Die Wannseekonferenz (2022)

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Film
Originaltitel Die Wannseekonferenz
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2022
Länge 105 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
Stab
Regie Matti Geschonneck
Drehbuch Magnus Vattrodt
Paul Mommertz
Produktion Friederich Oetker
Reinhold Elschot
Kamera Theo Bierkens
Schnitt Dirk Grau
Besetzung

Die Wannseekonferenz ist ein deutscher Fernsehfilm von Matti Geschonneck aus dem Jahr 2022. Das Filmdrama entstand anlässlich des 80. Jahrestags[2][3] der historischen Wannseekonferenz, die von den Nationalsozialisten am 20. Januar 1942 in einer Villa am Großen Wannsee in Berlin abgehalten wurde. Sinn und Zweck dieser Konferenz war die Besprechung der sogenannten Endlösung der Judenfrage. Von der Konferenz wurde nach Kriegsende lediglich eine einzige Protokollabschrift aufgefunden. Die Handlung des Films basiert auf dieser Ausfertigung.

Der Film ist seit dem 18. Januar 2022 in der ZDF-Mediathek verfügbar. Er wurde am 24. Januar 2022 zur Hauptsendezeit erstmals im ZDF gesendet und von einer Dokumentation zum Thema begleitet.[4][5]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Einladung von Reinhard Heydrich kommen am Vormittag des 20. Januar 1942 in einer Villa am Großen Wannsee in Berlin fünfzehn hochrangige Vertreter der nationalsozialistischen Reichsregierung und der SS-Behörden zu einer „Besprechung mit anschließendem Frühstück“ zusammen.

Ausschließliches Thema dieser Besprechungsrunde, die später als Wannseekonferenz in die Geschichtsbücher eingehen wird, ist die von den Nationalsozialisten so genannte Endlösung der Judenfrage. Die Teilnehmer besprechen dabei organisatorische Fragen und legen Zuständigkeiten fest, die den systematischen, millionenfachen Massenmord an den Juden Europas betreffen, der längst angefangen hatte.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wannseekonferenz entstand als Koproduktion des ZDF mit der Constantin Television GmbH und wurde vom FilmFernsehFonds Bayern und dem Medienboard Berlin-Brandenburg gefördert.

Die Dreharbeiten zum Film fanden im Zeitraum vom 3. November bis zum 18. Dezember 2020 unter dem gleichnamigen Arbeitstitel u. a. am Originalschauplatz sowie in den Studios der Berliner Union-Film in Berlin-Tempelhof statt.[2][3] Unterstützt wurde das Filmprojekt von der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, deren Räumlichkeiten sich in der historischen Villa am Berliner Wannsee befinden.[2][6]

Die Kamera führte Theo Bierkens – als verantwortliche Redakteure fungierten Frank Zervos und Stefanie von Heydwolff für das ZDF.[7] Produzenten waren Reinhold Elschot und Friederich Oetker; für den Ton zeichnete Max Meindl verantwortlich, für das Szenenbild Bernd Lepel, für das Kostümbild Esther Walz und für die Maske Franziska Knoll, Nicole Förster, Jeanne Gröllmann, Katja Schulze sowie Romy Meier.[7] Executive Producer war Oliver Berben.[7]

Weitere Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wannseekonferenz wurde bereits 1984 und 2001 verfilmt.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einschaltquoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Erstausstrahlung im ZDF erreichte Die Wannseekonferenz 5,93 Millionen Zuschauer (19,2 Prozent). Dazu kamen bis 14 Tage nach Online-Stellung in der ZDF-Mediathek annähernd 2 Millionen Abrufe, von denen 860.000 zur linearen Quote hinzuaddiert werden können, was zu einem Gesamtwert von etwa 6,8 Millionen Zuschauern führt.[8] Die anschließende Dokumentation Die Wannseekonferenz – Die Dokumentation wurde von etwa 3,92 Millionen Zuschauern (15,8 Prozent) verfolgt.[9]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfgang Höbel würdigte Matti Geschonnecks Film im Spiegel in einer gemeinsamen Besprechung mit Christian Schwochows München – Im Angesicht des Krieges als „strenges, finster entschlossenes Meisterwerk“. Seine Arbeit schildere „mit eisiger Akribie ein Bürokratenmeeting mit Frühstück, das der Verabredung zum millionenfachen Mord und dessen möglichst effizienter Organisation diente“. Sie lege mit maximaler Konzentration das Prosaische und Grausame eines fast gewöhnlichen Beamtentreffens offen.[10]

Das Lexikon des internationalen Films lobt den Film als „bedrückendes Dokumentarspiel über die eiskalten Strategen des Holocaust“, das „die nur etwas mehr als eine Stunde dauernden Ereignisse nahezu in Echtzeit, frei von inszenatorischen Schnörkeln und mit hochkarätiger Besetzung“ nachstelle.[11]

