Die Wildgänse kommen
| Film | |
| Titel | Die Wildgänse kommen |
|---|---|
| Originaltitel | The Wild Geese |
| Produktionsland | Vereinigtes Königreich |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 1978 |
| Länge | 134 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | Andrew V. McLaglen |
| Drehbuch | Reginald Rose |
| Produktion | Euan Lloyd, Erwin C. Dietrich |
| Musik | Roy Budd, Joan Armatrading |
| Kamera | Jack Hildyard |
| Schnitt | John Glen |
| Besetzung | |
| |
Die Wildgänse kommen (Originaltitel: The Wild Geese) ist ein britischer Film von Andrew V. McLaglen aus dem Jahr 1978 nach dem Roman The Thin White Line von Daniel Carney. Der Titelsong Flight of the Wild Geese wurde von Joan Armatrading geschrieben und gesungen.
Handlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Auftrag eines britischen Konsortiums um den einflussreichen Londoner Bankier Sir Edward Matherson wird eine Kommandotruppe aus fünfzig Söldnern zusammengestellt, um im (fiktiven) afrikanischen Staat Zembala[2] den gestürzten und von den neuen Machthabern entführten Präsidenten Julius Limbani zu befreien. Man erhofft sich durch seine Wiedereinsetzung, die reichen Kupfervorkommen des Landes exklusiv ausbeuten zu können. Der schon etwas in die Jahre gekommene Colonel Allen Faulkner soll die Operation mit einer Truppe kampferprobter Veteranen durchführen, darunter seine engen Freunde Shawn Fynn und Rafer Janders. Janders will jedoch nicht an der Mission teilnehmen, da er alleinerziehender Vater ist. Durch einen Trick kann ihn Faulkner aber doch noch überreden mit ihm noch einmal in den Kampf zu ziehen. Vor ihrem Einsatz müssen alle Offiziere und Soldaten noch einige Tage unter der Aufsicht des altgedienten Sergeants Sandy Young ein körperlich sehr anspruchsvolles Wiederaufbautraining absolvieren.
Die Söldner springen nachts, etwas früher als geplant, aus einer Lockheed C-130 Hercules über dem Zielgebiet in Zembala mit Fallschirmen ab. Eine Abteilung befreit Limbani aus seiner Zelle, die andere sichert einen nahe gelegenen Flugplatz, wo die C-130 sie nach Abschluss der Mission wieder aufnehmen soll. Im Zuge der Kommandoaktion werden die meisten zembalischen Wachen mit Armbrustbolzen oder noch im Schlaf mit Giftgas nahezu geräuschlos getötet. Das Ausfliegen des (herzkranken) Präsidenten scheitert jedoch, da Matherson kein Interesse mehr an ihm hat. Der skrupellose Bankier hat in der Zwischenzeit mit den Emissären des Putschistengenerals Endova einen lukrativen Vertrag über die Schürfrechte abgeschlossen und glaubt, sich damit auch die noch ausständige Erfolgsprämie für die Söldner ersparen zu können. Er weist daher die Piloten der Herkules noch während der Landung über Funk an durchzustarten und ohne die Söldner zu ihrer Basis zurückzukehren.
Die Engländer versuchen daraufhin, mit gekaperten Armeefahrzeugen ihren Häschern zu entkommen. Hartnäckig verfolgt werden sie dabei von der zembalischen Eliteeinheit Simba, die von einem ostdeutschen Offizier befehligt wird. Während ihrer Flucht zur rhodesischen Grenze wird der Söldnerkonvoi an einer Brücke plötzlich aus der Luft angegriffen und Faulkner verliert durch den Abwurf einer Napalmbombe fast die Hälfte seiner Männer sowie den Großteil der Fahrzeuge. Die Truppe beschließt daher sich aufzuteilen und sich eine Zeitlang getrennt zu Fuß durch den Busch zu schlagen. Limbani wird dabei die ganze Strecke vom Südafrikaner Pieter Coetzee auf dem Rücken getragen, der ihm anfangs aufgrund seiner Hautfarbe und Kritik an der Apartheidspolitik in Südafrika skeptisch gegenübersteht. Schließlich stoßen sie nahe einem kleinen Eingeborenendorf auf ein Rollfeld, auf dem eine noch flugfähige Douglas DC-3 steht. Der Großteil der Söldner wird anschließend bei der Abwehr der Simbas getötet. Die Überlebenden können im letzten Moment mit dem schwerverletzten Limbani an Bord klettern und Shawn gelingt es trotz einer Schussverletzung die Maschine zu starten; der schwer am Bein verletzte Rafer schafft es jedoch nicht mehr die Maschine zu erreichen. Faulkner erschießt ihn, um ihm die Gefangennahme und Folter durch die von allen Seiten heranstürmenden Simbas zu ersparen. Während des Fluges nach Rhodesien geht der Treibstoff zur Neige. In letzter Sekunde erhalten sie mit Hilfe ihres prominenten Passagiers eine Landeerlaubnis für den Flugplatz der Hauptstadt Salisbury, Limbani stirbt jedoch vorher an den Folgen seiner Verletzungen.
