Die rote Herberge (Film)

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Filmdaten
Deutscher TitelDie rote Herberge
OriginaltitelL’auberge rouge
ProduktionslandFrankreich
OriginalspracheFranzösisch
Erscheinungsjahr1951
Länge100 Minuten
AltersfreigabeFSK 16
Stab
RegieClaude Autant-Lara
DrehbuchJean Aurenche
Pierre Bost
Claude Autant Lara
MusikRené Cloërec
Yves Montand (singt Einleitung und Abspann)
KameraAndré Bac
SchnittMadeleine Gug
Besetzung

Die rote Herberge (auch: Die unheimliche Herberge) ist eine komödiantische Verfilmung eines historischen Kriminalfalls, der sich im 19. Jahrhundert in einer Herberge in der Ardèche zugetragen hat. Mittlerweile gibt es vier Verfilmungen; dieser Artikel behandelt diejenige aus dem Jahre 1951.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Gruppe Reisender übernachtet in einer einsamen Herberge mitten in den Bergen der Ardèche, ebenso ein Bettelmönch und ein Novize. Die Frau des Herbergsvaters beichtet dem Mönch, dass sie und ihr Mann schon über hundert Gäste mit einem Schlaftrunk vergiftet, ihrer Habseligkeiten beraubt und die Leichen im Garten vergraben haben.

Das letzte Opfer, ein Leierkastenspieler, ist erst wenige Stunden zuvor ermordet worden. In der Eile ist er im Innern eines Schneemannes im Garten versteckt worden. Die aktuellen Gäste sollen die letzten Opfer sein, denn das Ehepaar plant, sich zur Ruhe zu setzen.

Die Frau legt dem Mönch nahe, das Haus noch in der Nacht zu verlassen, da ihm sonst "dieselbe Behandlung wie den anderen" bevorstehe. Die arglose und übermütige Reisegruppe hindert ihn jedoch an der Flucht. Verzweifelt versucht der Mönch in der Folge, das Leben der Gäste zu retten, ohne seine Schweigepflicht und das Beichtgeheimnis zu verletzen.

In der Zwischenzeit haben sich die Tochter der Wirtsleute und der Novize ineinander verliebt. Als der Herbergsvater vom Mönch erfährt, dass der junge Mann der Sohn eines Gerichtspräsidenten ist, zwingt er den Priester, das Paar zu trauen, weil er sich von der Verbindung Vorteile im Fall einer Verhaftung verspricht.

Die Zeremonie am folgenden Morgen wird von zwei berittenen Gendarmen unterbrochen, die dem Spielmann dessen entlaufenen Affen zurückbringen wollen. Dem Mönch gelingt es, dass diese seine Leiche im Schneemann entdecken und die Wirtsleute samt ihrem Hausdiener verhaften.

Die Reisegruppe macht sich erleichtert mit der Kutsche auf den Weg ins Tal, stürzt aber, wie die Geräusche während der Schlussszene verraten, beim Überfahren der vom Hausdiener in der Nacht sabotierten Brücke in den Tod.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film karikiert die Leichtgläubigkeit der gebildeten bürgerlichen Reisegesellschaft, die Möglichkeit, mit Hilfe der Obrigkeit straffrei davonzukommen, und den Habitus des Ordensmannes, der zwischen Pflicht und Eigennutz sowie zwischen Ordensregel und eigenem Genuss hin- und hergerissen ist.

Die kirchenkritischen Ansichten einiger Reisender, die zu reinen Äußerlichkeiten herabgestuften religiösen Handlungen des Mönchs sowie seine respektlose Hochzeitspredigt erweckten den Zorn konservativer Kreise und führten zu einer ganzen Kampagne gegen den Film und den Regisseur.

  • film-dienst: Eine hervorragend gestaltete sardonische Farce, die respektlos mit dem Makabren spielt. Der Hang zur Symbolträchtigkeit wird durch die wohldosierte Komik des großartigen Fernandel abgefangen.
  • Reclams Filmführer: Eine böse Satire, die mit komödiantischer Leichtigkeit inszeniert wurde. Vordergründig herrscht die Komik ... Aber stets ist auch der Aberwitz spürbar: Die Beichte soll den Mord absichern, ein Affe holt die Rettung, der gute Rat bedeutet den Untergang.[1]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als literarische Vorlage des Films wird gerne die gleichnamige Erzählung von Honoré de Balzac angeführt. Tatsächlich aber hat diese mit dem historischen Fall nichts gemein: Balzac verfasste sie zwei Jahre, bevor die Geschehnisse in der Ardèche aufgedeckt wurden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reclams Filmführer, 2.A. 1973, ISBN 3-15-010205-7