Frauen der Bonner Republik, die sich ihre Beteiligung an den demokratischen Entscheidungsprozessen gegen erfolgsbesessene und amtstrunkene Männer wie echte Pionierinnen buchstäblich erkämpfen mussten.

Leopold Hoesch produzierte den Kinofilm, der am 26. August 2021[2] vom Majestic Filmverleih in den deutschen Kinos gestartet wurde.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Unbeugsamen erzählt von Frauen in der Bonner Republik, die um Teilhabe an politischen Entscheidungsprozessen kämpften und dabei Vorurteilen und sexueller Diskriminierung ausgesetzt waren. In Interviews sind u. a. Herta Däubler-Gmelin (SPD), Marie-Elisabeth Klee (CDU), Ursula Männle (CSU), Christa Nickels (Die Grünen), Ingrid Matthäus-Maier (FDP/SPD), Renate Schmidt (SPD) und Rita Süssmuth (CDU) zu sehen. Historische Aufnahmen zeigen darüber hinaus politische Größen wie Aenne Brauksiepe (CDU), Hildegard Hamm-Brücher (FDP), Waltraud Schoppe und Petra Kelly (Die Grünen).

Regisseur Torsten Körner veröffentlichte 2020 bei Kiepenheuer & Witsch das Sachbuch In der Männerrepublik – Wie Frauen die Politik eroberten.[3]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Unbeugsamen ist eine Produktion von Broadview Pictures in Co-Produktion mit ZDF/3sat, gefördert mit Mitteln von Film- und Medienstiftung NRW, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und Deutscher Filmförderfonds.

Vision Kino, die gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung der Film- und Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen, empfiehlt den Film für die Nutzung in Schulen mit dem Kommentar: „Eine bewegende und radikal aktuelle Chronik der Emanzipation“.[4]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur Zitate Dieser Abschnitt besteht nur aus einer listenhaften Sammlung von Zitaten aus Kritiken. Stattdessen sollte eine zusammenfassende Darstellung der Rezeption des Werkes als Fließtext erfolgen, wozu auch markante Zitate gehören können.

Ulrike Bremer berichtet in ttt – titel, thesen, temperamente: „Die rückblickende Bewunderung für diese Pionierinnen kann angesichts des flegelhaft dummpatzigen Verhalten ihrer Kollegen gar nicht groß genug sein. [...] Der Film entlarvt, dass die gute alte Zeit gar nicht so gut war. [...] Ein feiner Film, der nichts kommentiert, nur zeigt, wie es war.“[5]

Cosima Lutz schreibt in der Die Welt: „Regisseur Torsten Körner dokumentiert in dem Kinofilm „Die Unbeugsamen“ mit Witz und Gelassenheit eine andere Geschichte deutscher Politik, als wir sie kennen. [...] Ein so lustiger wie unaufgeregter, trotzdem fassungslos machender Film.“[6]

Anna Steinbauer formuliert in Süddeutsche Zeitung: der Film zeige „[…] bewegende Momente feministischer Errungenschaften – inklusive der Kämpfe, Schwierigkeiten und Demütigungen, denen politisch aktive Frauen ausgesetzt waren.“[7]

Margret Köhler schreibt in der Abendzeitung: „Ein unfassbares Dokument über Sexismus und Männerbünde gegen Frauen als Politikerinnen. [...] Regisseur Torsten Körner will der einseitig männerzentrierten Geschichtsschreibung etwas entgegensetzen und erzählt in der sehr fein montierten Zeitreise in die Bonner Republik wie sich diese eigenwilligen, streitbaren und widerborstigen Pionierinnen mühsam, geduldig und unerschrocken durchsetzten und eine eigene Stimme fanden. [...] Das schockierende, teilweise unveröffentlichte Archivmaterial zeigt, was los war im Hohen Haus, zeichnet von den 1950er Jahren bis zur Wiedervereinigung eine Epoche sexueller Diskriminierung und Demütigung. Dazu kommen manchmal bittere, absurde aber auch humorige Erinnerungen an westdeutsche Politik in den zahlreichen Interviews mit damaligen Politikerinnen, die sich mutig gegen Männermacht stellten, sich über die Parteigrenzen hinweg solidarisierten.“[8]

Annika Ross schreibt in der Emma: „Vieles ist komisch und bitter zugleich – und erschreckend aktuell“[9]

Walli Müller schreibt auf NDR.de: „Die Leistung dieser Frauen ist beeindruckend, ihr Durchhaltevermögen imponierend. Ebenso wie die Verbundenheit, die über die Parteigrenzen hinweg spürbar ist. [...] Das Land braucht sie wohl immer noch: die unbeugsamen Frauen in der Politik. Man sollte diesen großartigen Film über sie auf gar keinen Fall verpassen!“[10]