Am Ende des Films dringt Faulkner in Mathersons Domizil in London ein und stellt ihn mit vorgehaltener Pistole wegen seines Verrates zur Rede. Das Angebot Mathersons, sein Leben gegen eine Zahlung von Lösegeld zu verschonen, nimmt er zum Schein an und erschießt ihn, nachdem er das Geld an sich genommen hat. In der Schlussszene nimmt er sich Rafers Sohn an, da er seinen Freund kurz vor seinem Tod noch versprochen hat sich um ihn zu kümmern.
Hintergrund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von der Star-Crew, die dem Produzenten Euan Lloyd vorschwebte, musste er nur auf Burt Lancaster verzichten, der die Rolle von „Rafer Janders“ spielen sollte, aber zu große Änderungen am Drehbuch verlangte. Als folgenschwer erwies sich das Engagement des Regisseurs Andrew V. McLaglen, der auf der schwarzen Liste von United Artists, Lloyds üblichem Verleihpartner in den USA, stand. Für den Co-Produzenten Erwin C. Dietrich, der von dessen Mitarbeiter Edi Stöckli gewonnen wurde, bedeutete es den Einstieg in ein unbekanntes Terrain. Auf die Dreharbeiten hatte er keinen Einfluss, von ihm stammt jedoch der deutsche Titel Die Wildgänse kommen. Mike Hoare agierte als technischer Berater. Sein Leben war die Vorlage für Richard Burtons Rolle.[3] Darüber hinaus waren auch zunächst noch andere Schauspieler im Gespräch, so schlugen die amerikanischen Investoren O. J. Simpson statt Roger Moore vor, Curd Jürgens sollte ursprünglich statt Hardy Krüger spielen, und Stewart Granger ersetzte in letzter Minute Joseph Cotten.[4]
Die meisten Aufnahmen entstanden ab September 1977 in Südafrika. Das unverhoffte Wohlwollen des südafrikanischen Regimes sowie die wenig transparenten Investgeschäfte der südafrikanischen Geldgeber riefen Kritik hervor. Der Film war zum Teil umstritten wegen der Apartheidspolitik in Südafrika (Drehort umfangreicher Außenaufnahmen) und einer rücksichtslosen Vorgehensweise der Filmhelden (Einsatz von Gas). Der Schauspieler Hardy Krüger hat sich später aufgrund des beim Filmschnitt veränderten Schwerpunktes, weg von dem eigentlichen politisch-sozialen Konflikt hin zu einer – vor allem in der Endphase – von Actionszenen dominierten Darstellung, von seiner Beteiligung distanziert.
Der Trailer von 1977 warb mit der Aussage: „50 stahlharte Söldner, sie fliegen wie die Vögel, sie kämpfen wie Schakale – Töten ist ihr Geschäft.“
Historischer Hintergrund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Wildgänse bezeichnete man Iren, die im 17./18. Jahrhundert in europäischen Armeen kämpften. Viele junge Iren mussten die Insel nach verlorenem Kampf zusammen mit den Jakobiten gegen König Wilhelm (William) von Oranien verlassen. Die erfolgreichste Wildgans war Peter Graf von Lacy. Colonel Mike Hoare, der militärtechnische Berater des Films, stand dabei als britischer Offizier Pate, denn seine Söldnertruppe im Kongo (5 Commando) wurde zumindest ideell in Anlehnung an die historischen Wildgänse aufgebaut.