Alexander Gorkow und Joachim Käppner preisen das Fernsehspiel in der Süddeutschen Zeitung als „ruhiges, giftreiches, fesselndes Meisterwerk“, das den Zuseher nicht mehr loslasse. Besonders gelobt wird die Ensembleleistung, das Zusammenspiel der Darsteller, Drehbuchautoren, des Kameramanns und „aller an diesem dunklen Ballett Beteiligten“.[12]

Andreas Kilb kritisiert den Film in der FAZ, weil die darstellerische Absicht oft zu deutlich erkennbar sei: Die Schauspieler sprächen zum Teil „die Sprache der Comics“, sie spielten „mit der Fratze zum Publikum“. Eine Ausnahme bilde nur Jakob Diehl, der seinen Gestapo-Müller weitgehend „verbissen schweigend“ spiele: „Fünfzehn Männer beschließen den Völkermord, aber nur einer verrät es auf seinem Gesicht.“ Indem Geschonneck die Kulissen und die historischen Details penibel rekonstruiere, verschärfe er das „Dilemma des Geschichtsfernsehens“, das darin besteht, allzu leicht für eine authentische Geschichtsquelle gehalten zu werden.[13]

Timo Niemeier von DWDL.de ist der Ansicht, Die Wannseekonferenz „mute den Zuschauern einiges zu“ und sei auch deshalb „ein Muss“. Der Film breche „mit etablierten Film-Mechanismen und macht den perfiden Plan der Nazis und ihre Geisteshaltung nur allzu deutlich. Wie hier der Massenmord an Millionen Menschen besprochen wird, als sei es ein ganz normales Großprojekt des Verwaltungsapparats, bei dem es nur um Einzelheiten und Kompetenzen geht, ist schlicht atemberaubend.“[14]

Peter Kümmel würdigt den Film in der Zeit in einer ausführlichen Rezension als „großartig“ und fragt: „Der Film hat die Wirkung, dass sein Zuschauer sich die Frage stellt: Sind Umstände denkbar, unter denen ich an dieser Konferenz teilgenommen hätte?“ Man sei „so gebannt, dass man sich kein Wort entgehen lässt“; der Autor kommt zu dem Schluss: „Besser kann Fernsehen nicht sein“.[15]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

New York Festivals TV & Film Awards 2022

  • Gold-Award in der Kategorie Feature Films[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Die Wannseekonferenz. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 211121/V).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. a b c ZDF verfilmt ab November „Die Wannseekonferenz“. In: ZDF-Presseportal. Abgerufen am 26. Oktober 2021.
  3. a b Die Wannseekonferenz – Drehstart im November. Constantin Film, abgerufen am 26. Oktober 2021.
  4. Dreh für das Begleitprogramm zum Film „Die Wannseekonferenz“. In: ZDF-Presseportal. Abgerufen am 26. Oktober 2021.
  5. Timo Niemeier: ZDF nennt Sendetermin für „Wannseekonferenz“-Film. In: dwdl.de. 17. November 2021, abgerufen am 19. November 2021.
  6. Impressum. Abgerufen am 26. Oktober 2021.
  7. a b c Die Wannseekonferenz, TV-Film, 2020–2021 bei crew united, abgerufen am 26. Oktober 2021.
  8. Alexander Krei: „Wannseekonferenz“ baut Quoten aus, deutlich mehr Dschungel-Fans. In: DWDL.de. 3. Februar 2022, abgerufen am 8. Februar 2022.
  9. Veit-Luca Roth: „Die Wannseekonferenz“: Harte Kost, starke Quoten. In: Quotenmeter.de. 25. Januar 2022, abgerufen am 25. Januar 2022.
  10. Wolfgang Höbel: Die Brillanz des Bösen. In: Der Spiegel Nr. 3/2022. 15. Januar 2022, S. 120–121.
  11. Die Wannseekonferenz. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 24. Januar 2022. 
  12. Alexander Gorkow, Joachim Käppner: 80. Jahrestag der Wannseekonferenz im ZDF: Ein vollkommen erstaunlicher Film, sueddeutsche.de, 24. Januar 2022.
  13. Andreas Kilb: „Die Wannseekonferenz“ im ZDF: Die Massenmörder bitten zu Tisch, faz.net, 24. Januar 2022.
  14. Timo Niemeier: „Wannseekonferenz“ im ZDF: Der Holocaust als Verwaltungsakt. In: DWDL.de. 24. Januar 2022, abgerufen am 6. Februar 2022.
  15. Peter Kümmel: Die Wannseekonferenz. In: zeit.de. 19. Januar 2022, abgerufen am 8. Februar 2022.
  16. ZDF-Film „Wannseekonferenz“ gewinnt Gold bei New York Festivals. In: deutschlandfunk.de. 28. April 2022, abgerufen am 1. Mai 2022.