Die blaue Hand (Film)

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Filmdaten
Originaltitel Die blaue Hand
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Produktionsland Bundesrepublik Deutschland
Erscheinungsjahr 1967
Länge 84 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Alfred Vohrer
Drehbuch Alex Berg
Produktion Horst Wendlandt
Musik Martin Böttcher
Kamera Ernst W. Kalinke
Schnitt Jutta Hering
Besetzung

Die blaue Hand ist der 28. Edgar-Wallace-Film der Nachkriegszeit. Der Kriminalfilm, frei nach dem gleichnamigen Roman (Originaltitel: The Blue Hand) von Edgar Wallace, wurde vom 9. Februar bis 22. März 1967 in West-Berlin unter der Regie von Alfred Vohrer gedreht. Die Uraufführung des von Rialto Film produzierten Films fand am 28. April 1967 im Gloria-Palast in Berlin statt.

Handlung[Bearbeiten]

Dave Emerson, einer von vier Söhnen eines nach Amerika entflohenen kriminellen Lords, steht wegen Mordes vor Gericht. Der Anwalt der Familie Lionel Douglas erreicht jedoch mit Hilfe des Irrenarztes Dr. Mangrove, dass Dave für geistesgestört erklärt und in Mangroves Anstalt eingeliefert wird. Dort verhilft ihm ein Unbekannter zur Flucht, und der Wärter, der ihn auf seiner Flucht zum elterlichen Schloss Gantry verfolgt, wird von einer vermummten Gestalt mit einer blauen Hand ermordet.

Inspektor Craig und Sir John von Scotland Yard treffen dann auf dem Schloss Daves Zwillingsbruder Richard sowie dessen Geschwister Robert, Charles, Myrna und deren Stiefmutter Lady Emerson. Craig durchsucht Daves Zimmer und findet merkwürdige Gegenstände, darunter einen Hinweis auf die „blaue Hand“, eine gefährliche Mordwaffe.

Während Myrna dem Angriff der blauen Hand entgeht, werden Robert und Charles von ihr getötet. Wenig später kommt Inspektor Craig dahinter, dass es sich bei Richard um Dave handelt. Der echte Richard scheint spurlos verschwunden. Inspektor Craig kommt zu dem Schluss, dass Dave unschuldig ist und zu Unrecht von Dr. Mangrove belastet wurde.

Es stellt sich heraus, dass Mangrove von einem geheimnisvollen Boss abhängig ist, in dessen Auftrag er Myrna entführt und sie bedrängt, um zu erreichen, dass sie eine Verzichtserklärung unterschreiben soll. Craig stellt fest, dass Lord Emerson in Amerika erneut vermögend wurde, inzwischen verstarb und in seinem Testament nicht Lady Emerson, seine zweite Frau, zur Erbin eingesetzt hat, sondern seine fünf Kinder. Nur nach dem Ableben der Kinder soll das Erbe an seine Frau fallen.

Dave entgeht einem Anschlag der blauen Hand. Craig gelingt es, die in eine Zelle mit Schlangen eingesperrte Myrna aus der Hand von Dr. Mangrove zu befreien und diesen sowie seinen Komplizen Reynolds zu verhaften. Bei einem weiteren Anschlag kann Dave die blaue Hand als den angeblich toten Gärtner Amery enttarnen. Als Drahtzieher wird der verschwundene Richard als Boss enttarnt.

Kritiken[Bearbeiten]

„So kann man dann beruhigt Spaß am Spaß haben, und die Gänsehaut läuft einem so angenehm wie selten den Rücken hinunter, weil man sie nicht mehr ernst nehmen muß. Das ist Gruseln zum puren Vergnügen.“

Filmecho, Mai 1967

„Vor nichts zurückschreckend, gestaltet der bewährte Regisseur Alfred Vohrer den Edgar-Wallace-Stoff zu einem Gruselfilm mit Geisterbahneffekten. Daß dabei gelegentlich ein ironischer Zug durchschimmert, erhöht noch den Spaß an dem vermummten Mörder mit der blauen Hand.“

Münchner Merkur

„Verworren im Drehbuch, streckenweise von starker Spannung.“

Lexikon des internationalen Films

„Vohrer versteht es […], Spannung und Atmosphäre zu erzeugen und einen optisch und darstellerisch einwandfreien Krimi in bester Wallace-Manier abzuliefern.“

Moviesection.de [1]