Luitgard Koch schreibt in programmkino.de: „Die spannende und bewegende Chronik westdeutscher Politik von 1950 bis zur Wiedervereinigung ist ein Dokumentarfilm wie er hellsichtiger und aktueller nicht sein könnte. Obwohl die Geschichte der Frauen in der Bonner Republik ein historisches Zeitdokument ist, wirft dieser unbedingt sehenswerte Rückblick in Zeiten von MeToo um Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt ein Schlaglicht auf das immer wieder zurückgedrängte Thema Emanzipation und Feminismus. Die stimmigen Interviews und historischen Aufnahmen zeigen wie sehr sich die Politikerinnen jedweder Coleur die Teilhabe an demokratischen Prozess im Bonner Parlament gegen ignorante Männer erkämpfen mussten. Grosses politisches Kino, das selbst den nächsten Backlash, der das Wort Feministin wieder zum Schimpfwort deklariert, übersteht. Denn Bilder und Fakten, die Regisseur Torsten Körner aufbereitete, um der männerzentrierten Geschichtsschreibung etwas entgegenzusetzen, sprechen für sich.“[11]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den ersten acht Wochen erreichten Die Unbeugsamen über 122.000 Besucher in den deutschen Kinos[12], damit war der Film einer der erfolgreichsten Dokumentarfilme der letzten Jahre und der erfolgreichste deutsche Arthouse-Film seit Wiedereröffnung der Kinos nach der Corona-Pandemie.[13]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2021 erhielt Die Unbeugsamen den Gilde-Filmpreis als bester Dokumentarfilm.[14]

Darüber hinaus kam das Werk in die engere Auswahl als deutscher Kandidat bei der Oscarverleihung 2022 in der Kategorie Bester internationaler Film eingereicht zu werden,[15] hatte aber gegenüber dem Spielfilm Ich bin dein Mensch das Nachsehen.

Premiere mit Angela Merkel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Premiere am 16. August 2021 im Berliner Delphi Filmpalast war Bundeskanzlerin Angela Merkel anwesend. Vor dem Film hielt sie eine kurze Ansprache.[16] Nach der Premiere wurde sie in der Bild-Zeitung für Fotos kritisiert, auf denen sie lachend abgebildet ist. Ihr wurde im Zusammenhang mit dem Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan Taktlosigkeit vorgeworfen. Die Bild-Zeitung druckte das Bild auf der Titelseite mit den Worten „Deutsche bangen in Afghanistan um ihr Leben […] Und Merkel lacht im Kino!“. Dabei verkannte die Bild-Zeitung, dass ihr Kinobesuch, übrigens der erste seit acht Jahren, ein politisches Statement für die Gleichberechtigung der Frau in Politik und Gesellschaft war. So schrieb Diana Zinkler in der WAZ: „Wenn die Kollegen, die sich darüber aufregen, sich auch nur einen Moment mit dem Inhalt des Filmes auseinandergesetzt hätten. [...] Nur wenn man Gleichberechtigung und Gerechtigkeit für unwichtig hält, verurteilt man diesen Kinobesuch.“[17] Und Felix Müller schrieb in der Berliner Morgenpost: „Als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihn sich vergangene Woche in einer Voraufführung angesehen hat, trug ihr das viel schäumende Kritik angesichts der aktuellen Lage in Afghanistan ein. Meistens im Rahmen einer Berichterstattung, die so tat, als habe sie sich einen x-beliebigen Popcornblockbuster angesehen und nicht eine Dokumentation mit einem so wichtigen wie immer noch relevanten Anliegen. Der Film ist ein einfühlsames, vielschichtiges Porträt des Kampfes um Gleichberechtigung, der immer noch andauert.“[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Die Unbeugsamen. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. DIE UNBEUGSAMEN. In: Majestic. Abgerufen am 18. Juli 2021 (deutsch).
  3. In der Männerrepublik kiwi-verlag.de, abgerufen am 8. Oktober 2020.
  4. Die Unbeugsamen visionkino.de, abgerufen am 8. Oktober 2020.
  5. Ulrike Bremer: Frauen als Menschen zweiter Klasse in der Bonner Republik In: ttt – titel, thesen, temperamente. Abgerufen am 22. September 2021.
  6. Cosima Lutz: „In diesem Kreis, meine Dame, sind auch Sie ein Herr!“ In: Die Welt. Abgerufen am 22. September 2021.
  7. Anna Steinbauer: Im Kino: Dokumentarfilm „Die Unbeugsamen“: „Macht wird als unweiblich empfunden“. Abgerufen am 24. September 2021.
  8. Margret Köhler: "Die Unbeugsamen": Tragen die denn einen BH? In: Abendzeitung. Abgerufen am 22. September 2021.
  9. Annika Ross: Filmtipp: Die Unbeugsamen. Abgerufen am 24. September 2021.
  10. Walli Müller: "Die Unbeugsamen": Dokumentarfilm über Frauen in der Politik. In: ndr.de. Abgerufen am 22. September 2021.
  11. Luitgard Koch: Die Unbeugsamen. In: programmkino.de. Abgerufen am 8. Oktober 2020.
  12. Kino Neustart: Herbstaufschwung In: blickpunktfilm.de. Abgerufen am 22. September 2021.
  13. Wochenendcharts nach Besucher In: blickpunktfilm.de. Abgerufen am 30. Oktober 2021.
  14. Gilde Filmpreise 2021. In: AG Kino – Gilde. 24. September 2020, abgerufen am 26. September 2020.
  15. Barbara Schuster: Zehn deutsche Filme stehen für die Oscar-Einreichung bereit. In: Blickpunkt: Film. 2. September 2021. Abgerufen am 16. September 2021.
  16. Dokumentation: Filmpremiere in Berlin: Merkel und die Unbeugsamen. In: Die Zeit. 17. August 2021, abgerufen am 21. August 2021.
  17. Diana Zinkler: Angela Merkel, der dumme August und ich im Kino In: WAZ. Abgerufen am 22. September 2021.
  18. Felix Möller: Ein langer Kampf gegen zähe Widerstände: „Die Unbeugsamen“ In: Berliner Morgenpost. Abgerufen am 22. September 2021.