Die tote Stadt

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Dieser Artikel behandelt die Oper Die tote Stadt. Zu anderen Bedeutungen siehe Tote Stadt.
Werkdaten
Titel: Die tote Stadt
Opernhaus Graz, 2015

Opernhaus Graz, 2015

Originalsprache: deutsch
Musik: Erich Wolfgang Korngold
Libretto: Paul Schott
Uraufführung: 4. Dezember 1920
Ort der Uraufführung: Stadttheater Hamburg und Stadttheater Köln
Spieldauer: 3 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Brügge, Ende des 19. Jahrhunderts
Personen
  • PaulTenor
  • Marietta, (Tänzerin), die Erscheinung Mariens (Pauls verstorbener Gattin) – Sopran
  • Frank, Pauls Freund – Bariton
  • Brigitta (bei Paul) – Alt
  • Juliette (Tänzerin) – Sopran
  • Lucienne (Tänzerin) – Mezzosopran
  • Gaston (Tänzer) – stumme Rolle (Komparse)
  • Victorin (der Regisseur) – Tenor
  • Fritz, der Pierrot – Bariton
  • Graf Albert – Tenor

Die tote Stadt, op. 12, ist eine durchkomponierte Oper in drei Bildern mit einer Musik von Erich Wolfgang Korngold und Texten von Paul Schott alias Julius Korngold, Erich Wolfgang Korngolds Vater. Das Libretto basiert auf dem symbolistischen Roman Das tote Brügge (Bruges-la-morte, 1892; deutsche Übersetzung: 1903) von Georges Rodenbach (1855–1898).

Aufführungsgeschichte[Bearbeiten]

Die Oper wurde mit großem Erfolg am 4. Dezember 1920 gleichzeitig im Stadttheater Hamburg (Dirigent: Egon Pollak) sowie im Stadttheater Köln (Dirigent: Otto Klemperer) uraufgeführt. Bis in die 1950er Jahre folgten weltweit Aufführungen auf ca. 80 Bühnen, unter anderem auch 1921 in der Metropolitan Opera, wo Maria Jeritza in der Rolle der Marietta ihr Debüt an der Met gab. Später wurde das Werk von den Nationalsozialisten vom Spielplan verbannt. Nach Korngolds Tod geriet das Stück weitgehend in Vergessenheit, wird aber seit 1967 Volksoper Wien und den 1970er Jahren wieder regelmäßiger aufgeführt: In der New York City Opera entstand auch eine erste Gesamtaufnahme, 1983 wurde die Produktion in der Deutschen Oper Berlin – die später auch an die Wiener Staatsoper übernommen wurde – für das Fernsehen aufgezeichnet und erschien später als CD. Anselm Weber inszenierte die Oper 2009 in der Frankfurter Oper.[1] Eine Aufführung in jüngster Zeit wurde von Johannes Erath im Jahr 2015 am Opernhaus Graz inszeniert. Bis 2015 gab es weltweit etwa 550 Aufführungen.[2]

Besetzung[Bearbeiten]

Chor und Ballett

  • Beghinen, die Erscheinung der Prozession
  • Tänzer und Tänzerinnen

Orchester

  • Piccolo (auch 3. Flöte), 2 Flöten (2. auch 2. Piccolo), 2 Oboen, Englisch Horn, 2 Klarinetten in B, Bassklarinette in B, 2 Fagotte, Kontrafagott
  • 4 Hörner, 3 Trompeten, Basstrompete, 3 Posaunen, Tuba,
  • Mandoline, 2 Harfen, Celesta, Klavier, Harmonium,
  • 4 Pauken, Schlagzeug (Glockenspiel, Xylophon, Triangel, Tamburin, Ratsche, Kleine Trommel, Große Trommel mit Becken, freihängendes Becken, TamTam, Rute),
  • Streicher

Auf der Bühne

  • Orgel
  • 2 Trompeten
  • 2 Klarinetten
  • Triangel
  • Tamburin
  • Kleine und Große Trommel
  • Becken
  • 7 tiefe Glocken
  • Windmaschinen
  • 1. Loge rechts: 2 Trompeten, 2 Posaunen