Inhalt des Filmes ist die Befreiung eines Staatspräsidenten aus politischer Gefangenschaft. Der direkte Bezug lässt sich zum Kongo ausmachen, wo in den 1960er Jahren sowohl Patrice Lumumba als auch Moïse Tschombé entführt wurden und in den Händen ihrer politischen Gegner ums Leben kamen. Man kann unterstellen, dass der Film eine fiktive Befreiungsaktion zur Rettung Tschombés beschreibt, und es gab nach dessen Entführung und Gefangenhaltung in Algerien zumindest gerüchteweise auch Bestrebungen, einen ebensolchen Coup mit bezahlten Söldnern durchzuführen. Im Vorspann des Films ist ein Foto Tschombés zu sehen, und auch die in der Rückblende gezeigte Entführung des Flugzeugs mit Präsident Limbani an Bord ist eine deutliche Anspielung auf das Schicksal Tschombés.[5]
Laut der Special-Edition-DVD des Films (unter Making of) soll 1968 eine alte Douglas DC-3 Dakota in Rhodesien gelandet sein. An Bord waren nach Gerüchten ein schwarzer Präsident und zahlreiche tote und verletzte Söldner. Obwohl es am darauf folgenden Tag in der afrikanischen Presse stand, wurde die Geschichte nie bestätigt.
Simba heißt Löwe in der Sprache Swahili.
Erfolg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Film hatte an den internationalen Kinokassen großen Erfolg und entwickelte sich mit 3,69 Millionen Besuchern zu einem Zuschauermagneten. In der Schweiz zählte man bis 1978 263.013 Eintritte, bis 1980 mit Zweitauswertungen und Wiederaufführungen 333.358 Eintritte. Da sich der Co-Produzent Dietrich auch die Vermarktung auf Super-8, Video und im Fernsehen gesichert hatte, wurden die Wildgänse sein größter kommerzieller Erfolg überhaupt.
Der Film war auch in Großbritannien und anderen Ländern erfolgreich, nicht aber im wichtigen US-Geschäft. Nachdem der Distributions-Deal mit United Artists geplatzt war, schloss Lloyd mit dem Verleiher Allied Artists einen Vertrag. Kurz nach dem Anlaufen des Films musste Allied Artists Konkurs anmelden, so dass The Wild Geese in den Vereinigten Staaten weitgehend unbekannt blieb.
Fortsetzungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 1985 entstand eine Fortsetzung unter dem Titel Wildgänse 2; Regie führte Peter R. Hunt. Ursprünglich sollte im zweiten Teil erneut Richard Burton die Hauptrolle des Allen Faulkner spielen. Burton verstarb jedoch kurz vor Beginn der Dreharbeiten, so dass die Rolle kurzfristig mit Edward Fox umbesetzt wurde. Auch Roger Moore wurde angetragen, seine Rolle wieder aufzunehmen, allerdings war er „nicht sonderlich erpicht darauf“ und lehnte ab.[6] In weiteren Rollen waren Scott Glenn, Barbara Carrera und Laurence Olivier als Rudolf Heß zu sehen.
Neun Jahre nach dem ersten Teil (1986) wurde mit Die Rückkehr der Wildgänse eine weitere Fortsetzung gedreht, die jedoch in keinem Zusammenhang mit dem ersten Teil steht. Der Film gehört in die Reihe der Söldner-Filme, die von Erwin C. Dietrich, dem Co-Produzenten des Originals, produziert wurden (Geheimcode: Wildgänse, Kommando Leopard, Der Commander).
