Die persischen Qanate

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Die persischen Qanate
UNESCO-Welterbe-Emblem UNESCO-Welterbe

مسیر توریستی غال شغال.jpg
Qasabeh-Qanat in Gonabad
Staatsgebiet: IranIran Iran
Typ: Kultur
Kriterien: (iii)(iv)
Fläche: 14.565 ha
Pufferzone: 355.249 ha
Referenz-Nr.: 1506
UNESCO-Region: Asien und Pazifik
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 2016  (Sitzung 40)

Die persischen Qanate [1] ist eine von der UNESCO gelistete Stätte des Weltkulturerbes im Iran.[2] Die serielle Welterbestätte umfasst elf Qanate, die zum Gewinnen von Trink- und Nutzwasser aus dem Grundwasser höher gelegener Regionen dienen.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prinzipieller Aufbau eines Qanats

Das System der Wassergewinnung durch Qanate wurde vor mehreren tausend Jahren im Gebiet des Iran entwickelt und breitete sich von dort aus weiter aus. Qanate finden sich vor allem bei Siedlungen, die in der Nähe relativ niederschlagsreicher Berge liegen. Das beispielsweise durch Steigungsregen niedergehende Wasser versickert und sammelt sich in einem Grundwasserleiter. Im Bereich der Siedlung liegt der Grundwasserleiter oft zu tief unter der Oberfläche, um mit Brunnen Wasser daraus zu gewinnen.

Daher wird Wasser weiter oben am Hang dem Grundwasserleiter entnommen und über einen unterirdischen Qanat-Kanal, der ein wesentlich geringeres Gefälle als der Hang und der Grundwasserleiter hat, in die Siedlung geleitet. Durch sein geringes Gefälle tritt der Qanat-Kanal an einer Stelle aus dem Hang aus, und das Wasser kann dort zur Wasserversorgung der Siedlung oder zur Bewässerung von Feldern abgezapft werden. Vertikale Zugangsschächte dienten zunächst dem Bau des Kanals und dann auch zu dessen Wartung und Reinigung. Durch die unterirdische Führung des Kanals ist der Wasserverlust durch Verdunstung verringert, was vor allem in heißen, trockenen Gebieten von Vorteil ist.

Einschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die persischen Qanate wurden 2016 aufgrund eines Beschlusses der 40. Sitzung des Welterbekomitees in die Liste des UNESCO-Welterbes eingetragen.[3] Die elf für das Welterbe ausgewählten Qanate mit ihren jeweiligen Quellen und Strukturen verdeutlichen die Vielfalt der verwendeten Techniken und die Varianz der Kanalsysteme hinsichtlich ihrer geografischen Verteilung, Länge und Entstehungszeit. Einige der Strukturen sind darüber hinaus von besonderer Bedeutung aufgrund ihrer Verbindung mit bestimmten Ritualen oder religiösen Strömungen, so beispielsweise im Falle der Qanate Ebrahim Abad und Mozd Abad.[4] Die Eintragung erfolgte aufgrund der Kriterien (iii) und (iv).[2]

(iii): Das persische Qanat-System ist ein außergewöhnliches Zeugnis für die Tradition der Wasserversorgung von Trockengebieten zur Unterstützung von Siedlungen. Die technologischen und kommunalen Errungenschaften der Qanate spielen eine wichtige Rolle bei der Bildung verschiedener Zivilisationen. Ihre entscheidende Bedeutung für das größere Trockengebiet drückt sich im Namen des Wüstenplateaus des Iran aus, das als "Qanat-Zivilisation" bezeichnet wird. Die Ausbreitung von Primärsiedlungen auf Schwemmfächern des inneren Plateaus und der Wüsten des Iran ist unmittelbar mit dem Verteilungsmuster des Qanat-Systems im ganzen Land verbunden. Das System stellt auch eine außergewöhnlich lebendige kulturelle Tradition der kommunalen Bewirtschaftung der Wasserressourcen dar.

(iv): Das persische Qanat-System ist ein herausragendes Beispiel für ein technologisches Ensemble, das bedeutende Etappen in der Geschichte der menschlichen Besiedlung von ariden und semi-ariden Regionen illustriert. Basierend auf komplexen Berechnungen und außergewöhnlichen architektonischen Qualitäten wurde das Wasser allein durch Schwerkraft über weite Strecken gesammelt und transportiert, und diese Transportsysteme wurden über Jahrhunderte und teilweise Jahrtausende aufrechterhalten. Das Qanat-System ermöglichte Siedlungen und Landwirtschaft, inspirierte aber auch zur Schaffung eines wüstenspezifischen Architektur- und Landschaftsstils, der nicht nur die Qanats selbst, sondern auch die damit verbundenen Strukturen wie Wasserreservoirs, Mühlen, Bewässerungssysteme und Gärten einbezieht.

Umfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Welterbestätte umfasst elf voneinander getrennte Areale. Diese haben insgesamt einen Schutzbereich von 14.565 ha. Die einzelnen Schutzbereiche sind jeweils von Pufferzonen umgeben, die insgesamt eine Fläche von 355.249 ha haben.[5]

Ref.-Nr. Bezeichnung Lage Schutzbereich Pufferzone
1506-001 Qasabeh-Qanat Gonabad
Verwaltungsbezirk Gonabad
Provinz Razavi-Chorasan
(Geokoordinaten)
4.492 ha 25.805 ha
1506-002 Qanat von Baladeh Eslamiyeh
Provinz Süd-Chorasan
(Geokoordinaten)
2.757 ha 19.321 ha
1506-003 Qanat von Zārtsch Zārtsch
Provinz Yazd
(Geokoordinaten)
3.984 ha 125.162 ha
1506-004 Hasam-Abade-Moshir-Qanat 2.759 ha 121.662 ha
1506-005 Ebrahim-Abad-Qanat 1.238 ha 23.655 ha
1506-006 Qanat von Vazvan 5 ha 29.631 ha
1506-007 Mozd-Abad-Qanat 3.636 ha 29.631 ha
1506-008 Qanat des Mondes Ardestān
Provinz Isfahan
(Geokoordinaten)
5 ha 3.047 ha
1506-009 Qanat von Gohariz Dschupār
Provinz Kerman
(Geokoordinaten)
151 ha 2.980 ha
1506-010 Ghasem-Abad-Qanat 15 ha 80 ha
1506-011 Akbar-Abad-Qanat 15 ha 80 ha
Summen: 14.565 ha 355.249 ha

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das persische Qanat-Bewässerungssystem. In: Das UNESCO-Welterbe. Kunth Verlag, München 2017, ISBN 978-3-95504-413-8, S. VIII.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Offizielle Bezeichnungen: englisch The Persian Qanat, französisch Le qanat perse, deutsche Bezeichnung entsprechend Welterbeliste. In: www.unesco.de. Deutsche UNESCO-Kommission, abgerufen am 1. Juni 2018.
  2. a b The Persian Qanat. In: whc.unesco.org. UNESCO World Heritage Centre, abgerufen am 21. Januar 2018 (englisch).
  3. Decision : 40 COM 8B.21. In: whc.unesco.org. UNESCO World Heritage Centre, 2016, abgerufen am 11. Juni 2018 (englisch).
  4. Die persischen Qanate: Meisterwerke technischen Könnens. In: www.unesco.de. Deutsche UNESCO-Kommission, abgerufen am 11. Juni 2018.
  5. The Persian Qanat. Maps. In: whc.unesco.org. UNESCO World Heritage Centre, abgerufen am 22. Januar 2018 (englisch).