Die blinde Eule

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Die blinde Eule (persisch بوف کور, Būf-e Kūr) ist ein Kurzroman des iranischen Schriftstellers Sadeq Hedayat und gilt als dessen Meisterwerk.

Auf Persisch verfasst, handelt das düstere Werk von den fiebernden Alpträumen eines Malers, in denen dieser dem Tod Allmacht über das Leben einräumt: "Unser ganze Leben lang weist der Finger des Todes auf uns." Die todesaffinen Trauminhalte bekennt der Erzähler einem Schatten an der Wand, der den Umriss einer Eule hat, und berichtet von den Albträumen, in denen er sich umfassend mit dem Tod und seinen Auswirkungen auf das Leben auseinandersetzt.

Das Buch wurde 1936 in den letzten Jahren der Regentschaft Reza Schahs (1925–1941) verfasst. Ursprünglich erschien es in einer limitierten Auflage im indischen Mumbai, wo sich Hedayat 1937 für zwei Jahre aufhielt, mit dem Vermerk "Nicht für den Verkauf oder die Veröffentlichung in Iran". Nach der Abdankung Reza Schahs 1941 erschien der Roman in Teheran (zunächst als eine Fortsetzungsgeschichte in der Tageszeitung Iran) und hatte eine unmittelbare und starke Resonanz. Wegen angeblicher Gefährdungen (er verleite wegen seines Nihilismus zum Selbstmord) wurde der Roman zwischenzeitlich verboten.[1] Man geht davon aus, dass das Werk bereits 1930 in weiten Teilen fertiggestellt war, als sich der Autor Sadegh Hedayat zum Studium in Paris aufhielt. Hedayat scheint in diesem Werk europäische Literaturströmungen, etwa den Surrealismus, rezipiert zu haben, was für die iranische Erzähltradition eine Herausforderung darstellt. Auch aus diesem Grund gilt Die blinde Eule als eines der Hauptwerke der modernen iranischen Literatur des 20. Jahrhunderts.[2]

André Breton bezeichnete Die blinde Eule als einen Klassiker des Surrealismus.[3]

Das Werk wurde 1987 von dem chilenischen Filmemacher Raúl Ruiz verfilmt.

Interpretation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Werk enthält unter anderem Anspielungen auf den Tibetischen Buddhismus, insbesondere auf das Bardo Thodol. Oft sind Szenen und Erinnerungen rauschartig ineinander verflochten, sodass sich keine klare, dramaturgische Handlung nacherzählen lässt.

Deutschsprachige Ausgaben (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Farahbakhsh, Alireza; Haghshenas, Saleh (2014-12-23): "Exploring Bergsonian time in Sadeq Hedayat's The Blind Owl". In: Journal of European Studies, vol. 45 (2), S. 93–105 (Englisch) doi=10.1177/0047244114559343|s2cid=170581529
  2. Coulter, Yasamine C. "A Comparative Post-Colonial Approach to Hedayat's The Blind Owl." CLCWeb: Comparative Literature and Culture 2.3 (2000)
  3. Sadeq Hedayat, Iranien (1903-1951) (Memento des Originals vom 10. Oktober 2004 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jose-corti.fr, éditions Corti
  4. NDR: Die blinde Eule. Abgerufen am 14. Mai 2020.