Kritiken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]„Der Abenteuerfilm huldigt einem fragwürdigen Männlichkeitskult und verschenkt ein wichtiges politisches Thema zugunsten oberflächlicher Unterhaltung.“
„Mit Starschauspielern dreht Andrew V. McLaglen ein Söldnerspektakel vom zweifelhaftem Inhalt. [In der] ganz auf Action und Gewalt angelegte[n] Geschichte […] wird hemmungslos dem Männlichkeitsideal des brutalen Draufgängers [gehuldigt], der sich im Kampf Mann gegen Mann bewährt, die Kameradschaft über alles setzt und beim Gegner keine Gnade kennt. Selbst vor Rassendiskriminierung schreckt McLaughlin dabei nicht zurück.“
„Die Wildgänse kommen gibt sich als Abenteuerfilm mit militärischem Zuschnitt, der kaum die Moral des Söldnerkommandos hinterfragt, andererseits rassistische Töne nicht ausspart […] Der wie ein lustiges Altherrenabenteuer wirkende, mit englischem Understatement inszenierte Film vermag dennoch als spannender Thriller, der allerdings unter seinen Möglichkeiten bleibt, mit einer Garde gestandener britischer Schauspieler zu unterhalten.“
„Die Wildgänse kommen von Andrew V. M.c-Laglen ist kein putziger Tierfilm aus der Disney-Produktion, sondern ein spekulatives Söldnerspektakel […]. Das Drehbuch […] ist eine üble Mixtur aus sich aktuell gebender Action und rüden Rassismen, auch wenn ab und an pseudo-versöhnliche Verständigungs-Sermone gehalten werden – was den Zynismus nur auf die Spitze treibt. In der Reihe schlechter McLaglen-Filme (Der letzte der harten Männer, 1976) ist The Wild Geese der bisherige Tiefpunkt.“
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Film erhielt im Jahr 1980 die Goldene Leinwand.
Synchronisation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Rolle | Darsteller | Synchronsprecher[8] |
|---|---|---|
| Allen Faulkner | Richard Burton | Horst Schön |
| Shawn Fynn | Roger Moore | Niels Clausnitzer |
| Rafer Janders | Richard Harris | Michael Chevalier |
| Pieter Coetzee | Hardy Krüger | Hardy Krüger |
| Sir Edward Matherson | Stewart Granger | Klaus Miedel |
| Arthur Witty | Kenneth Griffith | Klaus Kindler |
| Thomas Balfour | Barry Foster | Rolf Schult |
| Rushton | Patrick Allen | Wolfgang Pampel |
| Julius Limbani | Winston Ntshona | Christian Brückner |
| Vater Geoghagen | Frank Finlay | Joachim Kemmer |
| RSM Sandy Young | Jack Watson | Benno Hoffmann |
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Daniel Carney: Die Wildgänse kommen. Roman 12. Auflage. Heyne, München 1989, 252 S., ISBN 3-453-00917-7
- Benedikt Eppenberger, Daniel Stapfer: Mädchen, Machos und Moneten – Die unglaubliche Geschichte des Schweizer Kinounternehmers Erwin C. Dietrich. Verlag Scharfe Stiefel, Zürich 2006, ISBN 3-033-00960-3.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die Wildgänse kommen bei IMDb
- Die Wildgänse kommen bei Rotten Tomatoes (englisch)
- Titelsong The Flight of the Wild Geese gesungen von Joan Armatrading auf YouTube
- Filmkritik in Die Zeit vom 13. Oktober 1978
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Freigabebescheinigung für Die Wildgänse kommen. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Februar 2007 (PDF; Prüfnummer: 50 046 DVD).
- ↑ Mit der Amtssprache Swahili, erkennbar an den Beschriftungen im Militärlager.
- ↑ Alan Kolpon: 'Wild geese' fails to get off, in: Beaver County Times, November 21, 1978
- ↑ http://www.dasmanifest.com/03/1362.php
- ↑ Torsten Thomas, Gerhard Wiechmann: Moderne Landsknechte oder Militärspezialisten? Die „Wiedergeburt“ des Söldnerwesens im 20. Jahrhundert im Kongo, 1960–1967. In: Stig Förster, Christian Jansen, Günther Kronenbitter (Hrsg.): Rückkehr der Condottieri? Krieg und Militär zwischen staatlichem Monopol und Privatisierung; Von der Antike bis zur Gegenwart. Schöningh, Paderborn 2009, ISBN 978-3-506-76754-7, S. 282, Fußnote 61
- ↑ Roger Moore: Die Autobiographie: Mein Name ist Bond … James Bond I.P. Verlag, 2009, ISBN 978-3-931624-62-0, S. 266
- ↑ Die Wildgänse kommen. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 2. März 2017.
- ↑ Die Wildgänse kommen. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 12. Februar 2021.