Diego de Deza

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Diego de Deza

Diego Deza (* 1443 oder 1444[1] in Toro; † 9. Juni 1523) war ein spanischer Theologe und Inquisitor. Er war eine der maßgeblichen Persönlichkeiten der spanischen Inquisition und Nachfolger von Tomás de Torquemada im Amte des Großinquisitors.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diego de Deza trat im Alter von 16 Jahren dem Dominikanerorden bei.[2] Nach seinem Studium der Philosophie und der Theologie an der Universität Salamanca wurde er an den Hof der Katholischen Könige gerufen und unterrichtete Prinz Johann von Aragón und Kastilien, den einzigen überlebenden Sohn von König Ferdinand und Königin Isabella. Deza war es auch, der Christoph Columbus Zugang zum Königspaar verschaffte.

Bischof und Reformator der Bettelorden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diego de Deza war Bischof von Zamora (1487–1494), Bischof von Salamanca (1494–1498), Bischof von Jaén (1498–1500) und Bischof von Palencia (Februar 1500–1504). 1505 wurde schließlich zum Erzbischof von Sevilla ernannt.

Durch die Bulle Quanta in Dei Ecclesia vom 27. Juli 1493 hatte Papst Alexander VI. die Katholischen Könige ermächtigt, die Bettelorden zu reformieren.[3] Sie beauftragten damit Ordensleute, die ihr Vertrauen genossen, u.a. Diego de Deza und Gonzalo Jiménez de Cisneros.[4]

Großinquisitor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. November 1498 wurde Deza zum Großinquisitor für Kastilien, León und Granada ernannt. Am 1. September des darauf folgenden Jahres wurde seine Zuständigkeit auf ganz Spanien ausgedehnt. Wie sein Amtsvorgänger Torquemada hatte auch Deza eine ausgeprägte Abneigung gegen Konvertiten: Juden oder Muslime, die zum Christentum konvertiert waren, denen aber oft vorgeworfen wurde, heimlich ihren ursprünglichen Glauben beizubehalten.

Auch Deza wurde Übereifer und übermäßige Grausamkeit vorgeworfen; 1507 rief ihn der Papst öffentlich zu Mäßigung auf.

Abstieg und Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deza selbst wurde beschuldigt, heimlich die jüdische Religion zu praktizieren – ein Vorwurf, der vor allem darauf basierte, dass seine Mutter jüdischer Abstammung war. Nachdem König Ferdinand erneut geheiratet hatte, betrachtete er Deza als Risiko und zwang ihn 1507 zum Rücktritt.

1517 gründete Diego de Deza in Sevilla das Colegio de Santo Tomás. Er wurde zum Bischof von Toledo ernannt, konnte das Amt wegen Krankheit jedoch nicht mehr antreten und starb 1523.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Armando Cotarelo Valledor: Fray Diego de Deza. Ensayo biográfico. Imprenta de José Perales y Martínez, Madrid 1902 (online).
  • Mariano Alcocer y Martínez: Fray Diego de Deza y su intervención en el descubrimiento de América. Franco, Valladolid 1927.
  • Francisco Navajas: La doctrina de la Gracia en Diego de Deza O. P. (1443–1523). Diss. Pontificia Universitas Gregoriana, Rom 1959.
  • Gines Arimon: La teologia de la fe y fray Diego de Deza. Editorial Casulleras, Barcelona 1962.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Geburtsdatum ist nicht dokumentiert; sein Biograph Armando Cotarelo Valledor gibt – zurückgerechnet von einer späteren Altersangabe – als Zeitraum der Geburt an: „10 de Junio de 1443 al 8 del propio mes de 1444“ (zwischen dem 10. Juni 1443 und dem 8. Juni 1444); siehe: Fray Diego de Deza. Ensayo biográfico. José Perales y Martínez, Madrid 1902, S. 44.
  2. Armando Cotarelo Valledor: Fray Diego de Deza. Ensayo biográfico. José Perales y Martínez, Madrid 1902, S. 47.
  3. Mariano Delgado: Das spanische Jahrhundert (1492–1659). Politik – Religion – Wirtschaft – Kultur. Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG), Darmstadt 2016, ISBN 978-3-534-23953-5, S. 16.
  4. Alvaro Huerga: La potestad de orden según Diego de Deza. In: Revista española de teología, Jg. 36 (1976), Heft 3/4 (= Nr. 144/145), S. 261–285.