„Farbiger Wallace-Film aus dem Gruselkabinett. [...] Empfehlenswert nur für Leute mit einer Vorliebe für Ratten, Schlangen und Verrückte.“

Evangelischer Filmbeobachter[2]

Sonstiges[Bearbeiten]

Das Jagdschloss Grunewald (insbesondere Hof und Torbau) in Berlin diente als Kulisse für die Irrenanstalt.
  • Es gab zunächst zwei Treatments verschiedenen Inhalts von Herbert Reinecker (1966) sowie von Harald G. Petersson und Fred Denger (1966/67). In beiden Entwürfen handelt es sich bei der blauen Hand, wie im Roman, um ein Zeichen des Verbrechers. Herbert Reinecker schrieb auf Grundlage des zweiten Treatments unter seinem Pseudonym Alex Berg das Drehbuch, in dem es sich bei der blauen Hand schließlich um eine Mordwaffe handelte.
  • Die Außenaufnahmen der Irrenanstalt wurden am Jagdschloss Grunewald gedreht, bei Schloss Gentry handelt es sich um ein Gewerkschaftshaus am Kleinen Wannsee, wobei die Aufnahmen der Marmorhalle in einem Altersheim am Seebergsteig (heute Toni-Lessler-Straße) in Berlin-Grunewald entstanden. Weitere Außenaufnahmen fanden u. a. am Großen Wannsee statt. Die Innenaufnahmen filmte man in den Studios der CCC-Film im Berliner Bezirk Spandau.
  • Der Film enthält ausschließlich Aufnahmen aus dem damaligen West-Berlin.
  • Da Karl Löb mit einem anderen Projekt beschäftigt war, übernahm Ernst W. Kalinke die Kameraarbeit bei diesem Film. Dieser gehörte eigentlich zum Team um Regisseur Harald Reinl und drehte hiermit seinen letzten Edgar-Wallace-Film.
  • Ursprünglich sollte Hanns Lothar, der Anfang 1967 unerwartet verstarb, die Rolle des Inspektors spielen.
  • Klaus Kinski spielte zum ersten Mal eine Hauptrolle in einem Edgar-Wallace-Film, nach „Der rote Rausch“ (1962) die zweite seiner Karriere.
  • Ilse Pagé, die bereits 1966 eine Rolle in dem Wallace-Film „Der Bucklige von Soho“ hatte, spielte erstmals Mabel Finley, die Sekretärin von Sir John. Diese Rolle übernahm sie fortan in allen weiteren Wallace-Filmen von Alfred Vohrer.
  • Für Harald Leipnitz war dies der dritte und letzte Auftritt in einem Edgar-Wallace-Film. Auch die Darsteller Albert Bessler (sechs Filme) sowie Carl Lange und Ilse Steppat (jeweils drei Filme) nahmen Abschied von der Reihe.
  • Für die Szene mit der Spritze, die Myrna Emerson empfängt, stellte Regieassistentin Eva Ebner ihren Arm zur Verfügung. Die Stimme vom Boss stammte von Regisseur Alfred Vohrer.
  • Der Wärter Reynolds fährt einen linksgesteuerten (deutschen) Kleinbus, obwohl in England, wo der Film spielt, Linksverkehr herrscht.
  • Beim Mord an Robert Emerson ist die „Hand“ nicht blau, sondern silberfarbig, ohne Farbanstrich.
  • Die FSK gab den Film, nach der Kürzung der Ermordungsszene von Charles Emerson, ab 16 frei. Seit 1991 ist der Film ab 12 freigegeben, auch mit den später wieder eingefügten Szenen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Edgar Wallace: Der Hexer / Die blaue Hand / Das Geheimnis der gelben Narzissen. Drei Romane in einem Band. Deutsche Übersetzung. Goldmann Verlag, München 2007, ISBN 978-3-442-55502-4.
  • Joachim Kramp, Jürgen Wehnert: Das Edgar Wallace Lexikon. Leben, Werk, Filme. Es ist unmöglich, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu sein! Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2004, ISBN 3-89602-508-2.
  • Joachim Kramp: Hallo! Hier spricht Edgar Wallace. Die Geschichte der legendären deutschen Kriminalfilmserie von 1959–1972. 3. Auflage. Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Berlin 2005, ISBN 3-89602-645-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Filmkritik von Thomas Ays bei moviesection.de
  2. Evangelischer Presseverband München, Kritik Nr. 184/1967