Die linke Hand der Dunkelheit

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Die linke Hand der Dunkelheit (Originaltitel The Left Hand of Darkness, in Deutschland ursprünglich unter dem Titel Winterplanet veröffentlicht) ist ein 1969 erschienener, zum Hainish-Zyklus gehörender Science Fiction-Roman der Autorin Ursula K. Le Guin in der Übersetzung von Gisela Stege. Er gilt als einer der ersten Romane der feministischen Science Fiction und ist sicherlich die bekannteste Behandlung der Androgynität innerhalb des Genres.

1970 erhielt der Roman sowohl den Hugo als auch den Nebula Award als bester Roman des Jahres. 1987 wurde er von den Lesern des Magazins Locus zum zweitbesten Science Fiction & Fantasy Roman (nach Dune von Frank Herbert) gewählt[1].

Im Vorwort nennt Le Guin den Roman (und einen Großteil der Science Fiction) ein "Gedankenexperiment", das in diesem Fall eine mögliche Gesellschaft ohne die sexuelle Unterteilung in Männer und Frauen erforscht. Zudem soll der Roman eine weniger offensichtliche Wahrheit über die Menschheit ausdrücken: ihr, aus einem bestimmten Winkel betrachtet, androgynes Wesen.

Le Guin hat noch weitere auf der Welt dieser Geschichte spielende Erzählungen geschrieben, darunter "Winter's King" (1969), laut der Autorin die literarische "Geburtsstunde" der Welt Winter.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ökumene, ein Weltenkollektiv, hat den männlichen Terraner Genly Ai als Abgesandten zum Planeten Winter (in der Sprache der Bewohner "Gethen") geschickt; er soll die Bewohner dazu bewegen, Teil des Kollektivs zu werden. Auf Winter herrscht beständig ein harsches, kaltes Klima. Die Bewohner sind "ambisexuell"; die meiste Zeit sind sie asexuell, doch einmal im Monat nehmen sie, während einer "Kemmer" genannten Zeit, männliche oder weibliche Eigenschaften an und werden sexuell aktiv.

Genly landet im Königreich Karhide; sein Auftrag verläuft zuerst nicht besonders erfolgreich. Er hat das Gefühl, hingehalten zu werden, und obwohl der Premierminister des Königreichs, Estraven, schließlich von seiner Sache überzeugt zu sein scheint, plagen Genly Zweifel. Estraven erscheint ihm undurchsichtig, ausweichend. Er kann ihn nicht begreifen. Am Tag der ersten Audienz beim König erfährt Genly, dass Estraven des Verrats beschuldigt wurde und in das Nachbarland Orgoreyn geflohen ist. Der König lehnt die Mitgliedschaft in der Ökumene ab. Genly beschließt, nach Orgoreyn zu reisen.

Während die Bewohner Karhides ihre Leben am Shiftgregor, formalen Verhaltensregeln und Traditionen, ausrichten, steht bei den Bewohnern Orgoreyns Technik und Logik im Vordergrund. Hier verläuft die Kommunikation direkter; die Herrscher der Orgota scheinen seinem Vorschlag positiv gegenüber zu stehen. Doch Estraven, dem Genly hier erneut begegnet ist, warnt ihn vor den Landesherrschern. Genly ignoriert die Warnung ebenso wie sein Bauchgefühl. In derselben Nacht wird er in ein Arbeitslager im fernen Norden geschickt, wo er sein Leben beenden soll.

Doch obwohl Genly Estraven keinerlei Vertrauen entgegenbringt, ist es ausgerechnet er, der ihn zu retten versucht. Er verhilft ihm zur Flucht aus dem Arbeitslager. Gemeinsam unternehmen sie die sehr gefährliche, noch nie zuvor versuchte Reise über das Gobrin-Eisfeld zurück nach Karhide, wo Estraven sich für die Mitgliedschaft in der Ökumene einsetzen möchte. Durch die gemeinsame Erfahrung beginnen die beiden, einander zu trauen und ihre Unterschiede zu respektieren. Während des "Kemmer" wird Estraven zu einer "Frau". Genly, der Estraven eher für "männlich" hielt, ignoriert die Episode.

Als sie Karhide erreichen, wird Estraven getötet. Genly wird klar, dass er einen echten Freund verloren hat. Durch die Nachwirkungen von Estravens Tod treten zuerst Karhide und dann Orgoreyn der Ökumene bei; Genly wird klar, dass sein Freund Estraven seine Existenz dem Wohl der Vielen geopfert hat.

Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte wird über Genlys Berichte, aufbewahrt in den "Archiven Hains", erzählt. Dabei wandelt sich Genlys Stil vom distanzierten Beobachter zu einem beteiligten Berichterstatter, der auch seine eigene Geschichte erzählte und auch eigene Fehler und fehlerhaft entwickelte Vorstellungen reflektiert. Entsprechend wird der Text auch als Bildungsroman angesehen[2].

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Algis Budrys nannte den Text "das Werk einer hervorragenden Schriftstellerin, eine mitreißende Geschichte über Risiken und Ambitionen, in der die Liebe und andere menschliche Eigenschaften in einem neuen Zusammenhang dargestellt werden"[3].

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "Locus Poll Best All-time Novel Results: 1987, sf novels". Locus. August 1987. Abgerufen April 12, 2012
  2. Reid, Suzanne Elizabeth (1997). Presenting Ursula Le Guin. New York: Twayne. ISBN 0805746099.
  3. "Galaxy Bookshelf", Galaxy Science Fiction, Februar 1970, pp. 144–45, 158.; "...a novel written by a magnificent writer, a totally compelling tale of human peril and striving under circumstances in which human love, and a number of other human qualities, can be depicted in a fresh context."