Handlung[Bearbeiten]

Ort und Zeit: Brügge, Ende des 19. Jahrhunderts

1. Akt[Bearbeiten]

1. Akt: Gal James als Marietta, Oper Graz 2015

Paul bewohnt ein Zimmer in Brügge, das er „die Kirche des Gewesenen“ nennt, denn alles darin erinnert ihn an seine verstorbene Frau Marie. In einer Vision erscheint ihm Marie und erklärt, der Tag werde kommen, an dem er sie wieder ganz besitzen werde. Brigitta, Pauls Haushälterin, kündigt ihm eine verschleierte Frau an. Daraufhin betritt die Tänzerin Marietta das Zimmer. Weil sie Marie sehr ähnlich sieht, gelingt es ihr, Paul in ihren Bann zu ziehen. Er gibt ihr die Laute und einen Schal seiner verstorbenen Frau, damit Marietta ihr noch ähnlicher sieht. Mit der Laute singt Marietta die Arie Glück, das mir verblieb. Als Marietta jedoch versehentlich ein Bild von Marie enthüllt, erschrickt Paul und Marietta verlässt das Gedenkzimmer.

2. Akt[Bearbeiten]

2. Akt: Taylan Reinhard als Victorin, Oper Graz 2015

Paul hat sich in Marietta verliebt und sucht sie. Diese befindet sich bei ihrer Theatergruppe, von Verehrern umringt. Paul beobachtet im Verborgenen, wie die Gruppe die Totenerweckung von Helene aus der Oper Robert der Teufel von Giacomo Meyerbeer probt. Anschließend wirft er ihr vor, dass er sie verachte, und sie nur liebte, da sie seiner verstorbenen Frau ähnelt. Marietta bietet nun alle ihre Verführungskünste auf, um ihm das Gegenteil zu beweisen.

3. Akt[Bearbeiten]

3. Akt: Zoltán Nyári als Paul, Oper Graz 2015

Marietta verlangt von Paul, entweder solle er sie ganz lieben oder überhaupt nicht. Sie fängt an, ihn zu provozieren, und nachdem sie dem Schrein eine Locke Mariens entnommen hat, beginnt Marietta vor Paul zu tanzen. Dies macht Paul derart wütend, dass er Marietta erwürgt.

Nun kommt Paul wieder zu sich und erkennt, dass die Handlung des zweiten und dritten Aktes nur ein Traum war. Marietta kommt wieder, um den Schirm und die Rosen mitzunehmen, die sie zu Ende des ersten Aktes vergessen hatte. Seinem Freund Frank schildert er seine Vision. Dieser rät ihm, die „Kirche des Gewesenen“ zu verlassen. Paul verspricht, dem Rat seines Freundes zu folgen und Brügge, die tote Stadt, auf immer zu verlassen.

Musik[Bearbeiten]

Im Gegensatz zur avantgardistischen Haltung der Wiener Schule rund um Schönberg, Berg und Webern, die Atonalität und später die Zwölftontechnik propagierten, pflegte der Komponist dieser Oper einen spätromantischen Stil, geprägt durch seinen Lehrer Alexander von Zemlinsky, Richard Wagners Chromatik und Leitmotiv-Technik, sowie die Orchestrierungstechnik von Richard Strauss.[3] Korngolds Partitur zeigt aber auch Einflüsse des Verismo Puccinis. Als berühmteste Nummern der Oper gelten das Duett zwischen Paul und Marietta „Glück, das mir verblieb“ (Mariettas Lied) und die schwärmerisch-melancholische Bariton-Arie „Mein Sehnen, mein Wähnen“.

Das Werk wurde vom Verlag B. Schott’s Söhne in Mainz veröffentlicht.

Nachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kultur/oper-die-tote-stadt-zwischen-traum-und-wirklichkeit-1881169.html
  2. Liste aller Aufführungen, Schott Music
  3. Thomas Schacher: Psychotherapie in drei Bildern, Neue Zürcher Zeitung, 12. Mai 2014

Weblinks[Bearbeiten]