Dienstweg

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Der Begriff Dienstweg bezeichnet im Recht des Öffentlichen Dienstes ein bestimmtes innerdienstliches Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten sowie das dienstlich veranlasste Zurücklegen einer Wegstrecke außerhalb der Dienststelle.

Innerdienstliche Kommunikation[Bearbeiten]

Der Dienstweg bezeichnet in hierarchischen Linienorganisationen den vorgeschriebenen Weg für den Austausch von Informationen zwischen einzelnen Dienstposten und Dienststellen.[1] Neben "schlichten" Informationen sind damit auch Weisungen, Bitten, Anträge und dergleichen gemeint.

In § 12 der bis in das Jahr 2000 geltenden Fassung der Gemeinsamen Geschäftsordnung der Bundesministerien war geregelt, im täglichen Dienstverkehr zum Zwecke eines geordneten und flüssigen Verwaltungsablaufs grundsätzlich den Dienstweg einzuhalten.

Auf dem Dienstweg muss eine bestimmte Reihenfolge eingehalten werden, in der die jeweils zuständigen Vorgesetzten oder übergeordneten Dienststellen angesprochen werden. Auch kann z. B. ein Beamter nicht ohne weiteres einen Kollegen gleicher Ranghöhe in einer anderen Abteilung direkt ansprechen bzw. ihm dienstlich etwas mitteilen. In der Regel ist der Weg über die Vorgesetzten dieser Dienststellen zu wählen.

Der Vorteil des Dienstwegs besteht in der Transparenz des Verfahrens und der klaren Kompetenzzuweisung an die im Dienstweg enthaltenen Stufen. Nachteilig wirkt sich dagegen in der Praxis die damit automatisch verbundene Kompetenzbeschränkung der auf einer bestimmten Stufe jeweils Handelnden aus, die sich bei ihren Entscheidungen auf den ihnen gesetzten Kompetenzrahmen zurückziehen können, ohne eventuell damit verbundene übergeordnete Konsequenzen beachten zu müssen, da sie hierfür „nicht zuständig“ sind. Ebenso nachteilig wirken sich vielfach gestufte Dienstwege auf eine schnelle Entscheidungsfindung und die generelle Geschwindigkeit der Aufgabenerledigung aus. Informelle Kanäle spielen bei Projekten unter Zeitdruck gerade in der öffentlichen Verwaltung und im Militär daher eine kaum zu unterschätzende Rolle, wobei der Dienstweg nach Ende der informellen Absprachen lediglich noch zur Wahrung der formellen Rechtmäßigkeit des Verwaltungshandelns Anwendung findet. Veranschaulicht wird diese Problematik unter der verbreiteten Ironie: „Will man Käse, muss man Milch auf dem Dienstweg verschicken“.

Dienstwege finden sich vor allem in bürokratischen, hierarchisch ausgerichteten Institutionen (besonders ausgeprägt beim Militär) und werden durch Dienstvorschriften, manchmal auch durch Gesetze verbindlich geregelt. Beispielsweise haben Beamtinnen und Beamte Bedenken gegen die Rechtmäßigkeit dienstlicher Anordnungen unverzüglich auf dem Dienstweg geltend zu machen (§ 36 Abs. 2 Beamtenstatusgesetz).

Umgehungen des Dienstweges können dienstrechtlich geahndet werden und sind nicht selten. Diese unbürokratischen, informellen Wege werden im Behördenjargon auch Kleiner Dienstweg oder Kurzer Dienstweg genannt. Der Begriff wird auch euphemistisch für Phänomene wie die Vetternwirtschaft verwendet.

Zurücklegen einer Wegstrecke[Bearbeiten]

Ein Dienstweg, der nur vom Bahnpersonal benutzt werden darf.

In den Reisekostenordnungen von Behörden oder Ämtern können auch zu Fuß zurückgelegte Strecken (Dienstgänge, Dienstwege) eigens geregelt werden. Der Dienstweg wird hier oft im Gegensatz zur Dienstreise als dienstlich veranlasster Weg definiert, der innerhalb des Stadtgebiets bewältigt wird oder innerhalb eines Tages, also ohne Übernachtung, absolviert werden kann. Ein Unfall auf einem solchen Dienstweg ist ein Dienstunfall und begründet eine Haftung des Dienstherrn. Gleiches gilt für sogenannte Fiskalfahrten mit Dienstkraftfahrzeugen.

Bei der Deutschen Reichsbahn bezeichnete der Dienstweg die Wege von und zum Dienst, die die Mitarbeiter benutzen mussten, um gefahrlos ihr Ziel zu erreichen (Arbeitsschutz). Auch heute werden in der Eisenbahnbranche umgangssprachlich Wege vom und zum Arbeitsplatz „Dienstweg“ genannt. Oft führen diese Dienstwege auch über Bahnanlagen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian Dirks, Hermann Simon (Hg): ...auf dem Dienstweg: Die Verfolgung von Beamten, Angestellten und Arbeitern der Stadt Berlin 1933 bis 1945. Schriftenreihe des Centrum Judaicum, Berlin 2010. ISBN 978-3941450240

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Dienstweg – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Burkhardt Krems: Verwaltungsmanagementlehre Online-Verwaltungslexikon, Studientext, 2015
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